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Haende falten, Betende Haende
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Andreas Karrer
2020-02-03 14:34:49 UTC
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Beim Frageboden bei regionalsprache.de (vgl. Posting nebenan) soll man
ein Bild eines Kinds beschreiben, das die Hände in der Art wie bei Dürers
"Betende Hände" hält: Handinnenseiten zusammen, Fingerspitzen nach
oben.

Diese Handstellung beim Beten ist "bei uns" (Schweiz,
Evangelisch-reformierte Kirche) ganz unüblich, vielmehr "faltet" man
die Hände so, dass die Finger gegenseitig ineinandergreifen, wie z.B.
https://www.domradio.de/bild/gefaltete-haende-3

Daher meine Frage: Nennt man die nach Dürer-Art betenden Hände auch
"gefaltete Hände"?

- Andi
Ralph Aichinger
2020-02-03 14:44:39 UTC
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Post by Andreas Karrer
Daher meine Frage: Nennt man die nach Dürer-Art betenden Hände auch
"gefaltete Hände"?
Ich schon (Österreicher, katholisch)

/ralph
--
-----------------------------------------------------------------------------
https://aisg.at
ausserirdische sind gesund
Martin Udelhoven
2020-02-03 16:42:03 UTC
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Post by Andreas Karrer
Beim Frageboden bei regionalsprache.de (vgl. Posting nebenan) soll man
ein Bild eines Kinds beschreiben, das die Hände in der Art wie bei Dürers
"Betende Hände" hält: Handinnenseiten zusammen, Fingerspitzen nach
oben.
Diese Handstellung beim Beten ist "bei uns" (Schweiz,
Evangelisch-reformierte Kirche) ganz unüblich, vielmehr "faltet" man
die Hände so, dass die Finger gegenseitig ineinandergreifen, wie z.B.
https://www.domradio.de/bild/gefaltete-haende-3
Daher meine Frage: Nennt man die nach Dürer-Art betenden Hände auch
"gefaltete Hände"?
Im vorwiegend katholischen Rheinland hieß das zu meiner Messdienerzeit
ebenfalls gefaltete Hände. Die andere Methode mit den
ineinandergreifenden Fingern war nicht ganz so heilig, da sie ja auch
etwas bequemer ist (man kann die Arme weitgehend entspannen). Mit
zunehmendem Alter haben wir Teenager dann beim Kirchgang die Hände
zunächst nur zweiter Klasse gefaltet, dann sogar nur noch verschränkt,
um sehr dezent einer gewissen Skepsis dem ganzen Zirkus gegenüber
Ausdruck zu verleihen.

Martin
Stefan Ram
2020-02-03 21:42:41 UTC
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Post by Martin Udelhoven
Im vorwiegend katholischen Rheinland hieß das zu meiner Messdienerzeit
ebenfalls gefaltete Hände.
Das Hatha Yoga oder die moderne Auffassung einer
"Körpersprache" hat richtig erkannt, daß Körperhaltungen mit
geistigen Zuständen wechselwirken. Das Zusammenführen der
Hände ist ein Ausdruck innerer geistiger Zustände (und
beeinflußt diese seinerseits), welcher der Interpretation
als "Beten" (im christlichen Sinne) vermutlich
menschheitsgeschichtlich schon weit vorausging.

Solche körpersprachlichen Ausdrücke werden in den
verschiedenen Kulturen möglicherweise jeweils
unterschiedlich in die herrschenden Kulturen integriert
und von ihnen interpretiert und kontrolliert.

