Discussion:
Koelsch
(zu alt für eine Antwort)
U***@web.de
2019-12-12 07:15:40 UTC
Permalink
Moin,

es geht hier weniger um das dort auch thematisierte Bier
als darum, daß man als Auswärtiger sehr genau hinhören
muß, um doch nicht alles mitzubekommen:
https://www.daserste.de/unterhaltung/film/filmmittwoch-im-ersten/videos/der-koenig-von-koeln-video-102.html

Gruß, ULF
Jakob Achterndiek
2019-12-12 09:19:09 UTC
Permalink
Post by U***@web.de
es geht hier weniger um das dort auch thematisierte Bier
als darum, daß man als Auswärtiger sehr genau hinhören
https://www.daserste.de/unterhaltung/film/filmmittwoch-im-ersten/videos/der-koenig-von-koeln-video-102.html
Das sind aber Kenner und Könner, die da sprechen; ein reiner Hörgenuß
für jeden, der dort einmal akklimatisiert gewesen ist. In manchen
anderen zeitgenössischen Filmen, in denen hochdeutsch gesprochen wird,
verstehe ich weniger. Es scheint so, als würde Sprecherziehung auf den
Schauspielschulen heute arg vernachlässigt. Ein Insider hat mir zudem
verraten, daß manche Filmregisseure sorgfältiges Sprechen als "nicht
naturalistisch" ablehnen.

Nebenbei: In dem Satzgefüge oben erscheint mir das ".., um .. zu .."
zwar "idiomatisch" (was für mich inzwischen ein Pejorativum ist), aber
mit seiner Tendenz zur finalen, d.h. zweckgerichteten Aussage als fehl
am Platze.
--
j/\a
U***@web.de
2019-12-12 09:51:40 UTC
Permalink
Post by Jakob Achterndiek
Post by U***@web.de
als darum, daß man als Auswärtiger sehr genau hinhören
https://www.daserste.de/unterhaltung/film/filmmittwoch-im-ersten/videos/der-koenig-von-koeln-video-102.html
Das sind aber Kenner und Könner, die da sprechen; ein reiner Hörgenuß
für jeden, der dort einmal akklimatisiert gewesen ist. In manchen
anderen zeitgenössischen Filmen, in denen hochdeutsch gesprochen wird,
verstehe ich weniger. Es scheint so, als würde Sprecherziehung auf den
Schauspielschulen heute arg vernachlässigt. Ein Insider hat mir zudem
verraten, daß manche Filmregisseure sorgfältiges Sprechen als "nicht
naturalistisch" ablehnen.
Nebenbei: In dem Satzgefüge oben erscheint mir das ".., um .. zu .."
zwar "idiomatisch" (was für mich inzwischen ein Pejorativum ist), aber
mit seiner Tendenz zur finalen, d.h. zweckgerichteten Aussage als fehl
am Platze.
So unüblich ist die infinitivische Finalkonstruktion der
Zweckverfehlung nun nicht, und sei es aus Gründen der
Ironiepflege.
Quinn C
2019-12-12 18:25:01 UTC
Permalink
Post by U***@web.de
Post by Jakob Achterndiek
Post by U***@web.de
als darum, daß man als Auswärtiger sehr genau hinhören
[...]
Post by U***@web.de
Post by Jakob Achterndiek
Nebenbei: In dem Satzgefüge oben erscheint mir das ".., um .. zu .."
zwar "idiomatisch" (was für mich inzwischen ein Pejorativum ist), aber
mit seiner Tendenz zur finalen, d.h. zweckgerichteten Aussage als fehl
am Platze.
So unüblich ist die infinitivische Finalkonstruktion der
Zweckverfehlung nun nicht, und sei es aus Gründen der
Ironiepflege.
Finde ich auch. Um es ganz deutlich zu machen, könnte man noch ein
Wörtchen ergänzen: "... um dann doch nicht alles mitzubekommen."
--
gugelgesang, m., mönchsgesang, pejorativ
GRIMM, Deutsches Wörterbuch
Jakob Achterndiek
2019-12-12 19:11:13 UTC
Permalink
Post by Quinn C
Post by U***@web.de
Post by Jakob Achterndiek
Post by U***@web.de
als darum, daß man als Auswärtiger sehr genau hinhören
Nebenbei: In dem Satzgefüge oben erscheint mir das ".., um .. zu .."
zwar "idiomatisch" (was für mich inzwischen ein Pejorativum ist), aber
mit seiner Tendenz zur finalen, d.h. zweckgerichteten Aussage als fehl
am Platze.
So unüblich ist die infinitivische Finalkonstruktion der
Zweckverfehlung nun nicht, und sei es aus Gründen der
Ironiepflege.
Finde ich auch. Um es ganz deutlich zu machen, könnte man noch ein
Wörtchen ergänzen: "... um dann doch nicht alles mitzubekommen."
Deshalb schrieb ich:".. aber mit einer _Tendenz_ zur finalen,
d.h. zweckgerichteten Aussage ...".

