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grassierende Epizentrik
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Christina Kunze
2020-05-01 21:04:55 UTC
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Ich glaube, wir können hier die Verbreitung einer neuen Wortbedeutung
beobachten, jetzt hat schon nicht mehr nur Corona /die Pandemie ein
Epizentrum, ihre Gegner haben sich auch eines zugelegt:

Der Platz vor der Volksbühne in Berlin-Mitte hat sich seit Ende März zu
einem Epizentrum selbsternannter “Corona-Rebellen” entwickelt.
<https://www.rnd.de/politik/verschworungstheorien-und-nazi-vergleiche-corona-demo-in-berlin-HHY43J3DE5GNJOS6BRZ77UKX5Q.html>

chr
Martin Gerdes
2020-05-02 18:06:24 UTC
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Post by Christina Kunze
Ich glaube, wir können hier die Verbreitung einer neuen Wortbedeutung
beobachten, jetzt hat schon nicht mehr nur Corona /die Pandemie ein
Der Platz vor der Volksbühne in Berlin-Mitte hat sich seit Ende März zu
einem Epizentrum selbsternannter “Corona-Rebellen” entwickelt.
<https://www.rnd.de/politik/verschworungstheorien-und-nazi-vergleiche-corona-demo-in-berlin-HHY43J3DE5GNJOS6BRZ77UKX5Q.html>
Ich sehe das wie Du: Eine neue Wortbedeutung "setzt sich durch".

Warum nur? Offensichtlich reicht den Leuten der Begriff "Zentrum" nicht,
sondern wünschen dieses Wort zu betonen, irgendwie schwerer zu machen.
Und so wird aus einem Zentrum halt eine Art "Zentrumszentrum",
"Oberzentrum" oder halt "Epizentrum". Das "Epi-" versteht zwar so gut
wie keiner, aber es klingt irgendwie wichtig.

Meistens werden Begriffe kürzer, wenn sie sich "durchsetzen". So wurde
etwa aus dem etwas wichtigtuerischen "Helicopter" in Gottes eigenem Land
ein "Copter" (sprich: "Caapta").

Gegen einen kurzen zweisilbigen "Lockdown" brauchte ein deutsches Wort
gleich überhaupt nicht anzutreten. Beim "Epizentrum" hingegen spendiert
der Volksmund offensichtlich die beiden Extrasilben gern.

Unergründlicher Sprachgebrauch, er verblüfft mich immer wieder.
Wolfgang Εnzinger
2020-05-02 21:45:02 UTC
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Post by Martin Gerdes
Post by Christina Kunze
Ich glaube, wir können hier die Verbreitung einer neuen Wortbedeutung
beobachten, jetzt hat schon nicht mehr nur Corona /die Pandemie ein
Der Platz vor der Volksbühne in Berlin-Mitte hat sich seit Ende März zu
einem Epizentrum selbsternannter “Corona-Rebellen” entwickelt.
<https://www.rnd.de/politik/verschworungstheorien-und-nazi-vergleiche-corona-demo-in-berlin-HHY43J3DE5GNJOS6BRZ77UKX5Q.html>
Ich sehe das wie Du: Eine neue Wortbedeutung "setzt sich durch".
Warum nur? Offensichtlich reicht den Leuten der Begriff "Zentrum" nicht,
sondern wünschen dieses Wort zu betonen, irgendwie schwerer zu machen.
Und so wird aus einem Zentrum halt eine Art "Zentrumszentrum",
"Oberzentrum" oder halt "Epizentrum". Das "Epi-" versteht zwar so gut
wie keiner, aber es klingt irgendwie wichtig.
Dass das "Epi-" kaum jemand hinterfragt, und das wäre die Voraussetzung zum
Verstehen, sehe ich auch so.

