Discussion:
Gender-Zeugs und Schule
(zu alt für eine Antwort)
Klaus Ethgen
2021-06-04 08:32:14 UTC
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Hi Folks,

ich bin zukünftiger Lehrer und hatte letztens eine Diskussion mit
Kommilitonen, die ich mal hier her tragen möchte.

Meiner Auffassung nach ist dieser ganze Gender-Kram orthographisch
einfach falsch und ich würde es bei meinen Schülern auch als falsch
korrigieren. Andere Kommilitonen meinten, man könne da (wohlgemerkt im
Deutsch-Unterricht) auch mal fünfe gerade sein lassen und das nicht als
falsch werten.

Dabei kam auch die Frage auf, wie eine Sprache sich denn entwickelt und
ob wirklich nur das, was im Duden steht, korrekt ist. (Meiner Meinung
nach, ist das spätestens nach der Schlechtschreibreform im vergangenen
Jahrtausend definitiv so.)

In dem Zusammenhang bin ich mir auch wieder am überlegen, wie ich mit
dem »ß« umgehe. Ich selber komme aus Deutschland, werde aber in der
Schweiz unterrichten. Hier ist zwar das »ß« nie wirklich abgeschafft
worden aber es wird nicht mehr benutzt. Meine Einstellung ist nun, daß
(ich schreibe absichtlich »daß«, da ich das so gelernt hatte) ich das
logischerweise nicht unterrichten werde. Was mache ich aber mit einem
Schüler, der aus Deutschland in die Schweiz zieht und das »ß« gelernt
hat? Streiche ich das als Fehler an? Vermutlich würde ich das nicht
machen. (Außer vielleicht im »daß«, das ja auch nach neuestem Duden in
Deutschland nicht mehr erlaubt ist.)

Einen wirklichen Konsens bekamen wir nicht hin.

-- Klaus
--
Klaus Ethgen http://www.ethgen.ch/
pub 4096R/4E20AF1C 2011-05-16 Klaus Ethgen <***@Ethgen.ch>
Fingerprint: 85D4 CA42 952C 949B 1753 62B3 79D0 B06F 4E20 AF1C
Jakob Achterndiek
2021-06-04 09:17:06 UTC
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Post by Klaus Ethgen
Hi Folks,
ich bin zukünftiger Lehrer [..]
In dem Zusammenhang bin ich mir auch wieder am überlegen, [..]
Der Bauer ist die Kuh am Schwanz am Stall am Tor am raus am ziehen.
--
j/\a
Stefan Schmitz
2021-06-04 09:31:31 UTC
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Post by Klaus Ethgen
Meiner Auffassung nach ist dieser ganze Gender-Kram orthographisch
einfach falsch und ich würde es bei meinen Schülern auch als falsch
korrigieren. Andere Kommilitonen meinten, man könne da (wohlgemerkt im
Deutsch-Unterricht) auch mal fünfe gerade sein lassen und das nicht als
falsch werten.
Hat denn schon jemand von euch erlebt, dass Schüler das benutzen?
Ich halte das für sehr unwahrscheinlich. Allenfalls bei
Oberstufenschülern mit großem Engagement für Gendergerechtigkeit kann
ich mir dergleichen vorstellen. Und denen muss man nicht als falsch
ankreiden, was sich auch in vielen Zeitungen finden lässt. Die wissen,
dass es eine bewusste Abweichung von der Normalschreibung ist.
Heinz Lohmann
2021-06-04 09:49:13 UTC
Permalink
Post by Klaus Ethgen
Meiner Auffassung nach ist dieser ganze Gender-Kram orthographisch
einfach falsch und ich würde es bei meinen Schülern auch als falsch
korrigieren. Andere Kommilitonen meinten, man könne da (wohlgemerkt im
Deutsch-Unterricht) auch mal fünfe gerade sein lassen und das nicht als
falsch werten.
Egal in welchem Jahrgang bzw. auf welcher Stufe:

Es ist im Umgang mit Menschen eine gute Idee, auch "mal fünfe gerade
sein zu lassen".
--
mfg
Heinz Lohmann
Tamsui, Taiwan

Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat. W.B.
Jakob Achterndiek
2021-06-04 11:04:07 UTC
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Post by Heinz Lohmann
[..] Andere Kommilitonen meinten, man könne da (wohlgemerkt im
Deutsch-Unterricht) auch mal fünfe gerade sein lassen und das
nicht als falsch werten.
Es ist im Umgang mit Menschen eine gute Idee, auch "mal fünfe
gerade sein zu lassen".
Aber ich halte es für keine gute Idee, jungen Leuten dabei
zuzusehen oder sie gar zu ermuntern, daß sie bewußt Regeln
brechen, bevor sie überhaupt den Sinn solcher Regeln erfaßt
haben.

Mir fällt dabei aber auch ein, daß ich einen Kollegen hatte,
der ohne einen Funken Zweifel oder Ironie erklärte: "Regeln
sind dazu da, daß sie eingehalten werden." Er konnte nicht
erkennen, daß ihm da ein "missing Link" zur Todsünde jeder
Pädagogik geworden war.

Apropos missing Link: Unsere Zeitung titelte heute:
| Alte Menschen benutzen oft kein Smartphone.

Tun die einfach nicht.
Aber das oft.
--
j/\a
Detlef Meißner
2021-06-04 11:20:52 UTC
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Post by Jakob Achterndiek
Post by Jakob Achterndiek
Alte Menschen benutzen oft kein Smartphone.
Tun die einfach nicht.
Aber das oft.
Ich verstehe den Satz so: Alte Menschen benutzen oft dort kein
Smartphone, wo sie es hätten tun können, es sei denn sie hätten keins.

Detlef
--
Erkenne im bereits Gewesenen Strukturen, die so ähnlich heute zur
Gefahr werden könnten.
Stefan Schmitz
2021-06-04 12:35:06 UTC
Permalink
Post by Jakob Achterndiek
Post by Heinz Lohmann
[..] Andere Kommilitonen meinten, man könne da (wohlgemerkt im
Deutsch-Unterricht) auch mal fünfe gerade sein lassen und das
nicht als falsch werten.
Es ist im Umgang mit Menschen eine gute Idee, auch "mal fünfe
gerade sein zu lassen".
Aber ich halte es für keine gute Idee, jungen Leuten dabei
zuzusehen oder sie gar zu ermuntern, daß sie bewußt Regeln
brechen, bevor sie überhaupt den Sinn solcher Regeln erfaßt
haben.
Wie kann man *bewusst* gegen Regeln verstoßen, ohne ihren Sinn erfasst
zu haben?

Oder meinst du mit "Sinn erfassen" ein tieferes Verständnis, warum die
Regeln so und nicht anders sind? Das wird niemand in der Schulzeit bekommen.
Detlef Meißner
2021-06-04 12:49:45 UTC
Permalink
Post by Jakob Achterndiek
Post by Heinz Lohmann
[..] Andere Kommilitonen meinten, man könne da (wohlgemerkt im
Deutsch-Unterricht) auch mal fünfe gerade sein lassen und das
nicht als falsch werten.
Es ist im Umgang mit Menschen eine gute Idee, auch "mal fünfe
gerade sein zu lassen".
Aber ich halte es für keine gute Idee, jungen Leuten dabei
zuzusehen oder sie gar zu ermuntern, daß sie bewußt Regeln
brechen, bevor sie überhaupt den Sinn solcher Regeln erfaßt
haben.
Wie kann man *bewusst* gegen Regeln verstoßen, ohne ihren Sinn erfasst zu
haben?
Indem man die Regeln, die einem genannt werden, befolgt.

"Der Herr geht links von der Frau" kann befolgt werden, ohne den Sinn
erfasst zu haben.