Wie würdet ihr denn die Modalität dieser Verbindung in den von
euch angeführten Beispielen nennen? Anders als "aufzählend" oder
allenfalls "adversativ"? Da wären dann nach strengen Maßstäben
"und" oder "zwar .. aber" weniger mißverständlich. - Aber wie
Post by Quinn C
Post by U***@web.de
Post by Jakob Achterndiek
erscheint mir das ".., um .. zu .." zwar "idiomatisch" (was
für mich inzwischen ein Pejorativum ist), aber ..
Warum eigentlich "Pejorativum"? Weil: Alle Lehrer sollten sich in
der Pflicht sehen, ihren Schülern die bestmögliche Ausstattung zu
vermitteln. Da sind dann Hinweise wie :"Aber _so_ geht es auch .."
wenig zielführend.

Frivoler Nachsatz, Sprache als Unterrichtsfach betreffend:
| In einer Zeit, die nun vergangen ist
| lebten wir schon zusammen, sie und ich.
| Die Zeit liegt fern, wie hinter einem Rauch,
| Ich schützte sie und sie ernährte mich.
| Es geht auch anders, doch so geht es auch.
| ...
[Zuhälter-Ballade aus: Brecht, Dreigroschenoper]
--
;) j/\a
U***@web.de
2019-12-12 11:32:58 UTC
Permalink
Post by Jakob Achterndiek
Nebenbei: In dem Satzgefüge oben erscheint mir das ".., um .. zu .."
zwar "idiomatisch" (was für mich inzwischen ein Pejorativum ist), aber
mit seiner Tendenz zur finalen, d.h. zweckgerichteten Aussage als fehl
am Platze.
Ein älteres Beispiel zur ins Gegenteil verkehrten
Finalität: https://books.google.de/books?id=StJZAAAAMAAJ&q=%22um+schlie%C3%9Flich+doch+zu+scheitern%22&dq=%22um+schlie%C3%9Flich+doch+zu+scheitern%22&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwj65_7C7a_mAhU6UxUIHVQVAq8Q6AEIZzAJ
Ralf Joerres
2019-12-14 13:23:37 UTC
Permalink
Post by U***@web.de
Post by Jakob Achterndiek
Nebenbei: In dem Satzgefüge oben erscheint mir das ".., um .. zu .."
zwar "idiomatisch" (was für mich inzwischen ein Pejorativum ist), aber
mit seiner Tendenz zur finalen, d.h. zweckgerichteten Aussage als fehl
am Platze.
Ein älteres Beispiel zur ins Gegenteil verkehrten
Finalität: https://books.google.de/books?id=StJZAAAAMAAJ&q=%22um+schlie%C3%9Flich+doch+zu+scheitern%22&dq=%22um+schlie%C3%9Flich+doch+zu+scheitern%22&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwj65_7C7a_mAhU6UxUIHVQVAq8Q6AEIZzAJ
Der Fund belegt, dass solch fehlgerichtete Finalität schon sehr lange
existiert - hätte mich auch gewundert, wenn es anders wäre. Was daran
'idiomatisch' (sprachüblich, aber schlecht) sein könnte, verstehe ich nicht.

Es gibt ein umgekehrtes syntaktisches Phänomen mit 'nachdem', das auch
kausal eingesetzt werden kann:

Nachdem du ja von seiner Unschuld überzeugt überzeugt zu sein scheinst,
überlasse ich dir sehr gerne seine anwaltliche Vertretung.

