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Genitiv-Problem
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Manfred Russ
2019-03-12 21:43:01 UTC
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Mir liegt hier ein Artikel vor, in dem es um das Thema "Japan und Onsen
und der Umgang mit tätowierten Kunden im Vorfeld der
Rugby-Weltmeisterschaft" geht.

Der Artikel ist voll mit schrägen Sätzen. Aber mit einem - obwohl nicht
schräg, sondern direkt verständlich - habe ich ein Problem, und zwar mit
dem abschließenden Genititv.

Zitat:
|20 Autominuten von Hoyoland entfernt baden die Gäste hier nicht im
|Schlamm, sondern in kristallklarem Wasser aller möglicher Temperaturen.

Mit kommt das falsch vor. Oder zumindest etwas schräg. Ich kann aber
nicht sagen, warum.
Lars Bräsicke
2019-03-12 22:08:40 UTC
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Post by Manfred Russ
Mir liegt hier ein Artikel vor, in dem es um das Thema "Japan und Onsen
und der Umgang mit tätowierten Kunden im Vorfeld der
Rugby-Weltmeisterschaft" geht.
Der Artikel ist voll mit schrägen Sätzen. Aber mit einem - obwohl nicht
schräg, sondern direkt verständlich - habe ich ein Problem, und zwar mit
dem abschließenden Genititv.
|20 Autominuten von Hoyoland entfernt baden die Gäste hier nicht im
|Schlamm, sondern in kristallklarem Wasser aller möglicher Temperaturen.
Mit kommt das falsch vor. Oder zumindest etwas schräg. Ich kann aber
nicht sagen, warum.
aller mögliche_n_ Temperaturen
Stefan Schmitz
2019-03-13 17:43:23 UTC
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Post by Lars Bräsicke
Post by Manfred Russ
Mir liegt hier ein Artikel vor, in dem es um das Thema "Japan und Onsen
und der Umgang mit tätowierten Kunden im Vorfeld der
Rugby-Weltmeisterschaft" geht.
Der Artikel ist voll mit schrägen Sätzen. Aber mit einem - obwohl nicht
schräg, sondern direkt verständlich - habe ich ein Problem, und zwar mit
dem abschließenden Genititv.
|20 Autominuten von Hoyoland entfernt baden die Gäste hier nicht im
|Schlamm, sondern in kristallklarem Wasser aller möglicher Temperaturen.
Mit kommt das falsch vor. Oder zumindest etwas schräg. Ich kann aber
nicht sagen, warum.
aller mögliche_n_ Temperaturen
Das war mir gar nicht aufgefallen.

Ich habe einen semantischen Fehler gesehen. Das kristallklare Wasser hat eine
bestimmte Temperatur und nicht alle möglichen.
Lars Bräsicke
2019-03-13 19:48:45 UTC
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Post by Stefan Schmitz
Post by Lars Bräsicke
Post by Manfred Russ
Mir liegt hier ein Artikel vor, in dem es um das Thema "Japan und Onsen
und der Umgang mit tätowierten Kunden im Vorfeld der
Rugby-Weltmeisterschaft" geht.
Der Artikel ist voll mit schrägen Sätzen. Aber mit einem - obwohl nicht
schräg, sondern direkt verständlich - habe ich ein Problem, und zwar mit
dem abschließenden Genititv.
|20 Autominuten von Hoyoland entfernt baden die Gäste hier nicht im
|Schlamm, sondern in kristallklarem Wasser aller möglicher Temperaturen.
Mit kommt das falsch vor. Oder zumindest etwas schräg. Ich kann aber
nicht sagen, warum.
aller mögliche_n_ Temperaturen
Das war mir gar nicht aufgefallen.
Ich habe einen semantischen Fehler gesehen. Das kristallklare Wasser hat eine
bestimmte Temperatur und nicht alle möglichen.
Nein, es kann alle möglichen Temperaturen haben (badefähig sind davon
nur einige), sogar gleichzeitig, sofern keine Vermischung eintritt.
Badet man in einem See und taucht, so badet man schon allein deswegen in
verschieden temperiertem Wasser: oben warm, unten kalt.
Es sind indes keine Wässer, sondern immer nur das eine Wasser.

"(Er handelt mit) Kies aller möglichen Korngrößen" oder "Mehl aller
möglichen Typen" wären vergleichbare, eigtl. unauffällige Beispiele
(selbst wenn man hier immerhin von Kiesen und Mehlen sprechen könnte).

"Temperaturen" klingt etwas komisch und ich hätte wohl "jeder möglichen
Temperatur" gesagt, aber das trifft auf andere Messgrößen genauso zu
(auch auf die Korngröße beim Kies). Plural ist aber sicher nicht falsch.


Ach ja: Und bezahlen lässt sich der Kieshändler mit Geld aller möglichen
Währungen.
Stefan Schmitz
2019-03-13 20:05:11 UTC
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Post by Lars Bräsicke
Post by Stefan Schmitz
Ich habe einen semantischen Fehler gesehen. Das kristallklare Wasser hat eine
bestimmte Temperatur und nicht alle möglichen.
Nein, es kann alle möglichen Temperaturen haben (badefähig sind davon
nur einige), sogar gleichzeitig, sofern keine Vermischung eintritt.
Badet man in einem See und taucht, so badet man schon allein deswegen in
verschieden temperiertem Wasser: oben warm, unten kalt.
Es sind indes keine Wässer, sondern immer nur das eine Wasser.
"(Er handelt mit) Kies aller möglichen Korngrößen" oder "Mehl aller
möglichen Typen" wären vergleichbare, eigtl. unauffällige Beispiele
(selbst wenn man hier immerhin von Kiesen und Mehlen sprechen könnte).
Beim Handeln ist klar, dass es um das gesamte Sortiment geht und nicht um
eine konkrete Instanz. Das Wasser, in dem die Gäste baden, ist für mich
aber letzteres.

Was hältst du denn von einem Sack Mehl aller möglichen Typen?
Post by Lars Bräsicke
Ach ja: Und bezahlen lässt sich der Kieshändler mit Geld aller möglichen
Währungen.
Und der Käufer gibt ihm Geld aller möglichen Währungen?
Lars Bräsicke
2019-03-14 16:35:45 UTC
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Post by Stefan Schmitz
Was hältst du denn von einem Sack Mehl aller möglichen Typen?
Je ein Sack pro Type oder alle Typen in einem Sack?
Letzteres wäre etwas suboptimal, aber sprachlich genauso unauffällig.
U***@web.de
2019-03-14 16:49:36 UTC
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Post by Lars Bräsicke
Post by Stefan Schmitz
Was hältst du denn von einem Sack Mehl aller möglichen Typen?
Je ein Sack pro Type oder alle Typen in einem Sack?
Letzteres wäre etwas suboptimal, aber sprachlich genauso unauffällig.
Und daher formuliert man vielleicht nicht ungern:

je ein Sack Mehl aller möglichen Typen.