Mit "wichtig" hat es meiner Ansicht nach allerdings eher weniger zu tun,
sondern vielmehr damit, dass man den Begriff von Erdbeben her kennt, wo
sich etwas von einem Zentrum ausgehend in alle Richtungen ausbreitet. Eben
wie eine, umm, Epidemie, oder eine Rebellenbewegung, die sich solches
zumindest erhofft.
--
nobody's fault but mine
Ralf Joerres
2020-05-04 10:31:44 UTC
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Post by Wolfgang Εnzinger
Post by Martin Gerdes
Post by Christina Kunze
Ich glaube, wir können hier die Verbreitung einer neuen Wortbedeutung
beobachten, jetzt hat schon nicht mehr nur Corona /die Pandemie ein
Der Platz vor der Volksbühne in Berlin-Mitte hat sich seit Ende März zu
einem Epizentrum selbsternannter “Corona-Rebellen” entwickelt.
<https://www.rnd.de/politik/verschworungstheorien-und-nazi-vergleiche-corona-demo-in-berlin-HHY43J3DE5GNJOS6BRZ77UKX5Q.html>
Ich sehe das wie Du: Eine neue Wortbedeutung "setzt sich durch".
Warum nur? Offensichtlich reicht den Leuten der Begriff "Zentrum" nicht,
sondern wünschen dieses Wort zu betonen, irgendwie schwerer zu machen.
Und so wird aus einem Zentrum halt eine Art "Zentrumszentrum",
"Oberzentrum" oder halt "Epizentrum". Das "Epi-" versteht zwar so gut
wie keiner, aber es klingt irgendwie wichtig.
Dass das "Epi-" kaum jemand hinterfragt, und das wäre die Voraussetzung zum
Verstehen, sehe ich auch so.
Mit "wichtig" hat es meiner Ansicht nach allerdings eher weniger zu tun,
sondern vielmehr damit, dass man den Begriff von Erdbeben her kennt, wo
sich etwas von einem Zentrum ausgehend in alle Richtungen ausbreitet. Eben
wie eine, umm, Epidemie, oder eine Rebellenbewegung, die sich solches
zumindest erhofft.
Nuja, so ganz neu wird's nicht sein. Und da es nun mal nichts gibt, über das
man sich nicht aufregen könnte, werden manche sich darüber ärgern, dass
dieses Wort in letzter Zeit häufiger gebraucht wurde. Wie kam es dazu?

Erdbeben sind, wie Epidemien, katastrophale Naturereignisse. Dass die
Verbreitung von Corona ein Naturereignis ist, wird selbstredend
bestritten, und wer weiß: Wenn nicht eine finstere Weltverschwörung sogar
das Virus in irgendeiner Hexenküche hat zusammenbrauen lassen, so haben
doch die Strippenzieher an den Schaltstellen globaler Interaktion
zumindest dafür gesorgt, dass es sich überallhin verbreiten konnte.

Passt das Wort denn überhaupt in irgendeiner Weise?
Die Auswirkungen von Erdbeben pflanzen sich wellenförmig fort. Auch Epidemien
nehmen irgendwo ihren Ausgang und strahlen sukzessive ins Umland aus. Durch
den Flugverkehr multiplizieren sich die Ansteckungsherde, die sprunghaft
an räumlich weit entfernten Orten neu auftreten, das wird im Bild des
Epizentrums nicht erfasst. Da würde hinsichtlich der Entfernung vom
Ursprungsort und der Zeitverzögerung 'Tsunami' besser passen, wo aber die
zeitlich spätere Zerstörung in einem kurzen Zeitabschnitt zusammengeballt
ist und das auslösende Seebeben an seinem Epizentrum keine Schäden (für
Menschen) verursacht. Eher würde etwas mit 'Tochter-' passen (Tochterherd),
was in der Onkologie schon in Gebrauch ist, oder vielleicht 'neue
Infektionsnester', wie bei der Brandbekämpfung.

Das Zentrum liegt in der Tiefe, ist praktisch unergründlich. Wir sind
die kleinen Ameisen, die oben darauf (epi) herumkrabbeln und versuchen
müssen, Zerstörungen einzudämmen oder zu reparieren. Ohnmacht und
Schicksalhaftigkeit sind assoziiert.

Was hätte man sonst sagen können? Ausgangspunkt? Ursprungsort? Herd?
Brutstätte, Ground Zero, Hotspot ... Letztere beiden kommen vor, die anderen
passen aus verschiedenen Gründen nicht, ebenso wie 'wo alles anfing /
wo es losging'. Gemeint ist 'Ort des ersten Auftretens mit schockartiger
Ausbreitung und katastrophalen Auswirkungen vor Ort, bevor man wusste wie
einem geschah'. Da passt 'Epizentrum' recht gut.

Gruß Ralf Joerres
Christina Kunze
2020-05-04 13:58:55 UTC
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Post by Ralf Joerres
Passt das Wort denn überhaupt in irgendeiner Weise?
Ich glaube, es ist viel einfacher: es ist eine Epi-demie, also hat sie
auch ein Epi-zentrum.
Das leuchtet doch ganz unmittelbar und ohne jegliche Sprachgeschichte
ein. Nicht?

chr

Jakob Achterndiek
2020-05-04 12:36:48 UTC
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[..], dass man den Begriff von Erdbeben her kennt, wo sich etwas
von einem Zentrum ausgehend in alle Richtungen ausbreitet.
Nu ja - man könnte fast sagen, das sei so wie in den christlichen
Kirchen: *Ausgehen* tut da alles von der Heiligen Dreifaltigkeit aus
Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist. Die sind das Zentrum vons Janze,
auch wenn man an die nicht so einfach ran kommt. Damit trotzdem alles
schön funktioniert, hat man für jede Diözese oder jeden Kirchenkreis
einen Bischof. Auf lateinisch und etymologisch und von früher her
heißt der "Epi-skopus", weil: Der guckt von oben drauf, und alle
anderen gucken zu ihm hoch.
Genau so ist das mit dem Erdbeben: An das Zentrum kommt man gar
nicht so einfach ran, das sitzt tief im Verborgenen. Aber genau da
drüber sitzt das Epi-zentrum - wie der Epi-skopus *über* der Gemeinde,
sichtbar und gewaltig, und alles um ihn herum bebt.