Hier könnte man den Nebensatz auch mit "wo ... doch" oder (nachgestellt)
mit "zumal" einbetten. Für ein 'weil' in kausaler Reinform finde ich erst
mal kein Beispiel mit 'nachdem', bin aber sicher, so etwas mal gelesen zu
haben, möglicherweise bei Fontane oder einem der Manns.

Ich hatte in meinem letzten Posting das besagte "um ... zu" als konsekutiv
bezeichnet. Das scheint falsch zu sein, ich hatte "temporal" gemeint, hier
im Sinne einer Nachzeitigkeit, zu verdeutlichen durch "dann", oder auch
durch "anschließend".

Gruß Ralf Joerres
U***@web.de
2019-12-14 13:55:29 UTC
Permalink
Post by Ralf Joerres
Post by U***@web.de
Post by Jakob Achterndiek
Nebenbei: In dem Satzgefüge oben erscheint mir das ".., um .. zu .."
zwar "idiomatisch" (was für mich inzwischen ein Pejorativum ist), aber
mit seiner Tendenz zur finalen, d.h. zweckgerichteten Aussage als fehl
am Platze.
Ein älteres Beispiel zur ins Gegenteil verkehrten
Finalität: https://books.google.de/books?id=StJZAAAAMAAJ&q=%22um+schlie%C3%9Flich+doch+zu+scheitern%22&dq=%22um+schlie%C3%9Flich+doch+zu+scheitern%22&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwj65_7C7a_mAhU6UxUIHVQVAq8Q6AEIZzAJ
Der Fund belegt, dass solch fehlgerichtete Finalität schon sehr lange
existiert - hätte mich auch gewundert, wenn es anders wäre. Was daran
'idiomatisch' (sprachüblich, aber schlecht) sein könnte, verstehe ich nicht.
Es gibt ein umgekehrtes syntaktisches Phänomen mit 'nachdem', das auch
Nachdem du ja von seiner Unschuld überzeugt überzeugt zu sein scheinst,
überlasse ich dir sehr gerne seine anwaltliche Vertretung.
Hier könnte man den Nebensatz auch mit "wo ... doch"
"Da..."
Post by Ralf Joerres
oder (nachgestellt)
mit "zumal"
Oder "zumal da..."?

Dann brauchst Du einen weiteren zumindest impliziten Grund.
Post by Ralf Joerres
einbetten. Für ein 'weil' in kausaler Reinform finde ich erst
mal kein Beispiel mit 'nachdem'
Daß es nicht rein temporal gemeint ist, sieht man oft an der
Verwendung des Präsens.

Gruß, ULF
Ralf Joerres
2019-12-15 10:21:47 UTC
Permalink
Post by U***@web.de
Post by Ralf Joerres
Post by U***@web.de
Post by Jakob Achterndiek
Nebenbei: In dem Satzgefüge oben erscheint mir das ".., um .. zu .."
zwar "idiomatisch" (was für mich inzwischen ein Pejorativum ist), aber
mit seiner Tendenz zur finalen, d.h. zweckgerichteten Aussage als fehl
am Platze.
Ein älteres Beispiel zur ins Gegenteil verkehrten
Finalität: https://books.google.de/books?id=StJZAAAAMAAJ&q=%22um+schlie%C3%9Flich+doch+zu+scheitern%22&dq=%22um+schlie%C3%9Flich+doch+zu+scheitern%22&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwj65_7C7a_mAhU6UxUIHVQVAq8Q6AEIZzAJ
Der Fund belegt, dass solch fehlgerichtete Finalität schon sehr lange
existiert - hätte mich auch gewundert, wenn es anders wäre. Was daran
'idiomatisch' (sprachüblich, aber schlecht) sein könnte, verstehe ich nicht.
Es gibt ein umgekehrtes syntaktisches Phänomen mit 'nachdem', das auch
Nachdem du ja von seiner Unschuld überzeugt überzeugt zu sein scheinst,
überlasse ich dir sehr gerne seine anwaltliche Vertretung.
Hier könnte man den Nebensatz auch mit "wo ... doch"
"Da..."
Vielleicht. Test:

Da du ja von seiner Unschuld überzeugt überzeugt zu sein scheinst,
überlasse ich dir sehr gerne seine anwaltliche Vertretung.

