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Marine im Spiegel
(zu alt für eine Antwort)
Heinz Lohmann
2019-12-08 03:48:42 UTC
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Überall ist Wunderland, und ich wundere mich mal wieder, wie viel ich
nicht weiß.
Bei einigen Fachbegriffen aus dem Artikel "Schiff lässt sich nicht mehr
steuern" muss ich raten:

1. Nach Rotterdam waren wir in die Ausläufer des Orkans "Kyrill"
geraten, mit enormem Schwell und sehr hoher See.

- Schwell?

2. ...und nahmen Fahrt auf, in den betonnten Ambrose-Kanal.

- betonnt?

3. ... hielten wir uns mit der Steuerbordseite nah am rechten Tonnenstrich.

- Tonnenstrich?

4. ... und trat hinaus auf die Brückennock.

- Brückennock?

5. ... es hilft einem auch keine dieser Excel-Tabellen, die heutzutage
als so modern gelten.

- modern?

6. ... und das Schiff von der Klassifikationsgesellschaft besichtigt
wurde,...

- Klassifikationsgesellschaft?

7. "Ursache des Ausfalls war ein Wassernest im Tagestank", sagte er.

- Wassernest?

Wahrscheinlich haben das alle Hanseaten mit der Muttermilch eingesogen &
mein heimischer Aasee ist einfach zu klein.
Navigare necesse est.

<https://www.spiegel.de/geschichte/beinahe-katastrophe-in-new-york-city-ein-kapitaen-berichtet-a-1298401.html>
--
mfg
Heinz Lohmann
Tamsui, Taiwan

Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat. W.B.
Roland Franzius
2019-12-08 08:34:26 UTC
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Post by Heinz Lohmann
Überall ist Wunderland, und ich wundere mich mal wieder, wie viel ich
nicht weiß.
Bei einigen Fachbegriffen aus dem Artikel "Schiff lässt sich nicht mehr
1. Nach Rotterdam waren wir in die Ausläufer des Orkans "Kyrill"
geraten, mit enormem Schwell und sehr hoher See.
- Schwell?
2. ...und nahmen Fahrt auf, in den betonnten Ambrose-Kanal.
- betonnt?
3. ... hielten wir uns mit der Steuerbordseite nah am rechten Tonnenstrich.
- Tonnenstrich?
4. ... und trat hinaus auf die Brückennock.
- Brückennock?
5. ...  es hilft einem auch keine dieser Excel-Tabellen, die heutzutage
als so modern gelten.
- modern?
6. ... und das Schiff von der Klassifikationsgesellschaft besichtigt
wurde,...
- Klassifikationsgesellschaft?
7. "Ursache des Ausfalls war ein Wassernest im Tagestank", sagte er.
- Wassernest?
Wahrscheinlich haben das alle Hanseaten mit der Muttermilch eingesogen &
mein heimischer Aasee ist einfach zu klein.
Navigare necesse est.
<https://www.spiegel.de/geschichte/beinahe-katastrophe-in-new-york-city-ein-kapitaen-berichtet-a-1298401.html>
Bei -modern würde ich eher nicht stutzen, das war ja mal ein Allerweltswort.

Aber als ich gestern einem Erstklässler im Bioladen mit
KleinSchwesterAnHand begegnete, der seinem Riesen von Vater bei allem,
was er da sah, zurief: "Das ist aber altmodisch", wurde mir klar, dass
ich das Wort seit Ableben meiner Großelterngeneration für über 50 Jahren
nicht mehr gehört oder gelesen habe.

Damals war es zumindest im niedersächsischen Grundschulbetrieb üblich,
dass man einen Hausaufsatz schreiben sollte, in dem alle Fachwörter
einer Fachsprache, also typischerweise Landwirtschaft, Handwerk, Jägerei
und Hochseeschifffahrt vorkamen.

Ich konsultierte den "Der gute Kamerad", der in der Ausgabe ca 1950 ein
Glossar der Seemannssprache hatte.

