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Modalitaeten - Gibt es nicht viele unerforschte?
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Stefan Ram
2020-02-02 15:33:47 UTC
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Unter einer "Modalität" einer Äußerung verstehe ich hier das
Verhältnis der Bedeutung der Äußerung zu dem, was ihr Sprecher
für richtig (wahr) hält. Ich habe bisher eigentlich noch nie etwas
gelesen, was versucht, möglichst viele Modalitäten aufzulisten.
Als Beispiel, was ich meine, nenne ich hier einige Modalitäten:

Die eigentliche Rede

Der Sprecher sagt "Es wird kalt werden." und meint damit
das Wetter, weil er davon überzeugt ist, daß es kälter werden
wird - oder ein Desert, das er gerade in den Kühlschrank
gestellt hat.

Die uneigentliche Rede

Er meint es metaphorisch. Etwa in Bezug auf die politische
Situation.

Die Ironie

Jemand stellt das Dessert in einen Kühlschrank, der bekanntermaßen
defekt ist. Der Sprecher sagt ironisch-sarkastisch "Es wird kalt
werden", um zu spotten.

Der Advocatus Diaboli

Der Sprecher ist der Meinung, daß es nicht kalt werden wird. Aber
um die Diskussion, in der eigentlich alle dieser Meinung sind,
zu beleben, spielt er die Rolle von Leuten die nicht an der
Diskussion teilnehmen und die glauben, daß es kalt werden wird
(ohne zu sagen, daß er Advocatus Diaboli spielt).

Die Lüge

Der Sprecher ist der Meinung, daß es nicht kalt werden wird. Aber
um jemand anders zu einem gewünschten Verhalten zu verführen,
behauptet er wider besseres Wissen, daß es kalt werden werde.

Der emotionale Effekt

Der Sprecher sagt etwas, um entweder bei sich selber oder bei
seinem Hörer einen bestimmten emotionalen Effekt (Affekt)
auszulösen, bei dem es weniger wichtig ist, ob die eigentliche
Bedeutung der Äußerung wahr oder falsch ist. Beispielsweise
Beleidigungen oder Liebeserklärungen gehören hierzu.

Der Sprechakt

Der Sprecher sagt etwas, um damit eine sprachliche Handlung
vorzunehmen. Beispielsweise eine Eheschließung. "Ich erkläre
Euch hiermit zu Mann und Frau."

Der Schauspieler

Der Sprecher sagt etwas als Schauspieler auf der Bühne.
Ähnelt etwas dem Advocatus Diaboli, aber hier ist allen klar,
daß das Gesagte nicht unbedingt seine Meinung sein muß.
Hierzu gehören auch Sprecher, die etwas vorlesen oder zitieren.
Oder ein Sprecher einer Organisation, welcher deren Standpunkt
vertritt, obwohl er nach Feierabend vielleicht anderer Meinung ist.

Das Experiment

Der Sprecher sagt etwas, um herauszufinden, wie seine
Umgebung darauf reagiert, auch wenn es gar nicht wahr oder
seine Meinung ist. Eine Art von verdecktem Schauspieler.
Könnte auch in der Wissenschaft bei psychologischen
Experimenten zum Einsatz kommen.

Dies sind nur einige Modalitäten, die mir gerade spontan
eingefallen sind. Wenn man das systematisch erforscht,
findet man wahrscheinlich noch mehr.
Stefan Ram
2020-02-02 17:16:44 UTC
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Das Selbstgespräch
Jemand sagt etwas, ohne daß dies zum Hören durch andere
bestimmt ist. Derjenige muß dabei nicht unbedingt
verständlich sprechen, da er ja weiß, was gemeint ist.
In Anwesenheit anderer kommt es auch manchmal vor,
daß jemand auf Nachfragen sagt: "Oh, ich habe nur
laut nachgedacht!".

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