Detlef
--
Die eigentliche Aufgabe eines Freundes ist, dir beizustehen, wenn du im
Unrecht bist. Jedermann ist auf deiner Seite, wenn du im Recht bist.
(Mark Twain)
Helmut Richter
2021-06-04 13:10:49 UTC
Permalink
Post by Detlef Meißner
Indem man die Regeln, die einem genannt werden, befolgt.
"Der Herr geht links von der Frau" kann befolgt werden, ohne den Sinn erfasst
zu haben.
In England bin ich damit reingefallen. Damals galt dort, was ich auch
sinnvoller finde, dass der Herr auf der der Fahrbahn zugewandten Seite des
Bürgersteigs geht. Wenn schon ritterlicher Schutz – welch sexistische
Vorstellung! – dann nicht vor abstrakten Gefahren, die von links kommen,
sondern vor dem Inhalt von Pfützen, der von Kraftfahrern über Passanten
ergossen wird.
--
Helmut Richter
Detlef Meißner
2021-06-04 13:25:15 UTC
Permalink
Post by Helmut Richter
Post by Detlef Meißner
Indem man die Regeln, die einem genannt werden, befolgt.
"Der Herr geht links von der Frau" kann befolgt werden, ohne den Sinn
erfasst zu haben.
In England bin ich damit reingefallen. Damals galt dort, was ich auch
sinnvoller finde, dass der Herr auf der der Fahrbahn zugewandten Seite des
Bürgersteigs geht.
Kenne ich auch so.
Ist aber doch nur sinnvoll, wenn man den Bürgersteig benutzt - und dann
haben die Damen freien Blick auf die Schaufensterauslagen.
Post by Helmut Richter
Wenn schon ritterlicher Schutz – welch sexistische
Vorstellung! – dann nicht vor abstrakten Gefahren, die von links kommen,
sondern vor dem Inhalt von Pfützen, der von Kraftfahrern über Passanten
ergossen wird.
Wenn schon ritterlich, dann die Frau auf der rechten Seite, damit man
schnell den Degen/das Schwert ziehen kann. Bei Linkshändern umgekehrt.

Detlef
--
"Was die Massen überzeugt, sind keine Fakten, noch nicht einmal
erfundene Fakten, sondern die Konsistenz der Illusion." (Hannah Arendt)
Stephan Seitz
2021-06-04 13:29:35 UTC
Permalink
Post by Detlef Meißner
Wenn schon ritterlich, dann die Frau auf der rechten Seite, damit man
schnell den Degen/das Schwert ziehen kann. Bei Linkshändern umgekehrt.
Wie willst du als Rechtshänder mit rechts den Degen/das Schwert
ziehen, wenn die Frau rechts geht und sich an dem Arm klammert?

Wäre es nicht logischer, wenn die Frau in diesem Fall links ginge, so
daß dein rechter Arm frei wäre, um an die Waffe zu kommen?

Shade and sweet water!

Stephan
--
| Stephan Seitz E-Mail: stse+***@rootsland.net |
| If your life was a horse, you'd have to shoot it. |
Detlef Meißner
2021-06-04 14:01:44 UTC
Permalink
Post by Stephan Seitz
Post by Detlef Meißner
Wenn schon ritterlich, dann die Frau auf der rechten Seite, damit man
schnell den Degen/das Schwert ziehen kann. Bei Linkshändern umgekehrt.
Wie willst du als Rechtshänder mit rechts den Degen/das Schwert
ziehen, wenn die Frau rechts geht und sich an dem Arm klammert?
Die Frau wird dann schon loslassen. Notfalls wird sie weggestoßen.
Post by Stephan Seitz
Wäre es nicht logischer, wenn die Frau in diesem Fall links ginge, so
daß dein rechter Arm frei wäre, um an die Waffe zu kommen?
Du meinst, wenn sie links geht, schlägt ihr der Degen so lustig gegen
die Beine?