Damals war besonders aktuell die U-Boot-Waffe, von der seltsamerweise
zwei Onkel als U-Boot-Kommandanten überlebt hatten, der eine, weil er
gegen Ende gerade einen schweren Husten hatte und in Gotenhafen festsaß,
der andere, weil er weit ab vom Schuss vor New York kreuzte.

Speziell zum "Strich":

Wie rätselten ja als Jugendliche immer, warum so viel Mädchen "auf den
Strich" gingen.

In der Neuübersetzung von Tolstois "Anna Karenina" ist Lewin, der
Gutsitzer und sein Besucher, ständig auf dem Entenstrich.

Ist also Jägersprache und bezeichnet wohl den ziellosen Spaziergang mit
Flinte allein oder zu zweit, der dem Aufschrecken und Abschießen von
Enten, Fasanen, Schnepfen und Hühnern, dient. Die erlegten Vögel werden
dann in der Jagdtasche oder am Gürtel heimgetragen und auf dem
Küchentisch zwecks Erregung von Bewunderung und Lob aufgereiht. Im
barocken Krieg diente diese Betätigung der Ernähung und dem Amüsement
des schießenden Personals zwischen den eher selten stattfindenden
Schlachten.


"Betonnen" heißt mit schemmenden, vernkerten Tonnen abgesteckter
Fahrrinne, die durch ihre Schräglage zugleich die Strömungsrichtung bei
auf und ablaufendem Wasser signalisieren.

Im Mündungsgebiet von Rhein, Maas und Schelde in den Niederlanden und
Belgien sind Flußläufe und Fahrrinnen ohne Betonnung nicht erkennbar und
liegen daher auch randvoll mit Wracks, die ebenfalls betonnt werden.

Ist also zu unterscheiden von Betonung und Betonierung.

Gorch Fock kennt man ja heute nur noch von den aus der Tonne laufenden
Reparaturkosten aka Restaurationsaufwendungen, von denen ein Da Vinci
nur träumen kann.

Unsere Väter und Großväter haben ja alle "Seefahrt ist Not" von 1913
gelsesen, wes Titel bei Aufsicht mich immer in Sprachzweifel stürzte.

https://de.wikipedia.org/wiki/Seefahrt_ist_not!_(Roman)

Jakob wird uns wohl Näheres wissen.
--
Roland Franzius
Jakob Achterndiek
2019-12-08 13:01:27 UTC
Permalink
Post by Roland Franzius
Post by Heinz Lohmann
[..]
Wahrscheinlich haben das alle Hanseaten mit der Muttermilch eingesogen
& mein heimischer Aasee ist einfach zu klein.
Navigare necesse est.
<https://www.spiegel.de/geschichte/beinahe-katastrophe-in-new-york-city-ein-kapitaen-berichtet-a-1298401.html>
Jakob wird uns wohl Näheres wissen.
Die geballte Ladung von Fachausdrücken hat ja schon Bernd
Schwegmann übersetzt.

Jakob hat - wie das Leben so spielt - den Ambrose Chanel vor
2/3 Menschenaltern mit einer Yacht befahren, die klein genug
war, daß sie sogar im ausgetonnten Fahrwasser kreuzen konnte.
So unanständig große Dämpflinge wie die Kobe Express (die ja
noch einer der kleineren Behälter-Behälter ist) begegneten
einem da noch nicht. <https://tinyurl.com/qs3mqve>

