Discussion:
Variantengrammatik des Standarddeutschen
(zu alt für eine Antwort)
Christian Weisgerber
2019-01-16 18:37:03 UTC
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„Variantengrammatik des Standarddeutschen
In der VG finden Sie umfassende Informationen zur grammatischen
Variation in der geschriebenen Standardsprache.“

http://mediawiki.ids-mannheim.de/VarGra/index.php/Start

Z.B. „gewinkt“/„gewunken“:
http://mediawiki.ids-mannheim.de/VarGra/index.php/Winken

„an“/„zu“ + Feiertage:
http://mediawiki.ids-mannheim.de/VarGra/index.php/An_/_zu_%2B_Feiertage
--
Christian "naddy" Weisgerber ***@mips.inka.de
Manfred Hoß
2019-01-16 19:56:42 UTC
Permalink
Post by Christian Weisgerber
„Variantengrammatik des Standarddeutschen
In der VG finden Sie umfassende Informationen zur grammatischen
Variation in der geschriebenen Standardsprache.“
http://mediawiki.ids-mannheim.de/VarGra/index.php/Start
http://mediawiki.ids-mannheim.de/VarGra/index.php/Winken
Ich kopiere mal die Häufigkeitstabelle von der Seite hierher und löse die
Arealkürzel auf.

"Relative Auftretenshäufigkeit von gewinkt / gewunken innerhalb der
einzelnen Sprachregionen

Areal gewinkt gewunken
Liechtenstein 0% 100% (u[nter].S[chwellenwert].)
Südtirol 0% 100% (u.S.)
Ostösterreich 14% (u.S.) 86% (u.S.)
Belgien 8% 92%
Luxemburg 43% (u.S.) 57% (u.S.)
Westösterreich 27% 73%
Mittelösterreich 18% 82%
Südostösterreich 27% 73%
Mittelostdeutschland 19% 81%
Nordostdeutschland 31% 69%
Mittelwestdeutschland 19% 81%
Südwestdeutschland 29% 71%
Südostdeutschland 18% 82%
Schweiz 65% 35%
Nordwestdeutschland 44% 56%


Korpus und Quellen

Das untersuchte Korpus umfasst knapp 600 Mio. Wörter und enthält Texte aus
68 Zeitungen des zusammenhängenden deutschsprachigen Raums (Zeitraum:
2000-2013)."

Auch wenn ich die Regionen außer Acht lasse, zu denen zu wenige Werte
vorliegen ("unter Schwellenwert"), so wird doch öfter "gewunken" als
"gewinkt" verwendet, mit der Schweiz als einzige Ausnahme. Dann ist aber
die Frage, warum in vielen Wörterbüchern "gewinkt" als hochsprachlich
betrachtet wird, "gewunken" jedoch als umgangssprachlich. Eigentlich müsste
es genau andersrum sein.

Gruß
Manfred.
Andreas Karrer
2019-01-16 22:03:53 UTC
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Post by Manfred Hoß
Post by Christian Weisgerber
„Variantengrammatik des Standarddeutschen
In der VG finden Sie umfassende Informationen zur grammatischen
Variation in der geschriebenen Standardsprache.“
http://mediawiki.ids-mannheim.de/VarGra/index.php/Start
http://mediawiki.ids-mannheim.de/VarGra/index.php/Winken
Ich kopiere mal die Häufigkeitstabelle von der Seite hierher und löse die
Arealkürzel auf.
"Relative Auftretenshäufigkeit von gewinkt / gewunken innerhalb der
einzelnen Sprachregionen
Areal gewinkt gewunken
Liechtenstein 0% 100% (u[nter].S[chwellenwert].)
Südtirol 0% 100% (u.S.)
Ostösterreich 14% (u.S.) 86% (u.S.)
Belgien 8% 92%
Luxemburg 43% (u.S.) 57% (u.S.)
Westösterreich 27% 73%
Mittelösterreich 18% 82%
Südostösterreich 27% 73%
Mittelostdeutschland 19% 81%
Nordostdeutschland 31% 69%
Mittelwestdeutschland 19% 81%
Südwestdeutschland 29% 71%
Südostdeutschland 18% 82%
Schweiz 65% 35%
Nordwestdeutschland 44% 56%
Die Werte für CH erstaunen mich höchlich; im Dialekt sagt man fast
immer "gwunke". Sieht für mich stark nach Hyperkorrektur aus. Und in
Liechtenstein soll es genau andersrum sein? Da stimmt doch was nicht.