Detlef
--
Die deutsche Sprache sollte sanft und ehrfurchtsvoll zu den toten
Sprachen abgelegt werden, denn nur die Toten haben die Zeit, diese
Sprache zu lernen. (Mark Twain)
Stefan Schmitz
2021-06-04 13:20:04 UTC
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Post by Detlef Meißner
Post by Stefan Schmitz
Post by Jakob Achterndiek
Post by Heinz Lohmann
[..] Andere Kommilitonen meinten, man könne da (wohlgemerkt im
Deutsch-Unterricht) auch mal fünfe gerade sein lassen und das
nicht als falsch werten.
Es ist im Umgang mit Menschen eine gute Idee, auch "mal fünfe
gerade sein zu lassen".
Aber ich halte es für keine gute Idee, jungen Leuten dabei
zuzusehen oder sie gar zu ermuntern, daß sie bewußt Regeln
brechen, bevor sie überhaupt den Sinn solcher Regeln erfaßt
haben.
Wie kann man *bewusst* gegen Regeln verstoßen, ohne ihren Sinn erfasst
zu haben?
Indem man die Regeln, die einem genannt werden, befolgt.
Es geht um bewusstes Verstoßen, nicht um blindes Befolgen.
Post by Detlef Meißner
"Der Herr geht links von der Frau" kann befolgt werden, ohne den Sinn
erfasst zu haben.
Die kenne ich nicht. Dagegen kann ich nicht bewusst verstoßen.
Detlef Meißner
2021-06-04 13:28:10 UTC
Permalink
Post by Stefan Schmitz
Post by Detlef Meißner
Post by Jakob Achterndiek
Post by Heinz Lohmann
[..] Andere Kommilitonen meinten, man könne da (wohlgemerkt im
Deutsch-Unterricht) auch mal fünfe gerade sein lassen und das
nicht als falsch werten.
Es ist im Umgang mit Menschen eine gute Idee, auch "mal fünfe
gerade sein zu lassen".
Aber ich halte es für keine gute Idee, jungen Leuten dabei
zuzusehen oder sie gar zu ermuntern, daß sie bewußt Regeln
brechen, bevor sie überhaupt den Sinn solcher Regeln erfaßt
haben.
Wie kann man *bewusst* gegen Regeln verstoßen, ohne ihren Sinn erfasst zu
haben?
Indem man die Regeln, die einem genannt werden, befolgt.
Es geht um bewusstes Verstoßen, nicht um blindes Befolgen.
Bewusstes Verstoßen bedeutet, dass man weiß, dass man gegen Regeln
verstößt. Nennt man Vorsatz.
Post by Stefan Schmitz
Post by Detlef Meißner
"Der Herr geht links von der Frau" kann befolgt werden, ohne den Sinn
erfasst zu haben.
Die kenne ich nicht. Dagegen kann ich nicht bewusst verstoßen.
Jetzt kannst du!

Detlef
--
Verordnetes Gendern _ist_ Fundamentalismus!
[Henning Sponbiel]
wolfgang sch
2021-06-04 10:09:11 UTC
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Post by Klaus Ethgen
Meiner Auffassung nach ist dieser ganze Gender-Kram orthographisch
einfach falsch und ich würde es bei meinen Schülern auch als falsch
korrigieren. Andere Kommilitonen meinten, man könne da (wohlgemerkt im
Deutsch-Unterricht) auch mal fünfe gerade sein lassen und das nicht als
falsch werten.
Ich würde es auch nicht anstreichen, da es ja kein Ausweis mangelnder
Rechtschreibkenntnisse ist sondern ein "Statement" das als solches
nicht bewertet werden sollte. So ungerecht wie es ist, Gendersprache
vorzuschreiben, so ungerecht wäre es sie zu sanktionieren.
Post by Klaus Ethgen
Was mache ich aber mit einem
Schüler, der aus Deutschland in die Schweiz zieht und das »ß« gelernt
hat? Streiche ich das als Fehler an? Vermutlich würde ich das nicht
machen.
Ich würde es auch nicht anstreichen, da es trotz allem korrektes
Deutsch ist; so ein Schüler macht es sich allerdings unnötig selbst
schwer, weil er zusätzlich die Eszet-Regeln beachten muss die den
Schweizern egal sein können. Anders sieht es aus wenn eine verbindliche
Regel verkündet würde, Schweizer Rechtschreibung sei verbindlich. Ohne
eine solche Ansage sollte es IMHO gelten gelassen werden.
Post by Klaus Ethgen
(Außer vielleicht im »daß«, das ja auch nach neuestem Duden in
Deutschland nicht mehr erlaubt ist.)
Das ist aber die Frage ob alte oder neue Rechtschreibung anzuwenden
sei, es hat allgemein mit der Schweiz nichts zu tun. Ob heutige Schüler
die alte überhaupt kennen? Wenn nein stellt sich die Frage nicht.
--
Wollt ihr den totalen Lockdown?

