Discussion:
Glühbirne
(zu alt für eine Antwort)
Karl-Ludwig Diehl
2010-11-09 20:11:23 UTC
Permalink
Hallo allerseits,

ich las gerade den bemerkenswerten Satz:

"Die Glühlampe verdankt ihre ursprüngliche
Gestaltung den allgemeinen organischen
Stilprinzipien des Jugendstils, der Zeit ihrer
Erfindung, und erhielt ihrer assoziierten Form
wegen den bis heute gebräuchlichen, um-
gangssprachlichen Namen >Glühbirne<." (1)

Mit der Bauhauszeit trat zugleich eine Ver-
sachlichung der Form ein. Kugel mit aufge-
setztem Zylinder wurde als Gestalt modern.
Später kehrte man zur kalebassenartigen
Form, zur Glüh"birnen"form zurück, da die
1950er Jahre von organischen Gestaltungs-
tendenzen beherrscht waren, die auf der
Rückbesinnung auf den Jugendstil beruhten.

Aha. Also die "Glühbirne" ein Kind des Jugend-
stils. Prima. Wikipedia hat dazu kein Wissen
im Angebot:
http://de.wikipedia.org/wiki/Gl%C3%BChlampe

Grüße
Karl-Ludwig Diehl
http://vub-virtuelleuniversittfrdasbauwesen.blogspot.com/

Anmerkung:
(1) zitiert aus: Peter Dunas: Colani. München,
1993. S.144
G.O.Tuhls
2010-11-09 20:28:41 UTC
Permalink
Post by Karl-Ludwig Diehl
"Die Glühlampe verdankt ihre ursprüngliche
Gestaltung den allgemeinen organischen
Stilprinzipien des Jugendstils, der Zeit ihrer
Erfindung, und erhielt ihrer assoziierten Form
wegen den bis heute gebräuchlichen, um-
gangssprachlichen Namen >Glühbirne<." (1)
Mit der Bauhauszeit trat zugleich eine Ver-
sachlichung der Form ein. Kugel mit aufge-
setztem Zylinder wurde als Gestalt modern.
Später kehrte man zur kalebassenartigen
Form, zur Glüh"birnen"form zurück, da die
1950er Jahre von organischen Gestaltungs-
tendenzen beherrscht waren, die auf der
Rückbesinnung auf den Jugendstil beruhten.
Aha. Also die "Glühbirne" ein Kind des Jugend-
stils. Prima.
Mal abgesehen davon, dass Du damit ziemlich OT bist (mit dem
hierzugrupp dauerbrennenden Leuchtobst gibt es nur wenig Verbindung),
halte ich die Erklärung für wenig glaubhaft. Berücksichtung von
Materialspannungen dürfte der Form zugrundeliegen. Das Kugel/Zylinder-
Prinzip der Bauhäusler war materialtechnisch der ursprünglichen Form
nicht gewachsen.

Gruß
G.O.
Karl-Ludwig Diehl
2010-11-09 22:09:59 UTC
Permalink
---------
sowohl nach de.etc.sprache.deutsch wie nach de.sci.architektur
---------
Mal abgesehen davon /.../ (mit dem
hierzugrupp dauerbrennenden Leuchtobst
gibt es nur wenig Verbindung),
halte ich die Erklärung für wenig glaubhaft.
Den Satz verstehe ich nicht. "Glühbirne" als
Wort muss zu einer Erklärung gebracht sein, also
worin es seinen Ursprung haben wird. "Glühlampe"
war die technische Bezeichnung.

Dass Du den Vorgang nicht glaubst, also dass
in der Jugendstilzeit durch die Nähe des
Formengutes zur Natur eine Form als Glüh-
lampe entsteht, welche dann klug "Glühbirne"
genannt wird, kann ja sein.
Berücksichtung von
Materialspannungen dürfte der Form zugrundeliegen.
Dazu muesste man jetzt alle Formgebungen
historisch nacheinander zu Gesicht bekommen,
um die Formentwicklung zu verstehen.
Das Kugel/Zylinder-
Prinzip der Bauhäusler war materialtechnisch
der ursprünglichen Form
nicht gewachsen.
Wenn diese Glühlampe einwandfrei funktionierte,
war es der Form egal. Aber die Zylinderform
wurde aufgegeben:

Vermutlich, weil nach der
Nazizeit und Kriegszeit wieder an den
Jugendstil angeknüpft wurde.