Japaner führen ihre Hände klatschend flach zusammen und
sagen "Itadakimasu" bevor sie essen (aber nicht unbedingt in
der Öffentlichkeit, wie in Restaurants). Japanische Weisheit:

"Wer vor dem Essen nicht 'Itadakimasu' und hinterher nicht
'Gochisōsamadeshita' sagt, der kann kein guter Mensch sein."
Christina Kunze
2020-02-04 21:09:43 UTC
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Post by Martin Udelhoven
Im vorwiegend katholischen Rheinland hieß das zu meiner Messdienerzeit
ebenfalls gefaltete Hände. Die andere Methode mit den
ineinandergreifenden Fingern war nicht ganz so heilig, da sie ja auch
etwas bequemer ist (man kann die Arme weitgehend entspannen). Mit
zunehmendem Alter haben wir Teenager dann beim Kirchgang die Hände
zunächst nur zweiter Klasse gefaltet, dann sogar nur noch verschränkt,
um sehr dezent einer gewissen Skepsis dem ganzen Zirkus gegenüber
Ausdruck zu verleihen.
In meiner oberschlesisch dominiert katholischen Familienumgebung wurde
immer großer Wert darauf gelegt, dass wir die Hände beim Tischgebet mit
verschränkten Fingern falteten, und zwar auf dem Tisch.
Die Ministranten haben die Hände aneinandergelegt. (Ministrantinnen gab
es damals - Meisner halt - im Bistum Berlin nicht.)

chr
Gunhild Simon
2020-02-03 16:44:33 UTC
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Post by Andreas Karrer
Beim Frageboden bei regionalsprache.de (vgl. Posting nebenan) soll man
ein Bild eines Kinds beschreiben, das die Hände in der Art wie bei Dürers
"Betende Hände" hält: Handinnenseiten zusammen, Fingerspitzen nach
oben.
Diese Handstellung beim Beten ist "bei uns" (Schweiz,
Evangelisch-reformierte Kirche) ganz unüblich,
Auch bei "uns" Evangelen.
Post by Andreas Karrer
vielmehr "faltet" man
die Hände so, dass die Finger gegenseitig ineinandergreifen, wie z.B.
https://www.domradio.de/bild/gefaltete-haende-3
Daher meine Frage: Nennt man die nach Dürer-Art betenden Hände auch
"gefaltete Hände"?
Würde ich nicht so bezeichnen, die Hände sind ja nicht
ineinandergefaltet.
In meiner Grundschulzeit war es üblich, so hatten wir es gelernt,
wenn man nicht gerade mit dem Schreibzeug in Händen beschäftigt war,
mit gefalteten Händen dem Unterricht beizuwohnen. Damals waren die Schulklassen größer,die Kinder bereitwilliger, autoritärer, die Lehrer klarer.
Das Falten der Hände diente der Arbeitsruhe und Konzentration.

Beim Gebet ist das nicht anders. Wenn die Hände /gefaltet/ sind,kann
man sich besser konzentrieren.

Dürers Mutter war geübter darin.
Sie brauchte solche Hilfe nicht.
"Die betenden Hände" wären als gefaltet kaum zustandegekommen.

Auch Meßdiener und Priester legen die Hände nur fromm aneinander.

Das wirkt ernsthaft und dramatisch.
Sie sprechen- oder murmeln - eben Auswendiges.

Gruß
Gunhild
Christina Kunze
2020-02-04 21:18:43 UTC
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Post by Gunhild Simon
In meiner Grundschulzeit war es üblich, so hatten wir es gelernt,
wenn man nicht gerade mit dem Schreibzeug in Händen beschäftigt war,
mit gefalteten Händen dem Unterricht beizuwohnen.
Bei uns (70er, Ostberlin) gab es auch eine vorgeschriebene Handhaltung
bzw. Armhaltung, nämlich so, dass man den linken Arm entlang der
Tischkante vor sich auf den Tisch legte und den rechten darüberklappte.
Wenn man etwas sagen wollte, sollte man den rechten Arm hochklappen, der
Ellbogen sollte auf dem Tisch bleiben.
Hochgereckte Hände, Herumfuchtelt oder gar Schnipsen beim Melden war
ganz verpönt. Offiziell.
Ich glaube, diese Sitzhaltung haben wir ungefähr die erste Woche
beibehalten.