Nachwort:
Zu den Schätzen meiner Bibliothek gehört:
| Scriver, M. Christian, Gottholds Zufälliger Andachten.
| Vier Hundert, Bey Betrachtung mancherley Dinge der Kunst
| und Natur [..], zur Ehre Gottes, Besserung des Gemüths,
| und Übung zur Gottseligkeit geschöpffet. Leipzig, 1737
Das habe ich mir zum Vorbild genommen und hoffe, daß dies jetzt auch
für die Schlichteren in der Gemeinde verständlich war.
--
;) j/\a
Roland Franzius
2020-05-04 13:29:24 UTC
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Post by Jakob Achterndiek
[..], dass man den Begriff von Erdbeben her kennt, wo sich etwas
von einem Zentrum ausgehend in alle Richtungen ausbreitet.
Nu ja - man könnte fast sagen, das sei so wie in den christlichen
Kirchen: *Ausgehen* tut da alles von der Heiligen Dreifaltigkeit aus
Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist. Die sind das Zentrum vons Janze,
auch wenn man an die nicht so einfach ran kommt. Damit trotzdem alles
schön funktioniert, hat man für jede Diözese oder jeden Kirchenkreis
einen Bischof. Auf lateinisch und etymologisch und von früher her
heißt der "Epi-skopus", weil: Der guckt von oben drauf, und alle
anderen gucken zu ihm hoch.
Genau so ist das mit dem Erdbeben: An das Zentrum kommt man gar
nicht so einfach ran, das sitzt tief im Verborgenen. Aber genau da
drüber sitzt das Epi-zentrum - wie der Epi-skopus *über* der Gemeinde,
sichtbar und gewaltig, und alles um ihn herum bebt.
| Scriver, M. Christian, Gottholds Zufälliger Andachten.
| Vier Hundert, Bey Betrachtung mancherley Dinge der Kunst
| und Natur [..], zur Ehre Gottes, Besserung des Gemüths,
| und Übung zur Gottseligkeit geschöpffet. Leipzig, 1737
Das habe ich mir zum Vorbild genommen und hoffe, daß dies jetzt auch
für die Schlichteren in der Gemeinde verständlich war.
Epistolischer Epilog:

Hoffentlich kommen nicht noch mehr Epigrammata zur epidemischen
polyzentrischen Epikentrik. Möge die Epiphyse ihren Dienst tun.
--
Roland Franzius
Constantius Chlorus
2020-05-02 20:20:03 UTC
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"Christina Kunze" schrieb
Post by Christina Kunze
Ich glaube, wir können hier die Verbreitung einer neuen Wortbedeutung
beobachten, jetzt hat schon nicht mehr nur Corona /die Pandemie ein
Ich glaube, dass es hier zwei unterschiedliche Wortbedeutung gibt.
Epizentrum ist das Zentrum eines Bebens, bildlich einer Katastrophe oder
Seuche. Zentrum ist ein geographischer Mittelpunkt.
Jakob Achterndiek
2020-05-02 21:57:16 UTC
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Post by Constantius Chlorus
"Christina Kunze" schrieb
Post by Christina Kunze
Ich glaube, wir können hier die Verbreitung einer neuen Wortbedeutung
beobachten, jetzt hat schon nicht mehr nur Corona /die Pandemie ein
Ich glaube, dass es hier zwei unterschiedliche Wortbedeutung gibt.
Epizentrum ist das Zentrum eines Bebens, bildlich einer Katastrophe oder
Seuche. Zentrum ist ein geographischer Mittelpunkt.
Das ist endlich die Erleuchtung, die mir zur Interpretation von
Hofmannsthals Sonett "Die Beiden" immer gefehlt hat. Die Schüler
wollten wissen: "Warum bebten die so sehr?" Jetzt wissen wir es:
Es kommt aus dem Epizentrum; das gehört irgendwie zum zentralen
Nervensystem. Genaueres erklärt euch die Biologielehrerin.
| [..]
| Jedoch, wenn er aus ihrer Hand
| Den leichten Becher nehmen sollte,
| So war es beiden allzu schwer:
| Denn beide bebten sie so sehr,
| Daß keine Hand die andre fand
| Und dunkler Wein am Boden rollte.
--
j/\a
Jakob Achterndiek
2020-05-02 22:11:19 UTC
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Epizentrum ist das Zentrum eines Bebens, [..].
[..] "Warum bebten die so sehr?" Jetzt wissen wir es: Es kommt aus
dem Epizentrum, das gehört irgendwie zum zentralen Nervensystem.
Weil's mir gerade noch einfällt: Die Epilepsie hat ja auch
was mit Beben zu tun. Das kommt bestimmt aus demselben
Epizentrum.