Wie auf so einem Schiff der Kapitän auf der Brücke merken kann,
wenn draußen weit hinter und hoch über ihm Dampf statt Qualm und
Ruß aus dem Schornstein kommt, das ist eigentlich ein Wunder.
Aber ein guter Seemann spürt offenbar auch auf so einem Ungetüm
mit dem Bauch, wenn sein Schiff muckt.
--
j/\a
U***@web.de
2019-12-08 13:21:51 UTC
Permalink
Post by Roland Franzius
Wie rätselten ja als Jugendliche immer, warum so viel Mädchen "auf den
Strich" gingen.
In der Neuübersetzung von Tolstois "Anna Karenina" ist Lewin, der
Gut
ohne 'sbe'?
Post by Roland Franzius
sitzer und sein Besucher, ständig auf dem Entenstrich.
Ist also Jägersprache und bezeichnet wohl den ziellosen Spaziergang mit
Flinte allein oder zu zweit, der dem Aufschrecken und Abschießen von
Enten, Fasanen, Schnepfen und Hühnern, dient. Die erlegten Vögel werden
dann in der Jagdtasche oder am Gürtel heimgetragen und auf dem
Küchentisch zwecks Erregung von Bewunderung und Lob aufgereiht.
In dem Moment heißt es wohl Strecke.

Nur zweifele ich, daß die leichten Mädchen auf der Jagd waren,
auch wenn sie auf bestimmten Straßenabschnitte auf Interessierte
warteten oder diese sogar ansprachen.
Ralf Joerres
2019-12-15 10:58:58 UTC
Permalink
Post by U***@web.de
Post by Roland Franzius
Wie rätselten ja als Jugendliche immer, warum so viel Mädchen "auf den
Strich" gingen.
In der Neuübersetzung von Tolstois "Anna Karenina" ist Lewin, der
Gut
ohne 'sbe'?
Post by Roland Franzius
sitzer und sein Besucher, ständig auf dem Entenstrich.
Ist also Jägersprache und bezeichnet wohl den ziellosen Spaziergang mit
Flinte allein oder zu zweit, der dem Aufschrecken und Abschießen von
Enten, Fasanen, Schnepfen und Hühnern, dient. Die erlegten Vögel werden
dann in der Jagdtasche oder am Gürtel heimgetragen und auf dem
Küchentisch zwecks Erregung von Bewunderung und Lob aufgereiht.
In dem Moment heißt es wohl Strecke.
Nur zweifele ich, daß die leichten Mädchen auf der Jagd waren,
auch wenn sie auf bestimmten Straßenabschnitte auf Interessierte
warteten oder diese sogar ansprachen.
Man sagt doch 'auf Männerfang gehen'! Und warum nicht 'auf Männerjagd'?
Das nimmt man zwar nicht für die gefallenen Engel am Straßenrand, sondern
eher für vergnügungssüchtige Ladys auf Party-Tournee, würde aber auf die
professionellen besser passen.

Gruß Ralf Joerres

Ralf Joerres

HC Ahlmann
2019-12-08 11:10:20 UTC
Permalink
Post by Heinz Lohmann
Überall ist Wunderland, und ich wundere mich mal wieder, wie viel ich
nicht weiß.
Bei einigen Fachbegriffen aus dem Artikel "Schiff lässt sich nicht mehr
1. Nach Rotterdam waren wir in die Ausläufer des Orkans "Kyrill"
geraten, mit enormem Schwell und sehr hoher See.
- Schwell?
kreuzende Wellen durch Schiffe, Reflexion an Spundwänden, Hafenmauern
usw.
Gegensatz zu Seegang (Wellen aus aktuellem Wind) und Dünung (alte Wellen
aus entfernten Gebieten), die jeweils eine Ausbreitungsrichtung haben
Post by Heinz Lohmann
2. ...und nahmen Fahrt auf, in den betonnten Ambrose-Kanal.
- betonnt?
mit Seezeichen (Tonnen, Bojen) markiert
Post by Heinz Lohmann
3. ... hielten wir uns mit der Steuerbordseite nah am rechten Tonnenstrich.
- Tonnenstrich?
Fahrwasser (Seeschiffahrtsstraße) mit Lateralbetonnung (seitliche
Begrenzung durch rote und grüne Tonnen)
Post by Heinz Lohmann
4. ... und trat hinaus auf die Brückennock.
- Brückennock?
seitlicher Balkon der Brücke, um beim Anlegen Schiffseite und Kaimauer
einzusehen, regelmäßig mit Hilfsfahrstand für Maschine und Ruder
Post by Heinz Lohmann
5. ... es hilft einem auch keine dieser Excel-Tabellen, die heutzutage
als so modern gelten.
- modern?
gegenüber einer Kladde karierten Papiers
Post by Heinz Lohmann
6. ... und das Schiff von der Klassifikationsgesellschaft besichtigt
wurde,...
- Klassifikationsgesellschaft?
TÜV für Schiffe; bescheinigt Einhaltung von Bauvorschriften, bescheinigt
Typprüfung
Post by Heinz Lohmann
7. "Ursache des Ausfalls war ein Wassernest im Tagestank", sagte er.
- Wassernest?
Wasser im Tank, das sich (in einer Ecke) gesammelt hat und nicht
dispergiert oder durch Entwässerungsventile abgezogen ist; nach
Liegezeit im Hafen nicht ungewöhnlich
Post by Heinz Lohmann
Wahrscheinlich haben das alle Hanseaten mit der Muttermilch eingesogen &
mein heimischer Aasee ist einfach zu klein.
Navigare necesse est.
Das ist die halbe Wahrheit, fluctuat nec mergitur die andere.
<https://www.spiegel.de/geschichte/beinahe-katastrophe-in-new-york-city-
ein-kapitaen-berichtet-a-1298401.html>
--
Munterbleiben
HC

