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Urtuemlich oder urspruenglich
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Heinz Lohmann
2018-11-30 01:28:42 UTC
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In einem Podcast des WDR
Gibt es Tiere, die keinen Mund haben?
WDR 5 Quarks - Die Kleine Anfrage | 29.11.2018 |

Es werden "ursprüngliche" Tiere erwähnt, die einen "ursprünglichen" Darm
haben.

MUSE meint, es müsste stattdessen *urtümlich* heißen.

Wahrscheinlich wird das leicht verwechselt.

<https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/quarks/die-kleine-anfrage/audio-gibt-es-tiere-die-keinen-mund-haben-100.html>
https://is.gd/zwwchd
--
mfg
Heinz Lohmann
Tamsui, Taiwan

Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat. W.B.
Christian Weisgerber
2018-11-30 14:24:59 UTC
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Post by Heinz Lohmann
Es werden "ursprüngliche" Tiere erwähnt, die einen "ursprünglichen" Darm
haben.
Grundsätzlich ist „ursprünglich“ (engl. „primitive“) ein Begriff aus
der Biologie:
https://de.wikipedia.org/wiki/Plesiomorphie
Post by Heinz Lohmann
MUSE meint, es müsste stattdessen *urtümlich* heißen.
https://is.gd/zwwchd
In diesem Zusammenhang bin ich geneigt dir zuzustimmen.

(Komma vor „dir“? Ja, nein, warum?)
--
Christian "naddy" Weisgerber ***@mips.inka.de
Christina Kunze
2018-11-30 15:03:04 UTC
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Post by Christian Weisgerber
Post by Heinz Lohmann
Es werden "ursprüngliche" Tiere erwähnt, die einen "ursprünglichen" Darm
haben.
Grundsätzlich ist „ursprünglich“ (engl. „primitive“) ein Begriff aus
https://de.wikipedia.org/wiki/Plesiomorphie
Post by Heinz Lohmann
MUSE meint, es müsste stattdessen *urtümlich* heißen.
https://is.gd/zwwchd
In diesem Zusammenhang bin ich geneigt dir zuzustimmen.
(Komma vor „dir“? Ja, nein, warum?)
Nach NRS mMn fakultativ, Duden D 116.
Ich würde es setzen.
Die Beispiele im Duden-Eintrag für "geneigt" haben alle ein Komma.

chr
Reinhard Zwirner
2018-11-30 17:33:25 UTC
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Christian Weisgerber schrieb:

[...]
Post by Christian Weisgerber
In diesem Zusammenhang bin ich geneigt dir zuzustimmen.
(Komma vor „dir“? Ja, nein, warum?)
In der Schule habe ich gelernt, daß ein "bekleideter" Infinitiv mit
"zu" durch Komma(ta) abgetrennt wird. AFAIK ist das durch die GröRRaZ
(SCNR) heutzutage optional.

Ciao

Reinhard
Gunhild Simon
2018-12-01 00:15:20 UTC
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Post by Reinhard Zwirner
[...]
Post by Christian Weisgerber
In diesem Zusammenhang bin ich geneigt dir zuzustimmen.
(Komma vor „dir“? Ja, nein, warum?)
In der Schule habe ich gelernt, daß ein "bekleideter" Infinitiv mit
"zu" durch Komma(ta) abgetrennt wird. AFAIK ist das durch die GröRRaZ
(SCNR) heutzutage optional.
Ich habe die vage Erinnerung, daß das Komma vor einem
erweiterten Infinitiv entfallen darf, wenn der Satz
übersichtlich genug ist, um verstanden zu werden.

Gruß
Gunhild
Manfred Hoß
2018-12-01 07:08:08 UTC
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Post by Gunhild Simon
Post by Reinhard Zwirner
[...]
Post by Christian Weisgerber
In diesem Zusammenhang bin ich geneigt dir zuzustimmen.
(Komma vor „dir“? Ja, nein, warum?)
In der Schule habe ich gelernt, daß ein "bekleideter" Infinitiv mit
"zu" durch Komma(ta) abgetrennt wird. AFAIK ist das durch die GröRRaZ
(SCNR) heutzutage optional.
Ich habe die vage Erinnerung, daß das Komma vor einem
erweiterten Infinitiv entfallen darf, wenn der Satz
übersichtlich genug ist, um verstanden zu werden.
Sofern sich jemand an die amtliche Regelung halten möchte, die Kommaregeln
sind auf den Seiten 79 bis 89 in den Paragraphen 71 bis 79 zu finden. Was
das Komma bei Infinitven betrifft, so steht alles dazu in Paragraph 75:

"*§ 75* Infinitivgruppen grenzt man mit Komma ab, wenn eine der folgenden
Bedingungen erfüllt ist.

