Discussion:
Wie hulle
(zu alt für eine Antwort)
Manfred Hoß
2019-12-01 22:12:34 UTC
Permalink
Bei Spiegel Online wurde in einem Artikel ein mir bis dato unbekannter
Ausdruck verwendet:

"Und wie in der Subprime-Häuserkrise wollen an dem Geschäft viele
mitverdienen. Der Markt für verbriefte hochriskante Autokredite boomt. Der
Handel "läuft wie hulle", sagte Jennifer Thomas von der Vermögensverwaltung
Loomis Sayles der "Financial Times"."
https://www.spiegel.de/wirtschaft/usa-verschuldung-durch-autokredite-steigt-amerikas-naechste-blase-a-1298698.html

Aus dem Zusammenhang geht die ungefähre Bedeutung von "wie hulle" hervor.
Was mir nicht klar ist, da ich den Begriff weder im Brockhaus-Wahrig noch
im Duden gefunden habe, wo kommt dieser Ausdruck her? Ist er in ganz
Deutschland gebräuchlich und mir bislang nur nicht begegnet oder taucht er
nur in einer bestimmten Region auf?

Gruß
Manfred.
Thomas Schade
2019-12-01 22:29:03 UTC
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Post by Manfred Hoß
Aus dem Zusammenhang geht die ungefähre Bedeutung von "wie hulle" hervor.
Was mir nicht klar ist, da ich den Begriff weder im Brockhaus-Wahrig noch
im Duden gefunden habe, wo kommt dieser Ausdruck her? Ist er in ganz
Deutschland gebräuchlich und mir bislang nur nicht begegnet oder taucht er
nur in einer bestimmten Region auf?
Ich kann die Qualität von redensarten.index.de nicht einschätzen, aber
zumindest wird 'wie Hulle' dort gefunden und erklärt.
<https://www.redensarten-index.de/suche.php?suchbegriff=~~wie%20Hulle&bool=relevanz&suchspalte%5B%5D=rart_ou>
Auch mundmische.de erklärt es ganz ähnlich.

Und es war offenbar vor vielen Jahren auch schon mal Thema in desd: :)
<https://de.etc.sprache.deutsch.narkive.com/aPAXI8Fk/woher-stammt-wie-hulle>


Ciao
Toscha
--
Ich kann allem widerstehen, nur der Versuchung nicht.
[Oscar Wilde]
Manfred Hoß
2019-12-02 21:18:45 UTC
Permalink
Post by Thomas Schade
Post by Manfred Hoß
Aus dem Zusammenhang geht die ungefähre Bedeutung von "wie hulle" hervor.
Was mir nicht klar ist, da ich den Begriff weder im Brockhaus-Wahrig noch
im Duden gefunden habe, wo kommt dieser Ausdruck her? Ist er in ganz
Deutschland gebräuchlich und mir bislang nur nicht begegnet oder taucht er
nur in einer bestimmten Region auf?
Ich kann die Qualität von redensarten.index.de nicht einschätzen, aber
zumindest wird 'wie Hulle' dort gefunden und erklärt.
<https://www.redensarten-index.de/suche.php?suchbegriff=~~wie%20Hulle&bool=relevanz&suchspalte%5B%5D=rart_ou>
Auch mundmische.de erklärt es ganz ähnlich.
Danke für den Hinweis. Die Quellen wurden hier in der Newsgroup bereits
erwähnt, aber ich hatte nicht mehr an sie gedacht.
Post by Thomas Schade
Und es war offenbar vor vielen Jahren auch schon mal Thema in desd: :)
<https://de.etc.sprache.deutsch.narkive.com/aPAXI8Fk/woher-stammt-wie-hulle>
Das war 2004. Leider reicht das "Gedächtnis" von meinem Newsgroupserver
Albasani nur bis 2007 zurück.

Gruß
Manfred.
Martin Gerdes
2019-12-01 23:12:05 UTC
Permalink
Post by Manfred Hoß
Bei Spiegel Online wurde in einem Artikel ein mir bis dato unbekannter
"Und wie in der Subprime-Häuserkrise wollen an dem Geschäft viele
mitverdienen. Der Markt für verbriefte hochriskante Autokredite boomt. Der
Handel "läuft wie hulle", sagte Jennifer Thomas von der Vermögensverwaltung
^^^^^^^^^

Eindeutiger Borealismus: "sehr stark", "sehr schnell", "sehr gut".