Es ist doch immer wieder schön zu erleben, wie einfach die
Welt wird, wenn man sie sich selbst erklärt!
--
j/\a
Roland Franzius
2020-05-03 04:00:43 UTC
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Post by Jakob Achterndiek
Epizentrum ist das Zentrum eines Bebens, [..].
[..] "Warum bebten die so sehr?" Jetzt wissen wir es: Es kommt aus
dem Epizentrum, das gehört irgendwie zum zentralen Nervensystem.
Weil's mir gerade noch einfällt: Die Epilepsie hat ja auch
was mit Beben zu tun. Das kommt bestimmt aus demselben
Epizentrum.
Es ist doch immer wieder schön zu erleben, wie einfach die
Welt wird, wenn man sie sich selbst erklärt!
Wir haben ja hier ein Epidemie-Epizentrum, wie meist an Stellen, wo VW
oder Boeing produzieren.

Gestern telefoniert mit Kusine in Ischia, Freundin in Karditsa und Onkel
in Wolfenbüttel an der Epipherie mit jeweils 0 Fatalitäten.
--
Roland Franzius
Uwe Schickedanz
2020-05-03 08:00:32 UTC
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On Sun, 3 May 2020 00:11:19 +0200, Jakob Achterndiek
Post by Jakob Achterndiek
Epizentrum ist das Zentrum eines Bebens, [..].
[..] "Warum bebten die so sehr?" Jetzt wissen wir es: Es kommt aus
dem Epizentrum, das gehört irgendwie zum zentralen Nervensystem.
Weil's mir gerade noch einfällt: Die Epilepsie hat ja auch
was mit Beben zu tun. Das kommt bestimmt aus demselben
Epizentrum.
Das klingt schlüssig.
Ich versuche noch, das Epilieren einzureihen.

Gruß Uwe
--
"Wir haben der CDU ganz dringend ans Herz gelegt, sich im dritten
Wahlgang zu enthalten...Leider sind die Abgeordneten sozusagen
ihrer eigenen Entscheidung gefolgt." (AKK)
=== http://www.sicherheitslampe.de ===
Ralf Joerres
2020-05-04 09:27:09 UTC
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Post by Jakob Achterndiek
Epizentrum ist das Zentrum eines Bebens, [..].
[..] "Warum bebten die so sehr?" Jetzt wissen wir es: Es kommt aus
dem Epizentrum, das gehört irgendwie zum zentralen Nervensystem.
Weil's mir gerade noch einfällt: Die Epilepsie hat ja auch
was mit Beben zu tun. Das kommt bestimmt aus demselben
Epizentrum.
Es ist doch immer wieder schön zu erleben, wie einfach die
Welt wird, wenn man sie sich selbst erklärt!
Ja, und dann gibt's ja auch noch 'epi+lieren', 'epi-' steht hier kurz
für 'Epidermis' und '-lieren' kennen wir schon von 'verlieren' =
jm wegkommen, hier aber ohne 'ver-' aktiv als 'wegmachen', also kurz
gesagt epilieren = aus der Haut entfernen.

Ralf Joerres
Stefan Schmitz
2020-05-04 10:29:09 UTC
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Post by Ralf Joerres
Ja, und dann gibt's ja auch noch 'epi+lieren', 'epi-' steht hier kurz
für 'Epidermis' und '-lieren' kennen wir schon von 'verlieren' =
jm wegkommen, hier aber ohne 'ver-' aktiv als 'wegmachen', also kurz
gesagt epilieren = aus der Haut entfernen.
Ich hoffe, das meinst du nicht ernst. Als Scherz ist es aber auch nicht gut.
Ralf Joerres
2020-05-04 10:33:33 UTC
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Post by Stefan Schmitz
Post by Ralf Joerres
Ja, und dann gibt's ja auch noch 'epi+lieren', 'epi-' steht hier kurz
für 'Epidermis' und '-lieren' kennen wir schon von 'verlieren' =
jm wegkommen, hier aber ohne 'ver-' aktiv als 'wegmachen', also kurz
gesagt epilieren = aus der Haut entfernen.
Ich hoffe, das meinst du nicht ernst. Als Scherz ist es aber auch nicht gut.
Hast wohl recht, ich nehm's wieder weg.

Ralf Joerres
Detlef Meißner
2020-05-04 11:24:04 UTC
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Post by Ralf Joerres
Hast wohl recht, ich nehm's wieder weg.
Wie soll das funktionieren?

Detlef
--
Verordnetes Gendern _ist_ Fundamentalismus!
[Henning Sponbiel]
Ralf Joerres
2020-05-04 12:16:27 UTC
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Post by Detlef Meißner
Post by Ralf Joerres
Hast wohl recht, ich nehm's wieder weg.
Wie soll das funktionieren?
Ach so, dann wird das Löschen nur in meinem Google angezeigt, aber das Posting
bleibt für die anderen erhalten?

(Bei Google kann ich eigene Posts 'löschen'.)

