Discussion:
Flugboot verschillt
(zu alt für eine Antwort)
Oliver Voß
2018-06-18 17:57:46 UTC
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Heute in der Wikipedia: "1928 – Unterwegs zu einer Rettungs­mission für
das in der Arktis abge­stürzte Luft­schiff Italia geht das Flug­boot
Latham 47 mit dem Polar­forscher Roald Amundsen an Bord verschollen.".
Heute morgen stand da noch: "... verschillt das Flugboot ...", aber dann
gab es offensichtlich doch noch eine Korrektur (siehe auch die
Diskussion auf der heutigen Wikipedia-Startseite). "Verschollen gehen"
klingt mir allerdings auch ein wenig konstruiert. Eigentlich müßte es
heißen "verschallt", aber so redet heutzutage niemand mehr. (siehe auch
https://de.wikipedia.org/wiki/Verschollenheit#Etymologie). Ich würde
daher eher eine Formulierung wie "... wird vermißt" o.ä. verwenden.
(Früher habe ich übrigens mal geglaubt, die Präsensform von
"verschollen" hieße "verschellen", analog zu "zerschellen").

Gruß,

Oliver
René Marquardt
2018-06-18 18:05:10 UTC
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Post by Oliver Voß
Heute in der Wikipedia: "1928 – Unterwegs zu einer Rettungs­mission für
das in der Arktis abge­stürzte Luft­schiff Italia geht das Flug­boot
Latham 47 mit dem Polar­forscher Roald Amundsen an Bord verschollen.".
Heute morgen stand da noch: "... verschillt das Flugboot ...", aber dann
gab es offensichtlich doch noch eine Korrektur (siehe auch die
Diskussion auf der heutigen Wikipedia-Startseite). "Verschollen gehen"
klingt mir allerdings auch ein wenig konstruiert. Eigentlich müßte es
heißen "verschallt", aber so redet heutzutage niemand mehr. (siehe auch
https://de.wikipedia.org/wiki/Verschollenheit#Etymologie). Ich würde
daher eher eine Formulierung wie "... wird vermißt" o.ä. verwenden.
(Früher habe ich übrigens mal geglaubt, die Präsensform von
"verschollen" hieße "verschellen", analog zu "zerschellen").
Und von wegen Präsensform... erstens geht mir diese Macke
schon seit langem auf den Zeiger, von Ereignissen in der
Vergangenheit im Präsens zu reden, und zweitens ist
speziell "verschollen" ein Ereignis, das ohnehin nur in der
Vergangenheit passiert sein kann.
Naechsten Dienstag wird er verschollen sein werden. OK, das
geht vielleicht als Out-of-Office Signatur, aber grammatisch
ist es Unsinn.
U***@web.de
2018-06-19 06:57:54 UTC
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Post by René Marquardt
Und von wegen Präsensform... erstens geht mir diese Macke
schon seit langem auf den Zeiger, von Ereignissen in der
Vergangenheit im Präsens zu reden,
Und doch wurde in meinem Deutschunterricht
ein Text mit erzählendem Präsens verlangt.
Post by René Marquardt
und zweitens ist
speziell "verschollen" ein Ereignis, das ohnehin nur in der
Vergangenheit passiert sein kann.
Naechsten Dienstag wird er verschollen sein werden. OK, das
geht vielleicht als Out-of-Office Signatur, aber grammatisch
ist es Unsinn.
Wenn jemand dem Transatlantiksegler einen Stöpselrauszieher
mit Zeitschalter eingebaut hat, funktioniert auch der Satz,
allerdings ohne den unglücklichen Versuch, da
jetzt noch ein Passiv einzubauen. Letztes Wort also bitte
streichen.

Gruß, ULF
Juergen Barsuhn
2018-06-19 13:22:08 UTC
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Post by U***@web.de
Post by René Marquardt
Und von wegen Präsensform... erstens geht mir diese Macke
schon seit langem auf den Zeiger, von Ereignissen in der
Vergangenheit im Präsens zu reden,
Und doch wurde in meinem Deutschunterricht
ein Text mit erzählendem Präsens verlangt.
Ein zulässiges Stilmittel, um beim Leser Spannung durch die Illusion
unmittelbarer Betroffenheit zu erzeugen.

Gruß
Jürgen
Detlef Meißner
2018-06-19 13:39:59 UTC
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Post by Juergen Barsuhn
Post by U***@web.de
Post by René Marquardt
Und von wegen Präsensform... erstens geht mir diese Macke
schon seit langem auf den Zeiger, von Ereignissen in der
Vergangenheit im Präsens zu reden,
Und doch wurde in meinem Deutschunterricht
ein Text mit erzählendem Präsens verlangt.
Ein zulässiges Stilmittel, um beim Leser Spannung durch die Illusion
unmittelbarer Betroffenheit zu erzeugen.
Findet sich in vielen selbstverlegten eBooks bei Amazon. Da viele
Verfasser bereits Probleme mit der Rechtschreibung haben, fiele es
ihnen noch schwerer, die passenden Zeitformen zu finden.
Also ist Präsens auch ein Stilmittel zur Vereinfachung der Sprache.

Kann es sein, dass es im Englischen noch viel häufiger vorkommt?

