Discussion:
Gender-Zeugs und Schule
(zu alt für eine Antwort)
Klaus Ethgen
2021-06-04 08:32:14 UTC
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Hi Folks,

ich bin zukünftiger Lehrer und hatte letztens eine Diskussion mit
Kommilitonen, die ich mal hier her tragen möchte.

Meiner Auffassung nach ist dieser ganze Gender-Kram orthographisch
einfach falsch und ich würde es bei meinen Schülern auch als falsch
korrigieren. Andere Kommilitonen meinten, man könne da (wohlgemerkt im
Deutsch-Unterricht) auch mal fünfe gerade sein lassen und das nicht als
falsch werten.

Dabei kam auch die Frage auf, wie eine Sprache sich denn entwickelt und
ob wirklich nur das, was im Duden steht, korrekt ist. (Meiner Meinung
nach, ist das spätestens nach der Schlechtschreibreform im vergangenen
Jahrtausend definitiv so.)

In dem Zusammenhang bin ich mir auch wieder am überlegen, wie ich mit
dem »ß« umgehe. Ich selber komme aus Deutschland, werde aber in der
Schweiz unterrichten. Hier ist zwar das »ß« nie wirklich abgeschafft
worden aber es wird nicht mehr benutzt. Meine Einstellung ist nun, daß
(ich schreibe absichtlich »daß«, da ich das so gelernt hatte) ich das
logischerweise nicht unterrichten werde. Was mache ich aber mit einem
Schüler, der aus Deutschland in die Schweiz zieht und das »ß« gelernt
hat? Streiche ich das als Fehler an? Vermutlich würde ich das nicht
machen. (Außer vielleicht im »daß«, das ja auch nach neuestem Duden in
Deutschland nicht mehr erlaubt ist.)

Einen wirklichen Konsens bekamen wir nicht hin.

-- Klaus
--
Klaus Ethgen http://www.ethgen.ch/
pub 4096R/4E20AF1C 2011-05-16 Klaus Ethgen <***@Ethgen.ch>
Fingerprint: 85D4 CA42 952C 949B 1753 62B3 79D0 B06F 4E20 AF1C
Jakob Achterndiek
2021-06-04 09:17:06 UTC
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Post by Klaus Ethgen
Hi Folks,
ich bin zukünftiger Lehrer [..]
In dem Zusammenhang bin ich mir auch wieder am überlegen, [..]
Der Bauer ist die Kuh am Schwanz am Stall am Tor am raus am ziehen.
--
j/\a
Stefan Schmitz
2021-06-04 09:31:31 UTC
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Post by Klaus Ethgen
Meiner Auffassung nach ist dieser ganze Gender-Kram orthographisch
einfach falsch und ich würde es bei meinen Schülern auch als falsch
korrigieren. Andere Kommilitonen meinten, man könne da (wohlgemerkt im
Deutsch-Unterricht) auch mal fünfe gerade sein lassen und das nicht als
falsch werten.
Hat denn schon jemand von euch erlebt, dass Schüler das benutzen?
Ich halte das für sehr unwahrscheinlich. Allenfalls bei
Oberstufenschülern mit großem Engagement für Gendergerechtigkeit kann
ich mir dergleichen vorstellen. Und denen muss man nicht als falsch
ankreiden, was sich auch in vielen Zeitungen finden lässt. Die wissen,
dass es eine bewusste Abweichung von der Normalschreibung ist.
Heinz Lohmann
2021-06-04 09:49:13 UTC
Permalink
Post by Klaus Ethgen
Meiner Auffassung nach ist dieser ganze Gender-Kram orthographisch
einfach falsch und ich würde es bei meinen Schülern auch als falsch
korrigieren. Andere Kommilitonen meinten, man könne da (wohlgemerkt im
Deutsch-Unterricht) auch mal fünfe gerade sein lassen und das nicht als
falsch werten.
Egal in welchem Jahrgang bzw. auf welcher Stufe:

Es ist im Umgang mit Menschen eine gute Idee, auch "mal fünfe gerade
sein zu lassen".
--
mfg
Heinz Lohmann
Tamsui, Taiwan

Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat. W.B.
Jakob Achterndiek
2021-06-04 11:04:07 UTC
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Post by Heinz Lohmann
[..] Andere Kommilitonen meinten, man könne da (wohlgemerkt im
Deutsch-Unterricht) auch mal fünfe gerade sein lassen und das
nicht als falsch werten.
Es ist im Umgang mit Menschen eine gute Idee, auch "mal fünfe
gerade sein zu lassen".
Aber ich halte es für keine gute Idee, jungen Leuten dabei
zuzusehen oder sie gar zu ermuntern, daß sie bewußt Regeln
brechen, bevor sie überhaupt den Sinn solcher Regeln erfaßt
haben.

Mir fällt dabei aber auch ein, daß ich einen Kollegen hatte,
der ohne einen Funken Zweifel oder Ironie erklärte: "Regeln
sind dazu da, daß sie eingehalten werden." Er konnte nicht
erkennen, daß ihm da ein "missing Link" zur Todsünde jeder
Pädagogik geworden war.

Apropos missing Link: Unsere Zeitung titelte heute:
| Alte Menschen benutzen oft kein Smartphone.

Tun die einfach nicht.
Aber das oft.
--
j/\a
Detlef Meißner
2021-06-04 11:20:52 UTC
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Post by Jakob Achterndiek
Post by Jakob Achterndiek
Alte Menschen benutzen oft kein Smartphone.
Tun die einfach nicht.
Aber das oft.
Ich verstehe den Satz so: Alte Menschen benutzen oft dort kein
Smartphone, wo sie es hätten tun können, es sei denn sie hätten keins.

Detlef
--
Erkenne im bereits Gewesenen Strukturen, die so ähnlich heute zur
Gefahr werden könnten.
Stefan Schmitz
2021-06-04 12:35:06 UTC
Permalink
Post by Jakob Achterndiek
Post by Heinz Lohmann
[..] Andere Kommilitonen meinten, man könne da (wohlgemerkt im
Deutsch-Unterricht) auch mal fünfe gerade sein lassen und das
nicht als falsch werten.
Es ist im Umgang mit Menschen eine gute Idee, auch "mal fünfe
gerade sein zu lassen".
Aber ich halte es für keine gute Idee, jungen Leuten dabei
zuzusehen oder sie gar zu ermuntern, daß sie bewußt Regeln
brechen, bevor sie überhaupt den Sinn solcher Regeln erfaßt
haben.
Wie kann man *bewusst* gegen Regeln verstoßen, ohne ihren Sinn erfasst
zu haben?