Ich weiß nicht, ob das üblich war oder eine Spezialität unserer Lehrerin.

chr
Detlef Meißner
2020-02-04 21:29:46 UTC
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In meiner Grundschulzeit war es üblich, so hatten wir es gelernt, wenn man
nicht gerade mit dem Schreibzeug in Händen beschäftigt war, mit gefalteten
Händen dem Unterricht beizuwohnen.
Bei uns (70er, Ostberlin) gab es auch eine vorgeschriebene Handhaltung bzw.
Armhaltung, nämlich so, dass man den linken Arm entlang der Tischkante vor
sich auf den Tisch legte und den rechten darüberklappte. Wenn man etwas sagen
wollte, sollte man den rechten Arm hochklappen, der Ellbogen sollte auf dem
Tisch bleiben.
Das stelle ich mir gerade vor: Alle Hände klappen automatisch nach
oben.
Könnte auch in Nordkorea gewesen sein. ;-)
Hochgereckte Hände, Herumfuchtelt oder gar Schnipsen beim Melden war ganz
^^^gefuchtel
verpönt. Offiziell.
Ich glaube, diese Sitzhaltung haben wir ungefähr die erste Woche beibehalten.
Ich weiß nicht, ob das üblich war oder eine Spezialität unserer Lehrerin.
Anzunehmen.

Detlef
--
Die eigentliche Aufgabe eines Freundes ist, dir beizustehen, wenn du im
Unrecht bist. Jedermann ist auf deiner Seite, wenn du im Recht bist.
(Mark Twain)
Der Habakuk.
2020-02-05 05:23:26 UTC
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Post by Christina Kunze
Post by Gunhild Simon
In meiner Grundschulzeit war es üblich, so hatten wir es gelernt,
wenn man nicht gerade mit dem Schreibzeug in Händen beschäftigt
war, mit gefalteten Händen dem Unterricht beizuwohnen.
Bei uns (70er, Ostberlin) gab es auch eine vorgeschriebene
Handhaltung bzw. Armhaltung, nämlich so, dass man den linken Arm
entlang der Tischkante vor sich auf den Tisch legte und den rechten
darüberklappte. Wenn man etwas sagen wollte, sollte man den rechten
Arm hochklappen, der Ellbogen sollte auf dem Tisch bleiben.
Das stelle ich mir gerade vor: Alle Hände klappen automatisch nach oben.
Könnte auch in Nordkorea gewesen sein. ;-)
Jedenfalls bilden dort 11 Jahre Schulpflicht und anschließend 8(!)
Jahre Militärdienst eine gute Dressurgrundlage fürs restliche Leben.
Post by Christina Kunze
Hochgereckte Hände, Herumfuchtelt oder gar Schnipsen beim Melden war ganz
                          ^^^gefuchtel
Post by Christina Kunze
verpönt. Offiziell.
Ich glaube, diese Sitzhaltung haben wir ungefähr die erste Woche beibehalten.
Ich weiß nicht, ob das üblich war oder eine Spezialität unserer Lehrerin.
Anzunehmen.
Heute scheint auf so was weniger Wert gelegt zu werden:

https://efo.uni-siegen.de/2018/06/25/das-meldeverhalten-im-unterricht-kristina-mentel/