Ich habe den Ausdruck erst hierzustadt kennengelernt, er ist
umgangssprachlich ziemlich gängig, hierzustadt versteht den jeder.
Post by Manfred Hoß
Loomis Sayles der "Financial Times"."
https://www.spiegel.de/wirtschaft/usa-verschuldung-durch-autokredite-steigt-amerikas-naechste-blase-a-1298698.html
Aus dem Zusammenhang geht die ungefähre Bedeutung von "wie hulle" hervor.
Was mir nicht klar ist, da ich den Begriff weder im Brockhaus-Wahrig noch
im Duden gefunden habe, wo kommt dieser Ausdruck her? Ist er in ganz
Deutschland gebräuchlich
Eher nicht.
Post by Manfred Hoß
und mir bislang nur nicht begegnet oder taucht er nur in einer bestimmten Region auf?
Eher ja :-)

Wo nochmal sitzt die SpOn-Redaktion?
Christina Kunze
2019-12-02 20:55:34 UTC
Permalink
Post by Martin Gerdes
Post by Manfred Hoß
Bei Spiegel Online wurde in einem Artikel ein mir bis dato unbekannter
"Und wie in der Subprime-Häuserkrise wollen an dem Geschäft viele
mitverdienen. Der Markt für verbriefte hochriskante Autokredite boomt. Der
Handel "läuft wie hulle", sagte Jennifer Thomas von der Vermögensverwaltung
^^^^^^^^^
Eindeutiger Borealismus: "sehr stark", "sehr schnell", "sehr gut".
Nicht im Norden von Berlin.

chr
Frank Hucklenbroich
2019-12-02 08:11:31 UTC
Permalink
Post by Manfred Hoß
Bei Spiegel Online wurde in einem Artikel ein mir bis dato unbekannter
"Und wie in der Subprime-Häuserkrise wollen an dem Geschäft viele
mitverdienen. Der Markt für verbriefte hochriskante Autokredite boomt. Der
Handel "läuft wie hulle", sagte Jennifer Thomas von der Vermögensverwaltung
Loomis Sayles der "Financial Times"."
https://www.spiegel.de/wirtschaft/usa-verschuldung-durch-autokredite-steigt-amerikas-naechste-blase-a-1298698.html
Aus dem Zusammenhang geht die ungefähre Bedeutung von "wie hulle" hervor.
Was mir nicht klar ist, da ich den Begriff weder im Brockhaus-Wahrig noch
im Duden gefunden habe, wo kommt dieser Ausdruck her? Ist er in ganz
Deutschland gebräuchlich und mir bislang nur nicht begegnet oder taucht er
nur in einer bestimmten Region auf?
Ich kenne ihn hier in Köln. In Bezug auf gut laufende Geschäfte würde ich
ihn allerdings nicht verwenden, ich kenne den eher als Verstärkungswort für
bestimmte Eigenschaften: "Das Zeug klebt wie Hulle!". Also ganz besonders
stark.

Grüße,

Frank
Heinz Lohmann
2019-12-02 14:12:31 UTC
Permalink
Post by Manfred Hoß
Bei Spiegel Online wurde in einem Artikel ein mir bis dato unbekannter
"Und wie in der Subprime-Häuserkrise wollen an dem Geschäft viele
mitverdienen. Der Markt für verbriefte hochriskante Autokredite boomt. Der
Handel "läuft wie hulle", sagte Jennifer Thomas von der Vermögensverwaltung
Loomis Sayles der "Financial Times"."
https://www.spiegel.de/wirtschaft/usa-verschuldung-durch-autokredite-steigt-amerikas-naechste-blase-a-1298698.html
Aus dem Zusammenhang geht die ungefähre Bedeutung von "wie hulle" hervor.
Was mir nicht klar ist, da ich den Begriff weder im Brockhaus-Wahrig noch
im Duden gefunden habe, wo kommt dieser Ausdruck her? Ist er in ganz
Deutschland gebräuchlich und mir bislang nur nicht begegnet oder taucht er
nur in einer bestimmten Region auf?
Ich kenn es auch aus der Umgangssprache:
Es zieht hier wie hulle!
(MS-Land)

Der Redensarten-Index dazu:

umgangssprachlich, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Nordhessen,
Schleswig-Holstein; Die Herkunft ist nicht geklärt. Ein Zusammenhang mit
älteren rheinischen Bedeutungen des Wortes "Hulle" wie "Kopftuch,
Kopfbedeckung" (vergleiche "Hülle") oder "die Haut der Weinbeere, die
grüne Schale der Baumnuss, die Schote der Erbse" ist nicht herstellbar.
Eher handelt es sich um eine mundartliche Variante von "wie Hölle"

Das "wie Hölle" leuchtet mir ein.