<http://hc-ahlmann.gmxhome.de/> Bordkassen, Kochen an Bord, Törnberichte
HC Ahlmann
2019-12-09 11:04:52 UTC
Permalink
Post by HC Ahlmann
Post by Heinz Lohmann
- Schwell?
kreuzende Wellen durch Schiffe, Reflexion an Spundwänden, Hafenmauern
usw.
Gegensatz zu Seegang (Wellen aus aktuellem Wind) und Dünung (alte Wellen
aus entfernten Gebieten), die jeweils eine Ausbreitungsrichtung haben.
Einspruch: Schwell ist gerade keine Kreuzsee, sondern eine Art Dünung,
wobei Dünung in der Regel eine Richtig hat, wohingegen Schwell auch eine
Stehende Welle mit im Vergleich zur Länge geringer Amplitude sein kann.
Schwell bezeichnet nicht nur Dünung, wie Wikipedia suggeriert, sondern
auch Wellen durch Schifffahrt; es ist ein Oberbegriff für Wellen, die
nicht Windsee sind. Da es für Schwell stets mehrere Ursachen gibt, die
permanent wie Dünung oder temporär wie Heckwellen sind, läuft Schwell
meist chaotisch durcheinander ("kreuzende Wellen").

Die stehende Welle Deiner Widerrede entsteht durch Kreuzen einer Dünung
mit ihrer Reflexion; dabei hängt vom Einfallswinkel und Reflektor ab, ob
es eine stehende Welle (bei 0° auf eine Wand) oder Kreuzseen (ungleich
0° auf eine Wand, oft regelmäßige Knoten und Bäuche) oder Wellen ohne
erkennbares Muster sind (ungleich 0°, mehrere Reflektoren, meist
chaotische Knoten und Bäuche) – alles Schwell aus alter Windsee.
Eine andere Form stehender Wellen entsteht durch Strömung und
Bodenprofil (Eisbach in München als prominentes Beispiel) oder als
Deckwalze beim Übergang vom Schießen zum Strömen (Eisbach, brechende 2.
Welle).
Solcher Schwell und lange Dünung können für große Schiffe gefährlicher
werden als für kleinere. Die kleinen fahren rauf und wieder runter, die
großen langen werden bis zum Brechen gebogen.
Schwell kurzer Wellenlänge ist auch für Kleinschiffahrt lästig bis
gefährlich, beispielsweise ist die Kombination Binnenschifffahrt,
Spundwand und Rennruderboot nicht ohne.
--
Munterbleiben
HC