Detlef
René Marquardt
2018-06-19 14:03:18 UTC
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Post by Detlef Meißner
Post by Juergen Barsuhn
Post by U***@web.de
Post by René Marquardt
Und von wegen Präsensform... erstens geht mir diese Macke
schon seit langem auf den Zeiger, von Ereignissen in der
Vergangenheit im Präsens zu reden,
Und doch wurde in meinem Deutschunterricht
ein Text mit erzählendem Präsens verlangt.
Ein zulässiges Stilmittel, um beim Leser Spannung durch die Illusion
unmittelbarer Betroffenheit zu erzeugen.
Findet sich in vielen selbstverlegten eBooks bei Amazon. Da viele
Verfasser bereits Probleme mit der Rechtschreibung haben, fiele es
ihnen noch schwerer, die passenden Zeitformen zu finden.
Also ist Präsens auch ein Stilmittel zur Vereinfachung der Sprache.
Kann es sein, dass es im Englischen noch viel häufiger vorkommt?
Detlef
Das ist mir im Englischen noch nicht aufgefallen.
Stephen Hust
2018-06-20 07:53:41 UTC
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Post by René Marquardt
Post by Detlef Meißner
Post by Juergen Barsuhn
Post by U***@web.de
Post by René Marquardt
Und von wegen Präsensform... erstens geht mir diese Macke
schon seit langem auf den Zeiger, von Ereignissen in der
Vergangenheit im Präsens zu reden,
Und doch wurde in meinem Deutschunterricht
ein Text mit erzählendem Präsens verlangt.
Ein zulässiges Stilmittel, um beim Leser Spannung durch die Illusion
unmittelbarer Betroffenheit zu erzeugen.
Findet sich in vielen selbstverlegten eBooks bei Amazon. Da viele
Verfasser bereits Probleme mit der Rechtschreibung haben, fiele es
ihnen noch schwerer, die passenden Zeitformen zu finden.
Also ist Präsens auch ein Stilmittel zur Vereinfachung der Sprache.
Kann es sein, dass es im Englischen noch viel häufiger vorkommt?
Das ist mir im Englischen noch nicht aufgefallen.
Ich weiß nicht, ob es im Englischen häufiger vorkommt als im Deutschen,
aber es kommt jedenfalls in Erzählungen vor, viel zu häufig. Es gibt
sogar Romane, richtige Wälzer, die im Präsens geschrieben sind. Ich
frage mich, wer sie lesen kann oder will.

William H. Gass, 1987:

| The present tense is a parched and barren country. In the past,
| writers rarely went there.
|
| Why do I warn you about the perils of the present tense? Because there
| is a lot of it going around. What was once a rather rare disease has
| become an epidemic.
|
("A Failing Grade for the Present Tense", New York Times.)

<https://archive.nytimes.com/www.nytimes.com/books/98/11/01/specials/gass-present.html?_r=1>
--
Steve

My e-mail address works as is.
Christian Weisgerber
2018-06-20 14:23:43 UTC
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On 2018-06-20, Stephen Hust <***@a1.net> wrote:

[historisches Präsens]
Post by Stephen Hust
Ich weiß nicht, ob es im Englischen häufiger vorkommt als im Deutschen,
aber es kommt jedenfalls in Erzählungen vor, viel zu häufig. Es gibt
sogar Romane, richtige Wälzer, die im Präsens geschrieben sind. Ich
frage mich, wer sie lesen kann oder will.
In der französischen Wikipedia sind Artikel zu geschichtlichen
Ereignissen und Personen weitgehend im Präsens gehalten. Ich nehme
an, das hat man nicht für Wikipedia erfunden, sondern einen in der
französischen Sprachgemeinschaft üblichen Stil übernommen.

Eine erste Stichprobe legt nahe, dass das eine spezifisch französische
Marotte ist. Die Artikel zu Julius Cäsar in Spanisch (-ó), Italienisch
(-ò), Polnisch (-ł) und Russisch (-л) verwenden alle Vergangenheitsformen.
--
Christian "naddy" Weisgerber ***@mips.inka.de
Sergio Gatti
2018-06-20 20:18:48 UTC
Permalink
Post by Christian Weisgerber
[historisches Präsens]
Post by Stephen Hust
Ich weiß nicht, ob es im Englischen häufiger vorkommt als im Deutschen,
aber es kommt jedenfalls in Erzählungen vor, viel zu häufig. Es gibt
sogar Romane, richtige Wälzer, die im Präsens geschrieben sind. Ich
frage mich, wer sie lesen kann oder will.
In der französischen Wikipedia sind Artikel zu geschichtlichen
Ereignissen und Personen weitgehend im Präsens gehalten. Ich nehme
an, das hat man nicht für Wikipedia erfunden, sondern einen in der
französischen Sprachgemeinschaft üblichen Stil übernommen.
Na ja, die Zeitform passé simple ist im Französischen noch
weniger gebräuchlich als passato remoto im Norditalienischen.

Zitat aus
<https://fr.wikipedia.org/wiki/Pass%C3%A9_simple_en_fran%C3%A7ais>
"Le recul du passé simple du fait de la concurrence du passé
composé est déjà perceptible dans La Chanson de Roland"
(Anm.: 11. Jhdt.!)
"..., dans le discours oral, le passé simple a connu à
partir de la fin du XVIIe siècle un net déclin qui n'a pas
cessé de prendre de l'ampleur."