(Lehrer forscht)
Detlef
--
*Ceterum censeo religionem Mohammedanicam esse coercendam!*
Detlef Meißner
2020-02-05 09:01:10 UTC
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Post by Christina Kunze
In meiner Grundschulzeit war es üblich, so hatten wir es gelernt, wenn
man nicht gerade mit dem Schreibzeug in Händen beschäftigt war, mit
gefalteten Händen dem Unterricht beizuwohnen.
Bei uns (70er, Ostberlin) gab es auch eine vorgeschriebene Handhaltung
bzw. Armhaltung, nämlich so, dass man den linken Arm entlang der
Tischkante vor sich auf den Tisch legte und den rechten darüberklappte.
Wenn man etwas sagen wollte, sollte man den rechten Arm hochklappen, der
Ellbogen sollte auf dem Tisch bleiben.
Das stelle ich mir gerade vor: Alle Hände klappen automatisch nach oben.
Könnte auch in Nordkorea gewesen sein. ;-)
Jedenfalls bilden dort 11 Jahre Schulpflicht und anschließend 8(!) Jahre
Militärdienst eine gute Dressurgrundlage fürs restliche Leben.
Post by Christina Kunze
Hochgereckte Hände, Herumfuchtelt oder gar Schnipsen beim Melden war ganz
                          ^^^gefuchtel
Post by Christina Kunze
verpönt. Offiziell.
Ich glaube, diese Sitzhaltung haben wir ungefähr die erste Woche beibehalten.
Ich weiß nicht, ob das üblich war oder eine Spezialität unserer Lehrerin.
Anzunehmen.
Heute ist man froh, wenn sich überhaupt jemand meldet und was zum Thema
sagen kann und nicht etwa "darf ich aufs Klo?"
https://efo.uni-siegen.de/2018/06/25/das-meldeverhalten-im-unterricht-kristina-mentel/
Naja, Rituale in der GS halt.

Detlef
--
Wenn es einen Muttersprachler gibt, der sich nicht ganz schlüssig ist
und zwei, die sich sicher sind, dann würde dies dafür sprechen, daß es
wahrscheinlicher ist, daß die zwei recht haben. (Stefan Ram)
Detlef Meißner
2020-02-04 21:26:27 UTC
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Post by Gunhild Simon
Post by Andreas Karrer
Beim Frageboden bei regionalsprache.de (vgl. Posting nebenan) soll man
ein Bild eines Kinds beschreiben, das die Hände in der Art wie bei Dürers
"Betende Hände" hält: Handinnenseiten zusammen, Fingerspitzen nach
oben.
Diese Handstellung beim Beten ist "bei uns" (Schweiz,
Evangelisch-reformierte Kirche) ganz unüblich,
Auch bei "uns" Evangelen.
Post by Andreas Karrer
vielmehr "faltet" man
die Hände so, dass die Finger gegenseitig ineinandergreifen, wie z.B.
https://www.domradio.de/bild/gefaltete-haende-3
Daher meine Frage: Nennt man die nach Dürer-Art betenden Hände auch
"gefaltete Hände"?
Würde ich nicht so bezeichnen, die Hände sind ja nicht
ineinandergefaltet.
In meiner Grundschulzeit war es üblich, so hatten wir es gelernt,
wenn man nicht gerade mit dem Schreibzeug in Händen beschäftigt war,
mit gefalteten Händen dem Unterricht beizuwohnen.
Daran kann ich mich nicht erinnern, ich weiß nur, dass die Hände auf
dem Pult/Tisch sein mussten, nicht unterhalb.
Post by Gunhild Simon
Damals waren die
Schulklassen größer,die Kinder bereitwilliger, autoritärer, die Lehrer
klarer. Das Falten der Hände diente der Arbeitsruhe und Konzentration.
Wirkt nur bei Mädchen. ;-)
Post by Gunhild Simon
Beim Gebet ist das nicht anders. Wenn die Hände /gefaltet/ sind,kann
man sich besser konzentrieren.
Oder, wenn einem langweilig ist, kann man Däumchen drehen.
Post by Gunhild Simon
Dürers Mutter war geübter darin.
Sie brauchte solche Hilfe nicht.
"Die betenden Hände" wären als gefaltet kaum zustandegekommen.
Auch Meßdiener und Priester legen die Hände nur fromm aneinander.
Das wirkt ernsthaft und dramatisch.
Besonders, wenn man die Hände dann gen Himmel reckt.