Gruß, ULF
H.-P. Schulz
2019-03-14 18:47:32 UTC
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Post by U***@web.de
Post by Lars Bräsicke
Post by Stefan Schmitz
Was hältst du denn von einem Sack Mehl aller möglichen Typen?
Je ein Sack pro Type oder alle Typen in einem Sack?
Letzteres wäre etwas suboptimal, aber sprachlich genauso unauffällig.
je ein Sack Mehl aller möglichen Typen.
"Je ein Sack Mehl aller Typen" reicht, denn die Mehltypen sind eine
definierte, sozusagen geschlossene Menge.
Roland Franzius
2019-03-13 20:31:26 UTC
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Post by Lars Bräsicke
Ach ja: Und bezahlen lässt sich der Kieshändler mit Geld aller möglichen
Währungen.
.. aller möglichen und unmöglicher Herren Länder ...
--
Roland Franzius
H.-P. Schulz
2019-03-13 10:09:05 UTC
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Post by Manfred Russ
Mir liegt hier ein Artikel vor, in dem es um das Thema "Japan und Onsen
und der Umgang mit tätowierten Kunden im Vorfeld der
Rugby-Weltmeisterschaft" geht.
Der Artikel ist voll mit schrägen Sätzen. Aber mit einem - obwohl nicht
schräg, sondern direkt verständlich - habe ich ein Problem, und zwar mit
dem abschließenden Genititv.
|20 Autominuten von Hoyoland entfernt baden die Gäste hier nicht im
|Schlamm, sondern in kristallklarem Wasser aller möglicher Temperaturen.
korrekt

... aber "anything goes" gestattet sicherlich auch 'möglichen'.
Roland Franzius
2019-03-13 11:47:36 UTC
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Post by H.-P. Schulz
Post by Manfred Russ
Mir liegt hier ein Artikel vor, in dem es um das Thema "Japan und Onsen
und der Umgang mit tätowierten Kunden im Vorfeld der
Rugby-Weltmeisterschaft" geht.
Der Artikel ist voll mit schrägen Sätzen. Aber mit einem - obwohl nicht
schräg, sondern direkt verständlich - habe ich ein Problem, und zwar mit
dem abschließenden Genititv.
|20 Autominuten von Hoyoland entfernt baden die Gäste hier nicht im
|Schlamm, sondern in kristallklarem Wasser aller möglicher Temperaturen.
korrekt
... aber "anything goes" gestattet sicherlich auch 'möglichen'.
Wie erklärst du dann das Diagramm in

https://books.google.com/ngrams/graph?content=aller+m%C3%B6glichen%2C+aller++m%C3%B6glicher&case_insensitive=on&year_start=1800&year_end=2000&corpus=20&smoothing=3&share=&direct_url=t1%3B%2Caller%20m%C3%B6glichen%3B%2Cc0%3B.t1%3B%2Caller%20m%C3%B6glicher%3B%2Cc0
--
Roland Franzius
Stefan Ram
2019-03-13 14:30:17 UTC
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Post by Roland Franzius
Wie erklärst du dann das Diagramm in
"All-" verbraucht die starke Beugung, wie Helmut Richter
sagen würde. Also heißt es im Genitiv "aller möglichen",
weil "möglich" in die schwache Beugung fällt.

Siehe auch "weak position" in

hhr-m.userweb.mwn.de/de-decl/phrase/

.
Ralf Joerres
2019-03-14 10:06:33 UTC
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Post by Roland Franzius
Post by H.-P. Schulz
Post by Manfred Russ
Mir liegt hier ein Artikel vor, in dem es um das Thema "Japan und Onsen
und der Umgang mit tätowierten Kunden im Vorfeld der
Rugby-Weltmeisterschaft" geht.
Der Artikel ist voll mit schrägen Sätzen. Aber mit einem - obwohl nicht
schräg, sondern direkt verständlich - habe ich ein Problem, und zwar mit
dem abschließenden Genititv.
|20 Autominuten von Hoyoland entfernt baden die Gäste hier nicht im
|Schlamm, sondern in kristallklarem Wasser aller möglicher Temperaturen.
korrekt
... aber "anything goes" gestattet sicherlich auch 'möglichen'.
Wie erklärst du dann das Diagramm in
https://books.google.com/ngrams/graph?content=aller+m%C3%B6glichen%2C+aller++m%C3%B6glicher&case_insensitive=on&year_start=1800&year_end=2000&corpus=20&smoothing=3&share=&direct_url=t1%3B%2Caller%20m%C3%B6glichen%3B%2Cc0%3B.t1%3B%2Caller%20m%C3%B6glicher%3B%2Cc0
Sehr guter Einwand! Vielleicht gibt es da einen Bedeutungsunterschied:
- alle(r) möglichen = Sammelsurium von, kunterbuntes Durcheinander
- aller möglicher = aller denkbaren/denkbarer (?)

Im Bereich der Indefinita und Artverwandter gibt es im attributiven Gebrauch
große Unsicherheiten bei der Deklination nachfolgender Adjektive. Mein
Standardbeispiel ist immer 'folgende': 'folgendes interessante/s Beispiel'.
'Folgend/e/r/s' ist kein Indefinitum, da es aber die Definitheit eines
Nomens stiften kann (ich meine genau das nächst-folgende), wachsen ihm
Eigenschaften eines Artikels zu. Als quasi definiter Artikel verlangt es
die schwache Deklination eines nachfolgenden Adjektivs, als Quasi-Adjektiv
die starke = parallele Beugung. Die Duden-Grammatik (Ausgabe 2006) hat einen
ganzen Katalog dieser Grenzgänger ab Seite 970 / Randziffer 1526. Für 'alle'
steht dort, dass ein nachfolgendes Adjektiv (auch substantiviert) schwach zu
beugen ist. Es heißt also 'alle Anwesenden' und nicht 'alle Anwesende'.
Das bestätigt die Aussage der von Dir verlinkten Grafik. [Wieder so ein
Satz, bei dem nicht klar ist, was Subjekt und was Objekt ist.]