Und ich habe mal französische Quiz-Sendungen gesehen, in
denen man z.B. fragte: "Wie lautet die 2. Person Plural
passé simple von ... (irgendeinem stark unregelmäßigen Verb)?"
Christian Weisgerber
2018-06-20 22:21:51 UTC
Permalink
Post by Sergio Gatti
Post by Christian Weisgerber
In der französischen Wikipedia sind Artikel zu geschichtlichen
Ereignissen und Personen weitgehend im Präsens gehalten.
Na ja, die Zeitform passé simple ist im Französischen noch
weniger gebräuchlich als passato remoto im Norditalienischen.
Als Erzählzeit in Romanen u.ä. absolut üblich. Das hier ist jetzt
auch nicht gerade exotisch:

Voici l'éphéméride du mercredi 20 juin. Nous sommes le 171e jour
de l'année. Nous fêtons la Saint-Silvère. Né à Frosinone (Italie),
il est le fils du Pape Hormisdas. Elu pape à son tour en 536. Il
fut supplanté par le diacre Vigile qui le fit déporter sur l'îlot
désert de Palmaria où il mourut en 537.

http://www.lefigaro.fr/flash-actu/2018/06/20/97001-20180620FILWWW00028-l-ephemeride-du-20-juin.php

Nur in der...
Post by Sergio Gatti
"..., dans le discours oral, le passé simple a connu à
partir de la fin du XVIIe siècle un net déclin qui n'a pas
cessé de prendre de l'ampleur."
... gesprochenen Sprache ist das Passé simple mausetot.
Post by Sergio Gatti
Und ich habe mal französische Quiz-Sendungen gesehen, in
denen man z.B. fragte: "Wie lautet die 2. Person Plural
passé simple von ... (irgendeinem stark unregelmäßigen Verb)?"
Naja, man kann da natürlich ein seltenes Verb nehmen oder ganz
trickreich ein defektes wie traire oder clore, das gar kein Passé
simple hat. Die Frage nach der 2. Person Plural erzeugt Stress,
weil das eine ungebräuchliche Form ist (Erzähler verwenden die 1.
oder 3.), bietet aber eigentlich keine zusätzliche Schwierigkeit,
denn französische Verben haben im Passé simple immer nur einen
Stamm. Fälle wie spanisch dormí - dormiste - durmió gibt es keine.
--
Christian "naddy" Weisgerber ***@mips.inka.de
U***@web.de
2018-06-21 07:56:54 UTC
Permalink
Post by Christian Weisgerber
Post by Sergio Gatti
Und ich habe mal französische Quiz-Sendungen gesehen, in
denen man z.B. fragte: "Wie lautet die 2. Person Plural
passé simple von ... (irgendeinem stark unregelmäßigen Verb)?"
Naja, man kann da natürlich ein seltenes Verb nehmen oder ganz
trickreich ein defektes wie traire oder clore, das gar kein Passé
simple hat. Die Frage nach der 2. Person Plural erzeugt Stress,
weil das eine ungebräuchliche Form ist (Erzähler verwenden die 1.
oder 3.), bietet aber eigentlich keine zusätzliche Schwierigkeit,
denn französische Verben haben im Passé simple immer nur einen
Stamm. Fälle wie spanisch dormí - dormiste - durmió gibt es keine.
Dennoch muß man auf eûtes, fûtes und fîtes erst einmal kommen.

Gruß, ULF
Wolfgang
2018-06-21 10:01:19 UTC
Permalink
Post by Sergio Gatti
[...]
Na ja, die Zeitform passé simple ist im Französischen noch
weniger gebräuchlich als passato remoto im Norditalienischen.
Zitat aus
https://fr.wikipedia.org/wiki/Passé_simple_en_français
"Le recul du passé simple du fait de la concurrence du passé
composé est déjà perceptible dans La Chanson de Roland"
(Anm.: 11. Jhdt.!)
"..., dans le discours oral, le passé simple a connu à
partir de la fin du XVIIe siècle un net déclin qui n'a pas
cessé de prendre de l'ampleur."
Und ich habe mal französische Quiz-Sendungen gesehen, in
denen man z.B. fragte: "Wie lautet die 2. Person Plural
passé simple von ... (irgendeinem stark unregelmäßigen Verb)?"
Interessant ist es, sich mit der Frage zu beschäftigen, wo sich in
der Umgangssprache das lateinische Perfekt gehalten hat und wo es
durch mit dem Partizip Perfekt zusammengesetzte Formen verdrängt
wurde. Nach meiner lückenhaften Kenntnis ergibt sich folgendes
geographisches Muster:

Lateinisches Perfekt: Süditalien, Portugal und die ganze Lusophonie,
große Teile Spaniens und Lateinamerikas (*)

Zusammengesetztes Perfekt: Norditalien, Nordspanien und Katalonien,
Frankreich, Graubünden

Leider kann ich mangels Sprachkenntnis zum Rumänischen nichts beitragen.

Eine Theorie, die die oben beschriebene Verteilung zu erklären
versucht, besagt, dass in den Gebieten, die das lateinische Perfekt
umgangssprachlich bevorzugen, römische Legionäre aus Süditalien,
insbesondere Sizilien, eingesetzt waren. Mir kommt diese Theorie
ziemlich weit hergeholt vor, aber eine bessere weiß ich auch nicht
anzubieten.

