Discussion:
"Studierende"
(zu alt für eine Antwort)
Stefan Ram
2019-04-07 22:59:17 UTC
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FWIW:

Es werden etwas zu wenig ältere Belege für "Studierende"
gefunden, wenn man nicht auch nach der älteren Schreibweise
"Studirende" sucht.

So findet man dann:

|Psychiatrie: ein Lehrbuch für Studirende und Aerzte
|Lehrbuch der Determinanten-Theorie für Studirende.
|Geburtshülfliches Vademecum für Studirende und Ärzte
|Oestreich's Compendium [...] Für Studirende und Aerzte
|Handbuch für Aerzte und Studirende der Medicin und Pharmacie
und viele weitere Treffer

Ironischerweise waren damals mit "Studirende" aber wohl
ausschließlich "studirende Jünglinge" (also biologisch
männliche Studierende) gemeint.
Bertel Lund Hansen
2019-04-08 06:42:15 UTC
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Post by Stefan Ram
Es werden etwas zu wenig ältere Belege für "Studierende"
gefunden, wenn man nicht auch nach der älteren Schreibweise
"Studirende" sucht.
Ein Ngram darüber ist ganz interessant:

Tiny url:
http://tinyurl.com/y6ah74u7

Real url:
https://books.google.com/ngrams/graph?content=Studierende%2CStudirende&year_start=1800&year_end=2000&corpus=20&smoothing=3&share=&direct_url=t1%3B%2CStudierende%3B%2Cc0%3B.t1%3B%2CStudirende%3B%2Cc0#t1%3B%2CStudierende%3B%2Cc0%3B.t1%3B%2CStudirende%3B%2Cc0
--
/Bertel - aus Dänemark
Jakob Achterndiek
2019-04-08 07:55:13 UTC
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Post by Bertel Lund Hansen
Post by Stefan Ram
Es werden etwas zu wenig ältere Belege für "Studierende"
gefunden, wenn man nicht auch nach der älteren Schreibweise
"Studirende" sucht.
http://tinyurl.com/y6ah74u7
https://books.google.com/ngrams/graph?content=Studierende%2CStudirende&year_start=1800&year_end=2000&corpus=20&smoothing=3&share=&direct_url=t1%3B%2CStudierende%3B%2Cc0%3B.t1%3B%2CStudirende%3B%2Cc0#t1%3B%2CStudierende%3B%2Cc0%3B.t1%3B%2CStudirende%3B%2Cc0
Noch interessanter wird es, wenn man der Eingabe, jeweils durch Komma
abgetrennt, "Studenten" und "Studentinnen" hinzufügt. Das bestätigt die
alte Weisheit: Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht ist.
--
j/\a
Roland Franzius
2019-04-08 07:55:41 UTC
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Post by Stefan Ram
Es werden etwas zu wenig ältere Belege für "Studierende"
gefunden, wenn man nicht auch nach der älteren Schreibweise
"Studirende" sucht.
|Psychiatrie: ein Lehrbuch für Studirende und Aerzte
|Lehrbuch der Determinanten-Theorie für Studirende.
|Geburtshülfliches Vademecum für Studirende und Ärzte
|Oestreich's Compendium [...] Für Studirende und Aerzte
|Handbuch für Aerzte und Studirende der Medicin und Pharmacie
und viele weitere Treffer
Ironischerweise waren damals mit "Studirende" aber wohl
ausschließlich "studirende Jünglinge" (also biologisch
männliche Studierende) gemeint.
Wie sonst auch.

Auch mit dem Begriff "Studenten" waren jahrhundertelang säbelschwingende
käppitragende junge Adlige und Bürgerliche vom Bismarkschen Typus
gemeint, die selbst in Bezug auf die Ahndung ihrer nicht seltenen
Straftaten nicht der lokalen Justiz, sondern der automomen
Universitätsgerichtsbarkeit unterstanden -jedenfalls solange der Papa
dafür zahlte.

Da diese ständischen Gehirn-Teilamputierten noch in den 1980er Jahren
verbreitet im Lehrkörper der westdeutschen Universitäten nisteten, war
die Streichung des Begriffs "Studenten" aus den amtlichen
Begriffsapparaten im Zuge der Detalarisierung der Universitäten eine
soziale Notwendigkeit der verspäteten Modernisierung.

Denn spätestens seit der Vollakademisierung der Lehrerausbildung
stellten die weiblichen Studierenden die Mehrheiten.

