Discussion:
"Er" - fuer eine Frau?
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Stefan Ram
2019-12-27 22:12:57 UTC
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Nehmen wir einmal an, daß der folgenden Satz von einer Frau
spricht:

|Dieser Mensch heißt "Marie".

. Es ist unstrittig, daß Frauen auch Menschen sind.
Also ist es auch möglich, daß ein Mensch "Marie" heißt.
Und das Genus von "Mensch" ist das Maskulinum.

Nun soll über Marie im nächsten Satz etwas gesagt
werden, wobei die folgenden beiden Möglichkeiten zur
Auswahl stehen:

|Er geht gerne essen.

und

|Sie geht gerne essen.

. Ist es nicht so, daß man sich nur mit "er" auf "dieser
Mensch" beziehen kann, aber nicht mit "sie"? (Außer in der
Umgangssprache.)

Dann kann man sich also unter gewissen Umständen mit "er"
auf eine Frau beziehen?

Man könnte das ja dann so fortführen:

|Heute will er griechisch essen gehen. Dafür hat er sich
|extra ein neues Kleid gekauft. ...

.
Jan Bruns
2019-12-28 00:56:55 UTC
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. Ist es nicht so, daß man sich nur mit "er" auf "dieser Mensch"
beziehen kann, aber nicht mit "sie"? (Außer in der Umgangssprache.)
Nö.
Dann kann man sich also unter gewissen Umständen mit "er" auf eine
Frau beziehen?
|Heute will er griechisch essen gehen. Dafür hat er sich |extra ein
neues Kleid gekauft. ...
Ja. Auf ähnliche Weise kann man auch von der 2. Person in der 3. Person
reden/schreiben. Das mache ich manchmal, bspw. um bei einem Vortrag von
Kritik ganz nebenbei auch zu vermitteln, wie sich eine Aussenperspektive
darstellen kann.

Gruss

Jan Bruns
René Marquardt
2019-12-28 04:30:13 UTC
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Mir geht ja schon "es" für ein Mädchen auf den Zeiger.
Christina Kunze
2019-12-28 09:43:58 UTC
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Post by Stefan Ram
Nehmen wir einmal an, daß der folgenden Satz von einer Frau
|Dieser Mensch heißt "Marie".
. Es ist unstrittig, daß Frauen auch Menschen sind.
Also ist es auch möglich, daß ein Mensch "Marie" heißt.
Und das Genus von "Mensch" ist das Maskulinum.
Nun soll über Marie im nächsten Satz etwas gesagt
werden, wobei die folgenden beiden Möglichkeiten zur
|Er geht gerne essen.
und
|Sie geht gerne essen.
. Ist es nicht so, daß man sich nur mit "er" auf "dieser
Mensch" beziehen kann, aber nicht mit "sie"? (Außer in der
Umgangssprache.)
Nein. Dieselbe Diskussion gibt es schon seit Jahrzehnten mit den
Bezugnahmen auf "Mädchen". Hier hat sich inzwischen auch weitgehend
durchgesetzt, in den anschließenden Sätzen "sie" zu verwenden und nicht
"es", wie es die Genuskongruenz erforderte und auch früher gehandhabt wurde.

chr
Martin Udelhoven
2019-12-28 09:44:19 UTC
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Post by Stefan Ram
|Dieser Mensch heißt "Marie".
[...]
|Er geht gerne essen.
und
|Sie geht gerne essen.
Hier finde ich, dass der Bezug durch den Hinweis 'dieser Mensch heißt
Marie' bereits hinreichend auf ebendiese Marie umgebogen wurde, im
Folgenden also 'sie' zu stehen hat.
Post by Stefan Ram
. Ist es nicht so, daß man sich nur mit "er" auf "dieser
Mensch" beziehen kann, aber nicht mit "sie"? (Außer in der
Umgangssprache.)
Dann kann man sich also unter gewissen Umständen mit "er"
auf eine Frau beziehen?
Etwas spezieller ist der Fall, wenn von 'jemand' gesprochen wird.
Ich habe gelegentlich gehört, wie Frauen über sich sprechen: "Ich bin
jemand (sie ist jemand), der diese und jene Eigenschaft hat. Ob eine
solche Selbstbeschreibung angemessen ist, sei mal dahingestellt,
jedenfalls klingt mir dieses jedes mal schräg, da das Pronomen 'jemand'
doch eigentlich gar kein Genus hat, oder? Vielleicht deutet das darin
klingende 'man' scheinbar auf ein Maskulinum hin, ist aber dann wohl eine
Fehldeutung.