Gruß Ralf Joerres
H.-P. Schulz
2019-03-14 10:36:06 UTC
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Post by Roland Franzius
Post by H.-P. Schulz
Post by Manfred Russ
Mir liegt hier ein Artikel vor, in dem es um das Thema "Japan und Onsen
und der Umgang mit tätowierten Kunden im Vorfeld der
Rugby-Weltmeisterschaft" geht.
Der Artikel ist voll mit schrägen Sätzen. Aber mit einem - obwohl nicht
schräg, sondern direkt verständlich - habe ich ein Problem, und zwar mit
dem abschließenden Genititv.
|20 Autominuten von Hoyoland entfernt baden die Gäste hier nicht im
|Schlamm, sondern in kristallklarem Wasser aller möglicher Temperaturen.
korrekt
... aber "anything goes" gestattet sicherlich auch 'möglichen'.
Wie erklärst du dann das Diagramm in
https://books.google.com/ngrams/graph?content=aller+m%C3%B6glichen%2C+aller++m%C3%B6glicher&case_insensitive=on&year_start=1800&year_end=2000&corpus=20&smoothing=3&share=&direct_url=t1%3B%2Caller%20m%C3%B6glichen%3B%2Cc0%3B.t1%3B%2Caller%20m%C3%B6glicher%3B%2Cc0
Voraus: Wie stets, so kann auch hier schlechter Stil nicht
beanspruchen, grammatisch sauber analysiert zu werden.

Das grammatische Problem ist hier die "Fernwirkung" starker Flektion.
Verhält sich 'all-' vollumfänglich wie ein Artikel? Lautete die
Antwort Ja, wäre der Fall klar zugunsten 'möglichen' entschieden.
Aber eben genau daran habe ich Zweifel, die ich auch begründen kann.

Die stilistische Schwäche ist hier das Wort 'möglich'. Sicherlich wird
nicht in Wasser von zB 90°C gebadet, obwohl auch diese Temperatur in
'alle möglichen' eingeschlossen wäre.
Hieße es stattdessen "... in Becken mit kristallklarem Wasser
unterschiedlicher Temperatur ...", gäbe es die fragliche Stelle mit
'aller möglicher" gar nicht.

Wenn man mal vom schlechten Stil und dem gegebenen Zusammenhang
absieht, ist ja die Wendung "alles mögliche" nicht gerade selten, und
zwar sowohl als Modifizierer (alle möglichen Sprachen, alle möglichen
Insekten - im Sinne von: viele unterschiedliche) als auch als
"Standalone", als Substantivsubstitut (Sie beredeten alles mögliche,
er kaufte alles mögliche ein - im Sinne von: dies und das; eine
relativ nicht kleine Anzahl unterschiedlicher Dinge).
Ganz allgemein ist die Wendung [quantifier+qualifier] ziemlich häufig,
und die Regel von der Starken Beugung, die sich im ersten Wort quasi
"verbrauche", so dass das folgende (oder die folgenden) umstandslos
schwach gebeugt würde, ist nicht gut haltbar.

Man sehe:

"angesichts der guten Wünsche ..."

"angesichts der vielen guten Wünsche ..." (hier also Artikel *und*
Qantifizierer!)


und dann aber, ohne Artikel:

"angesichts vieler guter Wünsche ..."

aber
*"angesichts vieler guten Wünsche ..."

Hier wirkt 'viel-' - das, was die Artikelvalenz betrifft, zweifellos
dem 'all-' völlig analog geht - nicht schwächend auf die Beugung von
'gut'.

Weiteres Beispiel:

"Trotz der dummen Fehler ..."

"Trotz der paar dummen Fehler ..."

und dann aber, ohne Artikel:

"Trotz dummer Fehler ..."
"Trotz ein paar dummer Fehler ..."

aber
*"Trotz ein paar dummen Fehler ..."