Oder meinst du mit "Sinn erfassen" ein tieferes Verständnis, warum die
Regeln so und nicht anders sind? Das wird niemand in der Schulzeit bekommen.
Detlef Meißner
2021-06-04 12:49:45 UTC
Permalink
Post by Jakob Achterndiek
Post by Heinz Lohmann
[..] Andere Kommilitonen meinten, man könne da (wohlgemerkt im
Deutsch-Unterricht) auch mal fünfe gerade sein lassen und das
nicht als falsch werten.
Es ist im Umgang mit Menschen eine gute Idee, auch "mal fünfe
gerade sein zu lassen".
Aber ich halte es für keine gute Idee, jungen Leuten dabei
zuzusehen oder sie gar zu ermuntern, daß sie bewußt Regeln
brechen, bevor sie überhaupt den Sinn solcher Regeln erfaßt
haben.
Wie kann man *bewusst* gegen Regeln verstoßen, ohne ihren Sinn erfasst zu
haben?
Indem man die Regeln, die einem genannt werden, befolgt.

"Der Herr geht links von der Frau" kann befolgt werden, ohne den Sinn
erfasst zu haben.

Detlef
--
Die eigentliche Aufgabe eines Freundes ist, dir beizustehen, wenn du im
Unrecht bist. Jedermann ist auf deiner Seite, wenn du im Recht bist.
(Mark Twain)
Helmut Richter
2021-06-04 13:10:49 UTC
Permalink
Post by Detlef Meißner
Indem man die Regeln, die einem genannt werden, befolgt.
"Der Herr geht links von der Frau" kann befolgt werden, ohne den Sinn erfasst
zu haben.
In England bin ich damit reingefallen. Damals galt dort, was ich auch
sinnvoller finde, dass der Herr auf der der Fahrbahn zugewandten Seite des
Bürgersteigs geht. Wenn schon ritterlicher Schutz – welch sexistische
Vorstellung! – dann nicht vor abstrakten Gefahren, die von links kommen,
sondern vor dem Inhalt von Pfützen, der von Kraftfahrern über Passanten
ergossen wird.
--
Helmut Richter
Detlef Meißner
2021-06-04 13:25:15 UTC
Permalink
Post by Helmut Richter
Post by Detlef Meißner
Indem man die Regeln, die einem genannt werden, befolgt.
"Der Herr geht links von der Frau" kann befolgt werden, ohne den Sinn
erfasst zu haben.
In England bin ich damit reingefallen. Damals galt dort, was ich auch
sinnvoller finde, dass der Herr auf der der Fahrbahn zugewandten Seite des
Bürgersteigs geht.
Kenne ich auch so.
Ist aber doch nur sinnvoll, wenn man den Bürgersteig benutzt - und dann
haben die Damen freien Blick auf die Schaufensterauslagen.
Post by Helmut Richter
Wenn schon ritterlicher Schutz – welch sexistische
Vorstellung! – dann nicht vor abstrakten Gefahren, die von links kommen,
sondern vor dem Inhalt von Pfützen, der von Kraftfahrern über Passanten
ergossen wird.
Wenn schon ritterlich, dann die Frau auf der rechten Seite, damit man
schnell den Degen/das Schwert ziehen kann. Bei Linkshändern umgekehrt.

Detlef
--
"Was die Massen überzeugt, sind keine Fakten, noch nicht einmal
erfundene Fakten, sondern die Konsistenz der Illusion." (Hannah Arendt)
Stephan Seitz
2021-06-04 13:29:35 UTC
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Post by Detlef Meißner
Wenn schon ritterlich, dann die Frau auf der rechten Seite, damit man
schnell den Degen/das Schwert ziehen kann. Bei Linkshändern umgekehrt.
Wie willst du als Rechtshänder mit rechts den Degen/das Schwert
ziehen, wenn die Frau rechts geht und sich an dem Arm klammert?

Wäre es nicht logischer, wenn die Frau in diesem Fall links ginge, so
daß dein rechter Arm frei wäre, um an die Waffe zu kommen?

Shade and sweet water!

Stephan
--
| Stephan Seitz E-Mail: stse+***@rootsland.net |
| If your life was a horse, you'd have to shoot it. |
Detlef Meißner
2021-06-04 14:01:44 UTC
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Post by Stephan Seitz
Post by Detlef Meißner
Wenn schon ritterlich, dann die Frau auf der rechten Seite, damit man
schnell den Degen/das Schwert ziehen kann. Bei Linkshändern umgekehrt.
Wie willst du als Rechtshänder mit rechts den Degen/das Schwert
ziehen, wenn die Frau rechts geht und sich an dem Arm klammert?
Die Frau wird dann schon loslassen. Notfalls wird sie weggestoßen.
Post by Stephan Seitz
Wäre es nicht logischer, wenn die Frau in diesem Fall links ginge, so
daß dein rechter Arm frei wäre, um an die Waffe zu kommen?
Du meinst, wenn sie links geht, schlägt ihr der Degen so lustig gegen
die Beine?

Detlef
--
Die deutsche Sprache sollte sanft und ehrfurchtsvoll zu den toten
Sprachen abgelegt werden, denn nur die Toten haben die Zeit, diese
Sprache zu lernen. (Mark Twain)
Uwe Schickedanz
2021-06-05 07:29:53 UTC
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Post by Stephan Seitz
Post by Detlef Meißner
Wenn schon ritterlich, dann die Frau auf der rechten Seite, damit man
schnell den Degen/das Schwert ziehen kann. Bei Linkshändern umgekehrt.
Wie willst du als Rechtshänder mit rechts den Degen/das Schwert
ziehen, wenn die Frau rechts geht und sich an dem Arm klammert?
Wäre es nicht logischer, wenn die Frau in diesem Fall links ginge, so
daß dein rechter Arm frei wäre, um an die Waffe zu kommen?
Damit du ihr beim Ziehen gleich einen Striemen über die Hüfte
verpasst, beim Hängenbleiben Sekundenbruchteile einbüßt und deshalb
stirbst? Nee, du...