Martin
Detlef Meißner
2019-12-28 10:14:10 UTC
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Post by Stefan Ram
|Dieser Mensch heißt "Marie".
[...]
|Er geht gerne essen.
und
|Sie geht gerne essen.
Hier finde ich, dass der Bezug durch den Hinweis 'dieser Mensch heißt Marie'
bereits hinreichend auf ebendiese Marie umgebogen wurde, im Folgenden also
'sie' zu stehen hat.
Dazu müsste man aber wissen, dass Marie eine weibliche Person ist.

Detlef
--
Die Mathematik lehrt uns, dass man Nullen nicht übersehen darf.
René Marquardt
2019-12-28 13:28:33 UTC
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Post by Detlef Meißner
Post by Stefan Ram
|Dieser Mensch heißt "Marie".
[...]
|Er geht gerne essen.
und
|Sie geht gerne essen.
Hier finde ich, dass der Bezug durch den Hinweis 'dieser Mensch heißt Marie'
bereits hinreichend auf ebendiese Marie umgebogen wurde, im Folgenden also
'sie' zu stehen hat.
Dazu müsste man aber wissen, dass Marie eine weibliche Person ist.
Hihi, was legst du dich hier ohne Not mit den Gender-Bekloppten an!?
Auweia, ex hat was binaer-heteronormatives gesagt, steinigt ihrm!
Detlef Meißner
2019-12-28 14:17:50 UTC
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Post by René Marquardt
Post by Detlef Meißner
Post by Martin Udelhoven
Post by Stefan Ram
Dieser Mensch heißt "Marie".
[...]
Post by Stefan Ram
Er geht gerne essen.
und
Post by Stefan Ram
Sie geht gerne essen.
Hier finde ich, dass der Bezug durch den Hinweis 'dieser Mensch heißt
Marie' bereits hinreichend auf ebendiese Marie umgebogen wurde, im
Folgenden also 'sie' zu stehen hat.
Dazu müsste man aber wissen, dass Marie eine weibliche Person ist.
Hihi, was legst du dich hier ohne Not mit den Gender-Bekloppten an!?
Auweia, ex hat was binaer-heteronormatives gesagt, steinigt ihrm!
Mache ich doch gern. ;-)

Aber das war nicht mein Ansinnen, denke z.B. an "Andrea".

Und dass Männer als Vornamen *auch* Maria haben, ist bekannt - oder
eben auch nicht.

Detlef
--
Unfähigkeit ist nicht ganz durch Gewalt zu ersetzen.
(Brupbacher)
René Marquardt
2019-12-28 17:24:34 UTC
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Post by Detlef Meißner
Post by René Marquardt
Post by Detlef Meißner
Post by Martin Udelhoven
Post by Stefan Ram
Dieser Mensch heißt "Marie".
[...]
Post by Stefan Ram
Er geht gerne essen.
und
Post by Stefan Ram
Sie geht gerne essen.
Hier finde ich, dass der Bezug durch den Hinweis 'dieser Mensch heißt
Marie' bereits hinreichend auf ebendiese Marie umgebogen wurde, im
Folgenden also 'sie' zu stehen hat.
Dazu müsste man aber wissen, dass Marie eine weibliche Person ist.
Hihi, was legst du dich hier ohne Not mit den Gender-Bekloppten an!?
Auweia, ex hat was binaer-heteronormatives gesagt, steinigt ihrm!
Mache ich doch gern. ;-)
Aber das war nicht mein Ansinnen, denke z.B. an "Andrea".
Und dass Männer als Vornamen *auch* Maria haben, ist bekannt - oder
eben auch nicht.
Oh weh oh weh, jetzt tust du immer noch so, als ob M und W die einzigen
zwei Optionen sind. Du kannst doch nicht einfach so all die 538 anderen
Geschlechter ignorieren!