(1) die Infinitivgruppe ist mit /um, ohne, statt, anstatt, außer, als/
eingeleitet:
/Sie öffnete das Fenster, um frische Luft hereinzulassen. Das Kind rannte,/
/ohne auf den Verkehr zu achten, über die Straße. Statt am Bericht zu/
/arbeiten, vergnügte sich Herbert mit Computerspielchen. Ihr fiel nichts/
/Besseres ein, als zu kündigen. Ihre Forderung, um das noch einmal zu/
/sagen, halten wir für wenig angemessen/ (siehe auch § 77 (1)). /Er, ohne/
/den Vertrag vorher gesehen zu haben, hatte ihn sofort unterschrieben/
(siehe auch § 77 (6)).
(2) die Infinitivgruppe hängt von einem Substantiv ab:
/Er wurde beim Versuch, den Tresor zu knacken, vom Nachtwächter/
/überrascht. Er fasste den Plan, heimlich abzureisen./
(3) die Infinitivgruppe hängt von einem Korrelat oder einem Verweiswort ab
(siehe § 77(5)):
/Anita liebt es, lange auszuschlafen. Werner hat es nie bereut, diese/
/Ausbildung gemacht zu haben. Es missfällt mir, diesen Vertrag zu/
/unterzeichnen. René hat nicht damit gerechnet, doch noch zu gewinnen, und/
/strahlte über das ganze Gesicht. Lange auszuschlafen, das liebt Anita/
/sehr. Doch noch zu gewinnen, damit hat René nicht gerechnet. Damit, doch/
/noch zu gewinnen, hat René nicht gerechnet./
E1: Wenn ein bloßer Infinitiv vorliegt, können in den Fallgruppen (2) und
(3) die Kommas weggelassen werden, sofern keine Missverständnisse
entstehen:
/Den Plan(,) abzureisen(,) hatte sie schon lange gefasst. Die Angst(,) zu/
/fallen(,) lähmte seine Schritte. Thomas dachte nicht daran(,) zu gehen./
E2: In den Fällen, die nicht durch § 75(1) bis (3) geregelt sind, kann ein
Komma gesetzt werden, um die Gliederung deutlich zu machen bzw. um
Missverständnisse auszuschließen. Dasselbe gilt für Partizip-, Adjektiv-
und entsprechende Wortgruppen (siehe § 77(7) und § 78(3))."
Manfred Hoß
2018-12-01 07:16:36 UTC
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Post by Manfred Hoß
Post by Gunhild Simon
Post by Reinhard Zwirner
[...]
Post by Christian Weisgerber
In diesem Zusammenhang bin ich geneigt dir zuzustimmen.
(Komma vor „dir“? Ja, nein, warum?)
In der Schule habe ich gelernt, daß ein "bekleideter" Infinitiv mit
"zu" durch Komma(ta) abgetrennt wird. AFAIK ist das durch die GröRRaZ
(SCNR) heutzutage optional.
Ich habe die vage Erinnerung, daß das Komma vor einem
erweiterten Infinitiv entfallen darf, wenn der Satz
übersichtlich genug ist, um verstanden zu werden.
Sofern sich jemand an die amtliche Regelung halten möchte, die Kommaregeln
sind auf den Seiten 79 bis 89 in den Paragraphen 71 bis 79 zu finden. Was
<Ingrid>
Die neueste Fassung kann hier heruntergeladen werden:
http://www.rechtschreibrat.com/DOX/rfdr_Regeln_2016_redigiert_2018.pdf
</Ingrid>