<https://www.redensarten-index.de/suche.php?suchbegriff=~~wie%20Hulle&bool=relevanz&suchspalte%5B%5D=rart_ou>
--
mfg
Heinz Lohmann
Tamsui, Taiwan

Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat. W.B.
Andreas Karrer
2019-12-02 17:21:54 UTC
Permalink
Post by Heinz Lohmann
Es zieht hier wie hulle!
(MS-Land)
Motorschiff-Land? Microsoft-Land, Multiple-Sklerose-Land?

Ich glaub, ich hab das schon mal gefragt: Geht man in D davon aus, dass
jeder alle ~670 Autokennzeichen kennt? Oder wenigstens die ~300 ein-
und zweibuchstabigen? Lernt man das in der Schule, so wie Amis die
Bundesstaaten mit Hauptstädten lernen müssen?

Ich würde höchstens 2/3 der einbuchstabigen erraten. M für München
und E für Essen, solche Schilder hatte ich selbst mal, H für
Hannover, weil Hamburg HH hat, B, K, S, D für Berlin, Köln, Stuttgart
und Düsseldorf, aber dann wird's schon schwierig.

In der Schweiz gibts auf den Kennzeichen die 26 zweibuchstabigen
Kantonskürzel, die auch sonst bei jeder Gelegenheit benutzt werden,
viel häufiger als MV, BY, BW usw. in Deutschland. Das passt noch ohne
weiteres in meinen Kopf rein. Die 130 Kürzel in Österreich könnte
man notfalls lernen. Aber 300 oder 670?

- Andi
Thomas Schade
2019-12-02 17:52:40 UTC
Permalink
Post by Andreas Karrer
Ich glaub, ich hab das schon mal gefragt: Geht man in D davon aus, dass
jeder alle ~670 Autokennzeichen kennt? Oder wenigstens die ~300 ein-
und zweibuchstabigen? Lernt man das in der Schule, so wie Amis die
Bundesstaaten mit Hauptstädten lernen müssen?
Nein, in der Schule nicht, eher durch Neugier. :)

Ich denke auch nicht, dass jeder alle kennt, das dürften die wenigsten
sein. MS und einige andere sind aber eventuell aus TV-Serien, wie z. B.
'Tatort', bekannter als andere.
Mich wiederum hatte KK ratlos gemacht als ich Ende 2017 aus dem Ausland
zurückkam. Das musste ich auch nachschauen, obwohl es das früher schon
mal gab.


Ciao
Toscha
--
Der neue Faschismus wird nicht sagen, er sei der neuer Faschismus.
Er wird sagen: "Ich bin ja kein Nazi, aber ..."
HC Ahlmann
2019-12-02 19:14:05 UTC
Permalink
Post by Andreas Karrer
Ich glaub, ich hab das schon mal gefragt: Geht man in D davon aus, dass
jeder alle ~670 Autokennzeichen kennt? Oder wenigstens die ~300 ein-
und zweibuchstabigen? Lernt man das in der Schule, so wie Amis die
Bundesstaaten mit Hauptstädten lernen müssen?
Das lernte man bei Langeweile im Stau als Kind durch Kennzeichenquiz
oder las es in Taschenkalendern. Wer das eher nutzlose Wissen nicht
erworben hat, kann vielleicht mit mit Interesse und Kompetenz aufwarten,
nutzloses Wissen zu recherchieren:
<https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Kfz-Kennzeichen_in_Deutschland>
Man kann beides auch mangels Interesse lassen, getreu dem Kennzeichen
JEV – Jeder ein Verrückter.
--
Munterbleiben
HC

<http://hc-ahlmann.gmxhome.de/> Bordkassen, Kochen an Bord, Törnberichte
Klaus Dahlwitz
2019-12-03 16:00:44 UTC
Permalink
Post by HC Ahlmann
Man kann beides auch mangels Interesse lassen, getreu dem Kennzeichen
JEV – Jeder ein Verrückter.
Diese Interpretationen sind doch das einklich interessante.