Ach ja, und nur um sicher zu gehen: /s
Detlef Meißner
2019-12-28 17:29:56 UTC
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Post by René Marquardt
Post by Detlef Meißner
Post by René Marquardt
Post by Detlef Meißner
Post by Martin Udelhoven
Dieser Mensch heißt "Marie". [...]
Er geht gerne essen.
und
Sie geht gerne essen.
Hier finde ich, dass der Bezug durch den Hinweis 'dieser Mensch heißt
Marie' bereits hinreichend auf ebendiese Marie umgebogen wurde, im
Folgenden also 'sie' zu stehen hat.
Dazu müsste man aber wissen, dass Marie eine weibliche Person ist.
Hihi, was legst du dich hier ohne Not mit den Gender-Bekloppten an!?
Auweia, ex hat was binaer-heteronormatives gesagt, steinigt ihrm!
Mache ich doch gern. ;-)
Aber das war nicht mein Ansinnen, denke z.B. an "Andrea".
Und dass Männer als Vornamen *auch* Maria haben, ist bekannt - oder
eben auch nicht.
Oh weh oh weh, jetzt tust du immer noch so, als ob M und W die einzigen
zwei Optionen sind. Du kannst doch nicht einfach so all die 538 anderen
Geschlechter ignorieren!
Doch, doch, das kann ich - und das ganz ohne Probleme!
Post by René Marquardt
Ach ja, und nur um sicher zu gehen: /s
Du Feigling aus Texas! ;-)

Detlef
--
Die eigentliche Aufgabe eines Freundes ist, dir beizustehen, wenn du im
Unrecht bist. Jedermann ist auf deiner Seite, wenn du im Recht bist.
(Mark Twain)
Quinn C
2019-12-29 17:22:53 UTC
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Post by René Marquardt
Post by Detlef Meißner
Post by René Marquardt
Post by Detlef Meißner
Post by Martin Udelhoven
Post by Stefan Ram
Dieser Mensch heißt "Marie".
[...]
Post by Stefan Ram
Er geht gerne essen.
und
Post by Stefan Ram
Sie geht gerne essen.
Hier finde ich, dass der Bezug durch den Hinweis 'dieser Mensch heißt
Marie' bereits hinreichend auf ebendiese Marie umgebogen wurde, im
Folgenden also 'sie' zu stehen hat.
Dazu müsste man aber wissen, dass Marie eine weibliche Person ist.
Hihi, was legst du dich hier ohne Not mit den Gender-Bekloppten an!?
Auweia, ex hat was binaer-heteronormatives gesagt, steinigt ihrm!
Mache ich doch gern. ;-)
Aber das war nicht mein Ansinnen, denke z.B. an "Andrea".
Und dass Männer als Vornamen *auch* Maria haben, ist bekannt - oder
eben auch nicht.
Oh weh oh weh, jetzt tust du immer noch so, als ob M und W die einzigen
zwei Optionen sind. Du kannst doch nicht einfach so all die 538 anderen
Geschlechter ignorieren!
Es ist nun hinreichend klar, daß aus Deiner Sicht in dieser Frage von
Deiner abweichende Auffassungen ohne Auseinandersetzung verworfen
werden können.
Post by René Marquardt
Ach ja, und nur um sicher zu gehen: /s
Ich nehme mal an, das ist ein Sarkasmus-Indikator. Bezieht sich aber
sicher nur auf die Zahl 538.
--
die pfaffen mit ihren platten,
die münch mit ihren gugeln schon
bergreihen 26 ndr.
Susanne Jäger
2019-12-30 22:37:41 UTC
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Post by René Marquardt
Oh weh oh weh, jetzt tust du immer noch so, als ob M und W die einzigen
zwei Optionen sind. Du kannst doch nicht einfach so all die 538 anderen
Geschlechter ignorieren!
wie kommst du auf 539? Die Erkenntnis der Vielfalt ist keine neumodische
Erfindung sondern über 90 Jahre alt. Damals kam Hirschfeld auf 43046721
Sexualtypen.
https://magnus-hirschfeld.de/institut/theorie-praxis/sexuelle-zwischenstufen/