Das Wort "Glühbirne" ist an die Formgebung
gebunden. Und die war organisch gehalten,
also vom Design her naturnah. Daß dies
der guten Verteilung der Materialspannung
entgegenkam, liegt im Designerdenken ver-
ankert. Stromlinienform, usw. kam auch
durch das Auswerten der natürlichen Ge-
staltungsvorgänge zustande.

K.L.
Vinzent Hoefler
2010-11-09 22:22:06 UTC
Permalink
Post by Karl-Ludwig Diehl
Dazu muesste man jetzt alle Formgebungen
historisch nacheinander zu Gesicht bekommen,
um die Formentwicklung zu verstehen.
Eine der Original Edison-Birnen:

<Loading Image...>

Birnen=C3=A4hnlicher, als so manch andere, w=C3=BCrde ich sagen. Und ich=
denke,
Edison hat sich einen Dreck um Jugendstil geschert. ;)


Vinzent.

-- =

There is no signature.
Karl-Ludwig Diehl
2010-11-09 22:31:32 UTC
Permalink
Post by Vinzent Hoefler
Post by Karl-Ludwig Diehl
Dazu muesste man jetzt alle Formgebungen
historisch nacheinander zu Gesicht bekommen,
um die Formentwicklung zu verstehen.
<http://www.fi.edu/learn/sci-tech/edison-lightbulb/images/Full.jpg>
Birnenähnlicher, als so manch andere, würde ich sagen. Und ich denke,
Edison hat sich einen Dreck um Jugendstil geschert. ;)
Ja, interessant. Aber eben nur eine aus einer
Aufeinanderfolge.

Dazu noch ist die Formgebung trotzdem noch ein
paralleler Strang, der bei der industriellen
Produktion durch modisches Design zustande
kommt. Da kann es um die gefällig Form, die
funktionale Form, etc. gehen.

Ich sage ja nicht, dass der Autor Peter Dunas
recht haben muss. Andererseits gilt es, das
Wort "Glühbirne", das seinen Ursprung haben
muss, zu einer besseren Erklärung zu bringen.

Bisher: Ergebnis offen

K.L.
Jakob Achterndiek
2010-11-09 23:36:20 UTC
Permalink
[..] Andererseits gilt es, das
Wort "Glühbirne", das seinen Ursprung haben
muss, zu einer besseren Erklärung zu bringen.
Vielleicht, lieber Karl-Ludwig Diehl, überzeugt Dich
ja dieser Gedanke:

Damit seine Kohlefäden nicht sofort verbannten, sondern
eine kleine Weile leuchteten, brauchte Edison luftdichte
Gefäße aus durchsichtigem Material. Nach dem damaligen
Stand der Technik mußte das Glas sein.
Wenn nun die Kohäsions-Eigenschaften einer glühenden
Glasmasse im Verein mit der Wirkung der irdischen
Schwerkraft dazu geführt hätten, daß solche Kolben ganz
von selbst die Form eines gleichseitigen Sechsflächners
annehmen, dann würden wir noch heute von "Glühwürfeln"
sprechen dürfen.

Freilich hätten alsbald die Ästheten alles darangesetzt,
auch kugel-, röhren-, kerzen- oder gar birnenförmige
Glühwürfel zu erfinden. Den Namen "Glühwürfel" hätten sie
nicht mehr zu ändern gewagt.

Das glaubst Du mir nicht? - Du bist aber auch schwer
zu überzeugen. :-(

j/\a
--
Karl-Ludwig Diehl
2010-11-10 08:13:42 UTC
Permalink
Lieber Jakob Achterndiek,

Du hattest am 10 Nov., 00:36, fast ueberzeugend
da solche Kolben ganz
von selbst die Form eines gleichseitigen Sechsflaechners
annehmen, dann wuerden wir noch heute von "Gluehwuerfeln"
sprechen duerfen.
   Das glaubst Du mir nicht?
Natuerlich darfst heute noch und spaeter
auch immer von "Gluehwuerfeln" sprechen.
- Du bist aber auch schwer
zu berzeugen.   :-(
Ich bin voellig davon ueberzeugt, dass Du
das darfst. ;-))

K.L.
Joachim Pense
2010-11-10 06:50:05 UTC
Permalink
Post by Karl-Ludwig Diehl
Vermutlich, weil nach der
Nazizeit und Kriegszeit wieder an den
Jugendstil angeknüpft wurde.
Jugendstil? In der Nachkriegszeit?