http://www.wschwanke.de/ usenet_20031215 (AT) wschwanke (DOT) de
wolfgang sch
2021-06-04 10:09:20 UTC
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Post by Klaus Ethgen
Meiner Auffassung nach ist dieser ganze Gender-Kram orthographisch
einfach falsch und ich würde es bei meinen Schülern auch als falsch
korrigieren. Andere Kommilitonen meinten, man könne da (wohlgemerkt im
Deutsch-Unterricht) auch mal fünfe gerade sein lassen und das nicht als
falsch werten.
Ich würde es auch nicht anstreichen, da es ja kein Ausweis mangelnder
Rechtschreibkenntnisse ist sondern ein "Statement" das als solches
nicht bewertet werden sollte. So ungerecht wie es ist, Gendersprache
vorzuschreiben, so ungerecht wäre es sie zu sanktionieren.
Post by Klaus Ethgen
Was mache ich aber mit einem
Schüler, der aus Deutschland in die Schweiz zieht und das »ß« gelernt
hat? Streiche ich das als Fehler an? Vermutlich würde ich das nicht
machen.
Ich würde es auch nicht anstreichen, da es trotz allem korrektes
Deutsch ist; so ein Schüler macht es sich allerdings unnötig selbst
schwer, weil er zusätzlich die Eszet-Regeln beachten muss die den
Schweizern egal sein können. Anders sieht es aus wenn eine verbindliche
Regel verkündet würde, Schweizer Rechtschreibung sei verbindlich. Ohne
eine solche Ansage sollte es IMHO gelten gelassen werden.
Post by Klaus Ethgen
(Außer vielleicht im »daß«, das ja auch nach neuestem Duden in
Deutschland nicht mehr erlaubt ist.)
Das ist aber die Frage ob alte oder neue Rechtschreibung anzuwenden
sei, es hat allgemein mit der Schweiz nichts zu tun. Ob heutige Schüler
die alte überhaupt kennen? Wenn nein stellt sich die Frage nicht.
--
Wollt ihr den totalen Lockdown?

http://www.wschwanke.de/ usenet_20031215 (AT) wschwanke (DOT) de
wolfgang sch
2021-06-04 10:09:27 UTC
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Post by Klaus Ethgen
Meiner Auffassung nach ist dieser ganze Gender-Kram orthographisch
einfach falsch und ich würde es bei meinen Schülern auch als falsch
korrigieren. Andere Kommilitonen meinten, man könne da (wohlgemerkt im
Deutsch-Unterricht) auch mal fünfe gerade sein lassen und das nicht als
falsch werten.
Ich würde es auch nicht anstreichen, da es ja kein Ausweis mangelnder
Rechtschreibkenntnisse ist sondern ein "Statement" das als solches
nicht bewertet werden sollte. So ungerecht wie es ist, Gendersprache
vorzuschreiben, so ungerecht wäre es sie zu sanktionieren.
Post by Klaus Ethgen
Was mache ich aber mit einem
Schüler, der aus Deutschland in die Schweiz zieht und das »ß« gelernt
hat? Streiche ich das als Fehler an? Vermutlich würde ich das nicht
machen.
Ich würde es auch nicht anstreichen, da es trotz allem korrektes
Deutsch ist; so ein Schüler macht es sich allerdings unnötig selbst
schwer, weil er zusätzlich die Eszet-Regeln beachten muss die den
Schweizern egal sein können. Anders sieht es aus wenn eine verbindliche
Regel verkündet würde, Schweizer Rechtschreibung sei verbindlich. Ohne
eine solche Ansage sollte es IMHO gelten gelassen werden.
Post by Klaus Ethgen
(Außer vielleicht im »daß«, das ja auch nach neuestem Duden in
Deutschland nicht mehr erlaubt ist.)
Das ist aber die Frage ob alte oder neue Rechtschreibung anzuwenden
sei, es hat allgemein mit der Schweiz nichts zu tun. Ob heutige Schüler
die alte überhaupt kennen? Wenn nein stellt sich die Frage nicht.
--
Wollt ihr den totalen Lockdown?