Gruß
Susanne
René Marquardt
2019-12-30 23:54:06 UTC
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Post by Susanne Jäger
Post by René Marquardt
Oh weh oh weh, jetzt tust du immer noch so, als ob M und W die einzigen
zwei Optionen sind. Du kannst doch nicht einfach so all die 538 anderen
Geschlechter ignorieren!
wie kommst du auf 539?
Grobe Uebertreibung.
Post by Susanne Jäger
Die Erkenntnis der Vielfalt ist keine neumodische
Erfindung sondern über 90 Jahre alt. Damals kam Hirschfeld auf 43046721
Sexualtypen.
https://magnus-hirschfeld.de/institut/theorie-praxis/sexuelle-zwischenstufen/
Mit der Zaehlweise stellt VW auch 43046721 verschiedene Modelle her,
wenn jede Sitzbezug-Variante, Standard oder Automatik,
jede Farbkombination und Motorisierung, jegliche Sonderausstattung als eigenes Modell gezaehlt wird.
Bertel Lund Hansen
2019-12-28 10:20:30 UTC
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Vielleicht deutet das darin klingende 'man' scheinbar auf ein
Maskulinum hin, ist aber dann wohl eine Fehldeutung.
Duden [Herkunft]:
mittelhochdeutsch ieman, althochdeutsch ioman, eoman,
aus: io, eo = immer und man = Mann, Mensch
--
/Bertel - aus Dänemark
U***@web.de
2019-12-28 10:23:06 UTC
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Post by Bertel Lund Hansen
Vielleicht deutet das darin klingende 'man' scheinbar auf ein
Maskulinum hin, ist aber dann wohl eine Fehldeutung.
mittelhochdeutsch ieman, althochdeutsch ioman, eoman,
aus: io, eo = immer und man = Mann, Mensch
Und im Dänischen schreibt man noxch heute 'mand'.
Martin Udelhoven
2019-12-28 10:48:09 UTC
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Post by Bertel Lund Hansen
Vielleicht deutet das darin klingende 'man' scheinbar auf ein
Maskulinum hin, ist aber dann wohl eine Fehldeutung.
mittelhochdeutsch ieman, althochdeutsch ioman, eoman,
aus: io, eo = immer und man = Mann, Mensch
Die Herkunft gibt aber keine Auskunft über ein reales Genus.
Im Duden online findet sich gleich in der ersten Wortbedeutung diese
Aufzählung von Beispielverwendungen:

- ich kenne jemand/jemanden, der schon dort gewesen ist
- ich treffe mich heute mit jemand/jemandem, der das Hotel schon kennt
- sie ist jemand, die/der nicht so schnell aufgibt

Hier sieht mal also, dass 'jemand' auch weiblichen Bezug haben kann
(drittes Beispiel) und interessanterweise, dass es mit 'jemandem' gebeugt
und auf dadurch Maskulinum fixiert werden kann. Dies geht dann aber
offenbar nicht mit Femininum und Neutrum, wenn ich das richtig sehe.

Martin
Christina Kunze
2019-12-28 10:21:54 UTC
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Post by Martin Udelhoven
Etwas spezieller ist der Fall, wenn von 'jemand' gesprochen wird.
Ich habe gelegentlich gehört, wie Frauen über sich sprechen: "Ich bin
jemand (sie ist jemand), der diese und jene Eigenschaft hat.
Ist das vielleicht eine neue sprachliche Marotte? Meine jugendlichen
Kinder fangen schon seit einiger Zeit Sätze gern mit "Ich bin/er ist ja
nicht so die Person, die $irgendwas tut."
Erster Verdacht: Englisch.

Im vergangenen Jahr habe ich einige Male lachen müssen, wenn sie mir
ihre Erkenntnisse aus irgendwelchen Videos erzählen. Favorit und bei uns
inzwischen Synonym für Anglizismus ist das öffentliche Badezimmer.

chr
Michael Pachta
2019-12-28 12:13:42 UTC
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Post by Christina Kunze
Favorit und bei uns
inzwischen Synonym für Anglizismus ist das öffentliche Badezimmer.
Oder der öffentliche Ruheraum.
Stefan+ (Stefan Froehlich)
2019-12-28 18:11:58 UTC
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Post by Michael Pachta
Favorit und bei uns inzwischen Synonym für Anglizismus ist das
öffentliche Badezimmer.
Oder der öffentliche Ruheraum.
Am Ende des Tages wird uns das alles gar nicht mehr auffallen.

