narkive is for sale. Interested? (dismiss)
Discussion:
oder aber
(zu alt für eine Antwort)
Andreas Fecht
2020-01-29 17:53:20 UTC
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Hallo Leute,

verändert das angehängte "aber" die logische Funktion eines "oder".

Ist ein Unterschied zwischen diesen beiden Versionen:

A oder B?
A oder aber B?

In welcher Region benutzt man so was und warum?

Gruß Andreas
Oliver Voß
2020-01-29 17:58:12 UTC
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Post by Andreas Fecht
A oder B?
A oder aber B?
Würde ich nicht sagen, vom Sachverhalt her ist beides gleich. Das "aber"
wirkt allenfalls als Verstärkung des "oder".
Post by Andreas Fecht
In welcher Region benutzt man so was und warum?
Das ist nicht spezifisch für eine bestimmte Region, sondern im gesamten
deutschen Sprachraum gebräuchlich.

Gruß,

Oliver
U***@web.de
2020-01-30 08:09:32 UTC
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Post by Oliver Voß
Post by Andreas Fecht
A oder B?
A oder aber B?
Würde ich nicht sagen, vom Sachverhalt her ist beides gleich. Das "aber"
wirkt allenfalls als Verstärkung des "oder".
Ich hatte es zur Betonung einer Alternativfrage
verwendet, die dann aber schlicht bejaht wurde.

Man könnte das 'aber' auch weglassen, wenn
man etwa wegen des Kontexts sicher davon ausgeht,
richtig verstanden zu werden.

Vgl. 'Passt es Ihnen am Mittwoch oder am Freitag besser?'
http://www.bankazubi.de/wissenspool/artikel.php?artikelid=146&katid=28&opid=1
'Bist Du Links- oder Rechtshänder?'
Letztere Frage können Ohnhänder natürlich verneinen.

Gruß, ULF
Helmut Richter
2020-01-30 09:48:23 UTC
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Post by U***@web.de
Post by Oliver Voß
Post by Andreas Fecht
A oder B?
A oder aber B?
Würde ich nicht sagen, vom Sachverhalt her ist beides gleich. Das "aber"
wirkt allenfalls als Verstärkung des "oder".
Ich hatte es zur Betonung einer Alternativfrage
verwendet, die dann aber schlicht bejaht wurde.
Sehr witzig. Bitte kurz und höflich lachen, sonst hält dich der Bejaher
für jemanden, der die doppelte, genauer mehrfache, Bedeutung des deutschen
Wortes „oder“ nicht kennt und daher den Witz nicht versteht.

Ich halte die Frage „Möchtest du lieber Tee oder Kaffee?“ für eindeutig
und von den beiden Interpretationen „Möchtest du lieber Tee [trinken] oder
Kaffee [trinken]?“ und „Möchtest du lieber Tee oder Kaffee [trinken] [oder
etwas anderes oder gar nichts]?“ die zweite für abwegig, auch wenn sie den
Regeln entspricht, nach denen Satzteile weggelassen werden dürfen –
nämlich die, die in [...] stehen.