Das ist die Begründung meines Gebrauchs der Starken Beugung in 'all-
möglich-".
Ralf Joerres
2019-03-14 11:45:07 UTC
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Post by H.-P. Schulz
Post by Roland Franzius
Post by H.-P. Schulz
Post by Manfred Russ
Mir liegt hier ein Artikel vor, in dem es um das Thema "Japan und Onsen
und der Umgang mit tätowierten Kunden im Vorfeld der
Rugby-Weltmeisterschaft" geht.
Der Artikel ist voll mit schrägen Sätzen. Aber mit einem - obwohl nicht
schräg, sondern direkt verständlich - habe ich ein Problem, und zwar mit
dem abschließenden Genititv.
|20 Autominuten von Hoyoland entfernt baden die Gäste hier nicht im
|Schlamm, sondern in kristallklarem Wasser aller möglicher Temperaturen.
korrekt
... aber "anything goes" gestattet sicherlich auch 'möglichen'.
Wie erklärst du dann das Diagramm in
https://books.google.com/ngrams/graph?content=aller+m%C3%B6glichen%2C+aller++m%C3%B6glicher&case_insensitive=on&year_start=1800&year_end=2000&corpus=20&smoothing=3&share=&direct_url=t1%3B%2Caller%20m%C3%B6glichen%3B%2Cc0%3B.t1%3B%2Caller%20m%C3%B6glicher%3B%2Cc0
Voraus: Wie stets, so kann auch hier schlechter Stil nicht
beanspruchen, grammatisch sauber analysiert zu werden.
Das grammatische Problem ist hier die "Fernwirkung" starker Flektion.
Verhält sich 'all-' vollumfänglich wie ein Artikel? Lautete die
Antwort Ja, wäre der Fall klar zugunsten 'möglichen' entschieden.
Aber eben genau daran habe ich Zweifel, die ich auch begründen kann.
Die später folgenden Beispiele sind interessant, die muss ich mir mal in
Ruhe ansehen. Hier vorab eine Bemerkung: Massenhaft beobachtbare sprachliche
Äußerungen lassen sich nicht durch Werturteile aus der Welt schaffen. Das
ist schlichtweg unwissenschaftlich. An dem von Roland Franzius herbeizitierten
Google Ngram Viewer-Befund kommt man erst mal nicht vorbei. Zum Teil erklärt
sich das daraus, dass 'alle + möglichen' sehr oft in Kombination auftreten und
eine spezielle Bedeutung haben, es ist in dieser Kombination sozusagen die
Pluralform von 'irgendein' und gleichbedeutend mit 'irgendwelche'. Es gibt
andere mehrwortige Kombinationen mit Artikelqualität, z.B. 'was für ein',
'ein beliebiger' (= irgendein), 'ein paar', 'ein bisschen'...
Post by H.-P. Schulz
Die stilistische Schwäche ist hier das Wort 'möglich'. Sicherlich wird
nicht in Wasser von zB 90°C gebadet, obwohl auch diese Temperatur in
'alle möglichen' eingeschlossen wäre.
Hieße es stattdessen "... in Becken mit kristallklarem Wasser
unterschiedlicher Temperatur ...", gäbe es die fragliche Stelle mit
'aller möglicher" gar nicht.
oder: 'von unterschiedlicher Temperatur'. Meine Vermutung ist jedoch, dass
der Schreiber auf so etwas wie 'luxuriöse Bedingungen' hinauswill, sie
zumindest konnotiert haben will, da wäre dann 'jeder (nur) gewünschten
Temperatur' auch nicht schlecht passend.
Post by H.-P. Schulz
Wenn man mal vom schlechten Stil und dem gegebenen Zusammenhang
absieht, ist ja die Wendung "alles mögliche" nicht gerade selten, und
zwar sowohl als Modifizierer (alle möglichen Sprachen, alle möglichen
Insekten - im Sinne von: viele unterschiedliche) als auch als
"Standalone", als Substantivsubstitut (Sie beredeten alles mögliche,
er kaufte alles mögliche ein - im Sinne von: dies und das; eine
relativ nicht kleine Anzahl unterschiedlicher Dinge).
Letzteres scheint mir die Hauptbedeutung von 'alle möglichen' zu sein:
ein gewisses Durcheinander verschiedener Dinge, nicht selten mit einem
Quäntchen Herablassung im Ton bzw. in der Perspektive.
Post by H.-P. Schulz
Ganz allgemein ist die Wendung [quantifier+qualifier] ziemlich häufig,
und die Regel von der Starken Beugung, die sich im ersten Wort quasi
"verbrauche", so dass das folgende (oder die folgenden) umstandslos
schwach gebeugt würde, ist nicht gut haltbar.
So eine Regel kann es mal gegeben haben, und völliger Quatsch ist die auch
nicht, sogar wenn zwei unzweifelhafte Adjektive vor ein Nomen treten, kommt
diese Regel gelegentlich zur Anwendung, was sie eigentlich nicht dürfte:
'mit klarem kalten Wasser' - aber natürlich auch 'mit klarem kaltem Wasser',
dann vielleicht mit der Andeutung eines gedanklichen Kommas zwischen den
Adjektiven.
Post by H.-P. Schulz
"angesichts der guten Wünsche ..."
"angesichts der vielen guten Wünsche ..." (hier also Artikel *und*
Qantifizierer!)
'Quantifizierer' ist keine einheitliche grammatische Kategorie, deren
Elemente sich syntaktisch unter einen Hut bringen ließen. Dazu gehören
Artikel, sogenannte Zahlwörter, Co-Artikel (all, manch), Artikelphrasen
(all die vielen), Adjektive (gesamt), Adjektivphrasen (zahlreiche sich
voneinander unterscheidende), Indefinita (etliche/r/s) usw., wobei die
Grenzen nicht klar zu ziehen sind.
Post by H.-P. Schulz
"angesichts vieler guter Wünsche ..."
aber
*"angesichts vieler guten Wünsche ..."
Da wär ich mir nicht so sicher: 'mit vielem kalten Wasser' geht, aber wohl
immer: 'bei Einbeziehung vieler neuer Forschungsergebnisse'. Bei 'viel'
besteht das Problem der Konkurrenz mit endungslosem Gebrauch, vielleicht
vermischen sich die Formen dadurch im Gebrauch: vieles altes Zeug, vieles
alte Zeug, viel altes Zeug, viele alte Sachen, viele alten Sachen - da kann
man schonmal durcheinanderkommen, als Ausländer sowieso, aber auch als
Deutscher.
Post by H.-P. Schulz
Hier wirkt 'viel-' - das, was die Artikelvalenz betrifft, zweifellos
dem 'all-' völlig analog geht
- nicht schwächend auf die Beugung von
Post by H.-P. Schulz
'gut'.
"Trotz der dummen Fehler ..."
"Trotz der paar dummen Fehler ..."
Schönes Beispiel: Definitartikel + undeklinierbarer Quantifizierer + Adj.
schwach, weil der Definitartikel das so verlangt.
Post by H.-P. Schulz
"Trotz dummer Fehler ..."
"Trotz ein paar dummer Fehler ..."
aber
*"Trotz ein paar dummen Fehler ..."
Aufpassen: 'trotz' wird oft, alltagssprachlich womöglich in der Regel, mit
Dativ konstruiert, also heißt es durchaus 'trotz ein paar dummen Fehlern
bekam er noch ein 'Sehr gut'. Wie wäre es mit 'einiger'. 'Trotz einiger
... Fehler' (für mich 'dummer', aber auch wieder dativisch 'trotz einigen
dummen Fehlern').
Post by H.-P. Schulz
Das ist die Begründung meines Gebrauchs der Starken Beugung in 'all-
möglich-".
Und weil das Deine Begründung ist, ist das guter Stil, und was andere anders
schreiben, schlechter Stil?

Gruß Ralf Joerres
H.-P. Schulz
2019-03-14 13:20:01 UTC
Antworten
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Post by Ralf Joerres
Und weil das Deine Begründung ist, ist das guter Stil, und was andere anders
schreiben, schlechter Stil?
Verkorkste Grammatik ist regelmäßig *Folge* schlechten Stils, ist
nicht selbst schlechter Stil. Es gibt Beispiele guten Stils trotz
mitunter heftiger grammatikalischer Schnitzer. Goethe ist da nur das
prominenteste.

Schlechter Stil besteht zumeist aus einer oder mehreren der folgenden
Zutaten:

- Wahl des falschen Wortes (das ist die bei weitem häufigste Zutat!)

- Nichtbeherrschung des gewählten Satzbauplans; Vermengung mehrer
Satzbaupläne

- Unklarheit des Ausdrucksplans (also darüber, was, genau, eigentlich
gesagt werden soll)

- Satzlängen-Inflation (etwas, das in einem Satz von zehn Wörtern
gesagt werden könnte (sollte!), zu einem zwanzig-Wort-Satz aufblähen;
auch das Zusammenziehen zu einem Satz, was besser in zwei Sätzen
stände)