Servus,
Stefan
--
http://kontaktinser.at/ - die kostenlose Kontaktboerse fuer Oesterreich
Offizieller Erstbesucher(TM) von mmeike

Stefan - der Glaube zu beerdigen!
(Sloganizer)
Stefan Schmitz
2020-01-05 17:47:09 UTC
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Post by Michael Pachta
Post by Christina Kunze
Favorit und bei uns
inzwischen Synonym für Anglizismus ist das öffentliche Badezimmer.
Oder der öffentliche Ruheraum.
Sagt mir beides nichts.
René Marquardt
2020-01-05 18:30:30 UTC
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Post by Stefan Schmitz
Post by Michael Pachta
Post by Christina Kunze
Favorit und bei uns
inzwischen Synonym für Anglizismus ist das öffentliche Badezimmer.
Oder der öffentliche Ruheraum.
Sagt mir beides nichts.
Badezimmer oder Ruheraum (bathroom, restroom) als Euphemismen fuer Scheisshaus
(so ziemlich alle anderen Woerter dafuer sind im deutschen ebenfalls
Euphemismen) sagen dir darum nichts, weil der in Amerika (wo die Euphemismen
restroom und bathroom herkommen) uebliche Brauch, Kunden wie Nichtkunden
die Benutzung der Toilette zu gestatten, in Deutschland schlicht unbekannt ist,
und somit die verschaemte Frage, ob man wohl die Richtung dieser Einrichtung
im Ladenlabyrinth angezeigt bekommen koennte, auf deutsch nur selten vorkommt;
und ich daher die Behauptung, dass "oeffentliches Badezimmer" oder "Ruheraum"
als Anglizismus oder Lehnuebersetzung sich durchgesetzt haetten, anzweifle.
Christina Kunze
2020-01-06 21:11:41 UTC
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Post by René Marquardt
Post by Stefan Schmitz
Post by Michael Pachta
Post by Christina Kunze
Favorit und bei uns
inzwischen Synonym für Anglizismus ist das öffentliche Badezimmer.
Oder der öffentliche Ruheraum.
Sagt mir beides nichts.
Badezimmer oder Ruheraum (bathroom, restroom) als Euphemismen fuer Scheisshaus
(so ziemlich alle anderen Woerter dafuer sind im deutschen ebenfalls
Euphemismen) sagen dir darum nichts, weil der in Amerika (wo die Euphemismen
restroom und bathroom herkommen) uebliche Brauch, Kunden wie Nichtkunden
die Benutzung der Toilette zu gestatten, in Deutschland schlicht unbekannt ist,
und somit die verschaemte Frage, ob man wohl die Richtung dieser Einrichtung
im Ladenlabyrinth angezeigt bekommen koennte, auf deutsch nur selten vorkommt;
und ich daher die Behauptung, dass "oeffentliches Badezimmer" oder "Ruheraum"
als Anglizismus oder Lehnuebersetzung sich durchgesetzt haetten, anzweifle.
Es war ja auch nicht als Lehnübersetzung gemeint. Synonym wie ein
vierstöckiger Hausbesitzer, wenn Du verstehst, was ich meine.
Ein Kind hat irgendwas über öffentliche Toiletten gesehen und mir
erzählt, dass in einem "öffentlichen Badezimmer" irgendwas irgendwie
eingerichtet ist, und ich fand den Fehler so lustig, dass ich das statt
"Anglizismus" übernommen habe.

Die öffentliche Toilette zwischen Bedürfnisanstalt und Badezimmer oder so.

chr
Quinn C
2020-01-06 22:57:03 UTC
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Post by René Marquardt
Post by Stefan Schmitz
Post by Michael Pachta
Post by Christina Kunze
Favorit und bei uns
inzwischen Synonym für Anglizismus ist das öffentliche Badezimmer.
Oder der öffentliche Ruheraum.
Sagt mir beides nichts.
Badezimmer oder Ruheraum (bathroom, restroom) als Euphemismen fuer Scheisshaus
Oder auch Waschraum (washroom) in Kanada.
Post by René Marquardt
(so ziemlich alle anderen Woerter dafuer sind im deutschen ebenfalls
Euphemismen) sagen dir darum nichts, weil der in Amerika (wo die Euphemismen
restroom und bathroom herkommen) uebliche Brauch, Kunden wie Nichtkunden
die Benutzung der Toilette zu gestatten, in Deutschland schlicht unbekannt ist,
und somit die verschaemte Frage, ob man wohl die Richtung dieser Einrichtung
im Ladenlabyrinth angezeigt bekommen koennte, auf deutsch nur selten vorkommt;
Quark. Man fragt danach seit jeher als "Toilette" - wie auch im
französischsprachigen Amerika.