Joachim
Wolfgang Schwanke
2010-11-10 07:03:00 UTC
Permalink
Post by Joachim Pense
Post by Karl-Ludwig Diehl
Vermutlich, weil nach der
Nazizeit und Kriegszeit wieder an den
Jugendstil angeknüpft wurde.
Jugendstil? In der Nachkriegszeit?
Er sieht Parallelen in der Vorliebe für geschwungene Formen und
Asymmetrien. Fraglich nur, ob da die Glühbirne reinpasst.
--
der die das, wieso weshalb warum
the the the, why why why

http://www.wschwanke.de/ http://www.fotos-aus-der-luft.de/
usenet_20031215 (AT) wschwanke (DOT) de
Karl-Ludwig Diehl
2010-11-10 08:39:14 UTC
Permalink
Post by Wolfgang Schwanke
Post by Joachim Pense
Post by Karl-Ludwig Diehl
Vermutlich, weil nach der
Nazizeit und Kriegszeit wieder an den
Jugendstil angeknüpft wurde.
Jugendstil? In der Nachkriegszeit?
Er sieht Parallelen in der Vorliebe für geschwungene Formen und
Asymmetrien. Fraglich nur, ob da die Glühbirne reinpasst.
Die These stammt von Peter Dunas.
Sie wurde reichlich und interessant untermauert.

Eben las ich:
"Die ersten patentierten Glühlampen in den 1840er-Jahren hatten
Glühfäden aus Platin. Aus diesen Entwicklungen wurde allerdings kein
Produkt."

Danach kam erst eine kleine Industrieproduktion auf:

"Die ersten kommerziell hergestellten Glühlampen enthielten einen
Faden aus Kohle mit einem Sublimationspunkt von 3550 °C."

Leider ist dazu keine zeitliche Entwicklung
genannt mit optischen Belegen der "Glühlampen".

"Bei der um 1900 gebräuchlichen Nernstlampe wurde der Ionenleiter
Zirkonium(IV)-oxid (mit Zusätzen) verwendet. Später wurden Tantal oder
Osmium verwendet. Heute kommen fast ausschließlich Drahtwendeln aus
Wolfram (Schmelzpunkt: 3422 °C) zum Einsatz."
Alle Zitate aus:
http://de.wikipedia.org/wiki/Gl%C3%BChlampe

Das Industriedesign fuer die Gluehlampen wird irgendwo
untersucht worden sein. Die These, in der Jugendstil-
zeit habe die Gluehlampenform zur Bezeichnung "Glueh-
birne" gefuehrt, ist nach wie vor interessant. Diese
ganz spezielle Zeit der Naturromantik hat wohl auch ein
sehr spezifisches Wortgut hervorgebracht.

K.L.
Karl-Ludwig Diehl
2010-11-10 08:27:37 UTC
Permalink
Post by Joachim Pense
Post by Karl-Ludwig Diehl
Vermutlich, weil nach der
Nazizeit und Kriegszeit wieder an den
Jugendstil angeknüpft wurde.
Jugendstil? In der Nachkriegszeit?
Ja, das Interessante ist, dass in der Nach-
kriegszeit sehr bewusst an den Jugendstil
wieder angeknuepft wurde, und zwar nicht
nur von dem Designer Luigi Colani, sondern
auch von vielen anderen Gestaltern nicht
nur im Moebeldesign, im Fahrzeugbau, in der
Architektur, sondern auch in der Skulptur
und Malerei, auch im Flugzeugbau.
Der beruehmte "Nierentisch" stammt auch
aus dieser Nachkriegsstroemung.

Von Colani stammen Cameraentwuerfe fuer
Canon, Autoentwuerfe fuer Citroen, e.Computer-
mouse fuer Sicos, etc. Bionik, Biomorphes,
Aerodynamisches, Organisches sind Themen
des Jugendstils und dessen, was sich davon
ableitet. Colani hielt Vortraege ueber den
Jugendstil und was sich daraus in die
Gegenwart sinnvoll weiterfuehren laesst.

"In China, auf der Insel Chong Mingh im Jangtsekiang-Delta, nahe
Shanghai, realisiert er seit 1995 sein „Lebenswerk und Vermächtnis“[3]
die Eco-City (früher Bio-City), die in Form und Funktion dem
menschlichen Körper nachempfunden ist: eine Wissenschaftsstadt für 50
000 Wissenschaftler, die einen auf dem Rücken liegenden menschlichen
Körper darstellt und konzipiert ist als ein lebendiger Organismus mit
„grüner Lunge“, einem Kraftzentrum in der Mitte und Verkehrswegen als
Blutbahnen."
aus:
http://de.wikipedia.org/wiki/Luigi_Colani

Colani bezieht sich selbst ganz explizit auf Henry
van der Velde u.a.. Andere Nachkriegsgestalter
tun das auch.