(Liste nicht erschöpfend)
U***@web.de
2019-03-14 13:23:33 UTC
Antworten
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Post by H.-P. Schulz
Post by Ralf Joerres
Und weil das Deine Begründung ist, ist das guter Stil, und was andere anders
schreiben, schlechter Stil?
Verkorkste Grammatik ist regelmäßig *Folge* schlechten Stils, ist
nicht selbst schlechter Stil. Es gibt Beispiele guten Stils trotz
mitunter heftiger grammatikalischer Schnitzer. Goethe ist da nur das
prominenteste.
Schlechter Stil besteht zumeist aus einer oder mehreren der folgenden
- Wahl des falschen Wortes (das ist die bei weitem häufigste Zutat!)
Gerne auch in Vermanschung idiomatischer Ausdrücke.
Das schlägt dem Faß die Krone aus.
Ralf Joerres
2019-03-14 15:02:07 UTC
Antworten
Permalink
Post by U***@web.de
Post by H.-P. Schulz
Post by Ralf Joerres
Und weil das Deine Begründung ist, ist das guter Stil, und was andere anders
schreiben, schlechter Stil?
Verkorkste Grammatik ist regelmäßig *Folge* schlechten Stils, ist
nicht selbst schlechter Stil. Es gibt Beispiele guten Stils trotz
mitunter heftiger grammatikalischer Schnitzer. Goethe ist da nur das
prominenteste.
Schlechter Stil besteht zumeist aus einer oder mehreren der folgenden
- Wahl des falschen Wortes (das ist die bei weitem häufigste Zutat!)
Gerne auch in Vermanschung idiomatischer Ausdrücke.
Das schlägt dem Faß die Krone aus.
... das muss man sich mal auf der Zunge ... ehhh ... vorstellen (Rolf Miller)

Ralf Joerres
HC Ahlmann
2019-03-14 17:50:18 UTC
Antworten
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Post by H.-P. Schulz
Post by Ralf Joerres
Und weil das Deine Begründung ist, ist das guter Stil, und was andere anders
schreiben, schlechter Stil?
Verkorkste Grammatik ist regelmäßig *Folge* schlechten Stils, ist
nicht selbst schlechter Stil. Es gibt Beispiele guten Stils trotz
mitunter heftiger grammatikalischer Schnitzer. Goethe ist da nur das
prominenteste.
Schlechter Stil besteht zumeist aus einer oder mehreren der folgenden
(...)
Post by H.-P. Schulz
- Satzlängen-Inflation (etwas, das in einem Satz von zehn Wörtern
gesagt werden könnte (sollte!), zu einem zwanzig-Wort-Satz aufblähen;
auch das Zusammenziehen zu einem Satz, was besser in zwei Sätzen
stände)
Einunddreißig Worte und dann ist es nicht einmal ein Satz. :-)

Ich habe in Schulbuch-Manuskripten oft mit zu kurzen Sätzen zu kämpfen,
die den Gedanken nicht fassen. Die Satzlänge muss zum Gedanken passen;
bei vielen Bedingungen kommt auch mal ein Bandwurm heraus.
Post by H.-P. Schulz
(Liste nicht erschöpfend)
- dass-Sätze (es kommt darauf an, dass ... statt es kommt auf ... an),
gern verschachtelt oder inflationär gebraucht

- "englische" Wortstellung, z.b. bei Kombination von Hilfsverb und Verb:
"Wir müssen uns anstrengen mit der Integration."
--
Munterbleiben
HC

<http://hc-ahlmann.gmxhome.de/> Bordkassen, Kochen an Bord, Törnberichte
H.-P. Schulz
2019-03-14 18:43:49 UTC
Antworten
Permalink
Post by HC Ahlmann
Post by H.-P. Schulz
- Satzlängen-Inflation (etwas, das in einem Satz von zehn Wörtern
gesagt werden könnte (sollte!), zu einem zwanzig-Wort-Satz aufblähen;
auch das Zusammenziehen zu einem Satz, was besser in zwei Sätzen
stände)
Einunddreißig Worte und dann ist es nicht einmal ein Satz. :-)
Ist ja auch ein Spiegelstrich-Eintrag. ;-)
Post by HC Ahlmann
Ich habe in Schulbuch-Manuskripten oft mit zu kurzen Sätzen zu kämpfen,
die den Gedanken nicht fassen. Die Satzlänge muss zum Gedanken passen;
bei vielen Bedingungen kommt auch mal ein Bandwurm heraus.
Post by H.-P. Schulz
(Liste nicht erschöpfend)
- dass-Sätze (es kommt darauf an, dass ... statt es kommt auf ... an),
gern verschachtelt oder inflationär gebraucht
Tja, Infinitivperioden sind sone Sache, nicht jedermanns!
Post by HC Ahlmann
"Wir müssen uns anstrengen mit der Integration."
Und erst recht bei Kausalsätzen:

"Sie konnte den zugesagten Termin nicht halten, weil, die Zuarbeiter
waren sämtlich niedergestreckt von der Grippe."

Dergleichen ist aber schon nichtmal mehr schlechter Stil, sondern
schlicht Dummdeutsch.
HC Ahlmann
2019-03-15 19:22:44 UTC
Antworten
Permalink
Post by H.-P. Schulz
Post by HC Ahlmann
"Wir müssen uns anstrengen mit der Integration."
"Sie konnte den zugesagten Termin nicht halten, weil, die Zuarbeiter
waren sämtlich niedergestreckt von der Grippe."
Dergleichen ist aber schon nichtmal mehr schlechter Stil, sondern
schlicht Dummdeutsch.
Solche Satzkonstruktionen stehen in Manuskripten und werden mit Nähe zur
Zielgruppe Berufsschüler begründet. Kann man machen, muss man aber
nicht.
--
Munterbleiben
HC

<http://hc-ahlmann.gmxhome.de/> Bordkassen, Kochen an Bord, Törnberichte
Christina Kunze
2019-03-15 05:42:58 UTC
Antworten
Permalink
Post by HC Ahlmann
Einunddreißig Worte und dann ist es nicht einmal ein Satz. :-)
Wörter!

Eine Reverenz an den großen Pluralpuristen.

rip

chr
Martin Gerdes
2019-03-15 17:05:21 UTC
Antworten
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Post by HC Ahlmann
Post by H.-P. Schulz
- Satzlängen-Inflation (etwas, das in einem Satz von zehn Wörtern
gesagt werden könnte (sollte!), zu einem zwanzig-Wort-Satz aufblähen;
auch das Zusammenziehen zu einem Satz, was besser in zwei Sätzen
stände)
Einunddreißig Worte und dann ist es nicht einmal ein Satz. :-)
_Wörter_.

Reinhold ist ja von uns gegangen, also muß ich es wohl machen. :-)
(Puevfgvan jne fpuaryyre.)
Post by HC Ahlmann
Ich habe in Schulbuch-Manuskripten oft mit zu kurzen Sätzen zu kämpfen,
^^^^^^^^^^
Post by HC Ahlmann
die den Gedanken nicht fassen. Die Satzlänge muss zum Gedanken passen;
bei vielen Bedingungen kommt auch mal ein Bandwurm heraus.
Post by H.-P. Schulz
(Liste nicht erschöpfend)
- dass-Sätze (es kommt darauf an, dass ... statt es kommt auf ... an),
gern verschachtelt oder inflationär gebraucht
"Wir müssen uns anstrengen mit der Integration."
Was ist dagegen einzuwenden?