Ciao,
Wolfgang

(*) Kleine persönliche Anekdote hierzu: als ich in Mexiko eine
falsche Telefonnummer gewählt hatte, antwortete eine Automatenstimme
«El número que Vd. marcó no existe.» Beeindruckend fand ich die Form
«marcó» für ein Ereignis, das nur Sekunden zurückgelegen hatte. Dass
dieser Satz echt volkstümlich war, kann man auch an dem logisch
unsinnigen «no existe» ersehen, wo doch nur gemeint war, dass der
Nummer kein Abonnent entsprach.
U***@web.de
2018-06-21 12:38:10 UTC
Permalink
Post by Wolfgang
Interessant ist es, sich mit der Frage zu beschäftigen, wo sich in
der Umgangssprache das lateinische Perfekt gehalten hat und wo es
durch mit dem Partizip Perfekt zusammengesetzte Formen verdrängt
wurde. Nach meiner lückenhaften Kenntnis ergibt sich folgendes
Lateinisches Perfekt: Süditalien, Portugal und die ganze Lusophonie,
große Teile Spaniens und Lateinamerikas (*)
Zusammengesetztes Perfekt: Norditalien, Nordspanien und Katalonien,
Frankreich, Graubünden
Leider kann ich mangels Sprachkenntnis zum Rumänischen nichts beitragen.
Eine Theorie, die die oben beschriebene Verteilung zu erklären
versucht, besagt, dass in den Gebieten, die das lateinische Perfekt
umgangssprachlich bevorzugen, römische Legionäre aus Süditalien,
insbesondere Sizilien, eingesetzt waren. Mir kommt diese Theorie
ziemlich weit hergeholt vor, aber eine bessere weiß ich auch nicht
anzubieten.
Ciao,
Wolfgang
(*) Kleine persönliche Anekdote hierzu: als ich in Mexiko eine
falsche Telefonnummer gewählt hatte, antwortete eine Automatenstimme
«El número que Vd. marcó no existe.» Beeindruckend fand ich die Form
«marcó» für ein Ereignis, das nur Sekunden zurückgelegen hatte. Dass
dieser Satz echt volkstümlich war, kann man auch an dem logisch
unsinnigen «no existe» ersehen, wo doch nur gemeint war, dass der
Nummer kein Abonnent entsprach.
Aber in Kastilisch-Iberien würde man für Ereignisse von mindestens Vortag
auf Indefinido verfallen, so schon mein peruanischer Erstlehrer.

Gruß, ULF

'Vino es indefinido.'
Christian Weisgerber
2018-06-21 17:36:08 UTC
Permalink
Post by Wolfgang
Interessant ist es, sich mit der Frage zu beschäftigen, wo sich in
der Umgangssprache das lateinische Perfekt gehalten hat und wo es
durch mit dem Partizip Perfekt zusammengesetzte Formen verdrängt
wurde.
Zusammengesetztes Perfekt: Norditalien, Nordspanien und Katalonien,
Frankreich, Graubünden
Also ein geographisch zusammenhängendes Gebiet - an das sich
(zufällig??) auch der Süden des deutschen Sprachgebiets mit der
Ersetzung des Präteritums durch das Perfekt anschließt.
Post by Wolfgang
Eine Theorie, die die oben beschriebene Verteilung zu erklären
versucht, besagt, dass in den Gebieten, die das lateinische Perfekt
umgangssprachlich bevorzugen, römische Legionäre aus Süditalien,
insbesondere Sizilien, eingesetzt waren.
Was spricht denn gegen eine Innovation, die sich von einem Ausgangspunkt
in der Langue d'oïl flächig ausgebreitet hat?
--
Christian "naddy" Weisgerber ***@mips.inka.de
Quinn C
2018-06-19 16:28:14 UTC
Permalink
Post by Detlef Meißner
Post by Juergen Barsuhn
Post by U***@web.de
Post by René Marquardt
Und von wegen Präsensform... erstens geht mir diese Macke
schon seit langem auf den Zeiger, von Ereignissen in der
Vergangenheit im Präsens zu reden,
Und doch wurde in meinem Deutschunterricht
ein Text mit erzählendem Präsens verlangt.
Ein zulässiges Stilmittel, um beim Leser Spannung durch die Illusion
unmittelbarer Betroffenheit zu erzeugen.
Findet sich in vielen selbstverlegten eBooks bei Amazon. Da viele
Verfasser bereits Probleme mit der Rechtschreibung haben, fiele es
ihnen noch schwerer, die passenden Zeitformen zu finden.
Also ist Präsens auch ein Stilmittel zur Vereinfachung der Sprache.
Mal gut, daß Caesar Deine Einschätzung nicht zu lesen bekommt. Das
hätte eventuell was auf die Ohren gegeben.
--
da kamen abermals in das Elsas uber die Zaberer steig ein volck, die
nante man auch die Engelländer und gugeler B. HERTZOG
Detlef Meißner
2018-06-19 16:44:23 UTC
Permalink
Post by Quinn C
Post by Detlef Meißner
Post by Juergen Barsuhn
Post by U***@web.de
Post by René Marquardt
Und von wegen Präsensform... erstens geht mir diese Macke
schon seit langem auf den Zeiger, von Ereignissen in der
Vergangenheit im Präsens zu reden,
Und doch wurde in meinem Deutschunterricht
ein Text mit erzählendem Präsens verlangt.
Ein zulässiges Stilmittel, um beim Leser Spannung durch die Illusion
unmittelbarer Betroffenheit zu erzeugen.
Findet sich in vielen selbstverlegten eBooks bei Amazon. Da viele
Verfasser bereits Probleme mit der Rechtschreibung haben, fiele es
ihnen noch schwerer, die passenden Zeitformen zu finden.
Also ist Präsens auch ein Stilmittel zur Vereinfachung der Sprache.
Mal gut, daß Caesar Deine Einschätzung nicht zu lesen bekommt. Das
hätte eventuell was auf die Ohren gegeben.
Was an "auch" hast du nicht verstanden?