- Andi
Manfred Hoß
2019-01-16 22:45:58 UTC
Permalink
Post by Andreas Karrer
Post by Manfred Hoß
Post by Christian Weisgerber
„Variantengrammatik des Standarddeutschen
In der VG finden Sie umfassende Informationen zur grammatischen
Variation in der geschriebenen Standardsprache.“
http://mediawiki.ids-mannheim.de/VarGra/index.php/Start
http://mediawiki.ids-mannheim.de/VarGra/index.php/Winken
Ich kopiere mal die Häufigkeitstabelle von der Seite hierher und löse die
Arealkürzel auf.
"Relative Auftretenshäufigkeit von gewinkt / gewunken innerhalb der
einzelnen Sprachregionen
Areal gewinkt gewunken
Liechtenstein 0% 100% (u[nter].S[chwellenwert].)
Südtirol 0% 100% (u.S.)
Ostösterreich 14% (u.S.) 86% (u.S.)
Belgien 8% 92%
Luxemburg 43% (u.S.) 57% (u.S.)
Westösterreich 27% 73%
Mittelösterreich 18% 82%
Südostösterreich 27% 73%
Mittelostdeutschland 19% 81%
Nordostdeutschland 31% 69%
Mittelwestdeutschland 19% 81%
Südwestdeutschland 29% 71%
Südostdeutschland 18% 82%
Schweiz 65% 35%
Nordwestdeutschland 44% 56%
Die Werte für CH erstaunen mich höchlich; im Dialekt sagt man fast
immer "gwunke". Sieht für mich stark nach Hyperkorrektur aus. Und in
Liechtenstein soll es genau andersrum sein? Da stimmt doch was nicht.
Ich vermute, da das Projekt noch am Anfang steht, sind die Zahlen noch
nicht ausreichend belastbar. Da auf der verlinkten Seite erwähnt wird, dass
Zeitungen ausgewertet werden, habe ich die Stichprobe gemacht und auf der
Homepage der "Neuen Zürcher Zeitung" (www.nzz.ch) nach "gewinkt" und
"gewunken" gesucht.

gewinkt: 78x
gewunken: 14x

Das Verhältnis entspricht nicht ganz dem oben genannten, aber es geht in
die Richtung.

Es stimmt jedoch nicht, dass in Liechtensteiner Zeitungen "gewinkt" gar
nicht vorkäme. In "Liechtensteiner Vaterland" (www.vaterland.li) wird
"gewinkt" 37x gefunden (3x Artikel, 34x ePaper). Jedoch bleiben die Zahlen
weit hinter denen von "gewunken" zurück: 268x gesamt (26x Artikel, 242x
ePaper).

Gruß
Manfred.
Stefan Schmitz
2019-01-17 19:50:17 UTC
Permalink
Post by Andreas Karrer
Post by Manfred Hoß
"Relative Auftretenshäufigkeit von gewinkt / gewunken innerhalb der
einzelnen Sprachregionen
Areal gewinkt gewunken
Liechtenstein 0% 100% (u[nter].S[chwellenwert].)
Südtirol 0% 100% (u.S.)
Ostösterreich 14% (u.S.) 86% (u.S.)
Belgien 8% 92%
Luxemburg 43% (u.S.) 57% (u.S.)
Westösterreich 27% 73%
Mittelösterreich 18% 82%
Südostösterreich 27% 73%
Mittelostdeutschland 19% 81%
Nordostdeutschland 31% 69%
Mittelwestdeutschland 19% 81%
Südwestdeutschland 29% 71%
Südostdeutschland 18% 82%
Schweiz 65% 35%
Nordwestdeutschland 44% 56%
Die Werte für CH erstaunen mich höchlich; im Dialekt sagt man fast
immer "gwunke". Sieht für mich stark nach Hyperkorrektur aus. Und in
Liechtenstein soll es genau andersrum sein? Da stimmt doch was nicht.
Liechtenstein liegt unter dem Schwellenwert, da sind die relativen
Häufigkeiten irreführend.
(Ich dachte erst, was das für ein Schwellenwert sein mag, wo 100% drunter
liegt und 0% nicht. Aber es geht wohl um die Gesamtzahl beider Varianten.)
Sergio Gatti
2019-01-17 07:22:47 UTC
Permalink
Post by Manfred Hoß
Auch wenn ich die Regionen außer Acht lasse, zu denen zu wenige Werte
vorliegen ("unter Schwellenwert"), so wird doch öfter "gewunken" als
"gewinkt" verwendet, mit der Schweiz als einzige Ausnahme. Dann ist aber
die Frage, warum in vielen Wörterbüchern "gewinkt" als hochsprachlich
betrachtet wird, "gewunken" jedoch als umgangssprachlich. Eigentlich müsste
es genau andersrum sein.
Die Antwort ist einfach: aus sprachgeschichtlichen Gründen.