http://www.wschwanke.de/ usenet_20031215 (AT) wschwanke (DOT) de
wolfgang sch
2021-06-04 10:16:23 UTC
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In dieser Sache würde ich Duden skla­visch folgen. Wer das nicht mag,
muss sich bei Duden melden.
Böse Falle: Der Duden gendert neuerdings selbst :)
--
Wollt ihr den totalen Lockdown?

http://www.wschwanke.de/ usenet_20031215 (AT) wschwanke (DOT) de
Andreas Karrer
2021-06-04 10:54:10 UTC
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Post by Klaus Ethgen
ich bin zukünftiger Lehrer und hatte letztens eine Diskussion mit
Kommilitonen, die ich mal hier her tragen möchte.
Huch, ein gaaanz neues Thema.
Post by Klaus Ethgen
Meiner Auffassung nach ist dieser ganze Gender-Kram orthographisch
einfach falsch und ich würde es bei meinen Schülern auch als falsch
korrigieren. Andere Kommilitonen meinten, man könne da (wohlgemerkt im
Deutsch-Unterricht) auch mal fünfe gerade sein lassen und das nicht als
falsch werten.
Was meinst du mit "dieser ganze Gender-Kram"? Du wirst dich dem nicht
entziehen können und wirst, gerade an der PH, ohenhin damit täglich
konfroniert. Schon vor 40 Jahren war dort "Lehrperson" und "Schülerinnen
und Schüler" die Regel, vor etwa 20 Jahren wurde "Eltern" durch
"Erziehungsberechtigte" ersetzt. Verlautbarungen der PHs sind in der
Regel bereits gut durchgegendert, da ist nur von Dozierenden,
Studierenden und Schülerinnen und Schülern die Rede. In
Stellenausschreibungen steht "Mitarbeiter:in". Viele Sätze wirken sehr
papiern, weil sie in einem Passiv-Stil verfasst sind, um
Personalpronomen zu vermeiden.

Einige deiner Schüler werden nur wenige Jahre später mit Vorschriften
konfrontiert werden, die ihnen bis aufs i-Tüpfelchen vorschreiben, wie
sie gendern *müssen*. Ihnen in der Schule zu *verbieten*, das zu tun,
ist sicher kontraproduktiv.

Wenn du "Schüler:in" anstreichst -- was gedenkst du zu tun, wenn du
eine wohohoke Schülerin in deiner Klasse hast, die jedesmal, wenn du
"Ärzte" oder sowas sagt, "Ärztinnen und Ärzte!" dazwischenruft? Wenn
dich ein militantes Alphatier in der Schülerzeitung deswegen als
vorgestrigen alten weissen Macho betitelt?
Post by Klaus Ethgen
In dem Zusammenhang bin ich mir auch wieder am überlegen, wie ich mit
dem »ß« umgehe. Ich selber komme aus Deutschland, werde aber in der
Schweiz unterrichten. Hier ist zwar das »ß« nie wirklich abgeschafft
worden aber es wird nicht mehr benutzt.
Bis zur RSR hat sich die Politik kaum um solche Belange gekümmert,
daher ja, es gab nie ein Verbot oder eine Volksinitiative gegen das
"ß", was in der Schweiz ja vorstellbar wäre. Auf niedriger
Verordnungsstufe gab es das schon; in den Lehrplänen wurden die Regeln
explizit nicht mehr gelehrt, im Kanton Zürich ab 1935. Faktisch
abgeschafft war das "ß" spätestens 1974, als auch die NZZ als letzte
Zeitung aufgab.