Detlef
Heinz Lohmann
2018-06-20 02:12:50 UTC
Permalink
Post by Juergen Barsuhn
Post by U***@web.de
Post by René Marquardt
Und von wegen Präsensform... erstens geht mir diese Macke
schon seit langem auf den Zeiger, von Ereignissen in der
Vergangenheit im Präsens zu reden,
Und doch wurde in meinem Deutschunterricht
ein Text mit erzählendem Präsens verlangt.
Ein zulässiges Stilmittel, um beim Leser Spannung durch die Illusion
unmittelbarer Betroffenheit zu erzeugen.
So in der Theorie.

Ist beim Spiegel und anderen Printmedien dermaßen häufig in Gebrauch,
dass der Effekt sich ziemlich abgenutzt hat.
Ich halte es eher für ein Präsens der Faulheit.

PS: Häufiger Wechsel der Tempora ist dann ziemlich irritierend: "Wo sind
wir jetzt in der Story."

Karl May schrieb in der Vergangenheitsform WIMRE, war für mich spannend
genug.
--
mfg
Heinz Lohmann
Tamsui, Taiwan

Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat. W.B.
Jakob Achterndiek
2018-06-18 18:49:01 UTC
Permalink
[.. verschollen ..]
[..] Eigentlich müßte es heißen "verschallt", aber so redet
heutzutage niemand mehr. [..]
So hat vermutlich auch keiner jemals geredet.
Pfeifer und Kluge/Mitzka berufen sich beide auf Adelung, der das
Partizip auf "schallen" zurückführt: Ein Verschollener ist demnach
jemand, von dem man lange nichts mehr gehört hat.
--
j/\a
Thomas Schade
2018-06-18 19:39:03 UTC
Permalink
Post by Jakob Achterndiek
[.. verschollen ..]
[..] Eigentlich müßte es heißen "verschallt", aber so redet
heutzutage niemand mehr. [..]
So hat vermutlich auch keiner jemals geredet.
Pfeifer und Kluge/Mitzka berufen sich beide auf Adelung, der das
Partizip auf "schallen" zurückführt: Ein Verschollener ist demnach
jemand, von dem man lange nichts mehr gehört hat.
So wird dann aus Peter Scholl-Latour Schall und Rauch.


Ciao
Toscha
--
Ich weiß nicht, wieso ich euch so hasse, Fahrradfahrer dieser Stadt.
[Tocotronic: Freiburg]
U***@web.de
2018-06-19 07:01:02 UTC
Permalink
Post by Jakob Achterndiek
[.. verschollen ..]
[..] Eigentlich müßte es heißen "verschallt", aber so redet
heutzutage niemand mehr. [..]
So hat vermutlich auch keiner jemals geredet.
Ach was.
https://books.google.de/books?id=nHFZDwAAQBAJ&pg=PT156&lpg=PT156&dq=%22er+verschallt%22&source=bl&ots=uBheyy0oql&sig=BWAOSI00K1FTQTRyyN6uSAorsdE&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwj68Oaqk9_bAhVFxxQKHVKkAd0Q6AEIOTAD#v=onepage&q=%22er%20verschallt%22&f=false
https://books.google.de/books?id=VTNPAAAAYAAJ&pg=PA273&lpg=PA273&dq=%22er+verschallt%22&source=bl&ots=wV6S0idzFX&sig=NV4ld9_BwZPRXKljZpLZet1_VF4&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwj68Oaqk9_bAhVFxxQKHVKkAd0Q6AEIQzAG#v=onepage&q=%22er%20verschallt%22&f=false

Eher unklar hinsichtlich der Zeitform:
https://books.google.de/books?id=zcp14IMK88UC&pg=PA25&lpg=PA25&dq=%22er+verschallt%22&source=bl&ots=nNoefOSP4w&sig=P9W9PmpI40PN2oAg1YOgxqL-748&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwj68Oaqk9_bAhVFxxQKHVKkAd0Q6AEIQDAF#v=onepage&q=%22er%20verschallt%22&f=false

Gruß, ULF
Jakob Achterndiek
2018-06-19 10:23:14 UTC
Permalink
Post by U***@web.de
Post by Jakob Achterndiek
[.. verschollen ..]
[..] Eigentlich müßte es heißen "verschallt", aber so redet
heutzutage niemand mehr. [..]
So hat vermutlich auch keiner jemals geredet.
Ach was.
[..]
[..]
Ja, ich hätte es wissen können:
Leute, die schlechtes Deutsch schreiben, hat es immer gegeben.