Klaus, umgeben von Rübenzüchtern, wilden Landwirten und Provinzidioten
--
500: Vielen Dank, dass Sie bei uns einsteigen!
Leider ist unser Server gerade ausgestiegen.
(Fehlermeldung von hochbahn.de)
Hans
2019-12-02 22:16:54 UTC
Permalink
Post by Andreas Karrer
Post by Heinz Lohmann
Es zieht hier wie hulle!
(MS-Land)
Motorschiff-Land? Microsoft-Land, Multiple-Sklerose-Land?
Ich glaub, ich hab das schon mal gefragt: Geht man in D davon aus, dass
jeder alle ~670 Autokennzeichen kennt? Oder wenigstens die ~300 ein-
und zweibuchstabigen? Lernt man das in der Schule, so wie Amis die
Bundesstaaten mit Hauptstädten lernen müssen?
Ich würde höchstens 2/3 der einbuchstabigen erraten. M für München
und E für Essen, solche Schilder hatte ich selbst mal, H für
Hannover, weil Hamburg HH hat, B, K, S, D für Berlin, Köln, Stuttgart
und Düsseldorf, aber dann wird's schon schwierig.
In der Schweiz gibts auf den Kennzeichen die 26 zweibuchstabigen
Kantonskürzel, die auch sonst bei jeder Gelegenheit benutzt werden,
viel häufiger als MV, BY, BW usw. in Deutschland. Das passt noch ohne
weiteres in meinen Kopf rein. Die 130 Kürzel in Österreich könnte
man notfalls lernen. Aber 300 oder 670?
Da ist es in Ländern wie Schweden, Finnland, Estland oder Ungarn
einfacher: Die Kennzeichen, üblicherweise drei Buchstaben und drei
Ziffern, also XXX-999 sind "Versicherungskennzeichen" und lassen keinen
Schluß auf die Herkunft des Autos zu.

Hans
Bertel Lund Hansen
2019-12-03 08:59:35 UTC
Permalink
Post by Hans
Da ist es in Ländern wie Schweden, Finnland, Estland oder Ungarn
einfacher: Die Kennzeichen, üblicherweise drei Buchstaben und drei
Ziffern, also XXX-999 sind "Versicherungskennzeichen" und lassen keinen
Schluß auf die Herkunft des Autos zu.
In Dänemark als ich Kind war konnte man wissen, wo die Autos
registriert waren. Seit langem ist es nicht so. Die Buchstaben
sind zufällig - man nimmt die nächste Kombination, die frei ist.

System: BB ZZZZZ (Buchstab, Ziffer)

Man kann aber auch persönliche Kennzeichen kaufen. Das kostet
etwa 1000 €.
--
/Bertel - aus Dänemark
Hans
2019-12-03 09:04:52 UTC
Permalink
Post by Bertel Lund Hansen
Post by Hans
Da ist es in Ländern wie Schweden, Finnland, Estland oder Ungarn
einfacher: Die Kennzeichen, üblicherweise drei Buchstaben und drei
Ziffern, also XXX-999 sind "Versicherungskennzeichen" und lassen keinen
Schluß auf die Herkunft des Autos zu.
In Dänemark als ich Kind war konnte man wissen, wo die Autos
registriert waren. Seit langem ist es nicht so. Die Buchstaben
sind zufällig - man nimmt die nächste Kombination, die frei ist.
System: BB ZZZZZ (Buchstab, Ziffer)
Man kann aber auch persönliche Kennzeichen kaufen. Das kostet
etwa 1000 €.
Solche "Wunschkennzeichen" gibt es auch in Österreich. Doch müssen die
ersten 1-2 Buchstaben die Herkunft des Autofahrers zeigen.

Naja, egal, ich bin privilegiert und leiste mir den Luxus, mir kein Auto
zu leisten, was hier in Wien kein Problem ist, denn der öffentliche
Verkehr ist in den meisten Teilen Wiens gut organisiert.

Hans
Ralph Aichinger
2019-12-03 10:29:49 UTC
Permalink
Post by Hans
Solche "Wunschkennzeichen" gibt es auch in Österreich. Doch müssen die
ersten 1-2 Buchstaben die Herkunft des Autofahrers zeigen.
Besonders in Perg gibt das schöne Möglichkeiten ;)