Gruß Uwe
--
"Wir haben der CDU ganz dringend ans Herz gelegt, sich im dritten
Wahlgang zu enthalten...Leider sind die Abgeordneten sozusagen
ihrer eigenen Entscheidung gefolgt." (AKK)
=== http://www.sicherheitslampe.de ===
Jakob Achterndiek
2021-06-05 08:37:07 UTC
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Post by Uwe Schickedanz
Post by Stephan Seitz
Wie willst du als Rechtshänder mit rechts den Degen/das Schwert
ziehen, wenn die Frau rechts geht und sich an dem Arm klammert?
Wäre es nicht logischer, wenn die Frau in diesem Fall links ginge,
so daß dein rechter Arm frei wäre, um an die Waffe zu kommen?
Damit du ihr beim Ziehen gleich einen Striemen über die Hüfte
verpasst, beim Hängenbleiben Sekundenbruchteile einbüßt und deshalb
stirbst? Nee, du...
Bei der studentischen Bestimmungsmensur kauert der Sekundant
links neben seinem Paukanten, weil er ihn aus dieser Position
am schnellsten und sichersten, mit vorgestrecktem rechtem Arm
und Schläger aufspringend, vor weiteren Hieben schützen kann.

Frage an FR:
Bekam ein Linkspaukant immer auch einen Links-Sekundanten, der
dann rechts hocken mußte?
--
j/\a
Hans-R. Biermann
2021-06-05 18:04:43 UTC
Permalink
Post by Jakob Achterndiek
Post by Uwe Schickedanz
Damit du ihr beim Ziehen gleich einen Striemen über die Hüfte
verpasst, beim Hängenbleiben Sekundenbruchteile einbüßt und deshalb
stirbst? Nee, du...
Bei der studentischen Bestimmungsmensur kauert der Sekundant
links neben seinem Paukanten, weil er ihn aus dieser Position
am schnellsten und sichersten, mit vorgestrecktem rechtem Arm
und Schläger aufspringend, vor weiteren Hieben schützen kann.
Bekam ein Linkspaukant immer auch einen Links-Sekundanten, der
dann rechts hocken mußte?
Nee, soweit ich weiß. Ich habe nie sekundiert.
Wir hatten mal einen Treffer auf Quart, vom Ohrläppchen bis zum
Mundwinkel, so daß die Pastete runterklappte. Da war Trubel im
Lokal, es ertönten Rufe nach einem Notarzt. Der zuständige Paukarzt,
jetzt Oberstarzt (hat viele im Einsatz verwundete Soldaten operiert), brüllte,
das wäre Unfug, denn dann müßte er hinter dem Sankra herfahren und
den Paukanten im Krankenhaus flicken, denn dort wären um die Uhrzeit keine
Chirurgen mehr, das könnte er gleich vor Ort machen.
Der Getroffene wurde auf zwei zusammengeschobene Tisch gelegt, Schleimhaut,
Muskel, Epidermis nacheinander genäht, dann konnte ein Sankra den
Abtransport übernehmen - FR
Christina Kunze
2021-06-04 19:25:53 UTC
Permalink
Post by Helmut Richter
Post by Detlef Meißner
Indem man die Regeln, die einem genannt werden, befolgt.
"Der Herr geht links von der Frau" kann befolgt werden, ohne den Sinn erfasst
zu haben.
In England bin ich damit reingefallen. Damals galt dort, was ich auch
sinnvoller finde, dass der Herr auf der der Fahrbahn zugewandten Seite des
Bürgersteigs geht. Wenn schon ritterlicher Schutz – welch sexistische
Vorstellung! – dann nicht vor abstrakten Gefahren, die von links kommen,
sondern vor dem Inhalt von Pfützen, der von Kraftfahrern über Passanten
ergossen wird.
Wie man es unwillkürlich auch macht, wenn man neben einem kleinen Kind
auf dem Gehweg geht. Nicht so sehr wegen der Pfützen, sondern, weil es
es dann schwerer hat, auszubüxen und auf die Straße zu laufen.

chr
Stefan Schmitz
2021-06-04 13:20:04 UTC
Permalink
Post by Detlef Meißner
Post by Stefan Schmitz
Post by Jakob Achterndiek
Post by Heinz Lohmann
[..] Andere Kommilitonen meinten, man könne da (wohlgemerkt im
Deutsch-Unterricht) auch mal fünfe gerade sein lassen und das
nicht als falsch werten.
Es ist im Umgang mit Menschen eine gute Idee, auch "mal fünfe
gerade sein zu lassen".
Aber ich halte es für keine gute Idee, jungen Leuten dabei
zuzusehen oder sie gar zu ermuntern, daß sie bewußt Regeln
brechen, bevor sie überhaupt den Sinn solcher Regeln erfaßt
haben.
Wie kann man *bewusst* gegen Regeln verstoßen, ohne ihren Sinn erfasst
zu haben?
Indem man die Regeln, die einem genannt werden, befolgt.
Es geht um bewusstes Verstoßen, nicht um blindes Befolgen.
Post by Detlef Meißner
"Der Herr geht links von der Frau" kann befolgt werden, ohne den Sinn
erfasst zu haben.
Die kenne ich nicht. Dagegen kann ich nicht bewusst verstoßen.
Detlef Meißner
2021-06-04 13:28:10 UTC
Permalink
Post by Stefan Schmitz
Post by Detlef Meißner
Post by Jakob Achterndiek
Post by Heinz Lohmann
[..] Andere Kommilitonen meinten, man könne da (wohlgemerkt im
Deutsch-Unterricht) auch mal fünfe gerade sein lassen und das
nicht als falsch werten.
Es ist im Umgang mit Menschen eine gute Idee, auch "mal fünfe
gerade sein zu lassen".
Aber ich halte es für keine gute Idee, jungen Leuten dabei
zuzusehen oder sie gar zu ermuntern, daß sie bewußt Regeln
brechen, bevor sie überhaupt den Sinn solcher Regeln erfaßt
haben.
Wie kann man *bewusst* gegen Regeln verstoßen, ohne ihren Sinn erfasst zu
haben?
Indem man die Regeln, die einem genannt werden, befolgt.
Es geht um bewusstes Verstoßen, nicht um blindes Befolgen.
Bewusstes Verstoßen bedeutet, dass man weiß, dass man gegen Regeln
verstößt. Nennt man Vorsatz.
Post by Stefan Schmitz
Post by Detlef Meißner
"Der Herr geht links von der Frau" kann befolgt werden, ohne den Sinn
erfasst zu haben.
Die kenne ich nicht. Dagegen kann ich nicht bewusst verstoßen.
Jetzt kannst du!