Auch das war ursprünglich ein Euphemismus, wird aber im Gegensatz zu
den obigen heute nicht mehr als solcher wahrgenommen.
--
gugelfug, m., späsze, unfug
GRIMM, Deutsches Wörterbuch
Helmut Richter
2019-12-28 10:47:58 UTC
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Hier finde ich, dass der Bezug durch den Hinweis 'dieser Mensch heißt Marie'
bereits hinreichend auf ebendiese Marie umgebogen wurde, im Folgenden also
'sie' zu stehen hat.
Sehe ich ganz genauso. Der Wechsel des Genus durch dazwischengeschaltetes
Prädikatsnomen geht aber normalerweise nicht. Ich würde beispielsweise

Diese Pflanze heißt Löwenzahn. Er bekommt im Frühling gelbe Blüten.

als falsch empfinden.
--
Helmut Richter
Martin Udelhoven
2019-12-28 11:07:01 UTC
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Post by Helmut Richter
Sehe ich ganz genauso. Der Wechsel des Genus durch
dazwischengeschaltetes
Prädikatsnomen geht aber normalerweise nicht. Ich würde beispielsweise
Diese Pflanze heißt Löwenzahn. Er bekommt im Frühling gelbe Blüten.
als falsch empfinden.
Treffendes Gegenbeispiel.
Wie sieht es aus mit "Diese Pflanze ist der Löwenzahn"?

Martin
Martin Gerdes
2019-12-29 00:17:27 UTC
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Post by Helmut Richter
Hier finde ich, dass der Bezug durch den Hinweis 'dieser Mensch heißt Marie'
bereits hinreichend auf ebendiese Marie umgebogen wurde, im Folgenden also
'sie' zu stehen hat.
Sehe ich ganz genauso. Der Wechsel des Genus durch dazwischengeschaltetes
Prädikatsnomen geht aber normalerweise nicht. Ich würde beispielsweise
Diese Pflanze heißt Löwenzahn. Er bekommt im Frühling gelbe Blüten.
als falsch empfinden.
Ich mag Pronomina nicht besonders und setze sie selbst nur sparsam ein.
Es mag bisweilen holprig klingen, statt des Pro-Nomens das Nomen setzen,
für das das Pro-Nomen steht, aber es ist jedenfalls eindeutig. Also:

| Diese Pflanze heißt Löwenzahn. Der Löwenzahn bekommt im Frühling gelbe Blüten.
Quinn C
2019-12-29 17:15:34 UTC
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Post by Helmut Richter
Hier finde ich, dass der Bezug durch den Hinweis 'dieser Mensch heißt Marie'
bereits hinreichend auf ebendiese Marie umgebogen wurde, im Folgenden also
'sie' zu stehen hat.
Sehe ich ganz genauso. Der Wechsel des Genus durch dazwischengeschaltetes
Prädikatsnomen geht aber normalerweise nicht. Ich würde beispielsweise
Diese Pflanze heißt Löwenzahn. Er bekommt im Frühling gelbe Blüten.
als falsch empfinden.
Sehe ich auch so. Insofern scheinen auch im Deutschen für Menschen
etwas andere Regeln zu gelten. Zwar erwartet man nicht, wie im
Englischen, daß das Pronomen immer das persönliche Geschlecht
wiedergibt und nicht das grammatische, aber bevorzugt wird es durchaus.

Interessanterweise ist das folgende für mich unproblematisch:

Diese Pflanze ist der Löwenzahn. Er bekommt im Frühling gelbe Blüten.