https://www.pressreader.com/austria/heute-wien-ausgabe/20190626/281947429386963

/ralph
--
-----------------------------------------------------------------------------
https://aisg.at
ausserirdische sind gesund
Bertel Lund Hansen
2019-12-03 11:04:06 UTC
Permalink
Post by Hans
Naja, egal, ich bin privilegiert und leiste mir den Luxus, mir kein Auto
zu leisten,
Ich auch ... nur habe ich zur Zeit ein Auto, denn mein Vater
braucht es für eine Zeit nicht. Sonst fahre ich Fahrrad und fahre
mit dem öffentlichen Verkehr. Der könnte im generellen besser
sein, aber genau was ich brauche, ist zugänglich.
--
/Bertel - aus Dänemark
Andreas Karrer
2019-12-03 09:00:31 UTC
Permalink
Post by Hans
Post by Andreas Karrer
Post by Heinz Lohmann
Es zieht hier wie hulle!
(MS-Land)
Motorschiff-Land? Microsoft-Land, Multiple-Sklerose-Land?
Ich glaub, ich hab das schon mal gefragt: Geht man in D davon aus, dass
jeder alle ~670 Autokennzeichen kennt? Oder wenigstens die ~300 ein-
und zweibuchstabigen? Lernt man das in der Schule, so wie Amis die
Bundesstaaten mit Hauptstädten lernen müssen?
Ich würde höchstens 2/3 der einbuchstabigen erraten. M für München
und E für Essen, solche Schilder hatte ich selbst mal, H für
Hannover, weil Hamburg HH hat, B, K, S, D für Berlin, Köln, Stuttgart
und Düsseldorf, aber dann wird's schon schwierig.
In der Schweiz gibts auf den Kennzeichen die 26 zweibuchstabigen
Kantonskürzel, die auch sonst bei jeder Gelegenheit benutzt werden,
viel häufiger als MV, BY, BW usw. in Deutschland. Das passt noch ohne
weiteres in meinen Kopf rein. Die 130 Kürzel in Österreich könnte
man notfalls lernen. Aber 300 oder 670?
Da ist es in Ländern wie Schweden, Finnland, Estland oder Ungarn
einfacher: Die Kennzeichen, üblicherweise drei Buchstaben und drei
Ziffern, also XXX-999 sind "Versicherungskennzeichen" und lassen keinen
Schluß auf die Herkunft des Autos zu.
Die Leute mögen das aber. In Frankreich hatten früher die Kennzeichen
als letzte zwei Ziffern die Nummer des Departements. De Gaulle hatte
einen DS mit 1-PR-75, noch Chirac fuhr im offenen Citroën SM mit
2-PR-75 über die Champs-Élysées.

Das wurde aus irgendwelchen Gründen abgeschafft. Es gab enorme
Proteste, jetzt darf man die Departementsnummer klein im blauen Feld am
rechten Rand eintragen. Fast alle Autos haben das, auch Macrons DS7
Crossback.

- Andi
Detlef Meißner
2019-12-02 23:25:06 UTC
Permalink
Post by Andreas Karrer
Post by Heinz Lohmann
Es zieht hier wie hulle!
(MS-Land)
Motorschiff-Land? Microsoft-Land, Multiple-Sklerose-Land?
Ich glaub, ich hab das schon mal gefragt: Geht man in D davon aus, dass
jeder alle ~670 Autokennzeichen kennt? Oder wenigstens die ~300 ein-
und zweibuchstabigen? Lernt man das in der Schule, so wie Amis die
Bundesstaaten mit Hauptstädten lernen müssen?
Nein, aber Kinder lernen so etwas gern. Und später weiß eine ganze
Generation so etwas.

Blöd nur, wenn neue Zeichen hinzukommen, die man nicht gelernt hat.
Aber dafür gibt es ja heute das Internet.

Detlef
--
Verordnetes Gendern _ist_ Fundamentalismus!
[Henning Sponbiel]
Stefan Schmitz
2019-12-09 19:55:11 UTC
Permalink
Post by Andreas Karrer
Ich glaub, ich hab das schon mal gefragt: Geht man in D davon aus, dass
jeder alle ~670 Autokennzeichen kennt? Oder wenigstens die ~300 ein-
und zweibuchstabigen? Lernt man das in der Schule, so wie Amis die
Bundesstaaten mit Hauptstädten lernen müssen?
Die lernt man automatisch, wenn man sie immer wieder sieht und dann gesagt
bekommt oder nachliest.
Die bekanntesten Städte merkt man sich dann auch für länger.
Post by Andreas Karrer
Ich würde höchstens 2/3 der einbuchstabigen erraten. M für München
und E für Essen, solche Schilder hatte ich selbst mal, H für
Hannover, weil Hamburg HH hat, B, K, S, D für Berlin, Köln, Stuttgart
und Düsseldorf, aber dann wird's schon schwierig.
Bei den einbuchstabigen kommt man mit Raten ganz gut weiter. In der Regel haben
die größeren Städte die kürzeren Kennzeichen.
Detlef Meißner
2019-12-09 20:06:31 UTC
Permalink
Post by Stefan Schmitz
Post by Andreas Karrer
Ich glaub, ich hab das schon mal gefragt: Geht man in D davon aus, dass
jeder alle ~670 Autokennzeichen kennt? Oder wenigstens die ~300 ein-
und zweibuchstabigen? Lernt man das in der Schule, so wie Amis die
Bundesstaaten mit Hauptstädten lernen müssen?
Die lernt man automatisch, wenn man sie immer wieder sieht und dann gesagt
bekommt oder nachliest.
Die bekanntesten Städte merkt man sich dann auch für länger.
Post by Andreas Karrer
Ich würde höchstens 2/3 der einbuchstabigen erraten. M für München
und E für Essen, solche Schilder hatte ich selbst mal, H für
Hannover, weil Hamburg HH hat, B, K, S, D für Berlin, Köln, Stuttgart
und Düsseldorf, aber dann wird's schon schwierig.
Bei den einbuchstabigen kommt man mit Raten ganz gut weiter. In der Regel
haben die größeren Städte die kürzeren Kennzeichen.
Die ganz großen Städte nur einen Buchstaben, bis auf die Hansestädte.
Das galt für die alte BRD. Da viele Buchstaben(-kombinationen) bereits
vergeben waren, blieben für die großen DDR-Städte oft nur noch
Zwierkombinationen übrig, z.B. DD für Dresden.
Leipzig hatte Glück, dass sich der vorher gebildete Lahn-Kreis wieder
aufgelöst hat. So gab/gibt es zweimal L.