Mit dem „aber“ ist die falsche Interpretation *noch* abwegiger, was aber
Dauerwitzbolde – oder Rechtsanwälte bei der Interpretation gegnerischer
Äußerungen – nicht vom gewaltsamen Missverständnis abhält.
Post by U***@web.de
Man könnte das 'aber' auch weglassen, wenn
man etwa wegen des Kontexts sicher davon ausgeht,
richtig verstanden zu werden.
Wenn der Hörer daran interessiert ist.
--
Helmut Richter
Diedrich Ehlerding
2020-01-30 09:55:28 UTC
Permalink
Post by Helmut Richter
Ich halte die Frage „Möchtest du lieber Tee oder Kaffee?“ für eindeutig
und von den beiden Interpretationen „Möchtest du lieber Tee [trinken]
oder Kaffee [trinken]?“ und „Möchtest du lieber Tee oder Kaffee
[trinken] [oder etwas anderes oder gar nichts]?“ die zweite für abwegig
Gar so abwegig finde ich die nicht, Etwa in der Situation, dass man einem
Gast ein kühles Bier anbietet und der Gast ablehnt, da kann man schon
fragen "möchtest du lieber Kaffeee oder Tee?" (also lieber ein Heißgetränk
als ein kaltes Bier)
--
gpg-Key (DSA 1024) D36AD663E6DB91A4
fingerprint = 2983 4D54 E00B 8483 B5B8 C7D1 D36A D663 E6DB 91A4
HTML-Mail wird ungeleſen entſorgt.
Helmut Richter
2020-01-30 10:22:11 UTC
Permalink
Post by Diedrich Ehlerding
Post by Helmut Richter
Ich halte die Frage „Möchtest du lieber Tee oder Kaffee?“ für eindeutig
und von den beiden Interpretationen „Möchtest du lieber Tee [trinken]
oder Kaffee [trinken]?“ und „Möchtest du lieber Tee oder Kaffee
[trinken] [oder etwas anderes oder gar nichts]?“ die zweite für abwegig
Gar so abwegig finde ich die nicht, Etwa in der Situation, dass man einem
Gast ein kühles Bier anbietet und der Gast ablehnt, da kann man schon
fragen "möchtest du lieber Kaffeee oder Tee?" (also lieber ein Heißgetränk
als ein kaltes Bier)
Ja, wie immer gehört der ganze Kontext dazu, wenn man den Sinn einer
Äußerung verstehen will.
--
Helmut Richter
U***@web.de
2020-01-30 12:05:02 UTC
Permalink
Post by Helmut Richter
Post by U***@web.de
Post by Oliver Voß
Post by Andreas Fecht
A oder B?
A oder aber B?
Würde ich nicht sagen, vom Sachverhalt her ist beides gleich. Das "aber"
wirkt allenfalls als Verstärkung des "oder".
Ich hatte es zur Betonung einer Alternativfrage
verwendet, die dann aber schlicht bejaht wurde.
Sehr witzig. Bitte kurz und höflich lachen, sonst hält dich der Bejaher
für jemanden, der die doppelte, genauer mehrfache, Bedeutung des deutschen
Wortes „oder“ nicht kennt und daher den Witz nicht versteht.
Ich halte die Frage „Möchtest du lieber Tee oder Kaffee?“ für eindeutig
und von den beiden Interpretationen „Möchtest du lieber Tee [trinken] oder
Kaffee [trinken]?“ und „Möchtest du lieber Tee oder Kaffee [trinken] [oder
etwas anderes oder gar nichts]?“ die zweite für abwegig,
Situativ und mit anderer Betonung:

[Ich gehe am Frühstückstisch mit der Kakaokanne herum.]
„Möchtest du lieber Tee oder Kaffee?“
Post by Helmut Richter
auch wenn sie den
Regeln entspricht, nach denen Satzteile weggelassen werden dürfen –
nämlich die, die in [...] stehen.
Mit dem „aber“ ist die falsche Interpretation *noch* abwegiger
Meine Rede...
U***@web.de
2020-01-30 12:13:22 UTC
Permalink
Post by Helmut Richter
Post by U***@web.de
Post by Oliver Voß
Post by Andreas Fecht
A oder B?
A oder aber B?
Würde ich nicht sagen, vom Sachverhalt her ist beides gleich. Das "aber"
wirkt allenfalls als Verstärkung des "oder".
Ich hatte es zur Betonung einer Alternativfrage
verwendet, die dann aber schlicht bejaht wurde.
Sehr witzig. Bitte kurz und höflich lachen, sonst hält dich der Bejaher
für jemanden, der die doppelte, genauer mehrfache, Bedeutung des deutschen
Wortes „oder“ nicht kennt und daher den Witz nicht versteht.
Ich halte die Frage „Möchtest du lieber Tee oder Kaffee?“ für eindeutig
und von den beiden Interpretationen „Möchtest du lieber Tee [trinken] oder
Kaffee [trinken]?“ und „Möchtest du lieber Tee oder Kaffee [trinken] [oder
etwas anderes oder gar nichts]?“ die zweite für abwegig,
Situativ und mit anderer Betonung:

[Ich gehe am Frühstückstisch mit der Kakaokanne herum.]
„Möchtest du lieber Tee oder Kaffee?“
Post by Helmut Richter
auch wenn sie den
Regeln entspricht, nach denen Satzteile weggelassen werden dürfen –
nämlich die, die in [...] stehen.
Mit dem „aber“ ist die falsche Interpretation *noch* abwegiger
Meine Rede...
Stefan Schmitz
2020-02-01 14:44:42 UTC
Permalink
Post by Helmut Richter
Mit dem „aber“ ist die falsche Interpretation *noch* abwegiger, was aber
Dauerwitzbolde – oder Rechtsanwälte bei der Interpretation gegnerischer
Äußerungen – nicht vom gewaltsamen Missverständnis abhält.
"Gewaltsam" finde ich hier sehr künstlich. Warum nicht "vorsätzlich" oder "bewusst"?
U***@web.de
2020-01-29 18:03:15 UTC
Permalink
Post by Andreas Fecht
verändert das angehängte "aber" die logische Funktion eines "oder".
A oder B?
A oder aber B?
In welcher Region benutzt man so was und warum?
Merci fürs Einstellen.

Vgl. http://page.mi.fu-berlin.de/raut/Math.Logik/Kap1.pdf
https://www.studgen-iful.uni-mainz.de/files/2019/03/Menke_2016_Logik_I.pdf
https://www.philso.uni-augsburg.de/institute/philosophie/Personen/Lehrbeauftragte/neidhart/Downloads/LogikScript.pdf



Jetzt noch die Vorgeschichte:


Am Mittwoch, 29. Januar 2020 14:32:22 UTC+1 schrieb Andreas Fecht
Post by Andreas Fecht
Erleichtern oder aber vereinfachen präzise
Formulierungen das Verständnis?
Ja!
Schön. Nach 'oder aber' erwarte ich
eine Auswahl, keine pauschale Bestätigung.

Deswegen hatte ich kurz vor dem Absenden
um 'aber' ergänzt.

Gruß, ULF
Andreas Fecht
2020-01-29 19:16:00 UTC
Permalink
Post by U***@web.de
Post by Andreas Fecht
verändert das angehängte "aber" die logische Funktion eines "oder".
A oder B?
A oder aber B?
In welcher Region benutzt man so was und warum?
Merci fürs Einstellen.
Vgl. http://page.mi.fu-berlin.de/raut/Math.Logik/Kap1.pdf
https://www.studgen-iful.uni-mainz.de/files/2019/03/Menke_2016_Logik_I.pdf
https://www.philso.uni-augsburg.de/institute/philosophie/Personen/Lehrbeauftragte/neidhart/Downloads/LogikScript.pdf
Am Mittwoch, 29. Januar 2020 14:32:22 UTC+1 schrieb Andreas Fecht
Post by Andreas Fecht
Erleichtern oder aber vereinfachen präzise
Formulierungen das Verständnis?
Ja!
Schön. Nach 'oder aber' erwarte ich
eine Auswahl, keine pauschale Bestätigung.
Deswegen hatte ich kurz vor dem Absenden
um 'aber' ergänzt.
Gruß, ULF
Jetzt hab' ich verstanden, was Du von mir willst.
Ich soll mich zwischen erleichtern und vereinfachen entscheiden.
Das kommt immer auf das zuhörende Klientel an.

Meine Grundintention war nur, dass man das Adjektiv "schwer" nicht so
oft unbedacht einsetzten sollte, das führt sonst manchmal zu solchen
Übersetzungen:

heavy on wire

Gruß Andreas
Gunhild Simon
2020-01-29 23:52:07 UTC
Permalink
Am Mittwoch, 29. Januar 2020 20:16:01 UTC+1 schrieb Andreas Fecht:



...
Post by Andreas Fecht
Das kommt immer auf das zuhörende Klientel an.
^^^
...
*die* Klientel.

Das -tel deutet nicht wie bei Viertel eine
Verkleinerung, einen Teil, an, sondern ist ein Fremdwort aus
lat. clientela, der zur Treue - fides - verpflichteten clientes, Schützlinge und Anängerschaft eines Patrons.

Gruß
Gunhild
U***@web.de
2020-01-30 08:16:30 UTC
Permalink
Post by Gunhild Simon
...
Post by Andreas Fecht
Das kommt immer auf das zuhörende Klientel an.
^^^
...
*die* Klientel.
Das -tel deutet nicht wie bei Viertel eine
Verkleinerung, einen Teil, an, sondern ist ein Fremdwort aus
lat. clientela, der zur Treue - fides - verpflichteten clientes, Schützlinge und Anängerschaft eines Patrons.
Eigentlich, aber https://de.wiktionary.org/wiki/Klientel

Wir können jetzt aber gerne über fehlerhaften Sprachgebrauch bei
Andreas diskutieren.