Durch deren Schuld ist vermutlich bisher verhindert worden, was
schon 1780 "Friedrich der Einzige" in „De la litterature allemande“
geschrieben hat und was Dr. Heinrich Bauer im 1830 erschienenen
dritten Band seiner "Vollständigen Grammatik der neuhochdeutschen
Sprache" für uns wie folgt übersetzt:
| Wir Deutsche werden unsere classischen Schriftsteller haben;
| jeder wird sie lesen wollen; unsere Nachbarn werden Deutsch
| lernen, und die Höfe es mit Vergnügen sprechen. Vielleicht
| bringen unser guten Schriftsteller es dahin, daß unsre zur
| Vollkommenheit gebrachte und verfeinerte Sprache noch einst
| von einem Ende Europa's bis zum andern geredet werden wird.
| Noch sind diese schönen Tage unsrer Literatur nicht gekommen;
| aber sie nähern sich, und erscheinen gewiß!

Welch schöner Optimismus!
Denn über die Literatur seiner Gegenwart urteilt der Alte Fritz
weit weniger schmeichelhaft:
| [..] Um sich von dem Mangel an Geschmack zu überzeugen, der bis
| auf diesen Tag in Deutschland herrscht, brauchen Sie nur ins
| Schauspiel zu gehen. Da sehen Sie die abscheulichen Stücke von
| Shakespeare in deutscher Sprache aufführen, sehen alle Zuhörer
| vor Wonne hinschmelzen beim Anhören dieser lächerlichen Farcen,
| die eines kanadischen Wilden würdig sind. [..] Man mag Shakespeare
| solche wunderlichen Verirrungen verzeihen; denn die Geburt der
| Künste ist niemals die Zeit ihrer Reife. Aber nun erscheint noch
| ein »Götz von Berlichingen« auf der Bühne, eine scheußliche
| Nachahmung der schlechten englischen Stücke, und das Publikum
| klatscht Beifall und verlangt mit Begeisterung die Wiederholung
| dieser abgeschmackten Plattheiten. Ich weiß, über Geschmack läßt
| sich nicht streiten. [..]
http://gutenberg.spiegel.de/buch/-5308/1
--
j/\a
Juergen Barsuhn
2018-06-18 21:01:03 UTC
Permalink
Post by Oliver Voß
Heute in der Wikipedia: "1928 – Unterwegs zu einer Rettungs­mission für
das in der Arktis abge­stürzte Luft­schiff Italia geht das Flug­boot
Latham 47 mit dem Polar­forscher Roald Amundsen an Bord verschollen.".
Heute morgen stand da noch: "... verschillt das Flugboot ...", aber dann
gab es offensichtlich doch noch eine Korrektur (siehe auch die
Diskussion auf der heutigen Wikipedia-Startseite). "Verschollen gehen"
klingt mir allerdings auch ein wenig konstruiert. Eigentlich müßte es
heißen "verschallt", aber so redet heutzutage niemand mehr. (siehe auch
https://de.wikipedia.org/wiki/Verschollenheit#Etymologie). Ich würde
daher eher eine Formulierung wie "... wird vermißt" o.ä. verwenden.
(Früher habe ich übrigens mal geglaubt, die Präsensform von
"verschollen" hieße "verschellen", analog zu "zerschellen").
Hmm ... das glaube ich heute noch ...
ich verschelle
du verschillst
er, sie, es verschillt
... oder ist das falsch?

Ich finde es ein wenig schade, wenn solche Beispiele der starken
Konjugation so einfach verschwinden.

Gruß
Jürgen
Detlef Meißner
2018-06-18 21:03:52 UTC
Permalink
Post by Juergen Barsuhn
Heute in der Wikipedia: "1928 – Unterwegs zu einer Rettungs­mission für das
in der Arktis abge­stürzte Luft­schiff Italia geht das Flug­boot Latham 47
mit dem Polar­forscher Roald Amundsen an Bord verschollen.". Heute morgen
stand da noch: "... verschillt das Flugboot ...", aber dann gab es
offensichtlich doch noch eine Korrektur (siehe auch die Diskussion auf der
heutigen Wikipedia-Startseite). "Verschollen gehen" klingt mir allerdings
auch ein wenig konstruiert. Eigentlich müßte es heißen "verschallt", aber
so redet heutzutage niemand mehr. (siehe auch
https://de.wikipedia.org/wiki/Verschollenheit#Etymologie). Ich würde daher
eher eine Formulierung wie "... wird vermißt" o.ä. verwenden.
(Früher habe ich übrigens mal geglaubt, die Präsensform von "verschollen"
hieße "verschellen", analog zu "zerschellen").
Hmm ... das glaube ich heute noch ...
ich verschelle
du verschillst
er, sie, es verschillt
... oder ist das falsch?
Ich finde es ein wenig schade, wenn solche Beispiele der starken Konjugation
so einfach verschwinden.
Andererseits: Wer versteht das?

Und es gibt etliche Wörter, die in ihrer Grundform schon längst
verschwunden sind - oder sollte ich verschollen sagen?