Ralf Joerres
Detlef Meißner
2020-05-04 12:48:28 UTC
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Post by Ralf Joerres
Post by Detlef Meißner
Post by Ralf Joerres
Hast wohl recht, ich nehm's wieder weg.
Wie soll das funktionieren?
Ach so, dann wird das Löschen nur in meinem Google angezeigt, aber das
Posting bleibt für die anderen erhalten?
Zumindest für die, die über einen Newsserver ins Netz gehen.
Post by Ralf Joerres
(Bei Google kann ich eigene Posts 'löschen'.)
Ich weiß. Und die sind dann auch nicht mehr für die anderen
Google-Poster zu sehen.

Eigene Beiträge, die mit einem NUA über einen Newsserver laufen, kann
man canceln, als zurückziehen/löschen. Aber dieser Cancel-Befehl wird
auch nicht von allen Servern ausgeführt.

Prinzipiell besteht also immer die Gefahr, dass sich ein Beitrag lange
im Netz tummelt.

Detlef
--
Unfähigkeit ist nicht ganz durch Gewalt zu ersetzen.
(Brupbacher)
Ralf Joerres
2020-05-04 12:52:14 UTC
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Post by Detlef Meißner
Post by Ralf Joerres
Post by Detlef Meißner
Post by Ralf Joerres
Hast wohl recht, ich nehm's wieder weg.
Wie soll das funktionieren?
Ach so, dann wird das Löschen nur in meinem Google angezeigt, aber das
Posting bleibt für die anderen erhalten?
Zumindest für die, die über einen Newsserver ins Netz gehen.
Post by Ralf Joerres
(Bei Google kann ich eigene Posts 'löschen'.)
Ich weiß. Und die sind dann auch nicht mehr für die anderen
Google-Poster zu sehen.
Eigene Beiträge, die mit einem NUA über einen Newsserver laufen, kann
man canceln, als zurückziehen/löschen. Aber dieser Cancel-Befehl wird
auch nicht von allen Servern ausgeführt.
Prinzipiell besteht also immer die Gefahr, dass sich ein Beitrag lange
im Netz tummelt.
Okay, werd' versuchen mir's zu merken.

Ralf J.
Constantius Chlorus
2020-05-03 07:15:12 UTC
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"Jakob Achterndiek" schrieb
Post by Jakob Achterndiek
Post by Constantius Chlorus
"Christina Kunze" schrieb
Post by Christina Kunze
Ich glaube, wir können hier die Verbreitung einer neuen Wortbedeutung
beobachten, jetzt hat schon nicht mehr nur Corona /die Pandemie ein
Ich glaube, dass es hier zwei unterschiedliche Wortbedeutung gibt.
Epizentrum ist das Zentrum eines Bebens, bildlich einer Katastrophe oder
Seuche. Zentrum ist ein geographischer Mittelpunkt.
Das ist endlich die Erleuchtung, die mir zur Interpretation von
Hofmannsthals Sonett "Die Beiden" immer gefehlt hat. Die Schüler
Es kommt aus dem Epizentrum; das gehört irgendwie zum zentralen
Nervensystem. Genaueres erklärt euch die Biologielehrerin.
| [..]
| Jedoch, wenn er aus ihrer Hand
| Den leichten Becher nehmen sollte,
| Denn beide bebten sie so sehr,
| Daß keine Hand die andre fand
| Und dunkler Wein am Boden rollte.
Nochmal Kurzfassung: Epizentrum ist ein geologischer Begriff, Zentrum ist
ein geografischer Begriff, beide haben eine unterschiedliche Bedeutung und
beide kann man in Grenzen bildlich verwenden.
Christina Kunze
2020-05-03 10:01:31 UTC
Antworten
Permalink
Post by Constantius Chlorus
Nochmal Kurzfassung: Epizentrum ist ein geologischer Begriff, Zentrum
ist ein geografischer Begriff, beide haben eine unterschiedliche
Bedeutung und beide kann man in Grenzen bildlich verwenden.
Das ist präskriptiv. Was ich geschrieben habe, war deskriptiv.
Du erkennst den Unterschied?

Es haben schon viele versucht, den Sprachgebrauch durch "Halt! Das ist
falsch!"-Rufe aufzuhalten. Samt und sonders vergeblich.