... scheint zu funktionieren.
Post by U***@web.de
Post by Ralf Joerres
oder (nachgestellt)
mit "zumal"
Der Satz wäre dann, da ein zumal-Nebensatz nachgestellt werden muss:

Ich überlasse dir sehr gerne seine anwaltliche Vertretung,
zumal du ja von seiner Unschuld überzeugt zu sein scheinst.
Post by U***@web.de
Oder "zumal da..."?
Muss nicht. Auch würde ich mit 'zumal da' auf das 'scheinst' verzichten,
bzw. es passt dann für mich nicht optimal. 'Zumal da' empfinde ich als
stärker begründend. Jemand kann sein Tun damit begründen, dass etwas
vorliegt. Kann er es auch damit begründen, dass jemand anderem etwas
irrigerweise vorzuliegen scheint? So verstehe ich nämlich die Formulierung
mit 'scheinst'. Sollte ich mich entscheiden müssen zwischen

Ich überlasse dir gerne seine anwaltliche Vertretung,
zumal da du von seiner Unschuld überzeugt zu sein scheinst.

und

Ich überlasse dir gerne seine anwaltliche Vertretung,
zumal da du von seiner Unschuld überzeugt bist,

würde ich die zweite Version wählen.

Das einfache 'zumal' ohne 'da' in dem angegebenen Beispiel verstehe ich
eher in Richtung 'und das sage ich jetzt deswegen, weil...', also
weniger begründend als erklärend, warum er ihm den Fall 'gerne' überlässt.
Dieses 'gerne' kann ironisierend und irrealisierend gemeint sein, so wie
in dem Satz

Du kannst das gerne mal versuchen. (Unterton: Viel Spaß dabei!)
Post by U***@web.de
Dann brauchst Du einen weiteren zumindest impliziten Grund.
Bin nicht sicher. Der implizite Grund könnte sein, dass der andere an dem
Fall interessiert ist, bzw. dass der Sprecher dieses Interesse seines
Gegenübers unterstellt.
Post by U***@web.de
Post by Ralf Joerres
Für ein 'weil' in kausaler Reinform finde ich erst
mal kein Beispiel mit 'nachdem'
Daß es nicht rein temporal gemeint ist, sieht man oft an der
Verwendung des Präsens.
Kann sein, aber auch:

Nachdem es für ihn dort nichts zu tun gab, fuhr er schleunigst wieder ab.

Dort kann ein impliziter Sinn sein:

Nachdem er festgestellt hatte, dass es für ihn ...

So formuliert, ist die temporale Perspektive stärker betont, in der kürzeren
- ersten - Version (für mich) die kausale.

Die Bedeutungen der verschiedenen kausalen Konnektoren unterscheiden sich
in für mich nur schwer fassbaren Nuancen. Zur Zeit knoble ich daran herum,
was der Unterschied zwischen 'weil' und 'denn' ist, denn eine Untereinander-
Austauschbarkeit, wie sie immer wieder behauptet wird, liegt für mich nicht
vor.

In dem von mir gegebenen Beispielssatz spielt immer auch die Partikel 'ja'
eine kausale Nebenrolle. Deren Bedeutung liegt für mich in der Nähe von
'damit sage ich dir nichts Neues'. Ich weiß nicht, ob man die Kombinationen
mit 'ja' nicht eher als Konnektorvarianten behandeln sollte, also "da ... ja"
und "zumal ... ja" usw. als teils eigenständige Konnektoren neben "da" und
"zumal" usw., oder ob der 'semantische Beitrag' von "ja" hier in seiner
normalen Partikelbedeutung aufgeht. Für mich spricht einiges dafür, dass
die Wahl eines speziellen Konnektors eine Aussage auf ähnliche Weise abfärbt
wie die Hinzufügung einer bestimmten Partikel. Zumindest werden Konnektor-Verbindungen wie 'da ja' und 'wo doch' in manchen Wörterbüchern eigens aufgeführt.