<http://hc-ahlmann.gmxhome.de/> Bordkassen, Kochen an Bord, Törnberichte
U***@web.de
2019-12-09 11:24:36 UTC
Permalink
Post by HC Ahlmann
Post by HC Ahlmann
Post by Heinz Lohmann
- Schwell?
kreuzende Wellen durch Schiffe, Reflexion an Spundwänden, Hafenmauern
usw.
Gegensatz zu Seegang (Wellen aus aktuellem Wind) und Dünung (alte Wellen
aus entfernten Gebieten), die jeweils eine Ausbreitungsrichtung haben.
Einspruch: Schwell ist gerade keine Kreuzsee, sondern eine Art Dünung,
wobei Dünung in der Regel eine Richtig hat, wohingegen Schwell auch eine
Stehende Welle mit im Vergleich zur Länge geringer Amplitude sein kann.
Schwell bezeichnet nicht nur Dünung, wie Wikipedia suggeriert, sondern
auch Wellen durch Schifffahrt; es ist ein Oberbegriff für Wellen, die
nicht Windsee sind. Da es für Schwell stets mehrere Ursachen gibt, die
permanent wie Dünung oder temporär wie Heckwellen sind, läuft Schwell
meist chaotisch durcheinander ("kreuzende Wellen").
Die stehende Welle Deiner Widerrede entsteht durch Kreuzen einer Dünung
mit ihrer Reflexion; dabei hängt vom Einfallswinkel und Reflektor ab, ob
es eine stehende Welle (bei 0° auf eine Wand) oder Kreuzseen (ungleich
0° auf eine Wand, oft regelmäßige Knoten und Bäuche) oder Wellen ohne
erkennbares Muster sind (ungleich 0°, mehrere Reflektoren, meist
chaotische Knoten und Bäuche) – alles Schwell aus alter Windsee.
Eine andere Form stehender Wellen entsteht durch Strömung und
Bodenprofil (Eisbach in München als prominentes Beispiel) oder als
Deckwalze beim Übergang vom Schießen zum Strömen (Eisbach, brechende 2.
Welle).
Oder man nehme zwei gegenläufige Strömungen
wie bei auflaufender Flut in einer Flußmündung.
Auch Schwell?
https://de.wikipedia.org/wiki/Gezeitenwelle
Jakob Achterndiek
2019-12-09 12:55:40 UTC
Permalink
Post by U***@web.de
Post by HC Ahlmann
Schwell bezeichnet nicht nur Dünung, wie Wikipedia suggeriert, sondern
auch Wellen durch Schifffahrt; [..]
Stimmt. Das ist in der Tat ein weites Feld: Schwell hinter einem
größeren Schiff oder Schwell im Hafen können böse, böse sein. Sicher
scheint jedenfalls: Schwell ist _keine_ Windsee.

Einander kreuzen können zwei Dünungen natürlich auch. In der Praxis
interessant wird das, wenn die eine Welle eine akute Windsee und die
andere eine gerade eben nicht mehr akute, also streng genommen eine
frische Dünung ist. Erleben kann man das, wenn man auf offener See dicht
am Zentrum eines Sturmtiefs vorbeischrammt (oder dieses an dir) und der
Wind mit Stärken ab 9 Bft. sehr schnell dreht. Da erheben sich auf den
Wellenkämmen plötzlich Wasser-Pyramiden, von denen ein kleineres Schiff
glatt rückwärts wieder runterrutscht: Böseste Arbeit für den armen
Rudergänger!
Post by U***@web.de
Oder man nehme zwei gegenläufige Strömungen
wie bei auflaufender Flut in einer Flußmündung.
Auch Schwell?
Die berühmteste ist wohl die Pororoca des Amazonas. Die würde ich nicht
Schwell nennen.

Was wohl unser aller Goethe sich gedacht haben mag?
| Das Wasser rauscht', das Wasser _schwoll_,
| Ein Fischer saß daran.
| Sah nach der Angel ruhevoll,
| Kühl bis ans Herz hinan. [..]
--
j/\a
HC Ahlmann
2019-12-09 14:57:07 UTC
Permalink
Post by U***@web.de
Oder man nehme zwei gegenläufige Strömungen
wie bei auflaufender Flut in einer Flußmündung.
Auch Schwell?
https://de.wikipedia.org/wiki/Gezeitenwelle
Nein, das ist kein Schwell, sondern -tadah!- eine Gezeitenwelle.
Auch eine Hochwasserwelle oder ein Tsunami sind vergleichbar, denn ihre
charakteristische Gemeinsamkeit und der Unterschied zu Schwell, Dünung
und Windsee ist, dass mit ihnen eine Wasserstandsänderung einhergeht.