Detlef
--
Das Recht auf Dummheit gehört zur Garantie der freien Entfaltung der
Persönlichkeit. (Mark Twain)
Diedrich Ehlerding
2019-12-10 06:40:06 UTC
Permalink
Detlef Meißner meinte in desd:

[Autokennzeichen]
Post by Detlef Meißner
Die ganz großen Städte nur einen Buchstaben, bis auf die Hansestädte.
Das galt für die alte BRD. Da viele Buchstaben(-kombinationen) bereits
vergeben waren, blieben für die großen DDR-Städte oft nur noch
Zwierkombinationen übrig, z.B. DD für Dresden.
Die großen DDR-Städte waren halt kleiner als die großen BRD-Städte. Im
Osten gibt es, bezogen auf die Einwohnerzahl, sogar mehr
Einuchstabekennzeichen als im Westen.

Bei der Einführung des heutigen Kennzeichenschemas im Westen hat man
etliche Einzelbuchstaben für die erhoffte Wiedervereinigung freigehalten,
nämlich immer dann, wenn die betreffende Stadt in der damals "Ostzone"
oder "SBZ" genannten Gegend die größte ihres Anfangsbuchstabens war. Im
Falle D/DD ist Düsseldorf nunmal größer als Dresden. P war damals aber für
Postdam freigehalten worden, Z für Zwickau, G für Gera, J für Jena, C für
Chemnitz. Und auch ...
Post by Detlef Meißner
Leipzig hatte Glück, dass sich der vorher gebildete Lahn-Kreis wieder
aufgelöst hat. So gab/gibt es zweimal L.
... ursprünglich L für Leipzig. Dass L dann zwischenzeitlich für einen
Unfall der Gemeindereorganisationen verwendet wurde, zeigt, dass damals
kaum einer mehr an die Wiedervereinigung glaubte, die ja dann '89/90 in
der Tat recht überraschend kam. Und L wurde damals dann schnell wieder
freigeräumt.

Kein Sprach-Thema. ich schlage den Umzug in die Ostalgie-Gruppe vor.
--
pgp-Key (RSA) 1024/09B8C0BD
fingerprint = 2C 49 FF B2 C4 66 2D 93 6F A1 FF 10 16 59 96 F3
HTML-Mail wird ungeleſen entſorgt.
wolfgang sch
2019-12-10 07:23:32 UTC
Permalink
Post by Diedrich Ehlerding
Bei der Einführung des heutigen Kennzeichenschemas im Westen hat man
etliche Einzelbuchstaben für die erhoffte Wiedervereinigung
freigehalten,
Man hatte für sämtliche Kreise der DDR und der Ostgebiete Kennzeichen
freigehalten, 1991 hat man sich allerdings nicht durchgehend daran
gehalten.

https://de.wikipedia.org/wiki/Ostzonenverzeichnis_der_deutschen_Kfz-Kennzeichen
Post by Diedrich Ehlerding
nämlich immer dann, wenn die betreffende Stadt in der
damals "Ostzone" oder "SBZ" genannten Gegend die größte ihres
Anfangsbuchstabens war. Im Falle D/DD ist Düsseldorf nunmal größer als
Dresden. P war damals aber für Postdam freigehalten worden,
Nein P war ursprünglich für Poznan.
Post by Diedrich Ehlerding
Z für Zwickau, G für Gera, J für Jena, C für Chemnitz. Und auch ...
FU daf.ddr
--
Currently listening:


http://www.wschwanke.de/ http://www.fotos-aus-der-luft.de/

usenet_20031215 (AT) wschwanke (DOT) de
Quinn C
2019-12-02 17:41:34 UTC
Permalink
Post by Heinz Lohmann
Es zieht hier wie hulle!
(MS-Land)
[...]
Eher handelt es sich um eine mundartliche Variante von "wie Hölle"
Das "wie Hölle" leuchtet mir ein.
Jetzt hätte ich noch gerne eine einleuchtende Erklärung für die
Hechtsuppe.
--
es sol kain leitgeb eim paurnknecht nicht mer parigen
dann sein gurtelgewant, ... swert und gugel wert ist
österr. weist.
Frank Hucklenbroich
2019-12-03 14:11:07 UTC
Permalink
Post by Quinn C
Post by Heinz Lohmann
Es zieht hier wie hulle!
(MS-Land)
[...]
Eher handelt es sich um eine mundartliche Variante von "wie Hölle"
Das "wie Hölle" leuchtet mir ein.
Jetzt hätte ich noch gerne eine einleuchtende Erklärung für die
Hechtsuppe.
Angeblich aus dem Jiddischen/Hebräischen:

https://www.schule-und-familie.de/wissen-redewendungen/kategorie/woher-kommt-es-zieht-wie-hechtsuppe.html

Hech Supha = Sturmwind

Grüße,

Frank
Quinn C
2019-12-03 17:21:12 UTC
Permalink
Post by Frank Hucklenbroich
Post by Quinn C
Post by Heinz Lohmann
Es zieht hier wie hulle!
(MS-Land)
[...]
Eher handelt es sich um eine mundartliche Variante von "wie Hölle"
Das "wie Hölle" leuchtet mir ein.
Jetzt hätte ich noch gerne eine einleuchtende Erklärung für die
Hechtsuppe.
https://www.schule-und-familie.de/wissen-redewendungen/kategorie/woher-kommt-es-zieht-wie-hechtsuppe.html
Hech Supha = Sturmwind
Das mag einleuchtend sein, aber es fehlt an Belegen.

| Obwohl inhaltlich in dem Sinne stimmig, dass ja auch ein Sturm mit
| starken Winden zu tun hat, ist diese Lesart nicht unangefochten,
| weil eine solche jiddische Wendung von den Sprachwissenschaftlern
| nur schwer bis gar nicht nachgewiesen werden kann.

<https://www.redensarten.net/wie-hechtsuppe-ziehen/>

Sogar rein sprachlich scheint das umstritten zu sein:

| Richtig ist zwar, dass „hech“ mit „wie“ und „supha“ mit „Sturmwind“
| übersetzt wird. Falsch ist aber die inhaltliche Bedeutung. Denn
| „hech“ hat nicht die vergleichende Bedeutung des deutschen Wortes
| „wie“, sondern die eines Fragewortes. So wird aus „hech supha“ nicht
| „wie ein Sturmwind“ sondern „Wie? Sturmwind!“.

<http://www.stephans-leuchtfeuer.de/es-zieht-wie-hechtsuppe/>
--
Some things are taken away from you, some you leave behind-and
some you carry with you, world without end.
-- Robert C. Wilson, Vortex (novel), p.31
Oliver Voß
2019-12-02 18:34:25 UTC
Permalink
Post by Heinz Lohmann
umgangssprachlich, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Nordhessen,
Schleswig-Holstein; Die Herkunft ist nicht geklärt. Ein Zusammenhang mit
älteren rheinischen Bedeutungen des Wortes "Hulle" wie "Kopftuch,
Kopfbedeckung" (vergleiche "Hülle") oder "die Haut der Weinbeere, die
grüne Schale der Baumnuss, die Schote der Erbse" ist nicht herstellbar.
Eher handelt es sich um eine mundartliche Variante von "wie Hölle"
Das "wie Hölle" leuchtet mir ein.
Ich glaube ja eher, daß es sich um eine Variante von "wie Bolle"
handelt, was wiederum aller Wahrscheinlichkeit nach vom gleichnamigen
Berliner Milchhändler kommt.

