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"Ja mei!"
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Florian Maier
2019-12-01 19:17:49 UTC
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Oder kann ich "Ja mei" einfach ignorieren, wenn ich ein
Gespräch zwischen bairischen und italienischen Politikern
dolmetsche?
Irgendetwas in der Art von 'bene allora' sollte m.E.
schon kommen; vielleicht gibt es noch etwas Schöneres.
"Bene. (Pause, neuer Satz) Allora ..." könnte passen oder
auch nicht. Entscheidung vertagt, bis ich die möglichen
Bedeutungen von "Ja mei" begriffen oder erfahren habe.
Servus, griaß Di, habe d'Ehre!
Was bedeutet eurer
Meinung nach "Ja mei!"?
Beziehungsweise: Wie erklärt ihr z.B. einem Kölner oder
Berliner den bairischen Ausdruck "Ja mei"? (= erste Worte
einer Rede, die auf eine andere Rede folgt/reagiert, nach
diesen beiden Wörtern Pause)
Das ist ohne zusätzlichen Kontext nicht eindeutig zu beantworten.

Wenn das "Ja mei!" durch eine Pause abgesetzt ist, könnte es sich um
einen Stoßseufzer, also einen Ausdruck von Unzufriedenheit mit der
vorhergehenden Rede handeln, entweder weil man dem Inhalt der Rede nicht
zustimmt, oder weil man dem Inhalt, der negativ war, zustimmt. Ins
Hochdeutsche übersetzt wäre das in etwa "*seufz* Wo soll ich da
anfangen?". Es könnte allerdings auch Gleichgültigkeit oder Desinteresse
ausdrücken, im Sinne von "Und? Dann ist das halt so."

Generell schwingt bei den meisten Nutzungen von "Ja mei!" mit, dass sich
der Angesprochene und möglicherweise auch der Sprecher mit etwas
abzufinden haben, das als unabänderlich deklariert wird.

Ich würde da dann noch zwei Fälle unterscheiden. Im ersteren wurde dem
Sprecher die unveränderliche Situation gerade mitgeteilt und er reagiert
darauf:

Person A: "Morgen wird es wohl regnen."
Person B: "Ja mei, dann müssen wir halt einen Regenschirm mitnehmen."

Eine hochdeutsche Übersetzung wäre "Da kann man nichts machen." oder
"Tja" oder auch das im ursprünglichen Thread bereits genannte "Nun denn".

Im anderen Fall entsteht die unveränderliche Situation aus dem
Nicht-Wollen oder Nicht-Können des Sprechers:

[Verkaufsverhandlung]
Person A: "Das kostet 1000 Euro."
Person B: "Ich hätte es gerne günstiger."
Person A: "Ja mei, ich hätte gerne eine 20 Jahre jüngere Frau."

[Auf der Straße]
Person A: "Wissen Sie, wo die Elisenstraße ist?"
Person B: "Nein, tut mir leid."
Person A: "Ich habe da in 5 Minuten nämlich einen wichtigen Termin."
Person B: "Ja mei, da kann ich ihnen leider auch nicht helfen."

In diesen Fällen ist das eine Bestätigung, dass man den Einwand zur
Kenntnis genommen hat, mit der gleichzeitigen Ablehnung der Anfrage. Die
genaue Bedeutung kann je nach Tonfall zwischen einem empathischen "Ich
würde ja gerne, kann aber nicht." über ein neutrales "Da kann man nichts
machen." bis hin zu einem eher unfreundlichen "Tja, Pech gehabt!" schwanken.

Außerdem kann man "Ja mei" auch noch als eher inhaltsleere Füllfloskel
benutzen, die eine gewisse Nachdenklichkeit anzeigen soll:

Person A: "Stört Sie die laute Demonstration vor Ihrem Haus?"
Person B: "Ja mei, wissen S'[ie], wenn Sie so viel erlebt haben wie ich,
dann macht Ihnen das nichts mehr aus."

Die Übersetzung ins Hochdeutsche wäre ein ebenso inhaltsleeres "Tja".
Carlo XYZ
2019-12-01 19:47:21 UTC
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Post by Florian Maier
Was bedeutet eurer
Meinung nach "Ja mei!"?
Das ist ohne zusätzlichen Kontext nicht eindeutig zu beantworten.
[usw.]

Falls der OP nach der Wortherkunft gefragt haben sollte:
sorry, falls das bereits von anderen beantwortet wurde,
ich hab den Thread hier nicht mehr ganz liegen.

Mein Sprachgefühl lässt mich vermuten:

Ja mei = "Ja, meine Güte" oder "Ja, mein Gott" (echte Katholiken
nehmen das Wort nicht in den Mund, außer zu heiligen Gelegenheiten)

Sowas wie der Stoßseufzer:
"Meine Güte, muss ich mir darüber etwa Gedanken machen?"

Andere Verkürzungen ähnlicher Art:

zefix = "Kruzifix nochmal"

fei = "fein" oder "freilich" (?)
Ewald Pfau
2019-12-01 21:32:16 UTC
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Post by Florian Maier
Die Übersetzung ins Hochdeutsche wäre ein ebenso inhaltsleeres "Tja".
Hochdeutsch? Slang so oder so.
Wenn der vermieden werden soll, könnte man es vielleicht wiedergeben als

[nun, ...] was soll man sagen, ...

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