Und wer zahlt, bestimmt die Tischsitten. Das waren dann ab den 1960ern
die Eltern ihrer klugen Töchter.
--
Roland Franzius
U***@web.de
2019-04-08 08:26:32 UTC
Permalink
Post by Roland Franzius
käppitragende junge Adlige und Bürgerliche vom Bismarkschen Typus
Der Mann schrieb sich mit 'ck'.

Gruß, ULF
Antonia H.
2019-04-08 15:09:35 UTC
Permalink
Post by Roland Franzius
   Es werden etwas zu wenig ältere Belege für "Studierende"
   gefunden, wenn man nicht auch nach der älteren Schreibweise
   "Studirende" sucht.
|Psychiatrie: ein Lehrbuch für Studirende und Aerzte
|Lehrbuch der Determinanten-Theorie für Studirende.
|Geburtshülfliches Vademecum für Studirende und Ärzte
|Oestreich's Compendium [...] Für Studirende und Aerzte
|Handbuch für Aerzte und Studirende der Medicin und Pharmacie
und viele weitere Treffer
   Ironischerweise waren damals mit "Studirende" aber wohl
   ausschließlich "studirende Jünglinge" (also biologisch
   männliche Studierende) gemeint.
Wie sonst auch.
Auch mit dem Begriff "Studenten" waren jahrhundertelang säbelschwingende
käppitragende junge Adlige und Bürgerliche vom Bismarkschen Typus
gemeint, die selbst in Bezug auf die Ahndung ihrer nicht seltenen
Straftaten nicht der lokalen Justiz, sondern der automomen
Universitätsgerichtsbarkeit unterstanden -jedenfalls solange der Papa
dafür zahlte.
Da diese ständischen Gehirn-Teilamputierten noch in den 1980er Jahren
verbreitet im Lehrkörper der westdeutschen Universitäten nisteten, war
die Streichung des Begriffs "Studenten" aus den amtlichen
Begriffsapparaten im Zuge der Detalarisierung der Universitäten eine
soziale Notwendigkeit ....
Eine soziale Notwendigkeit? Interessant.

A.
Josef
2019-04-08 15:41:01 UTC
Permalink
Post by Roland Franzius
im Zuge der Detalarisierung der Universitäten eine
Frage: was ist eine Detalarisierung?
Ist für mich neu wie es "Bohei" war.

Neugierig
--
Josef
Ralph Aichinger
2019-04-08 15:52:01 UTC
Permalink
Post by Josef
Post by Roland Franzius
im Zuge der Detalarisierung der Universitäten eine
Frage: was ist eine Detalarisierung?
Das Abschaffen oder Entfernen von Talaren? "Unter den Talaren der
Muff von 1000 Jahren"?

https://de.wikipedia.org/wiki/Unter_den_Talaren_%E2%80%93_Muff_von_1000_Jahren

/ralph
--
-----------------------------------------------------------------------------
https://aisg.at
ausserirdische sind gesund
Josef
2019-04-11 13:15:33 UTC
Permalink
Post by Ralph Aichinger
"Josef"
Frage: was ist eine Detalarisierung?
Das Abschaffen oder Entfernen von Talaren? "Unter den Talaren der
Muff von 1000 Jahren"?
https://de.wikipedia.org/wiki/Unter_den_Talaren_%E2%80%93_Muff_von_1000_Jahren
Vermutlich ist es so gemeint. Aber ich hätte eher "De-Talarisierung"
oder "Ent-Talarisierung" geschrieben.
Man findet übrigens keines dieser Wörter im WWW, nur diesen Thread in
Google Groups.
--
Josef
Florian Ritter
2019-04-26 16:43:33 UTC
Permalink
Post by Antonia H.
Post by Roland Franzius
   Ironischerweise waren damals mit "Studirende" aber wohl
   ausschließlich "studirende Jünglinge" (also biologisch
   männliche Studierende) gemeint.
Wie sonst auch.
Auch mit dem Begriff "Studenten" waren jahrhundertelang säbelschwingende
käppitragende junge Adlige und Bürgerliche vom Bismarkschen Typus
gemeint, die selbst in Bezug auf die Ahndung ihrer nicht seltenen
Straftaten nicht der lokalen Justiz, sondern der automomen
Universitätsgerichtsbarkeit unterstanden -jedenfalls solange der Papa
dafür zahlte.
Da diese ständischen Gehirn-Teilamputierten noch in den 1980er Jahren
verbreitet im Lehrkörper der westdeutschen Universitäten nisteten, war
die Streichung des Begriffs "Studenten" aus den amtlichen
Begriffsapparaten im Zuge der Detalarisierung der Universitäten eine
soziale Notwendigkeit ....
Eine soziale Notwendigkeit? Interessant.
Du solltest, werte Bürgerin Toni, der wirren Einlassungen
Franzls nicht achten - die Welt malt sich in den vier Kalkwänden
seines Gehirns anders als sie ist, gell.