Gruß, ULF
U***@web.de
2020-01-30 08:14:31 UTC
Permalink
Post by Andreas Fecht
Post by U***@web.de
Post by Andreas Fecht
verändert das angehängte "aber" die logische Funktion eines "oder".
A oder B?
A oder aber B?
In welcher Region benutzt man so was und warum?
Merci fürs Einstellen.
Vgl. http://page.mi.fu-berlin.de/raut/Math.Logik/Kap1.pdf
https://www.studgen-iful.uni-mainz.de/files/2019/03/Menke_2016_Logik_I.pdf
https://www.philso.uni-augsburg.de/institute/philosophie/Personen/Lehrbeauftragte/neidhart/Downloads/LogikScript.pdf
Am Mittwoch, 29. Januar 2020 14:32:22 UTC+1 schrieb Andreas Fecht
Post by Andreas Fecht
Erleichtern oder aber vereinfachen präzise
Formulierungen das Verständnis?
Ja!
Schön. Nach 'oder aber' erwarte ich
eine Auswahl, keine pauschale Bestätigung.
Deswegen hatte ich kurz vor dem Absenden
um 'aber' ergänzt.
Jetzt hab' ich verstanden, was Du von mir willst.
Ich soll mich zwischen erleichtern und vereinfachen entscheiden.
Und deswegen hattest Du mir nicht näher identifizierten
Dialekt, vulgo gänzlich fehlende Beherrschung der
Standardsprache unterstellt. Kann man machen,
man muß seinen Mitdiskutanten aber nicht zwingend herabsetzen.
Post by Andreas Fecht
Das kommt immer auf das zuhörende Klientel an.
Meine Grundintention war nur, dass man das Adjektiv "schwer" nicht so
oft unbedacht einsetzten sollte, das führt sonst manchmal zu solchen
heavy on wire
Dann kommen wir doch zur Ausgangsfrage der Vordiskussion,
sinngemäß zusammengefaßt:

Sind Krankheiten bzw. Erreger je nach Typ schwer oder leicht
oder aber(!) allenfalls schwierig oder einfach übertragbar?

Bitte nicht ankreuzen:

[ ] Ja.

Gruß, ULF
Andreas Fecht
2020-01-30 09:08:28 UTC
Permalink
Post by U***@web.de
Dann kommen wir doch zur Ausgangsfrage der Vordiskussion,
Sind Krankheiten bzw. Erreger je nach Typ schwer oder leicht
oder aber(!) allenfalls schwierig oder einfach übertragbar?
Ich habe nur erwähnt, dass Vokabeln, die prinzipiell eher für
Gewichtsangaben gedacht sind, oft fehl am Platz sind. Ich würde hier
eher die Wörter "stark" oder "schwach" verwenden.

Ich verfasse deutsche Bedienungsanleitungen und Menütexte, die in
mehrere Sprachen übersetzt werden.
Erst bei der Übersetzung zusammen mit einem Muttersprachler in der
jeweiligen Sprache fällt mir dann auf, dass das von mir gewählte
deutsche Wort nicht das Richtige ist.
Deshalb vermeide ich aus Gewohnheit z.B. solche Sachen wie schwer und
leicht bei Inhalten, die nichts mit Gewichten zu tun haben.

Ich muss mir ja nicht unnötig das Leben schwer machen ;-).

Gruß Andreas
U***@web.de
2020-01-30 09:15:19 UTC
Permalink
Post by Andreas Fecht
Post by U***@web.de
Dann kommen wir doch zur Ausgangsfrage der Vordiskussion,
Sind Krankheiten bzw. Erreger je nach Typ schwer oder leicht
oder aber(!) allenfalls schwierig oder einfach übertragbar?
Ich habe nur erwähnt, dass Vokabeln, die prinzipiell eher für
Gewichtsangaben gedacht sind, oft fehl am Platz sind.
Du hast ihren Gebrauch im Hinblick auf die Verbreitung
von Infektionskrankheiten als falsch gebrandmarkt.


Wie ist es nun aber mit Technik? Bei leichtem Stottern des Motors...

Geht nicht. Also: Bei einfachem Stottern des Motors...

Geht auch nicht.