Detlef
--
Verordnetes Gendern _ist_ Fundamentalismus!
[Henning Sponbiel]
wolfgang sch
2021-06-04 10:09:11 UTC
Permalink
Post by Klaus Ethgen
Meiner Auffassung nach ist dieser ganze Gender-Kram orthographisch
einfach falsch und ich würde es bei meinen Schülern auch als falsch
korrigieren. Andere Kommilitonen meinten, man könne da (wohlgemerkt im
Deutsch-Unterricht) auch mal fünfe gerade sein lassen und das nicht als
falsch werten.
Ich würde es auch nicht anstreichen, da es ja kein Ausweis mangelnder
Rechtschreibkenntnisse ist sondern ein "Statement" das als solches
nicht bewertet werden sollte. So ungerecht wie es ist, Gendersprache
vorzuschreiben, so ungerecht wäre es sie zu sanktionieren.
Post by Klaus Ethgen
Was mache ich aber mit einem
Schüler, der aus Deutschland in die Schweiz zieht und das »ß« gelernt
hat? Streiche ich das als Fehler an? Vermutlich würde ich das nicht
machen.
Ich würde es auch nicht anstreichen, da es trotz allem korrektes
Deutsch ist; so ein Schüler macht es sich allerdings unnötig selbst
schwer, weil er zusätzlich die Eszet-Regeln beachten muss die den
Schweizern egal sein können. Anders sieht es aus wenn eine verbindliche
Regel verkündet würde, Schweizer Rechtschreibung sei verbindlich. Ohne
eine solche Ansage sollte es IMHO gelten gelassen werden.
Post by Klaus Ethgen
(Außer vielleicht im »daß«, das ja auch nach neuestem Duden in
Deutschland nicht mehr erlaubt ist.)
Das ist aber die Frage ob alte oder neue Rechtschreibung anzuwenden
sei, es hat allgemein mit der Schweiz nichts zu tun. Ob heutige Schüler
die alte überhaupt kennen? Wenn nein stellt sich die Frage nicht.
--
Wollt ihr den totalen Lockdown?

http://www.wschwanke.de/ usenet_20031215 (AT) wschwanke (DOT) de
wolfgang sch
2021-06-04 10:09:20 UTC
Permalink
Post by Klaus Ethgen
Meiner Auffassung nach ist dieser ganze Gender-Kram orthographisch
einfach falsch und ich würde es bei meinen Schülern auch als falsch
korrigieren. Andere Kommilitonen meinten, man könne da (wohlgemerkt im
Deutsch-Unterricht) auch mal fünfe gerade sein lassen und das nicht als
falsch werten.
Ich würde es auch nicht anstreichen, da es ja kein Ausweis mangelnder
Rechtschreibkenntnisse ist sondern ein "Statement" das als solches
nicht bewertet werden sollte. So ungerecht wie es ist, Gendersprache
vorzuschreiben, so ungerecht wäre es sie zu sanktionieren.
Post by Klaus Ethgen
Was mache ich aber mit einem
Schüler, der aus Deutschland in die Schweiz zieht und das »ß« gelernt
hat? Streiche ich das als Fehler an? Vermutlich würde ich das nicht
machen.
Ich würde es auch nicht anstreichen, da es trotz allem korrektes
Deutsch ist; so ein Schüler macht es sich allerdings unnötig selbst
schwer, weil er zusätzlich die Eszet-Regeln beachten muss die den
Schweizern egal sein können. Anders sieht es aus wenn eine verbindliche
Regel verkündet würde, Schweizer Rechtschreibung sei verbindlich. Ohne
eine solche Ansage sollte es IMHO gelten gelassen werden.
Post by Klaus Ethgen
(Außer vielleicht im »daß«, das ja auch nach neuestem Duden in
Deutschland nicht mehr erlaubt ist.)
Das ist aber die Frage ob alte oder neue Rechtschreibung anzuwenden
sei, es hat allgemein mit der Schweiz nichts zu tun. Ob heutige Schüler
die alte überhaupt kennen? Wenn nein stellt sich die Frage nicht.
--
Wollt ihr den totalen Lockdown?

http://www.wschwanke.de/ usenet_20031215 (AT) wschwanke (DOT) de
wolfgang sch
2021-06-04 10:09:27 UTC
Permalink
Post by Klaus Ethgen
Meiner Auffassung nach ist dieser ganze Gender-Kram orthographisch
einfach falsch und ich würde es bei meinen Schülern auch als falsch
korrigieren. Andere Kommilitonen meinten, man könne da (wohlgemerkt im
Deutsch-Unterricht) auch mal fünfe gerade sein lassen und das nicht als
falsch werten.
Ich würde es auch nicht anstreichen, da es ja kein Ausweis mangelnder
Rechtschreibkenntnisse ist sondern ein "Statement" das als solches
nicht bewertet werden sollte. So ungerecht wie es ist, Gendersprache
vorzuschreiben, so ungerecht wäre es sie zu sanktionieren.
Post by Klaus Ethgen
Was mache ich aber mit einem
Schüler, der aus Deutschland in die Schweiz zieht und das »ß« gelernt
hat? Streiche ich das als Fehler an? Vermutlich würde ich das nicht
machen.
Ich würde es auch nicht anstreichen, da es trotz allem korrektes
Deutsch ist; so ein Schüler macht es sich allerdings unnötig selbst
schwer, weil er zusätzlich die Eszet-Regeln beachten muss die den
Schweizern egal sein können. Anders sieht es aus wenn eine verbindliche
Regel verkündet würde, Schweizer Rechtschreibung sei verbindlich. Ohne
eine solche Ansage sollte es IMHO gelten gelassen werden.
Post by Klaus Ethgen
(Außer vielleicht im »daß«, das ja auch nach neuestem Duden in
Deutschland nicht mehr erlaubt ist.)
Das ist aber die Frage ob alte oder neue Rechtschreibung anzuwenden
sei, es hat allgemein mit der Schweiz nichts zu tun. Ob heutige Schüler
die alte überhaupt kennen? Wenn nein stellt sich die Frage nicht.
--
Wollt ihr den totalen Lockdown?

http://www.wschwanke.de/ usenet_20031215 (AT) wschwanke (DOT) de
wolfgang sch
2021-06-04 10:16:23 UTC
Permalink
In dieser Sache würde ich Duden skla­visch folgen. Wer das nicht mag,
muss sich bei Duden melden.
Böse Falle: Der Duden gendert neuerdings selbst :)
--
Wollt ihr den totalen Lockdown?

http://www.wschwanke.de/ usenet_20031215 (AT) wschwanke (DOT) de
Uwe Schickedanz
2021-06-05 07:30:47 UTC
Permalink
Post by wolfgang sch
In dieser Sache würde ich Duden skla­visch folgen. Wer das nicht mag,
muss sich bei Duden melden.
Böse Falle: Der Duden gendert neuerdings selbst :)
Der Dud:*Innen, bitteschön!