Detlef
Juergen Barsuhn
2018-06-18 21:16:36 UTC
Permalink
Post by Detlef Meißner
Post by Juergen Barsuhn
Post by Oliver Voß
Heute in der Wikipedia: "1928 – Unterwegs zu einer Rettungs­mission
für das in der Arktis abge­stürzte Luft­schiff Italia geht das
Flug­boot Latham 47 mit dem Polar­forscher Roald Amundsen an Bord
verschollen.". Heute morgen stand da noch: "... verschillt das
Flugboot ...", aber dann gab es offensichtlich doch noch eine
Korrektur (siehe auch die Diskussion auf der heutigen
Wikipedia-Startseite). "Verschollen gehen" klingt mir allerdings auch
ein wenig konstruiert. Eigentlich müßte es heißen "verschallt", aber
so redet heutzutage niemand mehr. (siehe auch
https://de.wikipedia.org/wiki/Verschollenheit#Etymologie). Ich würde
daher eher eine Formulierung wie "... wird vermißt" o.ä. verwenden.
(Früher habe ich übrigens mal geglaubt, die Präsensform von
"verschollen" hieße "verschellen", analog zu "zerschellen").
Hmm ... das glaube ich heute noch ...
ich verschelle
du verschillst
er, sie, es verschillt
... oder ist das falsch?
Ich finde es ein wenig schade, wenn solche Beispiele der starken
Konjugation so einfach verschwinden.
Andererseits: Wer versteht das?
Und es gibt etliche Wörter, die in ihrer Grundform schon längst
verschwunden sind - oder sollte ich verschollen sagen?
Detlef
Das ist ja eine Antwortzeit wie in einem Chat.

Wer versteht das? Die Riege teils bereits pensionierter Deutschlehrer,
die sich in dieser Gruppe tummeln und sie am Lebenerhalten. - Nein, ich
bin da fachfremd ...

Gruß
Jürgen
Detlef Meißner
2018-06-18 21:49:21 UTC
Permalink
Post by Juergen Barsuhn
Post by Detlef Meißner
Post by Juergen Barsuhn
Post by Oliver Voß
Heute in der Wikipedia: "1928 – Unterwegs zu einer Rettungs­mission für
das in der Arktis abge­stürzte Luft­schiff Italia geht das Flug­boot
Latham 47 mit dem Polar­forscher Roald Amundsen an Bord verschollen.".
Heute morgen stand da noch: "... verschillt das Flugboot ...", aber dann
gab es offensichtlich doch noch eine Korrektur (siehe auch die Diskussion
auf der heutigen Wikipedia-Startseite). "Verschollen gehen" klingt mir
allerdings auch ein wenig konstruiert. Eigentlich müßte es heißen
"verschallt", aber so redet heutzutage niemand mehr. (siehe auch
https://de.wikipedia.org/wiki/Verschollenheit#Etymologie). Ich würde
daher eher eine Formulierung wie "... wird vermißt" o.ä. verwenden.
(Früher habe ich übrigens mal geglaubt, die Präsensform von "verschollen"
hieße "verschellen", analog zu "zerschellen").
Hmm ... das glaube ich heute noch ...
ich verschelle
du verschillst
er, sie, es verschillt
... oder ist das falsch?
Ich finde es ein wenig schade, wenn solche Beispiele der starken
Konjugation so einfach verschwinden.
Andererseits: Wer versteht das?
Und es gibt etliche Wörter, die in ihrer Grundform schon längst
verschwunden sind - oder sollte ich verschollen sagen?
Das ist ja eine Antwortzeit wie in einem Chat.
Das ist die neue Technik, die macht's möglich. :-)
Und warum sollte die Antwort nicht sofort erfolgen, wenn man gerade am
Rechner sitzt - und sich langweilt. :-)
Langeweile wird demnächst sowieso noch mehr aufkommen, wenn die
deutsche Mannschaft ...
Post by Juergen Barsuhn
Wer versteht das? Die Riege teils bereits pensionierter Deutschlehrer, die
sich in dieser Gruppe tummeln und sie am Lebenerhalten. - Nein, ich bin da
fachfremd ...
Es ist ja ganz interessant, mal die Herkunft von Wörtern zu betrachten,
aber man sollte daraus nicht einen Lebensinhalt machen (bis auf ein
paar Ausnahmen).
Für mich gilt die Devise: Aha, interessant, weiter.

Detlef
Quinn C
2018-06-18 22:02:07 UTC
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Post by Juergen Barsuhn
Post by Oliver Voß
(Früher habe ich übrigens mal geglaubt, die Präsensform von
"verschollen" hieße "verschellen", analog zu "zerschellen").
Hmm ... das glaube ich heute noch ...
ich verschelle
du verschillst
er, sie, es verschillt
... oder ist das falsch?
Ich finde es ein wenig schade, wenn solche Beispiele der starken
Konjugation so einfach verschwinden.
Da z.B. "zerschellen" kein starkes Verb ist, finde ich das nicht
naheliegend. Oder sagst Du "Das Flugzeug ist an dem Berg zerschollen",
"jetzt zerschillt es gleich"?