K.L.
Matthias Opatz
2010-11-10 10:44:45 UTC
Permalink
Post by Joachim Pense
Post by Karl-Ludwig Diehl
Vermutlich, weil nach der
Nazizeit und Kriegszeit wieder an den
Jugendstil angeknüpft wurde.
Jugendstil? In der Nachkriegszeit?
Redet ihr über dieselbe Zeit?

Matthias
--
Nach der Schlacht von Leipzig sah man Pferde, denen 3, 4 und noch mehr
Beine abgeschossen waren, herrenlos herumlaufen. Prof. Galletti
Wer zum Kuckuck ist dieser Galletti? ==> <http://www.galletti.de/>
== Bitte bei Mailantwort Großbuchstaben aus Reply-Adresse löschen. ==
Karl-Ludwig Diehl
2010-11-10 12:48:22 UTC
Permalink
Post by Joachim Pense
Post by Karl-Ludwig Diehl
Vermutlich, weil nach der
Nazizeit und Kriegszeit wieder an den
Jugendstil angekn pft wurde.
Jugendstil? In der Nachkriegszeit?
Redet ihr ueber dieselbe Zeit?
Jugendstil um die Wende zum 20.Jh.
Jugendstilrezeption nach dem 2.Weltkrieg.
---> organische Gestaltung
---> aerodynamik
---> naturnahes Design

Hilft Dir das weiter?

K.L.
Stefan Brröring
2010-11-10 14:23:05 UTC
Permalink
Post by Karl-Ludwig Diehl
Das Wort "Glühbirne" ist an die Formgebung
gebunden. Und die war organisch gehalten,
also vom Design her naturnah. Daß dies
der guten Verteilung der Materialspannung
entgegenkam, liegt im Designerdenken ver-
ankert. Stromlinienform, usw. kam auch
durch das Auswerten der natürlichen Ge-
staltungsvorgänge zustande.
Das hat mit Gestaltung und Jugendstil vermutlich absolut garnichts zu
tun. Es wird wohl eher eine Frage der Herstellungstechnologie gewesen sein.

Glühlampen werden geblasen. Daraus ergibt sich zwangsläufig eine
kugelige Form. Diese in Verbindung mit dem elektrischen Anschluss am
Ende und der nötigen Drahtdurchführung führt dann aus technischen
Gründen zu einer Birnenform. Eine Kugel hätte am Hals einen scharfen
Knick, der bei der Fertigung sicherlich aufwendiger ist. Heutzutage ist
das sicherlich kein Problem mehr.

Etwas ähnliches sieht man bei alten Radioröhren. Die frühen
Elektronenröhren haben auch fast eine Birnenform. Spätere Röhren wurden
dann mehr zylindrisch gebaut.

Man erkennt das auch an alten Fernsehbildröhren. Bei den frühen
Exemplaren hat man scharfe Kanten im Halsbereich vermieden, was dann
sehr tiefe Gehäusen, gewölbte Bildflächen und abgerundete Ecken zur
Folge hatte. Als man die Glasbearbeitung besser im Griff hatte, hat man
die Röhren flacher und eckiger gemacht.

Mit dem Begriff Glühbirne statt Glühlampe verhält es sich wohl genauso,
wie mit den Begriffen Schraubenzieher statt Schraubendreher oder
Zollstock statt Gliedermaßstab oder Neonröhre statt Leuchtstofflampe.

Gruß

Stefan
Helmut Hullen
2010-11-10 14:32:00 UTC
Permalink
Hallo, Stefan,
Post by Stefan Brröring
Mit dem Begriff Glühbirne statt Glühlampe verhält es sich wohl
genauso, wie mit den Begriffen Schraubenzieher statt Schraubendreher
oder Zollstock statt Gliedermaßstab oder Neonröhre statt
Leuchtstofflampe.
Im englischen Sprachraum werden Zwiebeln (light bulbs) statt Birnen
benutzt ...