Verben sind meistens regelmäßig, wie
lieben liebte geliebt
und (früher schriftlich, den tatsächlichen _Sprach_gebrauch
z.B. 1970 kenne ich nicht)
winken winkte gewinkt,
oder auf unterschiedliche Weise unregelmäßig, wie
gehen ging gegangen,
finden fand gefunden.

Mischformen mit regelmäßiger Vergangenheitsform und
unregelmäßigem Partizip sind eher selten:
backen backte gebacken,
und auf Anhieb finde ich keine Reihen wie
sinken sinkte* gesunken, (*zeigt eine falsche Form)
winken winkte gewunken(*?).

Zitat aus dem "Wörterbuch der Sprachschwierigkeiten", VEB
Bibliographisches Institut Leipzig, 1986: "Die gelegentlich
zu hörende Form gewunken wird in der Regel nur scherzhaft
gebraucht, schriftlich ist sie falsch."

Woher kommt eigentlich "gewunken" und seit wann hört man es
häufiger? Ihr kennt die Antwort sicher besser als ich.
U***@web.de
2019-01-17 08:26:51 UTC
Permalink
Post by Sergio Gatti
Post by Manfred Hoß
Auch wenn ich die Regionen außer Acht lasse, zu denen zu wenige Werte
vorliegen ("unter Schwellenwert"), so wird doch öfter "gewunken" als
"gewinkt" verwendet, mit der Schweiz als einzige Ausnahme. Dann ist aber
die Frage, warum in vielen Wörterbüchern "gewinkt" als hochsprachlich
betrachtet wird, "gewunken" jedoch als umgangssprachlich. Eigentlich müsste
es genau andersrum sein.
Die Antwort ist einfach: aus sprachgeschichtlichen Gründen.
Verben sind meistens regelmäßig, wie
lieben liebte geliebt
und (früher schriftlich, den tatsächlichen _Sprach_gebrauch
z.B. 1970 kenne ich nicht)
winken winkte gewinkt,
oder auf unterschiedliche Weise unregelmäßig, wie
gehen ging gegangen,
finden fand gefunden.
Mischformen mit regelmäßiger Vergangenheitsform und
backen backte gebacken,
und auf Anhieb finde ich keine Reihen wie
sinken sinkte* gesunken, (*zeigt eine falsche Form)
winken winkte gewunken(*?).
Zitat aus dem "Wörterbuch der Sprachschwierigkeiten", VEB
Bibliographisches Institut Leipzig, 1986: "Die gelegentlich
zu hörende Form gewunken wird in der Regel nur scherzhaft
gebraucht, schriftlich ist sie falsch."
Ja, da kommen regelmäßig Spezialisten mit "geblunken"
um die Ecke, denen man "getrinkt, gesinkt!" entgegenrufen möchte.

Ob die Spezialisten nur ob der regelmäßigen Partizipform
für die Standardsprache recht haben, sei zumindest zu diskutieren.

Gruß, ULF
Kind, Jaakob
2019-01-17 08:40:21 UTC
Permalink
Post by Sergio Gatti
backen backte gebacken,
Hier bin ich ja für
backen, buk, gebacken (wenn es um Bäcker geht)
und
backen, backte, gebackt (wenn es um Schnee geht).