Gruß, ULF
Andreas Fecht
2020-01-30 09:31:19 UTC
Permalink
Post by U***@web.de
Wie ist es nun aber mit Technik? Bei leichtem Stottern des Motors...
Geht nicht. Also: Bei einfachem Stottern des Motors...
Geht auch nicht.
Man findet fast immer ein eindeutigeres Wort.
Ich würde hier geringfügig verwenden.


Gruß Andreas
Helmut Richter
2020-01-30 10:19:02 UTC
Permalink
Post by U***@web.de
Dann kommen wir doch zur Ausgangsfrage der Vordiskussion,
Sind Krankheiten bzw. Erreger je nach Typ schwer oder leicht
oder aber(!) allenfalls schwierig oder einfach übertragbar?
Ich habe nur erwähnt, dass Vokabeln, die prinzipiell eher für Gewichtsangaben
gedacht sind, oft fehl am Platz sind.
Was ist denn das Gegenteil einer schweren/schwierigen Aufgabe?

– Eine leichte? Was wiegt sie denn?

– Eine einfache? Also keine doppelte oder mehrfache?

Also: mehrdeutige Wörter sind nicht *falsch*, sondern allenfalls
missverständlich – aber praktisch jedes Wort kann mehrdeutig oder
missverständlich sein.

Die Wörter bedeuten das, wofür sie verwendet werden. Anders herum ist es
falsch: sie sollen nicht verwendet werden, wozu sie die Wörterbuchschreiber
freigegeben haben, denn die haben immer wichtige Anwendungsfälle vergessen.

Ich würde in meinem Sprachgebrauch „schwere Aufgabe“ und „schwierige Aufgabe“
für bedeutungsgleich halten, aber „schwere Arbeit“ eher als „körperlich
mühsame Arbeit“ und weniger als „geistig anstrengende Arbeit verstehen“. Das
liegt daran, dass Steine schleppen umso schwerer ist, je schwerer die Steine
sind, die Lösung einer Mathematikaufgabe aber nicht umso schwerer, je schwerer
die zu wälzenden Bücher sind.

Mein Lieblingsbeispiel ist „er halt umsonst gearbeitet“. Hat er
unentgeltlich gearbeitet oder vergeblich? Nein, das Wort „umsonst“ ist
nicht zweideutig. Es bedeutet „er hat gearbeitet, ohne den verdienten
Lohn zu genießen“. Es wird nur nicht dazugesagt, ob der aus der Bezahlung
oder aus der Freude am Gelingen bestanden hätte.

Viele feinsinnige Unterscheidungen sind nachträglich von Pedanten in die
Sprache geschleppt worden, nachdem sie schon lange anders verwendet wurden und
nicht selten weiter verwendet werden. Aus einem alten Beitrag von mir:

Wörter bedeuten spätestens dann das gleiche (oder dasselbe?), wenn der
Unterschied nur noch Korinthenkackern bekannt ist, die scheinbar (oder
anscheinend?) die einzigen sind, die ihn in wenigen Worten (oder Wörtern?)
erklären können. Die weisen dann andere grundsätzlich (oder ausnahmslos?)
auf solche Fehler hin. Aber den meisten ist das zu schwer (oder schwierig?),
so dass die Mühe umsonst (oder vergeblich?) aufgewandt ist.
Ich verfasse deutsche Bedienungsanleitungen und Menütexte, die in mehrere
Sprachen übersetzt werden.
Erst bei der Übersetzung zusammen mit einem Muttersprachler in der jeweiligen
Sprache fällt mir dann auf, dass das von mir gewählte deutsche Wort nicht das
Richtige ist.
Noch schlimmer bei der Übersetzung durch eine Maschine. Die kommt auf noch
mehr falsche Interpretationen.
Deshalb vermeide ich aus Gewohnheit z.B. solche Sachen wie schwer und leicht
bei Inhalten, die nichts mit Gewichten zu tun haben.
Wenn das Ersatzwort wirklich weniger missverständlich als das spontan gewählte
und wenn es nicht wesentlich umständlicher klingt, ist der Ersatz sinnvoll.
Aber ich würde kein Prinzip daraus machen. Dass es in weitere Sprachen
übersetzt wird, kann ein zusätzliches Kriterium sein, aber nicht das
wichtigste. Vor allem die Leser der Zielsprache müssen es spontan richtig
verstehen. Behördendeutsch ist darauf getrimmt, möglichst unmissverständlich,
nicht aber möglichst verständlich zu sein. Das soll kein Vorbild sein.
Ich muss mir ja nicht unnötig das Leben schwer machen ;-).
Eben. Nach deinen eigenen Worten hättest du hier „schwierig“ sagen
müssen. Unmissverständlich aber unverständlich.