Viele Gruesse!
Helmut
Karl-Ludwig Diehl
2010-11-10 14:54:03 UTC
Permalink
Post by Helmut Hullen
Hallo, Stefan,
Post by Stefan Brröring
Mit dem Begriff Glühbirne statt Glühlampe verhält es sich wohl
genauso, wie mit den Begriffen Schraubenzieher statt Schraubendreher
oder Zollstock statt Gliedermaßstab oder Neonröhre statt
Leuchtstofflampe.
Im englischen Sprachraum werden Zwiebeln (light bulbs) statt Birnen  
benutzt ...
Seit wann?

K.L.
Martin Τrautmann
2010-11-10 14:35:12 UTC
Permalink
Post by Stefan Brröring
Glühlampen werden geblasen. Daraus ergibt sich zwangsläufig eine
kugelige Form.
Quatsch. Das würde bedeuten, es gäbe nur kugelrunde Trinkgläser.

Richtig ist, dass die meisten rotationssymmetrisch sind. Glas lässt sich
da aber in beliebig bauchige oder eingeschnittene Formen bringen.
Post by Stefan Brröring
Diese in Verbindung mit dem elektrischen Anschluss am
Ende und der nötigen Drahtdurchführung führt dann aus technischen
Gründen zu einer Birnenform. Eine Kugel hätte am Hals einen scharfen
Knick, der bei der Fertigung sicherlich aufwendiger ist. Heutzutage ist
das sicherlich kein Problem mehr.
Für die Kugelform spricht einfach auch der relativ gleichmäßige Abstand
zum Glühwendel. Hier ist eben sinnvoller, das rotationssymmetrisch zu
machen, als mit der Querlage des Wendels die Birne queroval zu machen.

Anders sieht es bei gerade gestrecktem Glühwendel aus, wie er z.B. in
Halogenlampen im Kfz-Bereich verwendet wird - das sind Rohre, die an den
Enden verschmolzen werden. Bei den kleinen Halogenlampen im
Wohnungsbereich wird das Prinzip aber auch wieder durchbrochen, weil die
auch zylindrisch sind, der Wendel aber quer liegt. Ausschlaggebend ist
hier wohl eher das Spezial-Glas für höhere Temperaturen, das als
Stangenware dann einfach nur verschmolzen oder flachgedrückt wird.

Eher sieht man es bei manchen alten, langgezogenen Glühlampen mit
stehendem Wendel.
Post by Stefan Brröring
Etwas ähnliches sieht man bei alten Radioröhren. Die frühen
Elektronenröhren haben auch fast eine Birnenform. Spätere Röhren wurden
dann mehr zylindrisch gebaut.
... was ja auch sinnvoll mit der Anwendung von Glühkathode und Anode
ist. In noch späteren Röhren wurden dann noch viel mehr Anschlüsse
hineingepackt, was eher die zylinderförmige Anschlussanordnung und damit
noch mehr die Zylinderform der Röhre erforderte.
Post by Stefan Brröring
Man erkennt das auch an alten Fernsehbildröhren. Bei den frühen
Exemplaren hat man scharfe Kanten im Halsbereich vermieden, was dann
sehr tiefe Gehäusen, gewölbte Bildflächen und abgerundete Ecken zur
Folge hatte. Als man die Glasbearbeitung besser im Griff hatte, hat man
die Röhren flacher und eckiger gemacht.
Das ist weniger ein Problem der Fertigung gewesen, sondern das der
Ansteuerung: Bei runder Kugelsegmentoberfläche kommen die Elektronen in
gleicher Zeit in Bildschirmmitte wie in den Ecken an. Bei flachen
Bildschirmen muss man Zeit und Verzerrung ausgleichen.

Ein ganz klassisches Argument fehlt vielleicht noch: Auch der
Schutzkörper der Petroleumlampe war bauchig, aus ähnlichen technischen
Gründen.

Dass all das nicht nötig ist zeigen die "Kerzen"-Glühlampen, zumindest
bei geringerer Leistung. Seit wann gibt es diese Lampenform?

Schönen Gruß
Martin
Lothar Frings
2010-11-10 14:50:59 UTC
Permalink
Post by Martin Τrautmann
Für die Kugelform spricht einfach auch der relativ gleichmäßige Abstand
zum Glühwendel. Hier ist eben sinnvoller, das rotationssymmetrisch zu
machen, als mit der Querlage des Wendels die Birne queroval zu machen.
Außerdem spricht dafür, daß die Birne luftleer gepumpt ist
und daher den Luftdruck aushalten muß; gleichzeitig muß
sie aus dünnem Glas sein, um die Temperaturschwankungen
auszuhalten. Man braucht also eine optimale Form, und das
ist die Kugel.