"buk" wird zunehmend durch "backte" ersetzt, aber noch würde ich das
nicht für die Standardform halten.

Viele Grüße
Jaakob
Helmut Richter
2019-01-17 09:34:12 UTC
Permalink
Post by Kind, Jaakob
Post by Sergio Gatti
backen backte gebacken,
Hier bin ich ja für
backen, buk, gebacken (wenn es um Bäcker geht)
und
backen, backte, gebackt (wenn es um Schnee geht).
"buk" wird zunehmend durch "backte" ersetzt, aber noch würde ich das nicht für
die Standardform halten.
Und eine umgekehrte Mischform ist intransitives stecken: stecken, stak,
gesteckt (der Schlüssel stak im Schloss, ist/hat im Schloss gesteckt) im
Gegensatz zum transitiven (er steckte den Schlüssel ins Schloss, er hat
gesteckt). „erschrecken“ geht nach demselben Muster: er erschrak, ist
erschrocken, er erschreckte jdn, hat jdn erschreckt.

„stak“ ist schwer am Aussterben, meine Oma (1885–1968) hat es als normal
benutzt, seither kenne ich es nur passiv. Dagegen ist „erschrak“ MUSEN die
einzig richtige irreflexive intransitive Form. Die reflexive wohl eher
umgangssprachliche müsste eigentlich „erschreckte sich“ heißen: es wird
aber eher „erschrak sich“ verwendet, falls überhaupt.
--
Helmut Richter
Gunhild Simon
2019-01-17 10:31:14 UTC
Permalink
Am Donnerstag, 17. Januar 2019 10:34:14 UTC+1 schrieb Helmut Richter:
...
Post by Helmut Richter
Die reflexive wohl eher
umgangssprachliche müsste eigentlich „erschreckte sich“ heißen: es wird
aber eher „erschrak sich“ verwendet, falls überhaupt.
Hierzulande ist es ene Ausnahme, erschrecken richtig
angewendet zu vernehmen.
üblich ist nahezu ausnahmlos "sich erschrecken, ich erschreckte mich, ich habe mich erschrocken".
Ich bin sicher, daß man dies auch
überzeugt als richtig gesprochen empfindet.

Gruß
Gunhild
Jakob Achterndiek
2019-01-17 11:36:37 UTC
Permalink
Post by Gunhild Simon
Am Donnerstag, 17. Januar 2019 10:34:14 UTC+1 schrieb Helmut
Richter: ...
Die reflexive wohl eher umgangssprachliche müsste eigentlich
„erschreckte sich“ heißen: es wird aber eher „erschrak sich“
verwendet, falls überhaupt.
Hierzulande ist es ene Ausnahme, erschrecken richtig angewendet zu
vernehmen. üblich ist nahezu ausnahmlos "sich erschrecken, ich
erschreckte mich, ich habe mich erschrocken". Ich bin sicher, daß man
dies auch überzeugt als richtig gesprochen empfindet.
Beim "erschrecken" kann der Fehler dadurch hervorgerufen sein, daß
man das mundartliche "verfieren" ohne Änderung des Objekt-Kasus ins
gebildetere Hochdeutsch übertragen hat. Aus "ick hev mi verfiert"
wird "ich habe mich erschreckt". "Ich habe mich erschrocken" ist
dann (wie beim starken "gewunken") die Endstufe des Überganges zu
allergehobenstem Büldungs-Jargon.
"Verfieren" kommt noch bei Th. Fontane in hoch- und plattdeutschem
Kontext vor.
--
j/\a
U***@web.de
2019-01-17 13:25:24 UTC
Permalink
Post by Jakob Achterndiek
(wie beim starken "gewunken")
Am entsprechenden starken Präteritum hat sich jemand ernsthaft versucht:
https://elizahill.de/2015/10/von-diven-und-parkplatzhypochondern-kapitel-26/
Manfred Hoß
2019-01-17 17:22:50 UTC
Permalink
Post by U***@web.de
Post by Jakob Achterndiek
(wie beim starken "gewunken")
https://elizahill.de/2015/10/von-diven-und-parkplatzhypochondern-kapitel-26/
"Wank" ist schon älter und findet sich bereits im "Deutschen Wörterbuch".