--
Helmut Richter
U***@web.de
2020-01-31 07:49:30 UTC
Permalink
Post by U***@web.de
Und deswegen hattest Du mir nicht näher identifizierten
Dialekt, vulgo gänzlich fehlende Beherrschung der
Standardsprache unterstellt. Kann man machen,
man muß seinen Mitdiskutanten aber nicht zwingend herabsetzen.
Ohne zu wissen, was sich alles aus Eurer Beziehung womöglich herleiten
läßt,
Aus anderer NG:

Verändert das angehängte "aber" die logische Funktion eines "oder".

Ist da jetzt ein Unterschied zwischen diesen beiden Versionen

A oder B?
A oder aber B?

In welchem Dialekt benutzt man so was und warum?

Gruß Andreas
sehe ich nicht, daß diese Unterstellung als solche herabsetzend
wäre; mit obiger Interpretation aber hast Du gerade alle Dialektnutzer
herabgesetzt.
Das wäre ein Mißverständnis Deinerseits.
Hans
2020-01-31 10:18:41 UTC
Permalink
[.....]
Post by U***@web.de
Verändert das angehängte "aber" die logische Funktion eines "oder".
Ist da jetzt ein Unterschied zwischen diesen beiden Versionen
A oder B?
Könnte man "als inklusives Oder" verstehen.
Post by U***@web.de
A oder aber B?
Das wäre dann das exklusive Oder.
U***@web.de
2020-02-01 15:23:57 UTC
Permalink
Post by Hans
Post by U***@web.de
Verändert das angehängte "aber" die logische Funktion eines "oder".
Ist da jetzt ein Unterschied zwischen diesen beiden Versionen
A oder B?
Könnte man "als inklusives Oder" verstehen.
Post by U***@web.de
A oder aber B?
Das wäre dann das exklusive Oder.
Im Italienischen gibt es dafür zwei verschiedene Wörter: o vs. oppure.
In der Italiänischen Sprachlehre wird das jetzt
nicht so deutlich:
https://books.google.de/books?id=FWR9D_5JMbQC&pg=PA333&lpg=PA333&dq=%22o+pure%22+oppure&source=bl&ots=cAzVs3k-6y&sig=ACfU3U2VzEwPPI-Lg40Qc0rPRPL-tVRkwQ&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwir17q-y7DnAhVCJlAKHY0rCf8Q6AEwA3oECAgQAQ#v=onepage&q=%22o%20pure%22%20oppure&f=false

Es ist eine längst verpflichtende Zusammenschreibung zweier
Wörter: http://www.treccani.it/vocabolario/oppure/

"con più forte valore disgiuntivo"
Ewald Pfau
2020-01-30 11:52:11 UTC
Permalink
Post by Andreas Fecht
verändert das angehängte "aber" die logische Funktion eines "oder".
Sprache ist zuerst einmal nicht die Übersetzung von Logik in Sprechsilben.
Das kann man zwar in die Erzählweise mit einbauen, dann sollte man das aber
dazusagen, dass dies als Vorsatz eingebaut wurde.

Stattdessen kann man als Sprecher Kontext bilden und damit den Ausdruck
präzisieren, somit kann eine Aussage bis zu leidlich beliebiger Schärfe der
Genauigkeit getrieben werden. Gut, mit formallogischer Stringenz im Rücken
geht das etwas kräfteschonender auf den Kommunikationskanal.

Das oder ist für gewöhnlich inklusiv gedacht, gilt also als Zusammenfassung
der Möglichkeiten

1 - es gilt a und b zugleich
2 - es gilt a und nicht-b zugleich
3- es gilt nicht-a und b zugleich

und wenn man formell in die Logik wechselt, schreibt man dafür eine Tabelle
mit dem formalisierten Oder-begriff oder dem formalisierten Und-Begriff.

