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mit Verlaub
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Stefan Schmitz
2018-11-11 19:46:01 UTC
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Das Wort 'Verlaub' kommt nur noch in der Formel "mit Verlaub" vor.
Es soll bedeuten: "Mit Ihrer Erlaubnis".

Warum hat sich dann hier das Wort gehalten und ist nicht wie sonst überall
verschwunden und durch 'Erlaubnis' ersetzt worden?

Außerdem finde ich, dass die angegebene Bedeutung gar nicht stimmt. Die Floskel
wird immer dann gesetzt, wenn eine ausgesprochen unfeine Ausdrucksweise folgt.
Da ist normalerweise nicht mit einer Erlaubnis zu rechnen. (Mit Sicherheit
jedenfalls nicht beim berühmten Ausspruch von Joschka Fischer.)
Eigentlich ist die Bedeutung doch eher: "Bitte entschuldigen Sie die
unangemessene Wortwahl".
Man könnte MUSEN "mit Verlaub" immer durch "Entschuldigung" ersetzen. Was meint ihr?
Diedrich Ehlerding
2018-11-11 19:50:50 UTC
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Post by Stefan Schmitz
Man könnte MUSEN "mit Verlaub" immer durch "Entschuldigung" ersetzen. Was meint ihr?
Nein, niht mit "Ebtschuldigung". Eher mit "ich bin mal so frei"
--
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U***@web.de
2018-11-11 19:56:29 UTC
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Post by Stefan Schmitz
Das Wort 'Verlaub' kommt nur noch in der Formel "mit Verlaub" vor.
Es soll bedeuten: "Mit Ihrer
Muß durchaus nicht sein.
Post by Stefan Schmitz
Erlaubnis".
Kann durchaus auf Selbst- oder Dritterlaubnis beruhen.
Post by Stefan Schmitz
Warum hat sich dann hier das Wort gehalten und ist nicht wie sonst überall
verschwunden und durch 'Erlaubnis' ersetzt worden?
Es ist kürzer.

Vgl. 'Wes Geistes Kind.'

Außerdem scheint mit teils Ersetzung durch 'Urlaub' stattgefunden zu haben.

Mancherorts hat sich regiolektisch-dialektal
'verzählen' für 'erzählen' gehalten.
Post by Stefan Schmitz
Außerdem finde ich, dass die angegebene Bedeutung gar nicht stimmt. Die Floskel
wird immer dann gesetzt, wenn eine ausgesprochen unfeine Ausdrucksweise folgt.
Da ist normalerweise nicht mit einer Erlaubnis zu rechnen. (Mit Sicherheit
jedenfalls nicht beim berühmten Ausspruch von Joschka Fischer.)
Eigentlich ist die Bedeutung doch eher: "Bitte entschuldigen Sie die
unangemessene Wortwahl".
Man könnte MUSEN "mit Verlaub" immer durch "Entschuldigung" ersetzen. Was meint ihr?
Hätte bei Joschka nicht halb so gut gewirkt. Doch nicht im Ernst:
"Mit Ihrer Erlaubnis, Sie sind ein..."

Verlaub bedeutet heutzutage, daß man sich etwas herausnimmt.