Detlef
--
Wenn es einen Muttersprachler gibt, der sich nicht ganz schlüssig ist
und zwei, die sich sicher sind, dann würde dies dafür sprechen, daß es
wahrscheinlicher ist, daß die zwei recht haben. (Stefan Ram)
Frank Hucklenbroich
2020-02-03 20:51:06 UTC
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Post by Andreas Karrer
Beim Frageboden bei regionalsprache.de (vgl. Posting nebenan) soll man
ein Bild eines Kinds beschreiben, das die Hände in der Art wie bei Dürers
"Betende Hände" hält: Handinnenseiten zusammen, Fingerspitzen nach
oben.
Diese Handstellung beim Beten ist "bei uns" (Schweiz,
Evangelisch-reformierte Kirche) ganz unüblich, vielmehr "faltet" man
die Hände so, dass die Finger gegenseitig ineinandergreifen, wie z.B.
https://www.domradio.de/bild/gefaltete-haende-3
Oh, Domradio, der Sänger meiner damaligen Band ist da Chefredakteur. Die
haben ein wunderschönes Studio im "Domforum"-Gebäude auf der Domplatte,
direkt gegenüber vom Kölner Dom. Da habe ich einige Male den
Rosenmontagszug sehen dürfen, direkt von oben aus dem warmen Studio mit
guter Verpflegung.
Post by Andreas Karrer
Daher meine Frage: Nennt man die nach Dürer-Art betenden Hände auch
"gefaltete Hände"?
Ja, zumindest hier im katholischen Köln.

Die Handstellung mit den Fingerspitzen nach oben gilt als besonders
feierlich, Kinder machen das oft so bei der Erstkommunion, auch Meßdiener
machen das, wenn sie mit dem geschwenkten Weihrauchfass in die Kirche
einziehen. Aber nur bei besonders feierlichen Anlässen, so wie bei der
Christmette, Ostern, Erstkommunion...

Eine konkrete Vorschrift dazu ist mir nicht bekannt, aber irgendwie wird
das bei besonderen Anlässen gerne so gemacht, zumindest von den Kindern.

Grüße,

Frank
Stefan Schmitz
2020-02-04 20:19:33 UTC
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Post by Frank Hucklenbroich
Die Handstellung mit den Fingerspitzen nach oben gilt als besonders
feierlich, Kinder machen das oft so bei der Erstkommunion, auch Meßdiener
machen das, wenn sie mit dem geschwenkten Weihrauchfass in die Kirche
einziehen.
Wie geht das mit geschwenktem Weihrauchfass?
Frank Hucklenbroich
2020-02-05 07:24:23 UTC
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Post by Stefan Schmitz
Post by Frank Hucklenbroich
Die Handstellung mit den Fingerspitzen nach oben gilt als besonders
feierlich, Kinder machen das oft so bei der Erstkommunion, auch Meßdiener
machen das, wenn sie mit dem geschwenkten Weihrauchfass in die Kirche
einziehen.
Wie geht das mit geschwenktem Weihrauchfass?
Das bezog sich natürlich nur auf die begleitenden Meßdiener, der
Weihrauchschwenker hat ja die Hände nicht frei.

Grüße,

Frank
Martin Gerdes
2020-02-03 21:40:02 UTC
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Post by Andreas Karrer
Beim Frageboden bei regionalsprache.de (vgl. Posting nebenan) soll man
ein Bild eines Kinds beschreiben, das die Hände in der Art wie bei Dürers
"Betende Hände" hält: Handinnenseiten zusammen, Fingerspitzen nach
oben.
Ich kenne kein spezielles Wort dafür.
Post by Andreas Karrer
Diese Handstellung beim Beten ist "bei uns" (Schweiz,
Evangelisch-reformierte Kirche) ganz unüblich, vielmehr "faltet" man
die Hände so, dass die Finger gegenseitig ineinandergreifen, wie z.B.
https://www.domradio.de/bild/gefaltete-haende-3
Daher meine Frage: Nennt man die nach Dürer-Art betenden Hände auch
"gefaltete Hände"?
Ich würde das nicht so sagen.

Dürers betende Hände kenne ich als die bei Katholiken übliche
Handhaltung bei Beten.