In letzter Zeit tauchen gelegentlich ß aus Schweizer Feder auf, das
ist in fast allen Fällen eine automatische Rechtschreibkorrektur.

Wir hatten auf Gymnasialstufe die Regeln mal kurz behandelt, oder eher:
uns wurde mitgeteilt, dass es solche Regeln gibt und dass man nicht
einfach ss durch ß ersetzen kann, aber das wurde nie geprüft. Das
liegt sicher im Ermessen des Deutschlehrers, aber als Deutscher würde
ich mich darauf vorbereiten, von den Schülern ausgelacht zu werden,
wenn du zu viel Zeit darauf verwendet. ß ist in der Schweiz einfach
ein Nicht-Thema.
Post by Klaus Ethgen
Meine Einstellung ist nun, daß
(ich schreibe absichtlich »daß«, da ich das so gelernt hatte) ich das
logischerweise nicht unterrichten werde. Was mache ich aber mit einem
Schüler, der aus Deutschland in die Schweiz zieht und das »ß« gelernt
hat? Streiche ich das als Fehler an? Vermutlich würde ich das nicht
machen. (Außer vielleicht im »daß«, das ja auch nach neuestem Duden in
Deutschland nicht mehr erlaubt ist.)
Es ist nicht unwahrscheinlich, dass deutsche Schüler irgendwann wieder
nach Deutschland zurückkehren, daher: Wenn ein Schüler die ß richtig
setzt, ist dagegen natürlich nichts einzuwenden. Wenn er sie nach ARS
und NRS falsch setzt, also z.B. "Waßer", dann würde ich das auf jeden
Fall anstreichen, aber nicht als Fehler werten. Bei "daß" und den
anderen bei der RSR geänderten ß-Schreibungen ist es imho einigermassen
egal, das war ja eine ganze Weile lang richtig und es ist anzunehmen,
dass die Schüler durchaus Bücher lesen werden, in denen "daß"
vorkommt.

Natürlich kommt es auch vor, dass es Schweizer Schüler im späteren
Leben nach D oder A verschlägt. Nur-ss wird aber nach meiner
persönlichen Erfahrung fast immer akzeptiert. In München hatte ich
allerdings eine Mitarbeiterin, die bei Präsentationen und anderem, das
ich ablieferte, die ß korrigierte, sie könne das nicht mitansehen,
ihr schmerzten die Augen. Sie muss später bei der RSR gelitten haben.

Später habe ich etliche Bücher ins Deutsche übersetzt und mit TeX
gesetzt; da hatte ich einfach eine Wörterliste und ein Skript (namens
"fixbeta" :-), das das erledigte. Die sehr seltenen Fälle wie
Busse/Buße, Masse/Maße kannte ich, sonst habens der Lektor und die
Korrektorin angestrichen.


- Andi
Stefan Schmitz
2021-06-04 12:45:48 UTC
Permalink
Post by Andreas Karrer
Es ist nicht unwahrscheinlich, dass deutsche Schüler irgendwann wieder
nach Deutschland zurückkehren, daher: Wenn ein Schüler die ß richtig
setzt, ist dagegen natürlich nichts einzuwenden. Wenn er sie nach ARS
und NRS falsch setzt, also z.B. "Waßer", dann würde ich das auf jeden
Fall anstreichen, aber nicht als Fehler werten. Bei "daß" und den
anderen bei der RSR geänderten ß-Schreibungen ist es imho einigermassen
egal, das war ja eine ganze Weile lang richtig und es ist anzunehmen,
dass die Schüler durchaus Bücher lesen werden, in denen "daß"
vorkommt.
Aber wie kämen Schüler überhaupt auf die Idee, eine Schreibweise zu
verwenden, die bei ihrer Einschulung schon viele Jahre nicht mehr
gelehrt wurde?
Es würde mich wirklich sehr wundern, wenn ein heutiger Lehrer mit
altschreibenden Schülern konfrontiert wäre.
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