Ich ziehe das Verb gern vor, Du übrigens in Deinem obigen Beispielsatz
auch. Ein Beckmesser könnte Nachklapp verlangen.
HC Ahlmann
2019-03-15 19:22:44 UTC
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Post by Martin Gerdes
Post by HC Ahlmann
Post by H.-P. Schulz
- Satzlängen-Inflation (etwas, das in einem Satz von zehn Wörtern
gesagt werden könnte (sollte!), zu einem zwanzig-Wort-Satz aufblähen;
auch das Zusammenziehen zu einem Satz, was besser in zwei Sätzen
stände)
Einunddreißig Worte und dann ist es nicht einmal ein Satz. :-)
_Wörter_.
Nur meist, wie der Duden schreibt:
| Der Plural "Wörter" wird meist für Einzelwort oder vereinzelte Wörter
| ohne Rücksicht auf den Zusammenhang gebraucht:
| [Beispiele]
| Der Plural "Worte" wird meist für Äußerung, Ausspruch, Beteuerung,
| Erklärung, Begriff, Zusammenhängendes oder bedeutsame einzelne Wörter
| gebraucht:
| [Beispiele]
<https://www.duden.de/rechtschreibung/Wort>
Post by Martin Gerdes
Reinhold ist ja von uns gegangen, also muß ich es wohl machen. :-)
(Puevfgvan jne fpuaryyre.)
Post by HC Ahlmann
Ich habe in Schulbuch-Manuskripten oft mit zu kurzen Sätzen zu kämpfen,
^^^^^^^^^^
Post by HC Ahlmann
die den Gedanken nicht fassen. Die Satzlänge muss zum Gedanken passen;
bei vielen Bedingungen kommt auch mal ein Bandwurm heraus.
Post by H.-P. Schulz
(Liste nicht erschöpfend)
- dass-Sätze (es kommt darauf an, dass ... statt es kommt auf ... an),
gern verschachtelt oder inflationär gebraucht
"Wir müssen uns anstrengen mit der Integration."
Was ist dagegen einzuwenden?
Es ist falsch, richtig ist: "Wir müssen uns mit der Integration
anstrengen."
Anstelle des Verbs tritt das Hilfsverb und das Verb an das Satzende.
Post by Martin Gerdes
Ich ziehe das Verb gern vor, Du übrigens in Deinem obigen Beispielsatz
auch. Ein Beckmesser könnte Nachklapp verlangen.
Stört Dich der abgesetzte statt eingefügte Relativsatz? Der unterwellte
Satz ist eine Infinitiv-Konstruktion, und der Infinitiv steht am
Satzende. Aufgestoßen wäre ein Satzbau wie "Ich habe oft zu kämpfen in
Schulbuch-Manuskripten mit zu kurzen Sätzen, (...)" – soetwas fällt
Politikern aus dem Mund.
--
Munterbleiben
HC

<http://hc-ahlmann.gmxhome.de/> Bordkassen, Kochen an Bord, Törnberichte
Martin Gerdes
2019-03-15 22:34:18 UTC
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Permalink
Post by HC Ahlmann
Post by Martin Gerdes
Post by HC Ahlmann
Post by H.-P. Schulz
- Satzlängen-Inflation (etwas, das in einem Satz von zehn Wörtern
gesagt werden könnte (sollte!), zu einem zwanzig-Wort-Satz aufblähen;
auch das Zusammenziehen zu einem Satz, was besser in zwei Sätzen
stände)
Einunddreißig Worte und dann ist es nicht einmal ein Satz. :-)
_Wörter_.
Ja. Die es falsch machen, beherzigen den Unterschied nicht, aktuell
betrifft das einen gewissen HC Ahlmann.
Post by HC Ahlmann
Post by Martin Gerdes
Post by HC Ahlmann
Ich habe in Schulbuch-Manuskripten oft mit zu kurzen Sätzen zu kämpfen,
^^^^^^^^^^
Post by HC Ahlmann
die den Gedanken nicht fassen. Die Satzlänge muss zum Gedanken passen;
bei vielen Bedingungen kommt auch mal ein Bandwurm heraus.
Post by H.-P. Schulz
(Liste nicht erschöpfend)
- dass-Sätze (es kommt darauf an, dass ... statt es kommt auf ... an),
gern verschachtelt oder inflationär gebraucht
"Wir müssen uns anstrengen mit der Integration."
Was ist dagegen einzuwenden?
Es ist falsch, richtig ist: "Wir müssen uns mit der Integration
anstrengen."
Ich halte die inkriminierte Stellung nicht für "falsch". Hast Du
irgendeinen Beleg für Deine Ansicht?
Post by HC Ahlmann
Anstelle des Verbs tritt das Hilfsverb und das Verb an das Satzende.
Ich sehe kein Problem darin, die Präpositionalkonstruktion ans Ende zu
rücken.
Post by HC Ahlmann
Post by Martin Gerdes
Ich ziehe das Verb gern vor, Du übrigens in Deinem obigen Beispielsatz
auch. Ein Beckmesser könnte Nachklapp verlangen.
Stört Dich der abgesetzte statt eingefügte Relativsatz?
Er stört micht nicht, ich formuliere ja auch so. Es gibt Leute, die
behaupten, ein Relativsatz _müsse_ unbedingt direkt nach dem Bezugswort
folgen. Ich bin nicht dieser Auffassung.
Post by HC Ahlmann
Der unterwellte Satz ist eine Infinitiv-Konstruktion, und der Infinitiv
steht am Satzende.
Er stünde auch am Ende, wenn Du den Satz so formuliert hättest:

| Ich habe in Schulbuch-Manuskripten oft mit zu kurzen Sätzen,
| die den Gedanken nicht fassen, zu kämpfen.
Post by HC Ahlmann
Aufgestoßen wäre ein Satzbau wie "Ich habe oft zu kämpfen in
Schulbuch-Manuskripten mit zu kurzen Sätzen, (...)" – soetwas fällt
Politikern aus dem Mund.
Der Satz gefällt mir auch nicht, aber den hier würde ich akzeptieren:

| "Ich habe oft zu kämpfen mit zu kurzen Sätzen in Schulbuch-Manuskripten."
U***@web.de
2019-03-16 10:51:35 UTC
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Post by HC Ahlmann
Post by Martin Gerdes
Post by HC Ahlmann
Post by H.-P. Schulz
- Satzlängen-Inflation (etwas, das in einem Satz von zehn Wörtern
gesagt werden könnte (sollte!), zu einem zwanzig-Wort-Satz aufblähen;
auch das Zusammenziehen zu einem Satz, was besser in zwei Sätzen
stände)
Einunddreißig Worte und dann ist es nicht einmal ein Satz. :-)
_Wörter_.
| Der Plural "Wörter" wird meist für Einzelwort oder vereinzelte Wörter
| [Beispiele]
| Der Plural "Worte" wird meist für Äußerung, Ausspruch, Beteuerung,
| Erklärung, Begriff, Zusammenhängendes oder bedeutsame einzelne Wörter
| [Beispiele]
<https://www.duden.de/rechtschreibung/Wort>
Wenn man sie durchzählt, sind es für mich in dem Moment Wörter.
Ist das im Link anders hinterlegt?
HC Ahlmann
2019-03-16 12:41:31 UTC
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Post by U***@web.de
Post by HC Ahlmann
| Der Plural "Wörter" wird meist für Einzelwort oder vereinzelte Wörter
| [Beispiele]
| Der Plural "Worte" wird meist für Äußerung, Ausspruch, Beteuerung,
| Erklärung, Begriff, Zusammenhängendes oder bedeutsame einzelne Wörter
| [Beispiele]
<https://www.duden.de/rechtschreibung/Wort>
Wenn man sie durchzählt, sind es für mich in dem Moment Wörter.
Ist das im Link anders hinterlegt?
Der Link ist die Quellenangabe des zuvor Zitierten zur meist gebrauchten
Verwendung der Pluralformen Wörter und Worte.
--
Munterbleiben
HC

<http://hc-ahlmann.gmxhome.de/> Bordkassen, Kochen an Bord, Törnberichte
Stefan Ram
2019-03-15 23:23:46 UTC
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Post by HC Ahlmann
"Wir müssen uns anstrengen mit der Integration."
Meinst Du, "mit der Integration" sollte
vor "anstrengen" stehen?

|am Ende besiegt sie die schwere Wahl, und will scheinen, nur
|ihre Freundin geneckt zu haben mit dem Nichtkommen.
"Godwi oder Das steinerne Bild der Mutter" - Clemens Brentano

|Ich werde aber gehen mit dem Dampfboot.
"Perdu!" - Annette von Droste-Hülshoff

|Einen Hund? Nein, Herr Studiosi; es wollt nicht gehen mit dem
|Aufziehn.
"Renate" - Theodor Storm

|Wir wollen zu der Regentin gehen mit dem Buche.
"Egmont" - Johann Wolfgang von Goethe

|Du kannst des Kaisers Befehl und ernste Ordre nicht
|verhöhnen, Nicht länger Ausflucht suchen, temporisieren,
|Willst du nicht förmlich brechen mit dem Hof.
"Wallenstein" - Friedrich Schiller
Roland Franzius
2019-03-16 06:10:07 UTC
Antworten
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Post by Stefan Ram
Post by HC Ahlmann
"Wir müssen uns anstrengen mit der Integration."
Meinst Du, "mit der Integration" sollte
vor "anstrengen" stehen?
|am Ende besiegt sie die schwere Wahl, und will scheinen, nur
|ihre Freundin geneckt zu haben mit dem Nichtkommen.
"Godwi oder Das steinerne Bild der Mutter" - Clemens Brentano
|Ich werde aber gehen mit dem Dampfboot.
"Perdu!" - Annette von Droste-Hülshoff
|Einen Hund? Nein, Herr Studiosi; es wollt nicht gehen mit dem
|Aufziehn.
"Renate" - Theodor Storm
|Wir wollen zu der Regentin gehen mit dem Buche.
"Egmont" - Johann Wolfgang von Goethe
|Du kannst des Kaisers Befehl und ernste Ordre nicht
|verhöhnen, Nicht länger Ausflucht suchen, temporisieren,
|Willst du nicht förmlich brechen mit dem Hof.
"Wallenstein" - Friedrich Schiller
Niemals nicht im Untericht,
du solltest dich nicht berufen,
auf Satzes Stellung im Gedicht, o weh,
und Epos, Drama, Translation und C.
--
Roland Franzius

--
Gerald Gruner
2019-03-13 16:43:53 UTC
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Post by Manfred Russ
Mir liegt hier ein Artikel vor, in dem es um das Thema "Japan und Onsen
und der Umgang mit tätowierten Kunden im Vorfeld der
Rugby-Weltmeisterschaft" geht.
Der Artikel ist voll mit schrägen Sätzen. Aber mit einem - obwohl nicht
schräg, sondern direkt verständlich - habe ich ein Problem, und zwar mit
dem abschließenden Genititv.
|20 Autominuten von Hoyoland entfernt baden die Gäste hier nicht im
|Schlamm, sondern in kristallklarem Wasser aller möglicher Temperaturen.
Mit kommt das falsch vor. Oder zumindest etwas schräg. Ich kann aber
nicht sagen, warum.
Ich glaube nicht, dass das am Genitiv liegt, sondern am "Wasser" im
Singular. Der gleiche Satz mit einem Plural
: sondern in kristallklaren Wasserbädern aller möglicher Temperaturen.
würde sich für mich völlig richtig anhören. "Wassern" klänge aber auch
irgendwie falsch.

MfG
Gerald
--
"Ich sehe in der Bundesliga Spieler, denen springt beim Stoppen der Ball
weiter vom Fuß, als ich ihn jemals schießen konnte."
- Horst Köppel, ehemaliger Fußballtrainer
Quinn C
2019-03-13 18:10:41 UTC
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Post by Gerald Gruner
Post by Manfred Russ
Mir liegt hier ein Artikel vor, in dem es um das Thema "Japan und Onsen
und der Umgang mit tätowierten Kunden im Vorfeld der
Rugby-Weltmeisterschaft" geht.
Der Artikel ist voll mit schrägen Sätzen. Aber mit einem - obwohl nicht
schräg, sondern direkt verständlich - habe ich ein Problem, und zwar mit
dem abschließenden Genititv.
|20 Autominuten von Hoyoland entfernt baden die Gäste hier nicht im
|Schlamm, sondern in kristallklarem Wasser aller möglicher Temperaturen.
Mit kommt das falsch vor. Oder zumindest etwas schräg. Ich kann aber
nicht sagen, warum.
Ich glaube nicht, dass das am Genitiv liegt, sondern am "Wasser" im
Singular. Der gleiche Satz mit einem Plural
: sondern in kristallklaren Wasserbädern aller möglicher Temperaturen.
würde sich für mich völlig richtig anhören. "Wassern" klänge aber auch
irgendwie falsch.
Einverstanden.