Die Evangelischen falten die Hände, legen die Finger also ineinander wie
in obigem (katholischen) Link gezeigt.
Heinz Lohmann
2020-02-04 01:45:07 UTC
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Post by Andreas Karrer
Beim Frageboden bei regionalsprache.de (vgl. Posting nebenan) soll man
ein Bild eines Kinds beschreiben, das die Hände in der Art wie bei Dürers
"Betende Hände" hält: Handinnenseiten zusammen, Fingerspitzen nach
oben.
Diese Handstellung beim Beten ist "bei uns" (Schweiz,
Evangelisch-reformierte Kirche) ganz unüblich, vielmehr "faltet" man
die Hände so, dass die Finger gegenseitig ineinandergreifen, wie z.B.
https://www.domradio.de/bild/gefaltete-haende-3
Daher meine Frage: Nennt man die nach Dürer-Art betenden Hände auch
"gefaltete Hände"?
Meiner Meinung nach nicht. Sie sind ja nicht gefaltet:
<https://de.wikipedia.org/wiki/Betende_H%C3%A4nde>

Gefaltete Hände sind aber auch meist betende Hände.
(Ausnahme von Gunhild erwähnt.)
--
mfg
Heinz Lohmann
Tamsui, Taiwan

Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat. W.B.
Andreas Karrer
2020-02-04 08:15:47 UTC
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Post by Heinz Lohmann
Post by Andreas Karrer
Beim Frageboden bei regionalsprache.de (vgl. Posting nebenan) soll man
ein Bild eines Kinds beschreiben, das die Hände in der Art wie bei Dürers
"Betende Hände" hält: Handinnenseiten zusammen, Fingerspitzen nach
oben.
Diese Handstellung beim Beten ist "bei uns" (Schweiz,
Evangelisch-reformierte Kirche) ganz unüblich, vielmehr "faltet" man
die Hände so, dass die Finger gegenseitig ineinandergreifen, wie z.B.
https://www.domradio.de/bild/gefaltete-haende-3
Daher meine Frage: Nennt man die nach Dürer-Art betenden Hände auch
"gefaltete Hände"?
<https://de.wikipedia.org/wiki/Betende_H%C3%A4nde>
Jetzt du auch noch.

Die Handhaltung A (verschränkte Finger) wird wohl überall als
"gefaltet" bezeichnet.

Meine Frage war, ob man die Handhaltung B (Handinnenflächen zusammen)
auch als "gefaltet" bezeichnet, oder ob es einen anderen Ausdruck
dafür gibt. Ralph, Martin U., Frank und der WP-Autor nennen das auch
"gefaltet", letzterer beschreibt das Dürer-Bild so:

Das mit Tinte und Weißhöhung auf blauem Grund gezeichnete Bild
zeigt zwei zum Beten gefaltete Hände.

Für Leute, die das tun, ist die Aussage "Sie sind ja nicht gefaltet"
komplett widersinning, denn sie bezeichnen ja gerdae das als
"gefaltet". Es ist eine reine Konvention, denn eine Faltung, eine Falte
wie bei Papier, Stoff oder geologischen Schichten ist weder bei A noch
bei B auszumachen.

Nach bisherigem Stand scheint es so zu sein, dass die Haltung B eher in
katholischen Gefilden verwendet wird, dort ebenso wie A als "gefaltete
Hände" bezeichnet wird und dass es keine andere Bezeichnung dafür gibt.