Gruß Uwe
--
"Wir haben der CDU ganz dringend ans Herz gelegt, sich im dritten
Wahlgang zu enthalten...Leider sind die Abgeordneten sozusagen
ihrer eigenen Entscheidung gefolgt." (AKK)
=== http://www.sicherheitslampe.de ===
Hans
2021-06-05 07:57:05 UTC
Permalink
Post by Uwe Schickedanz
Post by wolfgang sch
In dieser Sache würde ich Duden skla­visch folgen. Wer das nicht mag,
muss sich bei Duden melden.
Böse Falle: Der Duden gendert neuerdings selbst :)
Der Dud:*Innen, bitteschön!
Öha, was ist dann mit dem Dud:*Außen?
Andreas Karrer
2021-06-04 10:54:10 UTC
Permalink
Post by Klaus Ethgen
ich bin zukünftiger Lehrer und hatte letztens eine Diskussion mit
Kommilitonen, die ich mal hier her tragen möchte.
Huch, ein gaaanz neues Thema.
Post by Klaus Ethgen
Meiner Auffassung nach ist dieser ganze Gender-Kram orthographisch
einfach falsch und ich würde es bei meinen Schülern auch als falsch
korrigieren. Andere Kommilitonen meinten, man könne da (wohlgemerkt im
Deutsch-Unterricht) auch mal fünfe gerade sein lassen und das nicht als
falsch werten.
Was meinst du mit "dieser ganze Gender-Kram"? Du wirst dich dem nicht
entziehen können und wirst, gerade an der PH, ohenhin damit täglich
konfroniert. Schon vor 40 Jahren war dort "Lehrperson" und "Schülerinnen
und Schüler" die Regel, vor etwa 20 Jahren wurde "Eltern" durch
"Erziehungsberechtigte" ersetzt. Verlautbarungen der PHs sind in der
Regel bereits gut durchgegendert, da ist nur von Dozierenden,
Studierenden und Schülerinnen und Schülern die Rede. In
Stellenausschreibungen steht "Mitarbeiter:in". Viele Sätze wirken sehr
papiern, weil sie in einem Passiv-Stil verfasst sind, um
Personalpronomen zu vermeiden.

Einige deiner Schüler werden nur wenige Jahre später mit Vorschriften
konfrontiert werden, die ihnen bis aufs i-Tüpfelchen vorschreiben, wie
sie gendern *müssen*. Ihnen in der Schule zu *verbieten*, das zu tun,
ist sicher kontraproduktiv.

Wenn du "Schüler:in" anstreichst -- was gedenkst du zu tun, wenn du
eine wohohoke Schülerin in deiner Klasse hast, die jedesmal, wenn du
"Ärzte" oder sowas sagt, "Ärztinnen und Ärzte!" dazwischenruft? Wenn
dich ein militantes Alphatier in der Schülerzeitung deswegen als
vorgestrigen alten weissen Macho betitelt?
Post by Klaus Ethgen
In dem Zusammenhang bin ich mir auch wieder am überlegen, wie ich mit
dem »ß« umgehe. Ich selber komme aus Deutschland, werde aber in der
Schweiz unterrichten. Hier ist zwar das »ß« nie wirklich abgeschafft
worden aber es wird nicht mehr benutzt.
Bis zur RSR hat sich die Politik kaum um solche Belange gekümmert,
daher ja, es gab nie ein Verbot oder eine Volksinitiative gegen das
"ß", was in der Schweiz ja vorstellbar wäre. Auf niedriger
Verordnungsstufe gab es das schon; in den Lehrplänen wurden die Regeln
explizit nicht mehr gelehrt, im Kanton Zürich ab 1935. Faktisch
abgeschafft war das "ß" spätestens 1974, als auch die NZZ als letzte
Zeitung aufgab.

In letzter Zeit tauchen gelegentlich ß aus Schweizer Feder auf, das
ist in fast allen Fällen eine automatische Rechtschreibkorrektur.

Wir hatten auf Gymnasialstufe die Regeln mal kurz behandelt, oder eher:
uns wurde mitgeteilt, dass es solche Regeln gibt und dass man nicht
einfach ss durch ß ersetzen kann, aber das wurde nie geprüft. Das
liegt sicher im Ermessen des Deutschlehrers, aber als Deutscher würde
ich mich darauf vorbereiten, von den Schülern ausgelacht zu werden,
wenn du zu viel Zeit darauf verwendet. ß ist in der Schweiz einfach
ein Nicht-Thema.
Post by Klaus Ethgen
Meine Einstellung ist nun, daß
(ich schreibe absichtlich »daß«, da ich das so gelernt hatte) ich das
logischerweise nicht unterrichten werde. Was mache ich aber mit einem
Schüler, der aus Deutschland in die Schweiz zieht und das »ß« gelernt
hat? Streiche ich das als Fehler an? Vermutlich würde ich das nicht
machen. (Außer vielleicht im »daß«, das ja auch nach neuestem Duden in
Deutschland nicht mehr erlaubt ist.)
Es ist nicht unwahrscheinlich, dass deutsche Schüler irgendwann wieder
nach Deutschland zurückkehren, daher: Wenn ein Schüler die ß richtig
setzt, ist dagegen natürlich nichts einzuwenden. Wenn er sie nach ARS
und NRS falsch setzt, also z.B. "Waßer", dann würde ich das auf jeden
Fall anstreichen, aber nicht als Fehler werten. Bei "daß" und den
anderen bei der RSR geänderten ß-Schreibungen ist es imho einigermassen
egal, das war ja eine ganze Weile lang richtig und es ist anzunehmen,
dass die Schüler durchaus Bücher lesen werden, in denen "daß"
vorkommt.

Natürlich kommt es auch vor, dass es Schweizer Schüler im späteren
Leben nach D oder A verschlägt. Nur-ss wird aber nach meiner
persönlichen Erfahrung fast immer akzeptiert. In München hatte ich
allerdings eine Mitarbeiterin, die bei Präsentationen und anderem, das
ich ablieferte, die ß korrigierte, sie könne das nicht mitansehen,
ihr schmerzten die Augen. Sie muss später bei der RSR gelitten haben.

Später habe ich etliche Bücher ins Deutsche übersetzt und mit TeX
gesetzt; da hatte ich einfach eine Wörterliste und ein Skript (namens
"fixbeta" :-), das das erledigte. Die sehr seltenen Fälle wie
Busse/Buße, Masse/Maße kannte ich, sonst habens der Lektor und die
Korrektorin angestrichen.