Manchmal setzt sowas wie Besinnung ein, beispielsweise als vor ein paar
Jahren einige Medien statt des unsäglichen "jemanden gedenken" plötzlich
auf "an jemanden erinnern" umgeschwenkt sind. Aber aufs Ganze gesehen
ist das nur eine Verzögerung und kein Aufhalten.

chr
Wolfgang
2020-05-03 10:22:25 UTC
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Post by Christina Kunze
Post by Constantius Chlorus
Nochmal Kurzfassung: Epizentrum ist ein geologischer Begriff,
Zentrum ist ein geografischer Begriff, beide haben eine
unterschiedliche Bedeutung und beide kann man in Grenzen bildlich
verwenden.
Das ist präskriptiv. Was ich geschrieben habe, war deskriptiv.
Du erkennst den Unterschied?
Es haben schon viele versucht, den Sprachgebrauch durch "Halt! Das
ist falsch!"-Rufe aufzuhalten. Samt und sonders vergeblich.
Manchmal setzt sowas wie Besinnung ein, beispielsweise als vor ein
paar Jahren einige Medien statt des unsäglichen "jemanden gedenken"
plötzlich auf "an jemanden erinnern" umgeschwenkt sind. Aber aufs
Ganze gesehen ist das nur eine Verzögerung und kein Aufhalten.
Richtig; denn das Falsche und Schlechte setzen sich meistens durch.
Diejenigen, die versucht haben, es aufzuhalten, wurden sich
irgendwann der Vergeblichkeit ihres Tuns bewusst und haben dann den
Begriff «deskriptiv» erfunden, um ihrer Ohnmacht ein hübsches
Mäntelchen zu verpassen. Und das mit großem Erfolg. Heute getraut,
sich keiner mehr, etwas Normatives - oder, wie du bevorzugst,
Präskriptives - zu äußern. Dieser Begriff ist fast zum Schimpfwort
geworden. Welcome to the Brave New World.

Ciao,
Wolfgang
Christina Kunze
2020-05-03 10:40:32 UTC
Antworten
Permalink
Heute getraut, sich keiner mehr,
etwas Normatives - oder, wie du bevorzugst, Präskriptives - zu äußern.
Dieser Begriff ist fast zum Schimpfwort geworden. Welcome to the Brave
New World.
Doch, es getrauen sich viele, diese ganze NG ist voll davon.
(Und ich getraue mich das auch ziemlich lautstark, wenn es um den
Sprachgebrauch meiner Kinder geht.)

Den Sprachgebrauch der Masse können einzelne nicht aufhalten. Aber
nichts zwingt mich ja, mitzumachen.

chr
Wolfgang
2020-05-03 10:57:09 UTC
Antworten
Permalink
Post by Christina Kunze
Heute getraut, sich keiner mehr, etwas Normatives - oder, wie
du bevorzugst, Präskriptives - zu äußern. Dieser Begriff ist
fast zum Schimpfwort geworden. Welcome to the Brave New World.
Doch, es getrauen sich viele, diese ganze NG ist voll davon.
(Und ich getraue mich das auch ziemlich lautstark, wenn es um
den Sprachgebrauch meiner Kinder geht.)
Ich meine weder dich noch sonst jemanden aus der Newsgroup sondern
die Wörterbücher. Denen genügt, dass irgend ein Unsinn von einem
angesehenen Kommunikationsorgan (öffentlich rechtliches Fernsehen,
Spiegel, FAZ, Süddeutsche etc.) verzapft wird wird, um diesen Unsinn
kritiklos zu akzeptieren.

So ist zum Beispiel der Kontrahent zum Gegner geworden. Nur die
Juristen gebrauchen das Wort noch im eigentlichen Sinne.
Post by Christina Kunze
Den Sprachgebrauch der Masse können einzelne nicht aufhalten.
Aber nichts zwingt mich ja, mitzumachen.
Aber es geht nicht um die Masse, sondern um die angesehenen
Kommunikationsorgane, s. oben.

Ciao,
Wolfgang
Stefan Schmitz
2020-05-03 14:00:38 UTC
Antworten
Permalink
Post by Wolfgang
Ich meine weder dich noch sonst jemanden aus der Newsgroup sondern
die Wörterbücher. Denen genügt, dass irgend ein Unsinn von einem
angesehenen Kommunikationsorgan (öffentlich rechtliches Fernsehen,
Spiegel, FAZ, Süddeutsche etc.) verzapft wird wird, um diesen Unsinn
kritiklos zu akzeptieren.
So ist zum Beispiel der Kontrahent zum Gegner geworden. Nur die
Juristen gebrauchen das Wort noch im eigentlichen Sinne.
Das ist ja auch ein seltsames Wort, das die Bedeutung Gegner provoziert.

Als Nichtlateiner habe ich es bis eben als Zusammensetzung mit contra
interpretiert. Damit wäre der Gegner die natürliche Bedeutung, für den
Vertragspartner müsste man sich mit Gegenseite abmühen.