"WINKEN
[...]
2) sowohl im mhd. wie in nhd. schriftsprache ist schwache conjug. die
regel, doch beginnt bereits mhd. der versuch, winken in die reihe der st.
verben III. kl. zu überführen (wie mengl. winken, wank neben winkin, wincte
STRATMAN-BRADLEY 686b, SKEAT 713a); die mundarten zeigen überwiegend starke
formen, vielfach neben den echten schwachen, so im part. prät. gewunken,
vgl. gwunke"

Auch "wunk" ist dort zu finden, sogar mit einem eigenen Artikel:

"WUNK [Lfg. 30,13], m., ablautsneubildung neben wink, m. (s. d.) zu
winken, gewunken: es würde einer ... lieber die gantze zeit seines lebens
zu fuss gehen, als dass er nur einen segensprecher auch nur mit dem
geringsten wunck umb hülff anspreche GRIMMELSHAUSEN 2, 513 Keller; winck,
wunck KRAMER t.-ital. 2 (1702) 1350b."

Gruß
Manfred.
Sergio Gatti
2019-01-17 17:51:05 UTC
Permalink
Post by Manfred Hoß
Post by Manfred Hoß
"Wank" ist schon älter und findet sich bereits im "Deutschen Wörterbuch".
"WINKEN
[...]
2) sowohl im mhd. wie in nhd. schriftsprache ist schwache conjug. die
regel, doch beginnt bereits mhd. der versuch, winken in die reihe der st.
verben III. kl. zu überführen (wie mengl. winken, wank neben winkin, wincte
STRATMAN-BRADLEY 686b, SKEAT 713a); die mundarten zeigen überwiegend starke
formen, vielfach neben den echten schwachen, so im part. prät. gewunken,
vgl. gwunke"
Äußerst interessant!
winken - wank - gewunken entspricht derselben Logik wie
singen - sang - gesungen
sinken - sank - gesunken
finden - fand - gefunden
usw.
Stark flektierte Formen nach einem üblichen Muster.

Ich finde nicht den geringsten sprachlichen Grund, wank und
gewunken abzulehnen außer der Feststellung, dass eure
Vorfahren vor langer Zeit eine Entscheidung gegen viele
Mundarten zu Gunsten von
winken - winkte - gewinkt
getroffen haben. Ihre Gründe kenne ich nicht.

Ich möchte noch deutlicher werden.
winken - winkte - gewinkt (alles schwach flektiert)
und
winken - wank - gewunken (alles stark flektiert)
folgen meiner bescheidensten Meinung nach der inneren Logik
der deutschen Sprache.
Das gilt aber nicht für winken - winkte (schwach flektiert)
- gewunken (stark flektiert), wenn ich keine gegenteiligen
Beispiele finde. Vielleicht zeigt ihr mir einige?
Christian Weisgerber
2019-01-17 15:42:37 UTC
Permalink
Post by Gunhild Simon
Post by Helmut Richter
Die reflexive wohl eher
umgangssprachliche müsste eigentlich „erschreckte sich“ heißen: es wird
aber eher „erschrak sich“ verwendet, falls überhaupt.
Hierzulande ist es ene Ausnahme, erschrecken richtig
angewendet zu vernehmen.
Die Variantengrammatik hat auch dazu einen Artikel:
http://mediawiki.ids-mannheim.de/VarGra/index.php/Erschrecken
--
Christian "naddy" Weisgerber ***@mips.inka.de
Martin Gerdes
2019-01-18 21:18:59 UTC
Permalink
Post by Helmut Richter
Und eine umgekehrte Mischform ist intransitives stecken: stecken, stak,
gesteckt (der Schlüssel stak im Schloss, ist/hat im Schloss gesteckt) im
Gegensatz zum transitiven (er steckte den Schlüssel ins Schloss, er hat
gesteckt).
„stak“ ist schwer am Aussterben, meine Oma (1885–1968) hat es als normal
benutzt, seither kenne ich es nur passiv.
Eine gute Bekannte verwendet das Wort regelmäßig (dazu das Partizip
"gestochen": "Hast Du den Schlüssel eingestochen?").