- Andi
Stefan Schmitz
2021-06-04 12:45:48 UTC
Permalink
Post by Andreas Karrer
Es ist nicht unwahrscheinlich, dass deutsche Schüler irgendwann wieder
nach Deutschland zurückkehren, daher: Wenn ein Schüler die ß richtig
setzt, ist dagegen natürlich nichts einzuwenden. Wenn er sie nach ARS
und NRS falsch setzt, also z.B. "Waßer", dann würde ich das auf jeden
Fall anstreichen, aber nicht als Fehler werten. Bei "daß" und den
anderen bei der RSR geänderten ß-Schreibungen ist es imho einigermassen
egal, das war ja eine ganze Weile lang richtig und es ist anzunehmen,
dass die Schüler durchaus Bücher lesen werden, in denen "daß"
vorkommt.
Aber wie kämen Schüler überhaupt auf die Idee, eine Schreibweise zu
verwenden, die bei ihrer Einschulung schon viele Jahre nicht mehr
gelehrt wurde?
Es würde mich wirklich sehr wundern, wenn ein heutiger Lehrer mit
altschreibenden Schülern konfrontiert wäre.
Gerald Gruner
2021-06-04 14:11:20 UTC
Permalink
Lebendige Sprachen entwickeln sich, und Duden wird auch geändert werden.
Was haben "sich entwickelnde lebendige Sprachen" mit dieser zwangsweisen
Einführung von "Gender-Neusprech" durch gewisse Eliten zu tun???

MfG
Gerald
--
"Was würde passieren, wenn ein Student von einem 56 000 km/h schnellen
Rostbraten getroffen würde?"
- Prüfungsfrage gestellt vom Physik-Nobelpreisträger Robert Laughlin
an der Universität Stanford
Stefan Schmitz
2021-06-04 14:18:53 UTC
Permalink
Post by Gerald Gruner
Lebendige Sprachen entwickeln sich, und Duden wird auch geändert werden.
Was haben "sich entwickelnde lebendige Sprachen" mit dieser zwangsweisen
Einführung von "Gender-Neusprech" durch gewisse Eliten zu tun???
Die Sprecher entscheiden, ob sie es übernehmen oder nicht.
Jakob Achterndiek
2021-06-04 14:50:08 UTC
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[..]
Einführung von "Gender-Neusprech" durch gewisse Eliten [..]?
Deshalb sind das ja auch keine Eliten, sondern Emanzen:
nicht ausgewählt, sondern nur aus der Hand gerutscht.
--
j/\a
Bertel Lund Hansen
2021-06-04 17:13:00 UTC
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Post by Gerald Gruner
Was haben "sich entwickelnde lebendige Sprachen" mit dieser zwangsweisen
Einführung von "Gender-Neusprech" durch gewisse Eliten zu tun???
Die Sprache unterscheiden nicht zwischen den Einflüssen. In Dänemark,
z.B. sprach die Elite in vielen Jahren Französisch und Deutsch, und nur
selten Dänisch. Das hat unsere Sprache deutlich geändert.

Handwerker, die früher in Europa reisten (Naver), brachten deutsche
Spezialwörtern nach Dänemark, und die sind heute für uns 'pæredanske',
wenn wir nicht darüber denken.
--
Bertel
Quinn C
2021-06-04 21:59:10 UTC
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Post by Gerald Gruner
Lebendige Sprachen entwickeln sich, und Duden wird auch geändert werden.
Was haben "sich entwickelnde lebendige Sprachen" mit dieser zwangsweisen
Einführung von "Gender-Neusprech" durch gewisse Eliten zu tun???
Im diskutierten Fall, wenn Schüler sie verwenden, ohne vom Lehrer dazu
aufgefordert worden zu sein, dann ist es offenbar keine
Zwangseinführung.
--
Du wirst in der Lage sein, die alte Version zurück, wenn Sie
es wünschen.
-- SPAMPOESIE
Quinn C
2021-06-04 21:59:10 UTC
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Post by Klaus Ethgen
Meiner Auffassung nach ist dieser ganze Gender-Kram orthographisch
einfach falsch und ich würde es bei meinen Schülern auch als falsch
korrigieren.
In dieser Sache würde ich Duden skla­visch folgen. Wer das nicht mag,
muss sich bei Duden melden.
Der Duden ist keine offizielle Instanz mehr. Wichtiger noch: in der
Praxis war er das zu meiner Zeit auch nicht. Eine Schreibweise wurde
vielleicht gelegentlich diskutiert, aber der Duden wurde in der Regel
nicht zur Klärung herangezogen. Ich habe in der Schule selten einen
Duden auch nur gesehen. Am ehesten auf dem Tisch der Sekretärin.

Da standen wir drüber. Wir hätten vielleicht gedacht, daß das
(sklavisches Folgen) für die Realschule in Ordnung wäre, aber für
Schüler, die auf die Universität vorbereitet werden, nicht ausreichend.
Die sollen lernen, wie man entscheidet, welchen Regeln man wann folgt
und wann nicht.

Wir wissen nicht, was der OP unterrichten wird, aber im
Deutschunterricht sollte beim gegenwärtigen Stand Gendern als Thema
gelernt werden, und dann Beispieltexte bewußt mit und ohne verfaßt, als
Übung.
Post by Klaus Ethgen
In dem Zusammenhang bin ich mir auch wieder am überlegen, wie ich mit
dem »ß« umgehe.
Es ist mir als Fremdsprachler unmöglich, ß richtig zu benutzen. Einer in
dieser Gruppe hat mir den Rat gegeben, der schweizischen Norm zu folgen
- dass heisst nur SS schreiben. Da habe ich mir den schweiss von der
Stirn getrocknet.
In deiner Stelle würde ich die Deutsche Norm akzeptieren, wenn ein
Schüler kam, der sie gelernt hat. Dann muss man natürlich verlangen,
dass er den korrekt folgt.
Heute noch die alte Rechtschreibung zu verwenden, oder in der Schweiz
die deutsche, steht für mich auf einer sehr ähnlichen Stufe wie
Genderschreibung: die bewußte Wahl eines anderen Systems als des
üblichen.
--
Wir haben ein Teil von Ihren persönlichen Angaben ausgestriechen.
Mit freundlichen Grüßen Managementteam der Angaben mit persönlichem
Charakter der Paypal
-- SPAMPOESIE
H.-P. Schulz
2021-06-05 08:23:54 UTC
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Post by Klaus Ethgen
Hi Folks,
ich bin zukünftiger Lehrer und hatte letztens eine Diskussion mit
Kommilitonen, die ich mal hier her tragen möchte.
Meiner Auffassung nach ist dieser ganze Gender-Kram orthographisch
einfach falsch und ich würde es bei meinen Schülern auch als falsch
korrigieren. Andere Kommilitonen meinten, man könne da (wohlgemerkt im
Deutsch-Unterricht) auch mal fünfe gerade sein lassen und das nicht als
falsch werten.
In unserem auf Selektion getrimmten Schulsystem kann ein
"Orthografie"-Fehler (gemeint: ein von der Lehrkraft als solcher
angestrichener) für den weiteren Selektions- also Lebensweg bedeutsam
werden, kann er doch eventuell die Schwelle von '4' zu '5' markieren,
was, wenn 's dumm läuft, die respektive Zeugnisnote auf '5' flippen
lässt ... was, wenn 's dumm läuft, die weitere Schullaufbahn ... Klar?