Gruß
Manfred.
Christian Weisgerber
2018-12-01 18:51:12 UTC
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Post by Manfred Hoß
"*§ 75* Infinitivgruppen grenzt man mit Komma ab, wenn eine der folgenden
Bedingungen erfüllt ist.
(3) die Infinitivgruppe hängt von einem Korrelat oder einem Verweiswort ab
Diese Teilregeln sind für mich unverständlich. Ich verstehe nicht,
wie sich diese Abhängigkeit von einem anderen Wort ergibt und wie
ich feststellen kann, ob sie vorliegt.
--
Christian "naddy" Weisgerber ***@mips.inka.de
Stefan Schmitz
2018-12-01 22:17:21 UTC
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Post by Christian Weisgerber
Post by Manfred Hoß
"*§ 75* Infinitivgruppen grenzt man mit Komma ab, wenn eine der folgenden
Bedingungen erfüllt ist.
(3) die Infinitivgruppe hängt von einem Korrelat oder einem Verweiswort ab
Diese Teilregeln sind für mich unverständlich. Ich verstehe nicht,
wie sich diese Abhängigkeit von einem anderen Wort ergibt und wie
ich feststellen kann, ob sie vorliegt.
Beim Substantiv ist es einfach: Es ist leicht festzustellen, ob die
Infinitivgruppe ohne das Substantiv stehen könnte.

Was ein Korrelat ist, weiß ich nicht und ist den Regeln auch nicht zu entnehmen.

Bei den Verweiswörtern (es, damit, das) funktioniert das im Prinzip wie bei
Substantiven. Das würde aber dazu führen, dass man schreiben müsste
"Ich bin geneigt dir zuzustimmen", aber "Ich neige dazu, dir zuzustimmen".
Zum Glück gibt es noch E2.
Manfred Hoß
2018-12-01 22:53:27 UTC
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Post by Stefan Schmitz
Was ein Korrelat ist, weiß ich nicht und ist den Regeln auch nicht zu entnehmen.
"*Korrelat* n.
(auch: Platzhalterelement) Verweiselement in einem -> Matrixsatz, das auf
einen Ergänzungssatz vorwärts (manchmal auch rückwärts) hinweist. /_Es_/
/freut mich, daß du kommst; Daß du kommst, _das_ freut mich; Ich bestehe/
/_darauf_, daß er mich anruft; _Darauf_ bestehe ich, daß er mich anruft./
Welcher Ausdruck als K. fungiert, hängt vom Status des Nebensatzes ab, auf
den es verweist: bei einem -> Subjekt– oder -> Objektsatz sind es /es/ und
/das/ (oder auch bedeutungsarme Nomina wie /die Tatsache/ o.ä.), bei
Präpositionalobjektsatz ist es /da(r)/, verbunden mit der vom Vb. des
Matrixsatzes abhängigen Präp. Bei manchen -> Adverbialsätzen können
-> Pronominaladverbien als K. fungieren (/deshalb, weil ..., damals, als/
/..., dann, wenn .../)."
[Lexikon Sprache: Korrelat. Metzler Lexikon Sprache, S. 5162
(vgl. MLSpr, S. 385) (c) J.B. Metzler Verlag]

Gruß
Manfred.
U***@web.de
2018-12-02 10:15:19 UTC
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Post by Manfred Hoß
Post by Stefan Schmitz
Was ein Korrelat ist, weiß ich nicht und ist den Regeln auch nicht zu entnehmen.
"*Korrelat* n.
(auch: Platzhalterelement) Verweiselement in einem -> Matrixsatz, das auf
einen Ergänzungssatz vorwärts (manchmal auch rückwärts) hinweist. /_Es_/
/freut mich, daß du kommst; Daß du kommst, _das_ freut mich; Ich bestehe/
/_darauf_, daß er mich anruft; _Darauf_ bestehe ich, daß er mich anruft./
Welcher Ausdruck als K. fungiert, hängt vom Status des Nebensatzes ab, auf
den es verweist: bei einem -> Subjekt– oder -> Objektsatz sind es /es/ und
/das/ (oder auch bedeutungsarme Nomina wie /die Tatsache/ o.ä.), bei
Präpositionalobjektsatz ist es /da(r)/, verbunden mit der vom Vb. des
Matrixsatzes abhängigen Präp. Bei manchen -> Adverbialsätzen können
-> Pronominaladverbien als K. fungieren (/deshalb, weil ..., damals, als/
/..., dann, wenn .../)."
[Lexikon Sprache: Korrelat. Metzler Lexikon Sprache, S. 5162
(vgl. MLSpr, S. 385) (c) J.B. Metzler Verlag]
Mit weiteren Bedeutungen auch außerhalb der Linguistik: https://de.wikipedia.org/wiki/Korrelat