Es braucht keine gegenläufige Strömung und kann im Watt vor Neuwerk
beobachtet werden; Flut ergießt sich in eine Pfütze:
<Loading Image...>
<Loading Image...>
Eine gegenläufige Strömung steilt die Welle auf, lässt sie früher
brechen und macht sie so manchmal erst sichtbar. Man kann vor Neuwerk
auch im Wasser stehen und von einer Sekunde zur anderen strömt kühleres
Wasser um die Füße, ohne dass eine Gezeitenwelle zu sehen war.
--
Munterbleiben
HC

<http://hc-ahlmann.gmxhome.de/> Bordkassen, Kochen an Bord, Törnberichte
Diedrich Ehlerding
2019-12-08 15:13:48 UTC
Permalink
Post by Heinz Lohmann
Überall ist Wunderland, und ich wundere mich mal wieder, wie viel ich
nicht weiß.
Bei einigen Fachbegriffen aus dem Artikel "Schiff lässt sich nicht mehr
1. Nach Rotterdam waren wir in die Ausläufer des Orkans "Kyrill"
geraten, mit enormem Schwell und sehr hoher See.
- Schwell?
Wikipedia hilft:


| Dünung, auf Wasseroberflächen bereits aus dem Windgebiet (engl. fetch)
| und damit ihrem Entstehungsgebiet herausgelaufene Wellen
Post by Heinz Lohmann
2. ...und nahmen Fahrt auf, in den betonnten Ambrose-Kanal.
- betonnt?
Das Fahrwasser (der Bereich z.B. eines Flusses der tief genug ist für die
schiffahrt, oder der Weg von der offenen See zwischen Untiefen hindurch
(wtwa im wattenmeerr) zum Hafen, wird mit sog, Fahrwassertonnen (links
rot, rechts grün) gekennzeichnet. Der Ambrose-Kanal ist also derart
markiert
Post by Heinz Lohmann
3. ... hielten wir uns mit der Steuerbordseite nah am rechten
Tonnenstrich.
- Tonnenstrich?
die gedachte Verbindungslinie mehrerer Fahrwassertomnnen der gleichen
seite des Fahrwassers
Post by Heinz Lohmann
4. ... und trat hinaus auf die Brückennock.
- Brückennock?
Wieder gilft die allwissende W.,:

| Die Brückennock bezeichnet das offene Deck an jeder Seite des
| Ruderhauses bis zur maximalen Breite des Schiffes. Die Brückennock
| dient zum besseren Überblick, z. B. bei Hafenmanövern.
Post by Heinz Lohmann
5. ... es hilft einem auch keine dieser Excel-Tabellen, die heutzutage
als so modern gelten.
- modern?
Diese Frage verstehe ich nicht - das Adjektiv "modern", "der Mode
entsprechend" sollte dir doch geläufig sein?
Post by Heinz Lohmann
6. ... und das Schiff von der Klassifikationsgesellschaft besichtigt
wurde,...
- Klassifikationsgesellschaft?
Sowas Ähnliches wie ein TÜV für Schiffe.
Post by Heinz Lohmann
7. "Ursache des Ausfalls war ein Wassernest im Tagestank", sagte er.
- Wassernest?
Der Treoíbstoff war durch Wasse verschmutzt, das sich irgendwo gesammelt
hat und das dann natürlich dem Motor nicht zuträglich war.
Post by Heinz Lohmann
Wahrscheinlich haben das alle Hanseaten mit der Muttermilch eingesogen &
mein heimischer Aasee ist einfach zu klein.
Nun ja, es ist offenbar ein Text mit marinem Kontext - da sollte man sich
über entsprechendes Vokabular nicht allzusehr wundern. Ich bin auch kein
Hanseat, aber die weitaus meisten deiner Fragen sind dourch einen Blick in
eine geeignete Online-Enzyklopädie zu beantworten, die anderen leicht zu
erraten.
--
pgp-Key (RSA) 1024/09B8C0BD
fingerprint = 2C 49 FF B2 C4 66 2D 93 6F A1 FF 10 16 59 96 F3
HTML-Mail wird ungeleſen entſorgt.
Heinz Lohmann
2019-12-09 01:47:11 UTC
Permalink
Post by Diedrich Ehlerding
Post by Heinz Lohmann
5. ... es hilft einem auch keine dieser Excel-Tabellen, die heutzutage
als so modern gelten.
- modern?
Diese Frage verstehe ich nicht - das Adjektiv "modern", "der Mode
entsprechend" sollte dir doch geläufig sein?
Ist eine Excel-Tabelle wirklich so modern?
Abgesehen davon, dass ich mir nicht vorstellen kann, wie eine "moderne"
Excel-Tabelle in dieser Krisensituation helfen kann.