Drum: VORSICHT!!

Und auf "vermintem Terrain" (... und das "Gender-Zeugs" würde ich
z.Zt. als solches einstufen) lautet die Devise für die Lehrkraft, die
vorhat, einigermaßen gesund den Ruhestand zu erreichen, allemal und
unbedingt auf "Fünf gerade sein lassen"!
Post by Klaus Ethgen
Dabei kam auch die Frage auf, wie eine Sprache sich denn entwickelt und
ob wirklich nur das, was im Duden steht, korrekt ist. (Meiner Meinung
nach, ist das spätestens nach der Schlechtschreibreform im vergangenen
Jahrtausend definitiv so.)
Wo - warum auch immer - eindeutig auf "korrekt" bzw. "falsch"
entschieden werden soll, muss ein "amtlicher" Kodex existieren. Und
was vor diesem Kodex dann "korrekt" genannt wird, müsste richtiger
"konform" heißen: kodexkonform.

Da, wie ich immer mitbekomme, der "Duden" immer "demokratischer" wird,
was meint, dass er zu vielen Wörtern mehrere Schreibungen aufführt,
ist er im Urteil derer, die auf jeweils "einzig korrekte" Schreibung
aus sind, kein ernst zu nehmender Kodex mehr.
Ulf Kutzner
2021-06-05 08:40:03 UTC
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Post by H.-P. Schulz
Post by Klaus Ethgen
Dabei kam auch die Frage auf, wie eine Sprache sich denn entwickelt und
ob wirklich nur das, was im Duden steht, korrekt ist. (Meiner Meinung
nach, ist das spätestens nach der Schlechtschreibreform im vergangenen
Jahrtausend definitiv so.)
Wo - warum auch immer - eindeutig auf "korrekt" bzw. "falsch"
entschieden werden soll, muss ein "amtlicher" Kodex existieren. Und
was vor diesem Kodex dann "korrekt" genannt wird, müsste richtiger
"konform" heißen: kodexkonform.
Ich hallte es vyr nicht ganns färkeert, västtsulehgen, wi ätwaß notirt wärden sol.
Bertel Lund Hansen
2021-06-05 08:50:45 UTC
Permalink
Post by Ulf Kutzner
Ich hallte es vyr nicht ganns färkeert, västtsulehgen, wi ätwaß notirt wärden sol.
Gänaw!
--
Bertel
Stefan Schmitz
2021-06-05 11:49:13 UTC
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Post by H.-P. Schulz
Post by Klaus Ethgen
Hi Folks,
ich bin zukünftiger Lehrer und hatte letztens eine Diskussion mit
Kommilitonen, die ich mal hier her tragen möchte.
Meiner Auffassung nach ist dieser ganze Gender-Kram orthographisch
einfach falsch und ich würde es bei meinen Schülern auch als falsch
korrigieren. Andere Kommilitonen meinten, man könne da (wohlgemerkt im
Deutsch-Unterricht) auch mal fünfe gerade sein lassen und das nicht als
falsch werten.
In unserem auf Selektion getrimmten Schulsystem kann ein
"Orthografie"-Fehler (gemeint: ein von der Lehrkraft als solcher
angestrichener) für den weiteren Selektions- also Lebensweg bedeutsam
werden, kann er doch eventuell die Schwelle von '4' zu '5' markieren,
was, wenn 's dumm läuft, die respektive Zeugnisnote auf '5' flippen
lässt ... was, wenn 's dumm läuft, die weitere Schullaufbahn ... Klar?
Drum: VORSICHT!!
Und auf "vermintem Terrain" (... und das "Gender-Zeugs" würde ich
z.Zt. als solches einstufen) lautet die Devise für die Lehrkraft, die
vorhat, einigermaßen gesund den Ruhestand zu erreichen, allemal und
unbedingt auf "Fünf gerade sein lassen"!
"Fünf gerade sein lassen" bedeutet also, dass der Lehrer statt der 5
eine 4 gibt?
Detlef Meißner
2021-06-05 12:24:57 UTC
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Post by H.-P. Schulz
Post by Klaus Ethgen
Hi Folks,
ich bin zukünftiger Lehrer und hatte letztens eine Diskussion mit
Kommilitonen, die ich mal hier her tragen möchte.
Meiner Auffassung nach ist dieser ganze Gender-Kram orthographisch
einfach falsch und ich würde es bei meinen Schülern auch als falsch
korrigieren. Andere Kommilitonen meinten, man könne da (wohlgemerkt im
Deutsch-Unterricht) auch mal fünfe gerade sein lassen und das nicht als
falsch werten.
In unserem auf Selektion getrimmten Schulsystem kann ein
"Orthografie"-Fehler (gemeint: ein von der Lehrkraft als solcher
angestrichener) für den weiteren Selektions- also Lebensweg bedeutsam
werden, kann er doch eventuell die Schwelle von '4' zu '5' markieren,
was, wenn 's dumm läuft, die respektive Zeugnisnote auf '5' flippen
lässt ... was, wenn 's dumm läuft, die weitere Schullaufbahn ... Klar?
Drum: VORSICHT!!
Und auf "vermintem Terrain" (... und das "Gender-Zeugs" würde ich
z.Zt. als solches einstufen) lautet die Devise für die Lehrkraft, die
vorhat, einigermaßen gesund den Ruhestand zu erreichen, allemal und
unbedingt auf "Fünf gerade sein lassen"!
"Fünf gerade sein lassen" bedeutet also, dass der Lehrer statt der 5 eine 4
gibt?
Am besten gar keine Note, dann klappt's auch mit der Berufslaufbahn.