Subtiler Unterschied.
--
GUGELFAHRT, f., mutwilliges treiben, lärmende lustbarkeit
GRIMM, Deutsches Wörterbuch
Stefan Schmitz
2020-01-05 17:45:46 UTC
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Post by Quinn C
Post by Helmut Richter
Hier finde ich, dass der Bezug durch den Hinweis 'dieser Mensch heißt Marie'
bereits hinreichend auf ebendiese Marie umgebogen wurde, im Folgenden also
'sie' zu stehen hat.
Sehe ich ganz genauso. Der Wechsel des Genus durch dazwischengeschaltetes
Prädikatsnomen geht aber normalerweise nicht. Ich würde beispielsweise
Diese Pflanze heißt Löwenzahn. Er bekommt im Frühling gelbe Blüten.
als falsch empfinden.
Sehe ich auch so. Insofern scheinen auch im Deutschen für Menschen
etwas andere Regeln zu gelten. Zwar erwartet man nicht, wie im
Englischen, daß das Pronomen immer das persönliche Geschlecht
wiedergibt und nicht das grammatische, aber bevorzugt wird es durchaus.
Diese Pflanze ist der Löwenzahn. Er bekommt im Frühling gelbe Blüten.
Subtiler Unterschied.
So subtil ist der gar nicht. Wenn etwas nur Löwenzahn heißt, muss es sich
nicht um die Pusteblume mit männlichem Genus handeln. Wenn eine Pflanze aber
ein Löwenzahn ist, ist das Genus bekannt.
U***@web.de
2020-01-06 09:51:19 UTC
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Post by Stefan Schmitz
Post by Quinn C
Post by Helmut Richter
Hier finde ich, dass der Bezug durch den Hinweis 'dieser Mensch heißt Marie'
bereits hinreichend auf ebendiese Marie umgebogen wurde, im Folgenden also
'sie' zu stehen hat.
Sehe ich ganz genauso. Der Wechsel des Genus durch dazwischengeschaltetes
Prädikatsnomen geht aber normalerweise nicht. Ich würde beispielsweise
Diese Pflanze heißt Löwenzahn. Er bekommt im Frühling gelbe Blüten.
als falsch empfinden.
Sehe ich auch so. Insofern scheinen auch im Deutschen für Menschen
etwas andere Regeln zu gelten. Zwar erwartet man nicht, wie im
Englischen, daß das Pronomen immer das persönliche Geschlecht
wiedergibt und nicht das grammatische, aber bevorzugt wird es durchaus.
Diese Pflanze ist der Löwenzahn. Er bekommt im Frühling gelbe Blüten.
Subtiler Unterschied.
So subtil ist der gar nicht. Wenn etwas nur Löwenzahn heißt, muss es sich
nicht um die Pusteblume mit männlichem Genus handeln.
Ich würde aber, wenn nicht die Trägerin eines solchen
Familiennamens bezeichnet werden soll, männliches
Genus unterstellen.
Post by Stefan Schmitz
Wenn eine Pflanze aber
ein Löwenzahn ist, ist das Genus bekannt.
Ob die triploiden Formen dann auch so etwas wie ein biologisches
Geschlecht haben, wäre zu erörtern.

https://de.wikipedia.org/wiki/Gew%C3%B6hnlicher_L%C3%B6wenzahn#Ploidiestufen
Quinn C
2019-12-29 17:35:01 UTC
Antworten
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Post by Martin Udelhoven
Post by Stefan Ram
Dann kann man sich also unter gewissen Umständen mit "er"
auf eine Frau beziehen?
Etwas spezieller ist der Fall, wenn von 'jemand' gesprochen wird.
Ich habe gelegentlich gehört, wie Frauen über sich sprechen: "Ich bin
jemand (sie ist jemand), der diese und jene Eigenschaft hat. Ob eine
solche Selbstbeschreibung angemessen ist, sei mal dahingestellt,
jedenfalls klingt mir dieses jedes mal schräg, da das Pronomen 'jemand'
doch eigentlich gar kein Genus hat, oder? Vielleicht deutet das darin
klingende 'man' scheinbar auf ein Maskulinum hin, ist aber dann wohl eine
Fehldeutung.
Mit dem "man" muß es nichts zu tun haben, aber traditionell wird
"jemand" als Maskulinum konstruiert:

Kennen Sie jemand, der schwanger ist?
--
GUGELFUHR(E), f., scherz, spasz, narrheit,
GRIMM, Deutsches Wörterbuch
Christina Kunze
2019-12-30 09:29:40 UTC
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Permalink
Post by Quinn C
Kennen Sie jemand, der schwanger ist?
Brrr, also dieser endungslose jemand stört mich doch sehr.

chr
Helmut Richter
2019-12-30 09:54:53 UTC
Antworten
Permalink
Post by Christina Kunze
Post by Quinn C
Kennen Sie jemand, der schwanger ist?
Brrr, also dieser endungslose jemand stört mich doch sehr.
Viel schlimmer, wen um jemand anders geht. Oder jemanden anders. Oder
jemand anderen. Oder jemanden anderen.
--
Helmut Richter
Heinz Lohmann
2019-12-30 14:59:59 UTC
Antworten
Permalink
Post by Helmut Richter
Post by Christina Kunze
Post by Quinn C
Kennen Sie jemand, der schwanger ist?
Brrr, also dieser endungslose jemand stört mich doch sehr.
Viel schlimmer, wen um jemand anders geht. Oder jemanden anders. Oder
jemand anderen. Oder jemanden anderen.
Schön auch die weibliche Form:

Wie reizend schön war doch die Zeit,
Wie himmlisch war das Herz erfreut,
Als in den Schnabelbohnen drin
Der Jemand eine Jemandin,
Ich darf wohl sagen: herzlich küßte. –
Ach Gott, wenn das die Tante wüßte!
--
mfg
Heinz Lohmann
Tamsui, Taiwan

Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat. W.B.
Quinn C
2019-12-30 18:50:44 UTC
Antworten
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Post by Helmut Richter
Post by Christina Kunze
Post by Quinn C
Kennen Sie jemand, der schwanger ist?
Brrr, also dieser endungslose jemand stört mich doch sehr.
Viel schlimmer, wen um jemand anders geht. Oder jemanden anders. Oder
jemand anderen. Oder jemanden anderen.
Da mag ich beide Formen mit "jemanden" nicht.
--
Ihre Kreditkarte wird freigeschaltet, nachdem Sie und laden Sie
das beigefügte Formular werden.
-- SPAMPOESIE
Bernd Schwegmann
2019-12-30 11:13:55 UTC
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Post by Christina Kunze
   Kennen Sie jemand, der schwanger ist?
Brrr, also dieser endungslose jemand stört mich doch sehr.
chr
Nö,


aber etliche, die es häufigst versuchen zu werden..


BS+
Roland Franzius
2019-12-29 15:29:41 UTC
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Post by Stefan Ram
Nehmen wir einmal an, daß der folgenden Satz von einer Frau
|Dieser Mensch heißt "Marie".
. Es ist unstrittig, daß Frauen auch Menschen sind.
Also ist es auch möglich, daß ein Mensch "Marie" heißt.
Und das Genus von "Mensch" ist das Maskulinum.
Nun soll über Marie im nächsten Satz etwas gesagt
werden, wobei die folgenden beiden Möglichkeiten zur
|Er geht gerne essen.
und
|Sie geht gerne essen.
. Ist es nicht so, daß man sich nur mit "er" auf "dieser
Mensch" beziehen kann, aber nicht mit "sie"? (Außer in der
Umgangssprache.)
Dann kann man sich also unter gewissen Umständen mit "er"
auf eine Frau beziehen?
|Heute will er griechisch essen gehen. Dafür hat er sich
|extra ein neues Kleid gekauft. ...
Generell geht man ja davon aus, dass der jenige, die etwas zu sagen hat,
zuvor ihr Gehirn einschaltet.

Genuswechsel erfolgt spontan lokal sinngemäß und nicht nach
fortwirkenden attributiven Geßlerhüten zu Beginn eines sprachlichen
Konstruktionskrampfes.
--
Roland Franzius
Stefan Ram
2020-01-03 15:20:27 UTC
Antworten
Permalink
Post by Stefan Ram
|Dieser Mensch heißt "Marie".
|Er geht gerne essen.
|Sie geht gerne essen.
Ich las gerade zufällig im World-Wide Web etwas,
das zu dem Thema »"Er" - fuer eine Frau?« paßt:

|Mit dem Männernamen nahm sie zugleich die Gewohnheit an,
|von sich in der maskulinen Form zu sprechen und
|Männerkleidung zu tragen.
Seite "George Sand" der de-Wikipädie

.
Quinn C
2020-01-05 17:25:14 UTC
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Post by Stefan Ram
Post by Stefan Ram
|Dieser Mensch heißt "Marie".
|Er geht gerne essen.
|Sie geht gerne essen.
Ich las gerade zufällig im World-Wide Web etwas,
|Mit dem Männernamen nahm sie zugleich die Gewohnheit an,
|von sich in der maskulinen Form zu sprechen und
|Männerkleidung zu tragen.
Seite "George Sand" der de-Wikipädie
Das heißt, George Sand präsentierte sich als Mann. Bestätigung für
meine These, daß der Gebrauch von Pronomen etc. mit dem sozialen
Geschlecht korreliert, nicht dem biologischen.
--
nun schmeckt, wer ich sei, ihr gugelnarren! PARACELSUS
GRIMM, Deutsches Wörterbuch
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