Ich unterscheide Grundverb und Kausativum an der Aussprache (wie wohl
schon einmal berichtet).
U***@web.de
2019-01-17 08:57:27 UTC
Permalink
Post by Sergio Gatti
und auf Anhieb finde ich keine Reihen wie
sinken sinkte* gesunken, (*zeigt eine falsche Form)
winken winkte gewunken(*?).
Aus gemischten Reihen bedient man sich recht gern bei

verdingen, verdingte, verdungen.
https://www.dwds.de/wb/verdingen

Üblich sei auch mehr oder weniger 'verdang' und 'hat verdingt'.

Gruß, ULF
Christian Weisgerber
2019-01-17 16:16:29 UTC
Permalink
Post by Sergio Gatti
Mischformen mit regelmäßiger Vergangenheitsform und
backen backte gebacken,
Das fällt in die Gruppe der Verben, bei denen nur im Präteritum
eine Variation zwischen starker und schwacher Beugung besteht:
backen - buk / backte - gebacken

Die Variantengrammatik führt weitere ähnliche Fälle auf:
schwören - schwor / schwörte - geschworen
wiegen - wog / wiegte - gewogen

Dazu einige bei denen Präteritum _und_ Partizip II schwanken.

Um zu „gewunken“ zurückkehren: Ein weiterer Fall, wo die Bildung
des Partizip II zwischen stark und schwach schwankt, ist
„gespaltet/gespalten“.
http://mediawiki.ids-mannheim.de/VarGra/index.php/Spalten
Post by Sergio Gatti
Woher kommt eigentlich "gewunken" und seit wann hört man es
häufiger?
Angleichung an starke Verben wie finden - fand - gefunden und seit
dem Mittelhochdeutschen.
--
Christian "naddy" Weisgerber ***@mips.inka.de
Helmut Richter
2019-01-17 16:46:25 UTC
Permalink
Post by Christian Weisgerber
Post by Sergio Gatti
Mischformen mit regelmäßiger Vergangenheitsform und
backen backte gebacken,
Das fällt in die Gruppe der Verben, bei denen nur im Präteritum
backen - buk / backte - gebacken
schwören - schwor / schwörte - geschworen
wiegen - wog / wiegte - gewogen
Dazu einige bei denen Präteritum _und_ Partizip II schwanken.
Um zu „gewunken“ zurückkehren: Ein weiterer Fall, wo die Bildung
des Partizip II zwischen stark und schwach schwankt, ist
„gespaltet/gespalten“.
http://mediawiki.ids-mannheim.de/VarGra/index.php/Spalten
und besonders wirr „gescheift/geschliffen“
Post by Christian Weisgerber
Post by Sergio Gatti
Woher kommt eigentlich "gewunken" und seit wann hört man es
häufiger?
Angleichung an starke Verben wie finden - fand - gefunden und seit
dem Mittelhochdeutschen.
Zum Teil sind diese Formen schon alt, wie z.B. „gemalen“ (statt „gemalt“)
schon im Mhd. Und auch dass sie im Dialekt vorkommen (z.B. „geschumpfen“),
könnte ein Hinweis auf ein höheres Alter als ein jüngere Scherzbildung
sein. Das wollte ich doch bemorken haben.
--
Helmut Richter
U***@web.de
2019-01-18 07:42:04 UTC
Permalink
Post by Helmut Richter
Post by Christian Weisgerber
Post by Sergio Gatti
Mischformen mit regelmäßiger Vergangenheitsform und
backen backte gebacken,
Das fällt in die Gruppe der Verben, bei denen nur im Präteritum
backen - buk / backte - gebacken
schwören - schwor / schwörte - geschworen
wiegen - wog / wiegte - gewogen
Dazu einige bei denen Präteritum _und_ Partizip II schwanken.
Um zu „gewunken“ zurückkehren: Ein weiterer Fall, wo die Bildung
des Partizip II zwischen stark und schwach schwankt, ist
„gespaltet/gespalten“.
http://mediawiki.ids-mannheim.de/VarGra/index.php/Spalten
und besonders wirr „gescheift/geschliffen“
Das ist nicht wirr, sobald Du zwischen Edelstein und Festungsanlage
zu unterscheiden weißt.