Gruß, ULF
Bertel Lund Hansen
2018-11-12 10:43:18 UTC
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Post by Stefan Schmitz
Man könnte MUSEN "mit Verlaub" immer durch "Entschuldigung"
ersetzen. Was meint ihr?
Dass man gar nicht entschuldigen soll. Wenn man einen gewissen
Ausdruck gewählt hat, muss man auch so erwachsen/ehrlich sein,
dass man nicht dafür entschuldigt (englisch: stand by your
choice).
--
/Bertel - aus Dänemark
U***@web.de
2018-11-12 10:46:26 UTC
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Post by Bertel Lund Hansen
Post by Stefan Schmitz
Man könnte MUSEN "mit Verlaub" immer durch "Entschuldigung"
ersetzen. Was meint ihr?
Dass man gar nicht entschuldigen soll. Wenn man einen gewissen
Ausdruck gewählt hat, muss man auch so erwachsen/ehrlich sein,
dass man nicht dafür entschuldigt (englisch: stand by your
choice).
Aber der Verwender will auch sicher gehen, daß das Unerhörte
doch gehört wird. Daher der verbale Anlauf.
Quinn C
2018-11-12 17:14:38 UTC
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Post by Stefan Schmitz
Man könnte MUSEN "mit Verlaub" immer durch "Entschuldigung" ersetzen. Was meint ihr?
"Mit Verlaub" ist gerade der Fall, wo man sich selbst die
Entschuldigung erteilt.
--
er müez an dem kragen
stæt ein gugel tragen,
daz im der hals belîbe wîz
OTTOKAR V. STEIERMARK
Ralf Joerres
2018-11-24 13:10:26 UTC
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Post by Quinn C
Post by Stefan Schmitz
Man könnte MUSEN "mit Verlaub" immer durch "Entschuldigung" ersetzen. Was meint ihr?
"Mit Verlaub" ist gerade der Fall, wo man sich selbst die
Entschuldigung erteilt.
Ich fasse das weniger als Freispruch in eigener Sache denn als Kommentar am
Rande auf: 'Ich bin mir dessen bewusst, dass ich jetzt ein ungehöriges Wort
benutzen werde.' Der Sprecher nimmt sich die Freiheit, gegen eine Konvention
zu verstoßen. Ist ein bisschen wie bei 'Vielen Dank für Ihr Verständnis.'
Die Floskel kann durchaus mitmeinen: 'Nicht allen wird gefallen, welches
Wort ich jetzt wählen werde (aber anders kann ich nicht wiedergeben, was
ich empfinde).' Der Sprecher geht nicht davon aus, dass das implizierte
'Sie werden entschuldigen...' angenommen wird, aber er macht kenntlich, dass
er sich dessen bewusst ist, dass seine Wortwahl andere vor den Kopf stoßen
kann. Das heißt: Die Konvention wird nicht gesprengt, sondern grundsätzlich
anerkannt.

Im Radio höre ich zunehmend häufiger solche mit 'Entschuldigung' eingeleitete
'Kraftwörter'. Entemotionalisierte und geglättete öffentlich-rechtliche
easy-listening-Sprache stößt halt an Grenzen.

Gruß Ralf Joerres
Stefan Ram
2018-11-24 20:58:19 UTC
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Post by Ralf Joerres
ich empfinde).' Der Sprecher geht nicht davon aus, dass das implizierte
'Sie werden entschuldigen...' angenommen wird, aber er macht kenntlich,
Deswegen mach ich das so, daß ich erst einmal sage:

"Bitte um Erlaubnis, beleidigend sprechen zu dürfen."
("May I speak offensively, sir/ma'am?")

. Erst, wenn der Kommunikationspartner dann /ausdrücklich/ sagt

"Erteilt."
("Yes.")

, sage ich es.

Gunhild Simon
2018-11-12 20:21:27 UTC
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Post by Stefan Schmitz
Das Wort 'Verlaub' kommt nur noch in der Formel "mit Verlaub" vor.
Es soll bedeuten: "Mit Ihrer Erlaubnis".
Warum hat sich dann hier das Wort gehalten und ist nicht wie sonst überall
verschwunden und durch 'Erlaubnis' ersetzt worden?
Außerdem finde ich, dass die angegebene Bedeutung gar nicht stimmt. Die Floskel
wird immer dann gesetzt, wenn eine ausgesprochen unfeine Ausdrucksweise folgt.
Das habe ich bisher nicht automatisch so verstanden.

Sondern als eine distinguierte Form eines Hinweises
auf etwas eher Ungewöhnliches, das der Sprecher
beabsichtigt auszudrücken - also nichts Unanständiges, sondern Bemerkenswertes, Unerwartetes.

Andererseits ist es doch unter gebildeten Menschen
üblich, eine derartige Ankündigung zu formulieren,um
ihre Zuhörer nicht zu verprellen: "Ihr erlaubt ...?"

Gruß
Gunhild
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