Vielleicht hätte ein kleines Glossar dem unbedarften binnendeutschen
Leser gut getan.

Na, ja: Vielleicht hab ich für aolche Artikel einfach nicht genug
Salzwasser getrunken.

Ahoi!
--
mfg
Heinz Lohmann
Tamsui, Taiwan

Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat. W.B.
Diedrich Ehlerding
2019-12-09 06:32:52 UTC
Permalink
Post by Heinz Lohmann
Post by Diedrich Ehlerding
Post by Heinz Lohmann
5. ... es hilft einem auch keine dieser Excel-Tabellen, die
heutzutage als so modern gelten.
- modern?
Diese Frage verstehe ich nicht - das Adjektiv "modern", "der Mode
entsprechend" sollte dir doch geläufig sein?
Ist eine Excel-Tabelle wirklich so modern?
Ich verstehe das als Ironie - da macht sich jemand über die Manie der
BWLer&Co lustig, in solchen Excel-Tapeten ihre Geschäftszahlen
zusammenzufassen und daraus dann deren zweitem, dritte, vierte usw.
Ableitung zu berechnen, bis irgeneine davon endlich mal gut aussieht (à la
"der Anstieg der Beschleunigung des Wachstums der Unterdeckung konnte
plangemäß begrenzt werden")
--
pgp-Key (RSA) 1024/09B8C0BD
fingerprint = 2C 49 FF B2 C4 66 2D 93 6F A1 FF 10 16 59 96 F3
HTML-Mail wird ungeleſen entſorgt.
Jakob Achterndiek
2019-12-09 09:46:04 UTC
Permalink
Post by Heinz Lohmann
5. ...  es hilft einem auch keine dieser Excel-Tabellen, die heutzutage
als so modern gelten.
- modern?
Diese Frage verstehe ich nicht - das Adjektiv  "modern", "der Mode
entsprechend" sollte dir doch geläufig sein?
Ist eine Excel-Tabelle wirklich so modern? [..]
Aus der Sicht des erzählenden Kapitäns Peter Rößler: ja!

Rößler ist zwar selbst gerade mal 50 Jahre alt; aber Seefahrt ist ein
konservatives Gewerbe. Und gar ein in Warnemünde gelernter Kapitän hat
noch solides Handwerk studiert (mit dem Sextanten, Papier und Bleistift
und der Semiversus-Tafel von Fulst), für den sind alle die modernen
Tabellen, die er nicht durchschaut, bis hin zum GPS-System "neumodischer
Kram", auf den man sich im Ernstfall nicht verlassen darf.

Mit der geschilderten Situation haben solche Tabellen allerdings nichts
zu tun. Das war nur so ein augenzwinkernder Erzähl-Schlenker, der um die
Zustimmung Gleichgesinnter wirbt.
--
j/\a
Loading...