- Andi
Roland Franzius
2020-02-04 10:42:55 UTC
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Post by Andreas Karrer
Post by Heinz Lohmann
Post by Andreas Karrer
Beim Frageboden bei regionalsprache.de (vgl. Posting nebenan) soll man
ein Bild eines Kinds beschreiben, das die Hände in der Art wie bei Dürers
"Betende Hände" hält: Handinnenseiten zusammen, Fingerspitzen nach
oben.
Diese Handstellung beim Beten ist "bei uns" (Schweiz,
Evangelisch-reformierte Kirche) ganz unüblich, vielmehr "faltet" man
die Hände so, dass die Finger gegenseitig ineinandergreifen, wie z.B.
https://www.domradio.de/bild/gefaltete-haende-3
Daher meine Frage: Nennt man die nach Dürer-Art betenden Hände auch
"gefaltete Hände"?
<https://de.wikipedia.org/wiki/Betende_H%C3%A4nde>
Jetzt du auch noch.
Die Handhaltung A (verschränkte Finger) wird wohl überall als
"gefaltet" bezeichnet.
Meine Frage war, ob man die Handhaltung B (Handinnenflächen zusammen)
auch als "gefaltet" bezeichnet, oder ob es einen anderen Ausdruck
dafür gibt. Ralph, Martin U., Frank und der WP-Autor nennen das auch
Das mit Tinte und Weißhöhung auf blauem Grund gezeichnete Bild
zeigt zwei zum Beten gefaltete Hände.
Für Leute, die das tun, ist die Aussage "Sie sind ja nicht gefaltet"
komplett widersinning, denn sie bezeichnen ja gerdae das als
"gefaltet". Es ist eine reine Konvention, denn eine Faltung, eine Falte
wie bei Papier, Stoff oder geologischen Schichten ist weder bei A noch
bei B auszumachen.
Nach bisherigem Stand scheint es so zu sein, dass die Haltung B eher in
katholischen Gefilden verwendet wird, dort ebenso wie A als "gefaltete
Hände" bezeichnet wird und dass es keine andere Bezeichnung dafür gibt.
Die primitive Gestenkunde bezeichnet die zusammengelegten erhobenen
Hände als Bitte, die gefalteten (im Sinne von Lagenfaltung, Plissierung)
Hände als Zeichen der Demut, Versenkung und Inaktivität angesichts der
Autorität.

Die Ablehnung der Bitthaltung beim Beten im Protestantismus hängt damit
zusammen, dass man Gott oder die Heiligen dort nicht um einen
Lottogewinn bittet, sondern eher still auf Gottes Hilfe vertrauen soll.

Im übrigen ist die Gestik in der Liturgie der verschiedenen
Glaubensrichtungen und Sekten exakt kanonisiert. Man erkennt zB den
Unterschied zwischen Protestanten, Katholiken und Orthodoxen daran, mit
wieviel Fingern oder gar nicht sie sich in der Gefahr bekreuzigen.
--
Roland Franzius
Ewald Pfau
2020-02-04 12:05:57 UTC
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Post by Roland Franzius
Post by Andreas Karrer
Die Handhaltung A (verschränkte Finger) wird wohl überall als
"gefaltet" bezeichnet.
Nein, so klar gewiss nicht.

Gefaltet im direkteren Wortsinn wird für meinen Sprachgebrauch zudem erst
einmal die gesamte Doppelhandfläche, analog zu einem Blatt, das zu zweimal
die Hälfte gefaltet wird. Die Doppelhandfläche ist literarisch zwar nicht
sehr zugange, praktisch gewiss umso mehr, wenn sie geeignet ist, Stoffe
aufzufangen, wo sie im Schwall daherkommen sollen, wie Wasser beim
Schlürfen.

Das andere sind Finger, die sich ineinder kreuzen, sich verschränken,
verzahnen. Alternativ ist es das Handerlhalten von Verliebten, da findet
sich vielleicht weiteres Vokabular.

Mir ist es vor allem geläufig als Alternativposition, wenn die Streckübung
für die Muskulatur beim klappenden Falten der Doppelhand, vor der Brust mit
den Fingern nach oben, zu anstrengend ist.

Es gäbe ähnlich diese Positionierung der Hände auch als in Yoga-Übungen
geläufig, wo mir dann aber das Vokabular fehlt, geradezu emblematisch, mit
den Armen über dem Kopf ausgestreckt, die Hände gefaltet nach oben weisend.
Post by Roland Franzius
Die primitive Gestenkunde bezeichnet die zusammengelegten erhobenen
Hände als Bitte, die gefalteten (im Sinne von Lagenfaltung, Plissierung)
Hände als Zeichen der Demut, Versenkung und Inaktivität angesichts der
Autorität.
Blick zum Adelung, er hat einen Artikel, beschreibt die Haltung leider nicht
selbst, wenn auch implizit eine Com-plication, ein Zusammenfalten, von
Händen und Fingern angeführt ist. Aus dem Faksimile (nach 1793) ...