Gruß Ralf Joerres
Christina Kunze
2019-12-15 21:55:42 UTC
Permalink
Post by Ralf Joerres
Da du ja von seiner Unschuld überzeugt überzeugt zu sein scheinst,
überlasse ich dir sehr gerne seine anwaltliche Vertretung.
... scheint zu funktionieren.
Post by Ralf Joerres
oder (nachgestellt)
mit "zumal"
Ich überlasse dir sehr gerne seine anwaltliche Vertretung,
zumal du ja von seiner Unschuld überzeugt zu sein scheinst.
Die Bedeutung ist aber nicht dieselbe. Im ersten Satz überlässt Du ihr
die Verteidigung, *weil* sie von seiner Unschuld überzeugt ist, im
zweiten überlässt Du ihr die Verteidigung sowieso, und dies um so
lieber, als sie ja von seiner Unschuld überzeugt ist.

chr
Stefan Schmitz
2019-12-15 18:31:09 UTC
Permalink
Post by U***@web.de
Post by Ralf Joerres
Post by U***@web.de
Post by Jakob Achterndiek
Nebenbei: In dem Satzgefüge oben erscheint mir das ".., um .. zu .."
zwar "idiomatisch" (was für mich inzwischen ein Pejorativum ist), aber
mit seiner Tendenz zur finalen, d.h. zweckgerichteten Aussage als fehl
am Platze.
Ein älteres Beispiel zur ins Gegenteil verkehrten
Finalität: https://books.google.de/books?id=StJZAAAAMAAJ&q=%22um+schlie%C3%9Flich+doch+zu+scheitern%22&dq=%22um+schlie%C3%9Flich+doch+zu+scheitern%22&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwj65_7C7a_mAhU6UxUIHVQVAq8Q6AEIZzAJ
Der Fund belegt, dass solch fehlgerichtete Finalität schon sehr lange
existiert - hätte mich auch gewundert, wenn es anders wäre. Was daran
'idiomatisch' (sprachüblich, aber schlecht) sein könnte, verstehe ich nicht.
Es gibt ein umgekehrtes syntaktisches Phänomen mit 'nachdem', das auch
Nachdem du ja von seiner Unschuld überzeugt überzeugt zu sein scheinst,
überlasse ich dir sehr gerne seine anwaltliche Vertretung.
Hier könnte man den Nebensatz auch mit "wo ... doch"
"Da..."
Post by Ralf Joerres
oder (nachgestellt)
mit "zumal"
Oder "zumal da..."?
Dann brauchst Du einen weiteren zumindest impliziten Grund.
Ist "zumal da" überhaupt korrektes Deutsch?
In zumal steckt das "da" bzw. "weil" doch schon drin.

Allerdings führt dwds drei Beispiele an, davon eins ohne "da", eins mit und
eins in Klammern.
Ralf Joerres
2019-12-15 20:21:54 UTC
Permalink
Post by Stefan Schmitz
Post by U***@web.de
Post by Ralf Joerres
Es gibt ein umgekehrtes syntaktisches Phänomen mit 'nachdem', das auch
Nachdem du ja von seiner Unschuld überzeugt überzeugt zu sein scheinst,
überlasse ich dir sehr gerne seine anwaltliche Vertretung.
Hier könnte man den Nebensatz auch mit "wo ... doch"
"Da..."
Post by Ralf Joerres
oder (nachgestellt)
mit "zumal"
Oder "zumal da..."?
Ist "zumal da" überhaupt korrektes Deutsch?
In zumal steckt das "da" bzw. "weil" doch schon drin.
Allerdings führt dwds drei Beispiele an, davon eins ohne "da", eins mit und
eins in Klammern.
Keine Ahnung, aber mir erscheint das korrekt als ein kausales "da", das
durch ein "zumal" mit der Bedeutung 'obendrein / zu allem Überfluss'
nuanciert ist.