Gruß, ULF
Stefan Schmitz
2018-12-02 18:57:21 UTC
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Post by Manfred Hoß
Post by Stefan Schmitz
Was ein Korrelat ist, weiß ich nicht und ist den Regeln auch nicht zu entnehmen.
"*Korrelat* n.
(auch: Platzhalterelement) Verweiselement in einem -> Matrixsatz, das auf
einen Ergänzungssatz vorwärts (manchmal auch rückwärts) hinweist. /_Es_/
/freut mich, daß du kommst; Daß du kommst, _das_ freut mich; Ich bestehe/
/_darauf_, daß er mich anruft; _Darauf_ bestehe ich, daß er mich anruft./
Welcher Ausdruck als K. fungiert, hängt vom Status des Nebensatzes ab, auf
den es verweist: bei einem -> Subjekt– oder -> Objektsatz sind es /es/ und
/das/ (oder auch bedeutungsarme Nomina wie /die Tatsache/ o.ä.), bei
Präpositionalobjektsatz ist es /da(r)/, verbunden mit der vom Vb. des
Matrixsatzes abhängigen Präp. Bei manchen -> Adverbialsätzen können
-> Pronominaladverbien als K. fungieren (/deshalb, weil ..., damals, als/
/..., dann, wenn .../)."
[Lexikon Sprache: Korrelat. Metzler Lexikon Sprache, S. 5162
(vgl. MLSpr, S. 385) (c) J.B. Metzler Verlag]
Danke.
Dann verstehe ich aber nicht, warum in der zitierten Regel
"hängt von einem Korrelat oder einem Verweiswort ab" steht,
sonst aber nie mehr das Wort "Korrelat" auftaucht, wohl aber "Verweiswort".
Roland Franzius
2018-12-01 08:14:47 UTC
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Post by Gunhild Simon
Post by Reinhard Zwirner
[...]
Post by Christian Weisgerber
In diesem Zusammenhang bin ich geneigt dir zuzustimmen.
(Komma vor „dir“? Ja, nein, warum?)
In der Schule habe ich gelernt, daß ein "bekleideter" Infinitiv mit
"zu" durch Komma(ta) abgetrennt wird. AFAIK ist das durch die GröRRaZ
(SCNR) heutzutage optional.
Ich habe die vage Erinnerung, daß das Komma vor einem
erweiterten Infinitiv entfallen darf, wenn der Satz
übersichtlich genug ist, um verstanden zu werden.
Man kann aus der deutschen Lese-Erfahrung natürlich auch destillieren,
dass die streng regulierte, schul-deutsche Kommasetzung nur für solche
Sätze und Autoren zwingend notwendig ist, die keinen Sinn machen.

Diese Regel ist im Englischen eine Art Stil-Metaregel:
Reduziere die Kommazahl n solange bis bei nmin-1 Unsinn entsteht und
erhöhe dann um eins bis zwei.
--
Roland Franzius
Bertel Lund Hansen
2018-11-30 20:05:51 UTC
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Post by Christian Weisgerber
In diesem Zusammenhang bin ich geneigt dir zuzustimmen.
(Komma vor „dir“?
Nein.
Post by Christian Weisgerber
Ja, nein, warum?)
Nach dem Gebrauch werden die Kommas ins Meer gewascht, und danach
treten sie in der Nahrungskette auf.
--
/Bertel - aus Dänemark
U***@web.de
2018-12-01 09:32:44 UTC
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Post by Bertel Lund Hansen
Nach dem Gebrauch werden die Kommas ins Meer gewascht,
Nein.
Martin Gerdes
2018-12-02 20:51:57 UTC
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Post by Christian Weisgerber
In diesem Zusammenhang bin ich geneigt dir zuzustimmen.
(Komma vor „dir“? Ja, nein, warum?)
Diese Frage gerade von Dir erstaunt mich.

Komma vor "dir" nach alten Regeln obligatorisch (erweiterter Infinitiv).
Komma vor "dir" nach neuen Regeln obligatorisch ("Hinweiserwort").

Es geht die Großstadtlegende, daß man Kommas vor Infinitiven "heute"
weglassen "dürfe", viele Leute bemühen sich (zum Schaden ihrer Leser)
sehr, diesem vermeintlichen Gebot nachzukommen. Es ist aber nicht
richtig. Die BRaZzler haben in die neuen Kommaregeln eine Stolperfalle
eingebaut, die viel schwieriger ist als die alte Regeln: Wenn nämlich
der Infinitiv von einem "hinweisenden Wort" abhängt, war das Komma
obligatorisch. In mehreren Häutungen hat man diese Regel wieder
abgemildert, und zwar dergestalt, daß ein Komma vor einem
nichterweiterten Infinitiv nun in keinem Fall mehr obligatorisch ist.