Bei DWDS lese ich, dass es aus con und trahere gebildet ist. Das spricht erst
mal für keine der beiden Bedeutungen. Und es gab auch beide schon im 16. Jh.
Frank Hucklenbroich
2020-05-04 13:23:22 UTC
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Post by Stefan Schmitz
Post by Wolfgang
Ich meine weder dich noch sonst jemanden aus der Newsgroup sondern
die Wörterbücher. Denen genügt, dass irgend ein Unsinn von einem
angesehenen Kommunikationsorgan (öffentlich rechtliches Fernsehen,
Spiegel, FAZ, Süddeutsche etc.) verzapft wird wird, um diesen Unsinn
kritiklos zu akzeptieren.
So ist zum Beispiel der Kontrahent zum Gegner geworden. Nur die
Juristen gebrauchen das Wort noch im eigentlichen Sinne.
Wobei die Kontrahenten im juristischen Sinne oft auch zu Gegnern werden,
vor allem dann, wenn Juristen mit im Spiel sind.
Post by Stefan Schmitz
Das ist ja auch ein seltsames Wort, das die Bedeutung Gegner provoziert.
Als Nichtlateiner habe ich es bis eben als Zusammensetzung mit contra
interpretiert. Damit wäre der Gegner die natürliche Bedeutung, für den
Vertragspartner müsste man sich mit Gegenseite abmühen.
Sie haben einen Kontrakt geschlossen. Das kennt man aus dem Englischen.

Grüße,

Frank
Hans
2020-05-03 13:10:09 UTC
Antworten
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Post by Christina Kunze
Post by Constantius Chlorus
Nochmal Kurzfassung: Epizentrum ist ein geologischer Begriff, Zentrum
ist ein geografischer Begriff, beide haben eine unterschiedliche
Bedeutung und beide kann man in Grenzen bildlich verwenden.
Das ist präskriptiv. Was ich geschrieben habe, war deskriptiv.
Du erkennst den Unterschied?
Es haben schon viele versucht, den Sprachgebrauch durch "Halt! Das ist
falsch!"-Rufe aufzuhalten. Samt und sonders vergeblich.
Manchmal setzt sowas wie Besinnung ein, beispielsweise als vor ein paar
Jahren einige Medien statt des unsäglichen "jemanden gedenken" plötzlich
auf "an jemanden erinnern" umgeschwenkt sind. Aber aufs Ganze gesehen
ist das nur eine Verzögerung und kein Aufhalten.
Wobei es ja eigentlich "jemandes gedenken" heißt. Sonst halt "an
jemanden gedenken".
Stefan Schmitz
2020-05-03 14:01:57 UTC
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Post by Hans
Post by Christina Kunze
Manchmal setzt sowas wie Besinnung ein, beispielsweise als vor ein paar
Jahren einige Medien statt des unsäglichen "jemanden gedenken" plötzlich
auf "an jemanden erinnern" umgeschwenkt sind. Aber aufs Ganze gesehen
ist das nur eine Verzögerung und kein Aufhalten.
Wobei es ja eigentlich "jemandes gedenken" heißt. Sonst halt "an
jemanden gedenken".
Bei letzterem schaudere ich. Ich kenne nur "an jemanden denken".
Christina Kunze
2020-05-03 19:33:11 UTC
Antworten
Permalink
Post by Stefan Schmitz
Post by Hans
Post by Christina Kunze
Manchmal setzt sowas wie Besinnung ein, beispielsweise als vor ein paar
Jahren einige Medien statt des unsäglichen "jemanden gedenken" plötzlich
auf "an jemanden erinnern" umgeschwenkt sind. Aber aufs Ganze gesehen
ist das nur eine Verzögerung und kein Aufhalten.
Wobei es ja eigentlich "jemandes gedenken" heißt. Sonst halt "an
jemanden gedenken".
Bei letzterem schaudere ich. Ich kenne nur "an jemanden denken".
+ 1

chr
Ralf Joerres
2020-05-04 08:42:38 UTC
Antworten
Permalink
Post by Stefan Schmitz
Post by Hans
Post by Christina Kunze
Manchmal setzt sowas wie Besinnung ein, beispielsweise als vor ein paar
Jahren einige Medien statt des unsäglichen "jemanden gedenken" plötzlich
auf "an jemanden erinnern" umgeschwenkt sind. Aber aufs Ganze gesehen
ist das nur eine Verzögerung und kein Aufhalten.
Wobei es ja eigentlich "jemandes gedenken" heißt. Sonst halt "an
jemanden gedenken".
Bei letzterem schaudere ich. Ich kenne nur "an jemanden denken".
Ja. Wobei ich im Radio verstärkt höre: '... gedachten den Toten.' Einen
solchen Sprachwandel finde ich sehr bemerkenswert und kann ihn mir nicht
erklären: Wie kann etwas, das bis zu einer nicht genau bestimmbaren
Zeit eindeutig falsch war, sich ebenso eindeutig als akzeptabel durch-
setzen? Ich kann es mir nur so vorstellen, dass Korrekturinstanzen
(Deutschlehrer, Lektoren, Eltern) irgendwann aufgehört haben, die
Nachwachsenden (Schüler, Autoren, Kinder) aufzufordern, das Objekt
bei 'gedenken' im korrekten Kasus anzuschließen. Dass Genitivobjekte
in Teilen der sogenannten Unterschicht als falsch empfunden werden
(ebenso wie der Konjunktiv I), konnte ich vor längerer Zeit selbst
feststellen. Es kann so gelaufen sein, dass Deutschsprecher dieses
Verb mit seiner Semantik (Gedenkfeier) benutzen wollten, ohne die
dazugehörige syntaktische Konstruktion zu beherrschen und dann wie bei
'wegen / trotz / anstatt' auf den naheliegenden Dativ ausgewichen sind,
zumal die beiden Kasus beim nominalen Femininum Singular formgleich sind
(aber nicht bei Pronomen: gedachten ihrer / glaubten ihr = jeweils
einer Frau).
Dennoch ist es mir ein Rätsel, wie das in die journalistische Sphäre
einsickern und sich dort festsetzen konnte. Da müssen doch unter
Journalistenkollegen Diskussionen gelaufen sein: 'Sag mal, das kannst du
doch nicht so schreiben, wie hört sich das denn an!' - in beiden
Richtungen. Man sollte diese - wahrscheinlich jüngeren - Journalisten,
die das in aller Unschuld eingeschleppt haben, einmal dazu befragen.