Der einigermaßen flache Teil einer Bildröhre ist
darum aus sehr dickem Glas, aber da geht das, weil die
ja nicht heiß wird.
Karl-Ludwig Diehl
2010-11-10 15:00:24 UTC
Permalink
Post by Martin Τrautmann
Für die Kugelform spricht einfach auch der relativ gleichmäßige Abstand
zum Glühwendel. Hier ist eben sinnvoller, das rotationssymmetrisch zu
machen, als mit der Querlage des Wendels die Birne queroval zu machen.
Der Begriff "-wendel" in diesem Zusammenhang
war mir nicht geläufig.

Ich sah nach:
http://de.wikipedia.org/wiki/Gl%C3%BChwendel

Na gut. Die Formgebung haengt dann auch
von der Miniaturisierung und dem Gesamt-
aufbau der Halterungen in dem Glühlampenglas ab.

K.L.

Karl-Ludwig Diehl
2010-11-10 14:53:30 UTC
Permalink
Post by Stefan Brröring
Das hat mit Gestaltung und Jugendstil
vermutlich absolut garnichts zu
tun.
Tja, Dein vermutlich sagt es ja: Du kannst es
weder verifizieren, noch flasifizieren. Dem
Zeitgeist kann die Gestaltung einer "Glühbirne"
trotzdem entsprechen.
Post by Stefan Brröring
Es wird wohl eher eine Frage der Herstellungstechnologie gewesen sein.
Dass ein Industrieprodukt vom Herstellungs-
prozess geprägt ist, sagt auch, dass durch
Design Einfluß auf die Form genommen wird,
um den Absatz des Produktes zu sichern.
Post by Stefan Brröring
Gluehlampen werden geblasen. Daraus ergibt
sich zwangslaeufig eine
kugelige Form.
Diese sogenannte "kugelige Form" ist als
Designgegenstand immer noch kugelig offen.
Post by Stefan Brröring
Diese in Verbindung mit dem
elektrischen Anschluss am
Ende und der n tigen Drahtdurch-
fuehrung f hrt dann aus technischen
Gruenden zu einer Birnenform. Eine
Kugel haette am Hals einen scharfen
Knick, der bei der Fertigung sicher-
lich aufwendiger ist.
Der Witz an der Geschichte ist ja,
ab wann das Wort "Glühbirne" aufkam.
Dass davor und danach Glaeser in "Bir-
nen"form produktionsterchnisch moeg-
lich waren, sagt ja noch nichts ueber
den Vorgang der Benennung. In Berlin
wurde das Bauwerk eines amerikanischen
Architektem "Berliner Schnauze" ge-
nannt, bestimmt nicht, weil es ueberall
rechteckig war.
Post by Stefan Brröring
Heutzutage ist
das sicherlich kein Problem mehr.
Möglicherweise war die Entwicklung so
tardierend.
Post by Stefan Brröring
Etwas Aehnliches sieht man bei
alten Radioroehren. Die fruehen
Elektronenroehren haben auch fast
eine Birnenform. Spaetere Roehren wurden
dann mehr zylindrisch gebaut.
An die zylindrischen erinnere ich mich.
Post by Stefan Brröring
Man erkennt das auch an alten
Fernsehbildroehren. Bei den fruehen
Exemplaren hat man scharfe Kanten
im Halsbereich vermieden, was dann
sehr tiefe Gehaeusen, gewoelbte Bild-
flaechen und abgerundete Ecken zur
Folge hatte.
Das wird so sein koennen.
Post by Stefan Brröring
Als man die Glasbearbeitung besser
im Griff hatte, hat man
die Roehren flacher und eckiger gemacht.
Das kann mit Kosten oder mit Produktions-
technik zu tun haben, ab wann Veraenderungen
eintreten.
Post by Stefan Brröring
Mit dem Begriff Gluehbirne statt Gluehlampe
verhaelt es sich wohl genauso,
wie mit den Begriffen Schraubenzieher
statt Schraubendreher oder
Zollstock statt Gliedermassstab oder
Neonroehre statt Leuchtstofflampe.
Bisher haben wir nur die Aussage von Peter
Duans im Angebot, der die These verfolgt
hat, "Glühbirne" als Bezeichnung werde aus
der Jugendstilzeit auf uns gekommen sein.

Die Frage bleibt erst mal offen.

K.L.
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