Allerdings geht für mich auch:

... baden in kristallklarem Wasser verschiedener Temperatur.
--
dasz jederman sehe, wie falsch unsere gugelmönche zu ihres ordens
verteidigung der ersten kirchenexempel anziehen Calvin
GRIMM, Deutsches Wörterbuch
U***@web.de
2019-03-14 10:39:54 UTC
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Post by Manfred Russ
Mir liegt hier ein Artikel vor, in dem es um das Thema "Japan und Onsen
und der Umgang mit tätowierten Kunden im Vorfeld der
Rugby-Weltmeisterschaft" geht.
Der Artikel ist voll mit schrägen Sätzen. Aber mit einem - obwohl nicht
schräg, sondern direkt verständlich - habe ich ein Problem, und zwar mit
dem abschließenden Genititv.
|20 Autominuten von Hoyoland entfernt baden die Gäste hier nicht im
|Schlamm, sondern in kristallklarem Wasser aller möglicher Temperaturen.
Mit kommt das falsch vor. Oder zumindest etwas schräg. Ich kann aber
nicht sagen, warum.
Passender und einfacher wäre gewesen:

... in unterschiedlich temperiertem kristallklarem Wasser.

Gruß, ULF
Jakob Achterndiek
2019-03-14 11:28:05 UTC
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Post by U***@web.de
... in unterschiedlich temperiertem kristallklarem Wasser.
Darunter kann sogar ich mir richtig was Gutes vorstellen:
Noch keine Seife und kein Schaum in der Wanne, und das Badewasser
links für den Kopf schön kühl und rechts für die Füße schön warm.
Mussu aber schön still drin liegen, damit sich nix vermischt!
--
j/\a
Ralf Joerres
2019-03-14 11:49:37 UTC
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Post by Jakob Achterndiek
Post by U***@web.de
... in unterschiedlich temperiertem kristallklarem Wasser.
Noch keine Seife und kein Schaum in der Wanne, und das Badewasser
links für den Kopf schön kühl und rechts für die Füße schön warm.
Mussu aber schön still drin liegen, damit sich nix vermischt!
Ich wäre auch immer vorsichtig damit, den Spontaneinfall für eine Alternativ-
formulierung, der einem hier realitätsabgehoben 'am grünen Tisch' kommt,
als optimal oder besser anzupreisen. Manchmal stimmt das, oft stimmt es
nicht, und das sieht man dann aber nicht gleich.

Gruß Ralf Joerres
Ralf Joerres
2019-03-14 10:41:22 UTC
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Post by Manfred Russ
Mir liegt hier ein Artikel vor, in dem es um das Thema "Japan und Onsen
und der Umgang mit tätowierten Kunden im Vorfeld der
Rugby-Weltmeisterschaft" geht.
Der Artikel ist voll mit schrägen Sätzen. Aber mit einem - obwohl nicht
schräg, sondern direkt verständlich - habe ich ein Problem, und zwar mit
dem abschließenden Genititv.
|20 Autominuten von Hoyoland entfernt baden die Gäste hier nicht im
|Schlamm, sondern in kristallklarem Wasser aller möglicher Temperaturen.
Mit kommt das falsch vor. Oder zumindest etwas schräg. Ich kann aber
nicht sagen, warum.
Ich weiß erst mal nicht, was da gemeint sein soll: verschiedene Wasser-
temperaturen in einem Becken, verschiedene Becken mit verschiedenen
Temperaturen, alle bei Wasser vorkommenden Temperaturen (geht ja nur von
ca. null bis ca. 100 Grad C.), beliebige (gewünschte) Temperaturen. Mal
abgesehen von der wohl inkorrekten Flexion von 'möglicher' stellt sich
für mich die Frage, um was für eine Art von Genitiv es sich hier handelt
bzw. handeln soll, etwa so etwas wie
- wir führen Hosen aller Größen, oder
- Teilnehmer aus allen Ländern waren angereist?

Ich vermute, dass man das von mir zweitgenannte Beispiel nicht genitivisch
konstruieren kann, weiß aber erst mal nicht, warum. Es gibt da - z.T.
nicht so recht durchschaubare - Gebrauchsbeschränkungen. 'Hosen aller
Größen' geht, 'Hosen in allen Größen' aber auch, 'Hosen aller Farben' geht
(für mich) nicht, 'Hosen in allen Farben' geht wieder. 'Hosen verschiedenen
Zuschnitts' ja, 'Hosen verschiedener Länge' ja, 'Hosen aller Preislagen' für
mich fragwürdig > '... in allen Preislagen' okay, 'Hosen aller gängigen
Stoffe' voll daneben, 'Hosen vieler verschiedener Stoffe' auch usw. Das wäre
dann mal wieder eine linguistische Knobelaufgabe, wann ein solches Komplement
genitivisch angeschlossen werden darf und wann es präpositional angeschlossen
werden muss.

Bei 'Wasser' kommt hinzu: Es ist Singular, wenn dann ein logischer Plural
folgt, beißt sich das möglicherweise. Dadurch wird das Substantiv 'Wasser'
möglicherweise aufgespalten in ein nicht-Zählbares und in dennoch unterscheid-
bare Fraktionen. Das kann man machen, aber man kann das vielleicht nicht in
so einer kompakten Konstruktion zusammenfassen. So oder so wäre beim Ausgangs-
beispiel irgendein präpositionaler Anschluss vorzuziehen: 'Wasser mit / in
allen möglichen Temperaturen', oder vielleicht noch besser: 'Wasser beliebiger
Temperatur', denn dieser singularische Genitiv lässt sich seltsamerweise
anhängen.

Gruß Ralf Joerres
U***@web.de
2019-03-14 13:00:18 UTC
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Post by Ralf Joerres
Mal
abgesehen von der wohl inkorrekten Flexion von 'möglicher' stellt sich
für mich die Frage, um was für eine Art von Genitiv es sich hier handelt
bzw. handeln soll, etwa so etwas wie
- wir führen Hosen aller Größen, oder
- Teilnehmer aus allen Ländern waren angereist?
Ich vermute, dass man das von mir zweitgenannte Beispiel nicht genitivisch
konstruieren kann, weiß aber erst mal nicht, warum. Es gibt da - z.T.
nicht so recht durchschaubare - Gebrauchsbeschränkungen. 'Hosen aller
Größen' geht, 'Hosen in allen Größen' aber auch,
Wäre man böswillig: Hosen aller Politgrößen...

Gruß, ULF
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