Mit 'gehängt' und 'gehangen' solltest Du doch auch klarkommen,
auch wenn es sich dort meist(?) nach transitivem Gebrauch scheidet.
Martin Gerdes
2019-01-18 21:18:58 UTC
Permalink
Post by Helmut Richter
Zum Teil sind diese Formen schon alt, wie z.B. „gemalen“ (statt „gemalt“)
schon im Mhd. Und auch dass sie im Dialekt vorkommen (z.B. „geschumpfen“),
könnte ein Hinweis auf ein höheres Alter als ein jüngere Scherzbildung
sein. Das wollte ich doch bemorken haben.
Die üblichen Stammformen im Deutschen sind Präsens - Imperfekt -
Partizip Perfekt.

Im Schwäbischen sagt man in der Tat "gewunken", aber die Notwendigkeit
eines Imperfektes "wank" ergibt sich nicht, weil es (von "sein"
abgesehen) im Schwäbischen keine Imperfektformen gibt.
U***@web.de
2019-01-17 18:38:05 UTC
Permalink
Post by Christian Weisgerber
schwören - schwor / schwörte - geschworen
wiegen - wog / wiegte - gewogen
Fein gewogene Kräuter? Doch bitte nicht. Ich möchte die
ordentlich geschnitten haben.

Gruß, ULF
U***@web.de
2019-01-17 18:39:45 UTC
Permalink
Post by Christian Weisgerber
Post by Sergio Gatti
Mischformen mit regelmäßiger Vergangenheitsform und
backen backte gebacken,
Das fällt in die Gruppe der Verben, bei denen nur im Präteritum
backen - buk / backte - gebacken
schwören - schwor / schwörte - geschworen
wiegen - wog / wiegte - gewogen
Dazu einige bei denen Präteritum _und_ Partizip II schwanken.
Um zu „gewunken“ zurückkehren: Ein weiterer Fall, wo die Bildung
des Partizip II zwischen stark und schwach schwankt, ist
„gespaltet/gespalten“.
http://mediawiki.ids-mannheim.de/VarGra/index.php/Spalten
Gar nicht so selten liest man, jemand habe etwas eingeschalten.

Gruß, ULF
Christian Weisgerber
2019-01-18 22:09:19 UTC
Permalink
Post by U***@web.de
Post by Christian Weisgerber
Um zu „gewunken“ zurückkehren: Ein weiterer Fall, wo die Bildung
des Partizip II zwischen stark und schwach schwankt, ist
„gespaltet/gespalten“.
Gar nicht so selten liest man, jemand habe etwas eingeschalten.
Ja, aber das hat keinen Eintrag in der Variantengrammatik.

Heute habe ich mich beim Rasieren geschnitten. Das hat vielleicht
gebluten!
--
Christian "naddy" Weisgerber ***@mips.inka.de
U***@web.de
2019-01-19 09:45:36 UTC
Permalink
Post by Christian Weisgerber
Post by U***@web.de
Post by Christian Weisgerber
Um zu „gewunken“ zurückkehren: Ein weiterer Fall, wo die Bildung
des Partizip II zwischen stark und schwach schwankt, ist
„gespaltet/gespalten“.
Gar nicht so selten liest man, jemand habe etwas eingeschalten.
Ja, aber das hat keinen Eintrag in der Variantengrammatik.
Heute habe ich mich beim Rasieren geschnitten. Das hat vielleicht
gebluten!
Hoffe, die Blutung hat nicht allzu lange angehaltet.

Heinz Lohmann
2019-01-17 01:25:35 UTC
Permalink
Post by Christian Weisgerber
„Variantengrammatik des Standarddeutschen
In der VG finden Sie umfassende Informationen zur grammatischen
Variation in der geschriebenen Standardsprache.“
http://mediawiki.ids-mannheim.de/VarGra/index.php/Start
http://mediawiki.ids-mannheim.de/VarGra/index.php/Winken
http://mediawiki.ids-mannheim.de/VarGra/index.php/An_/_zu_%2B_Feiertage
Danke für den Tipp!
--
mfg
Heinz Lohmann
Tamsui, Taiwan

Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat. W.B.
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