Gruß,

Oliver
Florian Ritter
2019-12-03 20:30:28 UTC
Permalink
Post by Oliver Voß
Post by Heinz Lohmann
Das "wie Hölle" leuchtet mir ein.
Ich glaube ja eher, daß es sich um eine Variante von "wie Bolle"
handelt, was wiederum aller Wahrscheinlichkeit nach vom gleichnamigen
Berliner Milchhändler kommt.
Nee, dis kommt von einem alten Berliner Lied, in dem geschildert
wird, wie ein Bolle einen Ausflug nach Pankow unternimmt und sich
dabei trotz diverser Mißlichkeiten ausnehmend amüsiert - FR
Ralf Joerres
2019-12-14 12:17:40 UTC
Permalink
Post by Oliver Voß
Post by Heinz Lohmann
umgangssprachlich, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Nordhessen,
Schleswig-Holstein; Die Herkunft ist nicht geklärt. Ein Zusammenhang mit
älteren rheinischen Bedeutungen des Wortes "Hulle" wie "Kopftuch,
Kopfbedeckung" (vergleiche "Hülle") oder "die Haut der Weinbeere, die
grüne Schale der Baumnuss, die Schote der Erbse" ist nicht herstellbar.
Eher handelt es sich um eine mundartliche Variante von "wie Hölle"
Das "wie Hölle" leuchtet mir ein.
Ich glaube ja eher, daß es sich um eine Variante von "wie Bolle"
handelt, was wiederum aller Wahrscheinlichkeit nach vom gleichnamigen
Berliner Milchhändler kommt.
Für mich ist zunächst mal diese Bedeutungserklärung gut nachvollziehbar:

"vielsagender Vergleichsmaßstab ('Sieht aus wie Hulle'), der immer dann
benutzt wird, wenn differenzierte sprachliche Umschreibungen aufgrund der
Eindrucksfülle ausgegangen sind"

( http://www.ruhrgebietssprache.de/lexikon/hulle.html )

Wenn man ein bisschen rumkuckt, findet man durchaus Formulierungen wie

"sich freuen wie Hulle"
"stolz Wie Hulle"

Ich kannte passiv "sich freuen wie Bolle" (bei mir: wie ein Schneekönig) und
"stolz wie Bolle" (für mich eher "stolz wie Oskar"), das sich wiederum laut
Wikipedia von "frech wie Oskar" herleiten soll. Mit 'frech' war mir bislang
nur "frech wie Dreck" geläufig, und mit 'Dreck' gab's bei mir auch "jemanden
wie (den letzten) Dreck behandeln". All diese Standardvergleiche scheinen
nicht absolut fest zu sein.

Bei 'stolz/sich freuen wie Hulle/Bolle' kann ich mir Verhör- oder Erinnerungs-
fehler bzw. Erinnerungs-Vermischungen (Kontaminationen) vorstellen.

Es wird wohl oft vorkommen, dass man beim Sprechen in einen Vergleich
hineinmarschiert, um dann festzustellen, dass einem der Standardvergleich
nicht einfällt, bzw. dass es dafür, was einem vorschwebt, keine etablierte
Vergleichs-Redewendung gibt. Dann braucht man ein Allround-Vergleichswort,
und 'wie Hulle' bietet sich dafür in vielen Fällen an. Es scheint eher
negativ gemeint zu sein, oder kann man auch sagen "die Sonne scheint wie
Hulle"? Vielleicht, aber dann ist wohl sowas gemeint wie "knallt richtig
runter", also "zuviel des Guten".

In meiner Jugend gab's kein "stinkt wie Hulle", das hieß immer "stinkt
wie die Pest" oder "bestialisch". Ähnlich:

brennen wie Hulle - brennen wie Zunder / wie Gift
regnen wie Hulle - es gießt/regnet wie aus Kübeln/Eimern (bzw. Bindfäden usw.)
(die Wirtschaft/der Laden) läuft wie Hulle - wie geschmiert, besser: brummt
bei den neuen Nachbarn sieht's aus wie Hulle - wie bei Hempels (unterm Sofa)
jemand qualmt wie Hulle - raucht wie ein Schlot
zieht/geht ab wie Hulle - wie e. Rakete/wie Schmidts Katze/wie ein Zäpfchen
dumm wie Hulle - wie Bohnenstroh / wie Brot

Für viele hab ich aber nix:
der Parcours ist anstrengend wie Hulle
nervös wie Hulle
nervt wie Hulle
der Server laggt (hängt/arbeitet langsam) wie Hulle

usw.

Grundsätzlich fällt mir auf, dass Redewendungen heute gemischt werden, wie
im Genlabor: dumm wie ein Turnschuh (fit), sitzt wie eine Eins (steht),
umfallen wie die Axt im Walde (Benehmen; wie Dominosteine); umfallen wie
Fliegen (sterben wie die Fl.); e. Unterschied wie schwarz und weiß (Gegen-
satz; wie Tag u. Nacht); fit wie Nachbars Lumpi (spitz); sich prügeln wie
(die) Fischweiber (s. zanken/keifen/schelten/tratschen...; wie (die) Kessel-
flicker) usw.

Gruß Ralf Joerres

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