Das Unternehmen Rechtschreibreform hatte vorgeblich die Schreiber im
Blick, was a) der falsche Ansatz ist, weil der Leser wichtiger ist als
der Schreiber und b) grandios danebengegangen ist (gerade gestern stand
im hiesigen Lokalblättchen ein Artikel darüber, was man machen sollte,
damit die Schulkinder wieder besser schreiben lernen).

Mal abgesehen davon, daß Rechtschreibfehler ohnehin nicht mit Bußgeld
bedroht sind, ein Mißachten der staatlichen Regeln somit
staatlicherseits unsanktioniert bleibt, sollte ein Autor, der den Leser
im Auge hat, leserfreundlich wie bisher ein Komma vor erweitertem
Infinitiv setzen, diesbezüglich also die alte, leichtere Regel
beherzigen. Sein Gewinn ist, daß er so nach neuen Regeln weniger Fehler
macht als wenn er nach der obigen Faustregel schreibt.

Ewald Pfau
2018-11-30 21:24:31 UTC
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Post by Heinz Lohmann
WDR 5 Quarks - Die Kleine Anfrage | 29.11.2018 |
Es werden "ursprüngliche" Tiere erwähnt, die einen "ursprünglichen" Darm
haben.
MUSE meint, es müsste stattdessen *urtümlich* heißen.
Weder, noch. Das ist ein Ringen um den Showeffekt, auf Kosten der einfachen
Aussage. Knallig muss es herüberkommen, sonst bekommt der Verantwortliche
womöglich schlechte Punkte. Hauen und Stechen auf Kosten der Sprache, die zu
dem Zweck nicht mehr als ein auszubeutendes Utensil ist.

Obiges würde ich erst einmal auf solcherart einer Schiene einsortieren, und
dann erstmal Luft holen, und dann suchen, was denn nun wohin gehört.

Vom Ursprung her kommt das Wasser aus der Quelle.

Ursprüngliche Tiere im konkreten Sinn hingegen gibt es nicht. Es gibt
höchstens ursprüngliche Lebensformen, die als Quelle dienten, als Vorrat an
Ererbbarem, aus dem die Nachkommen schöpften. Für eine konkrete Existenz ist
der Begriff dann leicht daneben - vielleicht hat jemand verunstaltenderweise
ein englisch-kompatibles Original rückübersetzen wollen. Und das muss dann
schiefgehen.

(Zweifellos kann man umgangssprachlich von ursprünglichen Tieren reden, aber
damit verlässt man das Terrain einer treffenden Ausrucksform - das ist der
Punkt hier, der Begriff trägt das nicht in der angestrebten belastbaren
Genauigkeit.)

Zugleich sollte mit ursprünglich Vergangenheit und Gegenwart verkoppelt
sein, was von irgendwann heraufdämmert und nun da ist.

Urtümlich wiederum spielt in einer anderen Liga. Das bringt nicht die
Verkoppelung daher, das verweist nur auf etwas, was weit weg ist, schafft
Distanz, dass etwa zu staunen wäre, was es denn nicht alles schon gab. Damit
ist nichts zur Gegenwart gesagt. Wohl aber ist damit etwas zum Staunen
gesagt. Es birgt einen Anspruch, dass sich plötzlich eine Eigenartigkeit
hervorgetreten sein muss, anstatt von Unauffälligkeit in einem Kontinuum.
Der Anspruch ist wiederum weitgehend unspezifisch, was konkrete Einbindung
in faktische Zusammenhänge anbelangt. Für konkrete Beschreibungen ist das
eher eine emotional Markierung, kaum zur Verkettung von Eigenarten mit vorn
und hinten und links und rechts gedacht. Wäre es nicht um solche Markierung,
genügte wohl auch der schwächere Hinweis, ach, es gab da einmal ein
Vorkommnis.
Post by Heinz Lohmann
Wahrscheinlich wird das leicht verwechselt.
Jaja - vonseiten des Medienkonsumenten: das knallig agierende Medium, mit
einem Hort sorgsam gehegten Sprachgebrauchs.

Sprachgebrauch verlangt nach Genauigkeit, soll er gelingen. Im obigen Fall
entlarvt sich die Absicht zum Knalleffekt, wahrscheinlich war zu wenig Zeit,
ordentlich zu redigieren. Medien müssen sparen, schon gar, wenn sie ein
Riesenbudget haben, oh weh, was da für ein Hauen und Stechen abgeht, da
bleibt dann niemals mehr Zeit und Geld für Ruhe und Recherche, bei der
unendlich mühsamen ständigen Balance zwischen Intrigieren und Changieren und
Flanieren und weiteren Anpassungsübungen.