Ralf Joerres
U***@web.de
2019-12-16 07:39:09 UTC
Permalink
Post by Stefan Schmitz
Post by U***@web.de
Post by Ralf Joerres
Post by U***@web.de
Post by Jakob Achterndiek
Nebenbei: In dem Satzgefüge oben erscheint mir das ".., um .. zu .."
zwar "idiomatisch" (was für mich inzwischen ein Pejorativum ist), aber
mit seiner Tendenz zur finalen, d.h. zweckgerichteten Aussage als fehl
am Platze.
Ein älteres Beispiel zur ins Gegenteil verkehrten
Finalität: https://books.google.de/books?id=StJZAAAAMAAJ&q=%22um+schlie%C3%9Flich+doch+zu+scheitern%22&dq=%22um+schlie%C3%9Flich+doch+zu+scheitern%22&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwj65_7C7a_mAhU6UxUIHVQVAq8Q6AEIZzAJ
Der Fund belegt, dass solch fehlgerichtete Finalität schon sehr lange
existiert - hätte mich auch gewundert, wenn es anders wäre. Was daran
'idiomatisch' (sprachüblich, aber schlecht) sein könnte, verstehe ich nicht.
Es gibt ein umgekehrtes syntaktisches Phänomen mit 'nachdem', das auch
Nachdem du ja von seiner Unschuld überzeugt überzeugt zu sein scheinst,
überlasse ich dir sehr gerne seine anwaltliche Vertretung.
Hier könnte man den Nebensatz auch mit "wo ... doch"
"Da..."
Post by Ralf Joerres
oder (nachgestellt)
mit "zumal"
Oder "zumal da..."?
Dann brauchst Du einen weiteren zumindest impliziten Grund.
Ist "zumal da" überhaupt korrektes Deutsch?
In zumal steckt das "da" bzw. "weil" doch schon drin.
Ich meine, ich hätte früher einmal gelesen, der
alleinige Gebrauch von 'zumal' als Konjunktion
sei ein unverzeihlicher Fehler.

Kann aber nicht mit Quellenangabe dienen.
Ralf Joerres
2019-12-16 08:14:07 UTC
Permalink
Post by U***@web.de
Ich meine, ich hätte früher einmal gelesen, der
alleinige Gebrauch von 'zumal' als Konjunktion
sei ein unverzeihlicher Fehler.
Kann aber nicht mit Quellenangabe dienen.
Die Gralshüter des wahren Deutsch kaprizieren sich auf alles Mögliche.
Dem allen nachzugehen schafft einem Beschäftigung auf Monate und Jahre
- wer's mag... Mir genügt es, zu sehen, dass beides gut belegt und damit
sprachüblich ist. Allenfalls interessierten mich Gebrauchs- und Bedeutungs-
unterschiede, was ja dasselbe ist.

Gruß Ralf Joerres

U***@web.de
2019-12-12 15:24:15 UTC
Permalink
Post by Jakob Achterndiek
Post by U***@web.de
es geht hier weniger um das dort auch thematisierte Bier
als darum, daß man als Auswärtiger sehr genau hinhören
https://www.daserste.de/unterhaltung/film/filmmittwoch-im-ersten/videos/der-koenig-von-koeln-video-102.html
Das sind aber Kenner und Könner, die da sprechen; ein reiner Hörgenuß
für jeden, der dort einmal akklimatisiert gewesen ist.
Ist ja nicht uninteressant, der Film.

http://www.quotenmeter.de/n/114301/die-kritiker-der-koenig-von-koeln

Hm, was sind verstopfte Binden?