Dass Genitivobjekte für sich genommen auf dem Rückzug sind, halte ich
für eine zu schwache Erklärung. Dies belegt lediglich, dass entsprechende
Sätze immer seltener vorkommen, was allerdings Einfluss auf Normalitäts-
empfindungen hat. Standardfall beim Vermeiden von Genitivobjekten dürfte
das Ausweichen auf einen präpositionalen Anschluss sein (erinnerte mich
dessen > erinnerte mich daran) oder, wenn das nicht möglich ist, auf
ein anderes Verb/Prädikat (befleißigte sich einer rüpelhaften Ausdrucks-
weise > hatte sich eine r. A. angewöhnt). Der Versuch, die angestrebte
Bedeutung per Verberhalt mit anderer Konstruktion zu retten, führt zu
einer Reihe von schiefen Konstrukten à la 'verdächtigten ihn wegen dem
Diebstahl'. Und wenn einem der sichere Grund stabiler Ergänzungsmuster
bei den Verben erst ins Rutschen geraten ist, ist es bis zum hier
vorgeführten 'gedenken an' nicht mehr weit.

Gruß Ralf Joerres
Constantius Chlorus
2020-05-03 18:53:54 UTC
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"Christina Kunze"
Post by Christina Kunze
Post by Constantius Chlorus
Nochmal Kurzfassung: Epizentrum ist ein geologischer Begriff, Zentrum ist
ein geografischer Begriff, beide haben eine unterschiedliche Bedeutung
und beide kann man in Grenzen bildlich verwenden.
Das ist präskriptiv.
Unsinn. Das war nicht meine Absicht.
Das muss man sich ausgerechnet von Googel- und Sprachpflegefreaks sagen
lassen...
Was ich wollte, ist, darauf hinweisen, dass es keine "Verbreitung einer
neuen Wortbedeutung" gibt, wie du schreibst.
Es gibt das Wort Epizentrum im übertragenden Sinn und im Hinblick auf alles
Mögliche schon vor Corona.
Klar soweit?
Allerdings. Es funktioniert nicht immer (siehe Achterndiecks posting).
Constantius Chlorus
2020-05-03 08:16:22 UTC
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Post by Jakob Achterndiek
Post by Constantius Chlorus
"Christina Kunze" schrieb
Post by Christina Kunze
Ich glaube, wir können hier die Verbreitung einer neuen Wortbedeutung
beobachten, jetzt hat schon nicht mehr nur Corona /die Pandemie ein
Ich glaube, dass es hier zwei unterschiedliche Wortbedeutung gibt.
Epizentrum ist das Zentrum eines Bebens, bildlich einer Katastrophe oder
Seuche. Zentrum ist ein geographischer Mittelpunkt.
Das ist endlich die Erleuchtung, die mir zur Interpretation von
Hofmannsthals Sonett "Die Beiden" immer gefehlt hat. Die Schüler
Es kommt aus dem Epizentrum; das gehört irgendwie zum zentralen
Nervensystem. Genaueres erklärt euch die Biologielehrerin.
| [..]
| Jedoch, wenn er aus ihrer Hand
| Den leichten Becher nehmen sollte,
| Denn beide bebten sie so sehr,
| Daß keine Hand die andre fand
| Und dunkler Wein am Boden rollte.
Und was zu den Zeilen des Gedichts. Ich kenne es nicht und ich lese es
nicht. Das Beben... Da geht es zwar um Nerven, aber eher um 'halbe und
heimliche' Nerven, um Stimmung, Gehobensein und Kinderreim. Es ist etwas
mehr als Vorausahnung einer zukünftigen Bestimmung. Die Vitalität ist hier
kein Epizentrum. Wenn hier etwas Epizentrum ist, dann ist das der Tod.
Zumindest bemüht der junge Mann sich redlich, dass es so rüberkommt. Also
'Epizentrum' kann man verwenden, wenn man will. Ein schönes Gedicht.
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