Wenn es keinen direkt zutreffenden genauen Begriff für einen Umstand gibt,
dann sollte man sich Zeit nehmen, den zutreffenden sprachlichen Ausdruck zu
finden. Man sieht hier aber den angelsächsischen Bückling, wo es in der
anderen Nachbarsprache vielmehr Usus ist, auf ein großes Universum von
gestanzten Begriffen zurückgreifen zu wollen, mit der seltsamen Marotte
verknüpft, gleich harsche Existenzproblemen zu unterstellen, wenn es eben
einen solchen begriff gerade nicht gibt, in dem Fall also gern ein Stück
Wirklichkeit umzumodeln, bis er ins vorgebastelte Universum passt, das ist
aber groß genug, das Volabular ist reichlich, auf dass dieses Spiel nicht
gar so krass auffällt.

Mit Verlaub, aber die deutsche Sprache ist hier flexibler, nur verlangt sie
eben dann die Rücksichtnahme darauf, mit sprachlichen Ausdrücken zu
hantieren, statt partout fix im Rückgriff auf je genau den sozusagen
einzigen existenzgründenden knalligen Begriff sein zu wollen.

Und das wird hier nicht geleistet. Die redigierenden Vasallen denken
angelsächsisch und suchen dann Übersetzungen ins Deutsche. Meistens geht das
unauffällig, die beiden Sprachen sind im großen und ganzen deckungsgleich zu
gebrauchen (abgesehen von der latenten Zweisprachigkeit des
Angelsächsischen, zwischen germanischen und romanischen Wurzeln), bis es
eben kritisch wird, und man im Deutschen dann schön mit zusammengesetzten
Ausdrücken hantieren kann.

Und das könnte ja ganz locker vonstatten gehen, wenn es nur einer denn nicht
als bekennender Vasall vorzeitig an den Nagel gehängt hat.

Es ist dann nicht mehr diese knallige, von fixen Begrifflichkeiten
überbordende Sprache. Zu häufiger Einsatz von deutlicher Präzision in
flüssiger Unauffälligkeit könnten einen Wortfabriksinsassen da schnell
verdächtig machen, wenn er sich nicht ein gelegentliches Bekenntnis von
Zeitkonformität abzuringen versteht.

Ja ... das sind dann nicht ursprüngliche Tiere. So etwas ist, wie gesagt,
nur eine lausige Rückübersetzung von armseligem Pidgin. Das sind Tiere, die
vormals gelebt haben. Zum Beispiel. Das macht nur einen kleinen Unterschied,
aber dann ist das nicht ein Begriff, sondern ein Ausdruck. Und die hatten
gewiss keine ursprünglichen Gedärme (stand da wirklich ein ursprünglicher
Darm? was ist denn das für ein seltsames Kauderwelsch? - der Vasallenstatus
grüßt hier recht eindringlich mit Extrakapriolen, echt zum Staunen,
dankesehr) - wenn schon, dann hatten diese vormals lebenden Tiere ein
entsprechend ihrer Lebenswelt angepasstes Verdauungssystem - und der Begriff
Darm ist ja nur insofern sinnvoll im Zusammenhang mit Stoffwechsel, als er
nur ein technisches Bestandteil in einem symbiotischen Prozess mit anderen
Lebensformen darstellt.

Auf jeden Fall ... nur kurz die Vokabel urtümlich gegen die Vokabel
ursprünglich setzen, wird den Kakao gewiss nicht retten. Da hat jemand Salz
hineingeschüttet, der ist verdorben. Vielleicht geht gerade die Mode um,
Lebensmittel zu salzen, und wenn schon, dann gründlich.
Post by Heinz Lohmann
<https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/quarks/die-kleine-anfrage/audio-gibt-es-tiere-die-keinen-mund-haben-100.html>
https://is.gd/zwwchd
Aus der Ecke hab ich Autoren zuletzt dermaßen ungeniert hetzend randalieren
gehört, dass der Sender bei mir final unten durch ist. Dabei hat der vor
längerer Zeit feine Sachen gemacht. Schade. So ändern sich die Zeiten, und
nun grüßt gerade hier aus dem Rheinischen ganz ungeniert ein strammes
Vasallendeutschland, was will man sich da noch erwarten (außer, dass dort
irre viel Geld verprasst wird)?
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