Der formalisierte Oder-Begriff aus der Logik ist exklusiv gedacht, der obige
Fall Numero 1 ist dann nicht dabei. Umgangssprache und formallogische
Erwartung divergieren hier, gleichwohl dieselbe Vokabel strapaziert wird.
Manche Logiker schlugen vor, das oder zu vermeiden und das Kunstwort vel
stattdessen einzusetzen.
Post by Andreas Fecht
In welcher Region benutzt man so was und warum?
Dass mit Sprache Logik abgebildet wird, kann man doch eigentlich
deutschsprachigerweise überall erwarten. Und etwas anderes geschieht hier
nicht, umgangssprachlicherweise.

Das angehängte aber ist dann der nicht zwingende Verweis, eben auch die
obige Numero 1 wegzulassen.

An sich ist das sprachlich üblicher als

entweder a oder b

ausgedrückt. In der formalisierten Logik ist das ein exklusiv-oder, die sich
in solchen Belangen sehr breit gemacht habenden Rechnerfuzzis kürzen dies zu
einem xor ab.

Zu der Zeit, als die Denkweise dieser Spezies von Spezialfuzzis in Umlauf
kam, schwangen sich die Fortschrittseuphoriker wonniglich in dasselbe Boot,
hier sogleich mit harscher Vehemenz einen Fehler des Menschlichen
Denkapparats unterstellend, der sich dann gefälligst anzupassen habe, und
hinfort für das umgangssprachlich oder doch bittesehr gar schön nurmehr

und / oder

zu sprechen. Wahrscheinlich mitsamt Schrägstrich. Geschriebenerweise wurde
das eine regelrechte Seuche, gepaart mit einer weiteren Unterstellung als
Anmaßung zur Dressur des Plapperns, den Gebrauch des Wenn betreffend,
forthin immer sich des Unterschieds bittesehr doch gar schön gewahr zu sein,
ob ein Wenn gemeint sei, oder aber ein

wenn und nur wenn

was englischsprachigerweise zur Erfindung der verkürzten Version desselben
in Gestalt eines

iff

mit zwei f führte.

Ja, da war nochmal Aufbruchstimmung im Maschinenraum, als es gar so geil
sich ausnahm, den Menschen für blöd zu verkaufen. Nun gut, heute machen das
die Mainstreammedien viel unauffälliger.

Vielleicht ist die eine oder andere Verwendung des obigen

oder aber

irgendwie im Zusammenhang mit dieser Spielwiese stehend aufzufassen.

Das oder aber ist dabei nicht so klar, verglichen damit, wie zwei andere
Möglichkeiten etwas klarer sich ausnehmen, wenn auch nicht zwingend im Sinn
der Formallogik.

Obige Numeros 1, 2 und 3 sind ebenso abgedeckt mit

a oder auch b

wie ebenso mit

a und auch b.

Also das mit dem Schrägstrich ist in solchem Lichte dann schonmal etwas
affig.

a oder aber b

ist analog für solchen Kontext die Abdeckung der obigen Numeros 2 und 3.

Bevor man im Schwall der Vokabeln solches als formallogische Übersetzung
unterstellt, wäre es im Schwange von Fließtext immer noch eher angeraten,
per Dialog etwas mehr Kontext zu erfragen.
Andreas Fecht
2020-02-02 09:05:55 UTC
Permalink
...
Vielen Dank für die ausführliche Erklärung.

Gruß Andreas
Ewald Pfau
2020-02-02 13:20:25 UTC
Permalink
Post by Andreas Fecht
Vielen Dank für die ausführliche Erklärung.
Oh, danke für die Resonanz. Das hatte aber dann noch gefehlt, das war vom
Hans, der kommt, der war auch in dieser Ecke:

obrabrübr Oberammergau
odrabrübr Unterammergau
odr
obrabrübr haupt nicht kommt,
des weiß man nicht.
Manfred Russ
2020-02-06 22:07:13 UTC
Permalink
Post by Ewald Pfau
Bevor man im Schwall der Vokabeln solches als formallogische Übersetzung
unterstellt, wäre es im Schwange von Fließtext immer noch eher angeraten,
per Dialog etwas mehr Kontext zu erfragen.
Quatsch.

Erst schießen, dann fragen.
Hier ist Usenet!

---

Außerdem heißt es:
"Ober aber über Oberammergau
Oder aber über Unterammergau,
Oder aber überhaupt net kommt,
Des ist net g'wiiß"

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