Detlef
--
Wer nicht will, findet Gründe, wer will, findet Wege.
H.-P. Schulz
2021-06-05 15:27:46 UTC
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Post by H.-P. Schulz
Da, wie ich immer mitbekomme, der "Duden" immer "demokratischer" wird,
was meint, dass er zu vielen Wörtern mehrere Schreibungen aufführt,
ist er im Urteil derer, die auf jeweils "einzig korrekte" Schreibung
aus sind, kein ernst zu nehmender Kodex mehr.
Duden? Was ist das überhaupt?
Orthographisch richtig ist alles, was "Word" nicht unterringelt.
À propos ... Wenn ich mal - spaßeshalber - die RS-Prüfung laufen
lasse, wird mir erst bewusst, wie viele Wörter ich pro Stückchen neu
schöpfe. Ich mache ja gern so Sachen wie Alleszusammenschreiben,
besonders wenn 's mal wieder verteufelt feuilletonistisch zu werden
hat.

Ich habe über Rechtschreibung, Rechtschreibreformen und Verschriftung
gearbeitet; damals war die Frage der Großschreibung bzw. der
eventuellen Alleskleinschreibung auf dem Tapet. So Sachen.

Ich habe meine Meinung zur Orthografie seither fast ins Gegenteil
geändert. Ich halte eine gut kodifizierte Schreibung (also eine
Rechtschreibung), - die übrigens auch dem fremdsprachigen Lerner eine
große Hilfe ist!, für eine gute Sache, und ihre Befolgung für eine
Höflichkeitspflicht jeglichem Leser gegenüber.
Detlef Meißner
2021-06-05 16:24:20 UTC
Permalink
Post by H.-P. Schulz
Ich habe über Rechtschreibung, Rechtschreibreformen und Verschriftung
gearbeitet; damals war die Frage der Großschreibung bzw. der
eventuellen Alleskleinschreibung auf dem Tapet. So Sachen.
Ich habe meine Meinung zur Orthografie seither fast ins Gegenteil
geändert.
Aber sind denn diese gegenteiligen Meinungen auch dokumentiert?
Oft ist es doch so, dass Arbeiten in jungen Jahren, in denen man meint,
besonders klug zu sein, erfolgen. Die Revision der Meinungen geht dann
oft unter.

Detlef
--
Wer Fragen stellt, muss gegenwärtig sein, Anworten zu bekommen, die
nicht gefallen...
Helmut Richter
2021-06-05 18:09:37 UTC
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Post by H.-P. Schulz
Wo - warum auch immer - eindeutig auf "korrekt" bzw. "falsch"
entschieden werden soll, muss ein "amtlicher" Kodex existieren. Und
was vor diesem Kodex dann "korrekt" genannt wird, müsste richtiger
"konform" heißen: kodexkonform.
Da, wie ich immer mitbekomme, der "Duden" immer "demokratischer" wird,
was meint, dass er zu vielen Wörtern mehrere Schreibungen aufführt,
ist er im Urteil derer, die auf jeweils "einzig korrekte" Schreibung
aus sind, kein ernst zu nehmender Kodex mehr.
„demokratisch“ soll wohl heißen deskriptiv: berichtet, wie die Leute reden und
schreiben; das Gegenteil wäre „diktatorisch“, also präskriptiv: legt fest, was
richtig und was falsch ist.

Ein vernünftiges Wörterbuch hat von beidem etwas: weder ist jeder Fehler, den
mehr als einer mal gemacht hat, ein wertvoller Beitrag zum Sprachwandel, noch
ist es sinnvoll, Sprachwandel zu vereiteln zu versuchen, indem man einfach
vorschreibt, die bisherige Sprache gelte unverändert weiter.

Der Duden ist nicht mehr normativ, also ist ein präskriptiver Ansatz ohne
bindende Wirkung. Trotzdem ist er dort sinnvoll, wo es einen weitgehenden
Konsensus der kompetenten Sprecher gibt, was richtig und was falsch ist.
Außerdem wird ein Nachschlagewerk zu Rate gezogen, wenn man unsicher ist, und
unsicher ist man, wenn man etwas oft hört oder liest, aber Zweifel hat, ob es
richtig ist. Dann hilft die deskriptive Information, man höre oder lese dies
und jenes jetzt öfter, nicht wirklich weiter; deswegen hat man ja
nachgeschlagen.

Wichtig: Zum Thema Gendern ist das Folgende kein Beitrag – das ist
ausgelutscht – sondern nur zur Gebrauchstauglichkeit des Dudens am *Beispiel*
Gendern, weil das in diesem Thread der Ausgangspunkt war.

In den letzten Jahrzehnten hat sich beim Duden ein stärker deskriptiver Ansatz
durchgesetzt. Speziell beim Gendern ist er aber inkonsequent:

– Einerseits hat er die Semantik *gegen* den Sprachgebrauch voll gegendert:
ein „Arzt“ kann keine Frau sein (mit einer nachträglich eingefügten
Ausnahme, die aber de facto der Normalfall der Wortbenutzung ist), ein
„Mädchen“ muss ein Kind sein, keine Heranwachsende oder junge Erwachsene.
Dafür wurde, um sich ja nicht den Mund zu verbrennen, das Wort „Mädchen“
zwei Monate lang aus dem Online-Duden gestrichen und ist jetzt mit einer
Gebrauchswarnung versehen zurück: „Im modernen Sprachgebrauch sollte das
Wort Mädchen nur noch in der Bedeutung ‚Kind weiblichen Geschlechts‘
verwendet werden. In den weiteren veraltenden oder veralteten Bedeutungen
gilt die Bezeichnung Mädchen zunehmend als diskriminierend.“ – „sollte
... verwendet werden“ ist aber rein präskriptiv, deskriptiv (aber unwahr)
wäre „wird ... verwendet“.

– Andererseits werden Spracherweiterungen wie die Pluraliatantum auf
„-*innen“ mit dem neuen Buchstaben „*“ zur Bezeichnung des neuerdings
lexemintern vorkommenden Glottisschlags nicht aufgeführt. Duden-konform
lässt sich also nur schreiben, indem man bei *jedem* Vorkommen eines
movierbaren generischen Wortes die movierte und die unmovierte Form
benutzt.

– Die Aufnahme so wichtiger Lemmata wie „Müllwerkerin“ und „Stahlkocherin“,
jedoch inkonsequenterweise nicht „Bergfrau“ und „Müllfrau“, ist gegenüber
der vorgenannten Inkonsequenz ein vernachlässigbarer Schönheitsfehler.

Ich schaue schon ab und zu hinein, z.B. um reine Rechtschreibfehler zu
vermeiden, aber für Entscheidungen richtig/falsch oder gebräuchlich/
ungebräuchlich taugt er nicht mehr. Drin steht, was nach Meinung der Redaktion
in der Sprache vorkommen *sollte*, und das wird dann so beschrieben, als wäre
das auch der ausschließliche tatsächliche Sprachgebrauch.

--
Helmut Richter

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