Nur die Versetzung der in ihrer Behörde als
übereifrig wahrgenommenen Staatsanwältin nach
Kellinghusen ist albern. Dort gibt es keine
Staatsanwaltschaft, und NRW ist da auch nicht.
René Marquardt
2019-12-13 23:52:53 UTC
Permalink
Post by Jakob Achterndiek
Post by U***@web.de
es geht hier weniger um das dort auch thematisierte Bier
als darum, daß man als Auswärtiger sehr genau hinhören
https://www.daserste.de/unterhaltung/film/filmmittwoch-im-ersten/videos/der-koenig-von-koeln-video-102.html
Das sind aber Kenner und Könner, die da sprechen; ein reiner Hörgenuß
für jeden, der dort einmal akklimatisiert gewesen ist. In manchen
anderen zeitgenössischen Filmen, in denen hochdeutsch gesprochen wird,
verstehe ich weniger. Es scheint so, als würde Sprecherziehung auf den
Schauspielschulen heute arg vernachlässigt. Ein Insider hat mir zudem
verraten, daß manche Filmregisseure sorgfältiges Sprechen als "nicht
naturalistisch" ablehnen.
Siehste, so verschieden ist das. Mir kommt die Sprache in aktuellen
Bewegtbildwerken aus Deutschland komplett synthetisch vor, als ob
eine "text to speech"-Maschine die Zeilen ausgeben wuerde.
Zuletzt zB in der Neuauflage von Die Welle auf Netflix. Grusel.
Bernd Schwegmann
2019-12-14 10:01:59 UTC
Permalink
Post by René Marquardt
Post by Jakob Achterndiek
Post by U***@web.de
es geht hier weniger um das dort auch thematisierte Bier
als darum, daß man als Auswärtiger sehr genau hinhören
https://www.daserste.de/unterhaltung/film/filmmittwoch-im-ersten/videos/der-koenig-von-koeln-video-102.html
Das sind aber Kenner und Könner, die da sprechen; ein reiner Hörgenuß
für jeden, der dort einmal akklimatisiert gewesen ist. In manchen
anderen zeitgenössischen Filmen, in denen hochdeutsch gesprochen wird,
verstehe ich weniger. Es scheint so, als würde Sprecherziehung auf den
Schauspielschulen heute arg vernachlässigt. Ein Insider hat mir zudem
verraten, daß manche Filmregisseure sorgfältiges Sprechen als "nicht
naturalistisch" ablehnen.
Siehste, so verschieden ist das. Mir kommt die Sprache in aktuellen
Bewegtbildwerken aus Deutschland komplett synthetisch vor, als ob
eine "text to speech"-Maschine die Zeilen ausgeben wuerde.
Zuletzt zB in der Neuauflage von Die Welle auf Netflix. Grusel.
O.a. "Welle" gehört zur Re-edjucation der ewig NS-geährdeten Natives in
Bunzreplik. Der zeitgenössische "Deutsche Film" lebt von den Zuwendungen
der staatlichen Filmförderung, und da ist die Nazzi-Juden Narrative
schon die halbe Miete.

In den Schauburgen (hö. hö, Nazzi-kontaminiert!) hat sowas kein
Publikum, nicht verwunderlich, und so reüssiert der Schmonzes bei den
"Merkelschnauzen" aka ÖRF et al.

SCNR
BS+
Ralf Joerres
2019-12-14 12:22:27 UTC
Permalink
Post by Jakob Achterndiek
Post by U***@web.de
es geht hier weniger um das dort auch thematisierte Bier
als darum, daß man als Auswärtiger sehr genau hinhören
https://www.daserste.de/unterhaltung/film/filmmittwoch-im-ersten/videos/der-koenig-von-koeln-video-102.html
Das sind aber Kenner und Könner, die da sprechen; ein reiner Hörgenuß
für jeden, der dort einmal akklimatisiert gewesen ist. In manchen
anderen zeitgenössischen Filmen, in denen hochdeutsch gesprochen wird,
verstehe ich weniger. Es scheint so, als würde Sprecherziehung auf den
Schauspielschulen heute arg vernachlässigt. Ein Insider hat mir zudem
verraten, daß manche Filmregisseure sorgfältiges Sprechen als "nicht
naturalistisch" ablehnen.
Nebenbei: In dem Satzgefüge oben erscheint mir das ".., um .. zu .."
zwar "idiomatisch" (was für mich inzwischen ein Pejorativum ist), aber
mit seiner Tendenz zur finalen, d.h. zweckgerichteten Aussage als fehl
am Platze.
--
j/\a
Ich hatte das verstanden als ein verkürztes "... nur um dann doch nicht
alles mitzubekommen."

Gruß Ralf Joerres
Ralf Joerres
2019-12-14 12:41:13 UTC
Permalink
Post by Ralf Joerres
Post by Jakob Achterndiek
Post by U***@web.de
es geht hier weniger um das dort auch thematisierte Bier
als darum, daß man als Auswärtiger sehr genau hinhören
Nebenbei: In dem Satzgefüge oben erscheint mir das ".., um .. zu .."
zwar "idiomatisch" (was für mich inzwischen ein Pejorativum ist), aber
mit seiner Tendenz zur finalen, d.h. zweckgerichteten Aussage als fehl
am Platze.
--
j/\a
Ich hatte das verstanden als ein verkürztes "... nur um dann doch nicht
alles mitzubekommen."
Nachtrag: Ich hatte das als konsekutiv gelesen. Die ironische Absicht ist
offensichtlich, das "um ... zu" bringt zusätzlich eine syntaktische Ironie
hinein: eben gerade *nicht*, um es *nicht* zu verstehen. Für mich ein
Ironieverstärker. Ulf meinte wohl dasselbe.

Gruß Ralf Joerres
Loading...