"Da erscholl Musik" kommt mir dagegen aus älteren Texten bekannt vor.
--
GOGELN, vb., flattern, sich (schwankend) hin und her bewegen, gaukelei
treiben, gesticulari. zur herkunft vgl. gogel, adj., und gaukeln, vb.;
in fast allen mundarten verbreitet, literarisch bis ins 17. jh.
bezeugt; s. auch gugeln und gageln.
GRIMM, Deutsches Wörterbuch
Heinz Lohmann
2018-06-19 01:12:20 UTC
Permalink
Post by Oliver Voß
Heute in der Wikipedia: "1928 – Unterwegs zu einer Rettungs­mission für
das in der Arktis abge­stürzte Luft­schiff Italia geht das Flug­boot
Latham 47 mit dem Polar­forscher Roald Amundsen an Bord verschollen.".
Heute morgen stand da noch: "... verschillt das Flugboot ...", aber dann
gab es offensichtlich doch noch eine Korrektur (siehe auch die
Diskussion auf der heutigen Wikipedia-Startseite). "Verschollen gehen"
klingt mir allerdings auch ein wenig konstruiert. Eigentlich müßte es
heißen "verschallt", aber so redet heutzutage niemand mehr. (siehe auch
https://de.wikipedia.org/wiki/Verschollenheit#Etymologie). Ich würde
daher eher eine Formulierung wie "... wird vermißt" o.ä. verwenden.
(Früher habe ich übrigens mal geglaubt, die Präsensform von
"verschollen" hieße "verschellen", analog zu "zerschellen").
Da gab es früher lt. Duden das Verb "verschallen", von der nur das
Partizip II "verrschollen" noch in Gebrauch ist.

Heute empfiehlt sich die Formulierung "verschollen sein/bleiben".
(Duden 2)
--
mfg
Heinz Lohmann
Tamsui, Taiwan

Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat. W.B.
Stefan Ram
2018-06-19 01:56:53 UTC
Permalink
Post by Heinz Lohmann
Da gab es früher lt. Duden das Verb "verschallen", von der nur das
Partizip II "verrschollen" noch in Gebrauch ist.
Du meinst, das Verb sei größtenteils verschollen?

Das Verb "verschallen" ist schon noch im Gebrauch.
Nur lautet das Partizip Perfekt heute "verschallt".

Beispiele aus drei verschiedenen Web-Seiten:

|Ein Slammer forderte das Publikum zum Aktivwerden auf,
|„damit Nachhaltigkeit nicht im Nachhall verschallt“.
(verschallt=Indikativ Präsenz, dritte Person Singular)

|Der Hilferuf einer Lehrerin aus der Volksschule Lehen I
|verschallt nicht ungehört.
(verschallt=Indikativ Präsenz, dritte Person Singular)

|einst „Das Bier von Weltruf“!!!!
|Leider ist dieser Ruf mittlerweile fast verschallt.
(verschallt=Partizip Perfekt)

Was veraltet ist, ist "verschollen" /als Partizip Perfekt
von "verschallen"/. Im Imperfekt Indikativ heißt es aber
weiterhin: "Wir verschollen.".
Heinz Lohmann
2018-06-19 03:59:55 UTC
Permalink
Post by Stefan Ram
Post by Heinz Lohmann
Da gab es früher lt. Duden das Verb "verschallen", von der nur das
Partizip II "verrschollen" noch in Gebrauch ist.
Du meinst, das Verb sei größtenteils verschollen?
Das Verb "verschallen" ist schon noch im Gebrauch.
Nur lautet das Partizip Perfekt heute "verschallt".
|Ein Slammer forderte das Publikum zum Aktivwerden auf,
|„damit Nachhaltigkeit nicht im Nachhall verschallt“.
(verschallt=Indikativ Präsenz, dritte Person Singular)
|Der Hilferuf einer Lehrerin aus der Volksschule Lehen I
|verschallt nicht ungehört.
(verschallt=Indikativ Präsenz, dritte Person Singular)
|einst „Das Bier von Weltruf“!!!!
|Leider ist dieser Ruf mittlerweile fast verschallt.
(verschallt=Partizip Perfekt)
Die drei Beispiele beziehen sich auf den akustischen Bereich (bei Ruf in
übertragener Bedeutung: der Ruf). Bei Slammern bin ich immer etwas
skeptisch.

In der Bedeutung "verschwinden" scheint mir das Präsenes tot zu sein.
Post by Stefan Ram
Was veraltet ist, ist "verschollen" /als Partizip Perfekt
von "verschallen"/. Im Imperfekt Indikativ heißt es aber
weiterhin: "Wir verschollen.".
Da würde MUSEN das Perfekt wählen: Sie sind verschollen.
(Über sich selbst kann man das wohl nur selten sagen ...)

Der Wortschatz Uni Leipzig definiert verschollen als Adjektiv:
Das Bild ist seitdem verschollen. (www.rp-online.de, gecrawlt am 23.01.2011)
Seither gilt er als verschollen. (www.news.ch, gecrawlt am 16.01.2011)
Auch die Urne selbst bleibt verschollen. (www.20min.ch, gecrawlt am
18.12.2010)
Die zweite Glocke ist heute verschollen. (www.traunsteiner-tagblatt.de,
gecrawlt am 30.01.2011)
Elf Arbeiter blieben weiterhin verschollen.
(www.goettinger-tageblatt.de, gecrawlt am 05.01.2011)

https://is.gd/bPHMfK
--
mfg
Heinz Lohmann
Tamsui, Taiwan

Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat. W.B.
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