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Falten der Hände zum Gebet (Conjunctio od. Complication manuum et
digitorum). Die Erklärung der Entstehung dieses Gebrauchs wird verschieden
angegeben; Einige leiten ihn von der Sitte der Gladiatoren her, welche die
Hände über die Brust kreuzten od. falteten zum Zeichen, daß sie sich für
Besiegte erklärten; so falteten die Christen die Hände, um dadurch zu
erklären, daß sie nicht wider Gott streiten, sondern sich ihm ganz ergeben
wollten. Nach Anderen werden die Hände beim Gebet gefaltet zum Zeichen, daß
der Geist nicht zerstreut, sondern zusammengehalten und gesammelt ist. Wenn
diese Sitte iin der christlichen Kirche aufgekommen ist, weiß man nicht; das
früheste Zeugnis dafür ist Papst Nikolaus I. (ft. [?] 876), welcher das
Falten der Hände als ein Zeichen dafür hielt, daß wir Knechtem, Gefangene
und Gebundene Christi sind, bereit zur Strafe und Züchtigung. Übrigens
scheint im christlichen Alterthum das Ausbreiten od. Erheben der Hände beim
Gebet weit mehr als das Falten derselben Sitte gewesen zu sein, indem man
dadurch den gekreuzigten Heiland darstellten wolte. Doch artete diese Sitte
bald aus, u. Cyprian und Chrysostemus tadeln die ungebührlichen Bewegungen
der Betenden nachdrücklich.
Post by Roland Franzius
Die Ablehnung der Bitthaltung beim Beten im Protestantismus hängt damit
zusammen, dass man Gott oder die Heiligen dort nicht um einen
Lottogewinn bittet, sondern eher still auf Gottes Hilfe vertrauen soll.
Das ist jetzt richtig nett, das dieserart als Beschreibung anzutreffen.

Vielleicht ist für diese andere Auslegung noch etwas dabei, wenn jemand
flüssiger für das Folgende ist - ich muss erst bohren, bis sich mir das
erschließt ...)

aus http://www.zeno.org/Georges-1910/A/falten?hl=hande+falten

digitos inter se pectine nectere;

digitos pectinatim inter se implectere;

manus in supplicem habitum conformare (Eccl.). –

das F. der Hände, alternae digitorum vicissitudines.

(via Zeno von Karl Ernst Georges: Kleines deutsch-lateinisches
Handwörterbuch. Hannover und Leipzig 71910 (Nachdruck Darmstadt 1999), Sp.
865.)
Quinn C
2020-02-04 14:01:34 UTC
Antworten
Permalink
Post by Roland Franzius
Die Ablehnung der Bitthaltung beim Beten im Protestantismus hängt damit
zusammen, dass man Gott oder die Heiligen dort nicht um einen
Lottogewinn bittet, sondern eher still auf Gottes Hilfe vertrauen soll.
Im übrigen ist die Gestik in der Liturgie der verschiedenen
Glaubensrichtungen und Sekten exakt kanonisiert. Man erkennt zB den
Unterschied zwischen Protestanten, Katholiken und Orthodoxen daran, mit
wieviel Fingern oder gar nicht sie sich in der Gefahr bekreuzigen.
Wir hatten in meiner Grundschulzeit dazu ein Sprüchlein:

So beten die Katholischen, (Hände in "Haltung B")
so die Evangelischen, ("Haltung A")
so die Orthodoxen, (Fäuste, die sich berühren)
und so lernt man Boxen (Fäuste fliegen in Richtung des
Gesprächspartners)
--
die pfaffen mit ihren platten,
die münch mit ihren gugeln schon
bergreihen 26 ndr.
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