FR
Antonia H.
2019-04-26 18:09:24 UTC
Permalink
Post by Florian Ritter
Post by Antonia H.
Post by Roland Franzius
   Ironischerweise waren damals mit "Studirende" aber wohl
   ausschließlich "studirende Jünglinge" (also biologisch
   männliche Studierende) gemeint.
Wie sonst auch.
Auch mit dem Begriff "Studenten" waren jahrhundertelang säbelschwingende
käppitragende junge Adlige und Bürgerliche vom Bismarkschen Typus
gemeint, die selbst in Bezug auf die Ahndung ihrer nicht seltenen
Straftaten nicht der lokalen Justiz, sondern der automomen
Universitätsgerichtsbarkeit unterstanden -jedenfalls solange der Papa
dafür zahlte.
Da diese ständischen Gehirn-Teilamputierten noch in den 1980er Jahren
verbreitet im Lehrkörper der westdeutschen Universitäten nisteten, war
die Streichung des Begriffs "Studenten" aus den amtlichen
Begriffsapparaten im Zuge der Detalarisierung der Universitäten eine
soziale Notwendigkeit ....
Eine soziale Notwendigkeit? Interessant.
Du solltest, werte Bürgerin Toni, der wirren Einlassungen
Franzls nicht achten - die Welt malt sich in den vier Kalkwänden
seines Gehirns anders als sie ist, gell.
In der Tat. Das ist m.E. ein weltweites Problem. Leider.
A.

Mark Obrembalski
2019-04-18 18:11:25 UTC
Permalink
Post by Stefan Ram
Es werden etwas zu wenig ältere Belege für "Studierende"
gefunden, wenn man nicht auch nach der älteren Schreibweise
"Studirende" sucht.
"Studierende" war im 19. Jahrhundert in der Verwaltungssprache
der allgemein übliche Ausdruck, wenn es um die Leute ging, die
der Hochschule eben deshalb angehörten, weil die dort studierten.
Für weite Teile des 20. Jahrhunderts trifft das ebenso zu, aber
da gab es wohl hin und wieder Versuche, sich der Umgangssprache
anzunähern, indem man etwa die Organisation, die sich um die
außerakademischen Bedürfnisse der Studierenden kümmern sollte,
als "Studentenwerk" bezeichnete. Nachdem das nur Ärger mit
Vermutungen zu Genus und Sexus brachte, hat man den Versuch
recht bald wieder aufgegeben. Richtig umgangssprachlich wollte
man ja ohnehin nicht werden, sonst hätte es "Studiwerke" geben
müssen.

Gruß,
Mark
U***@web.de
2019-04-19 12:42:17 UTC
Permalink
Post by Mark Obrembalski
Richtig umgangssprachlich wollte
man ja ohnehin nicht werden, sonst hätte es "Studiwerke" geben
müssen.
Man hätte dann Benennungen wie in http://www.studibu.de/
anbieterseitig verwenden müssen?

Gruß, ULF
Stefan Schmitz
2019-04-23 19:50:44 UTC
Permalink
Post by Mark Obrembalski
Post by Stefan Ram
Es werden etwas zu wenig ältere Belege für "Studierende"
gefunden, wenn man nicht auch nach der älteren Schreibweise
"Studirende" sucht.
"Studierende" war im 19. Jahrhundert in der Verwaltungssprache
der allgemein übliche Ausdruck, wenn es um die Leute ging, die
der Hochschule eben deshalb angehörten, weil die dort studierten.
Für weite Teile des 20. Jahrhunderts trifft das ebenso zu, aber
da gab es wohl hin und wieder Versuche, sich der Umgangssprache
anzunähern, indem man etwa die Organisation, die sich um die
außerakademischen Bedürfnisse der Studierenden kümmern sollte,
als "Studentenwerk" bezeichnete.
Wenn in der Hochschule von "Studierenden" die Rede war, woher kam dann der
"Student" in der Umgangssprache?
U***@web.de
2019-04-24 08:07:24 UTC
Permalink
Post by Stefan Schmitz
Wenn in der Hochschule von "Studierenden" die Rede war, woher kam dann der
"Student" in der Umgangssprache?
Längst eingeführter Begriff. Schneller zu sprechen.

Gruß, ULF
Klaus Dahlwitz
2019-04-24 09:43:50 UTC
Permalink
Post by Stefan Schmitz
Wenn in der Hochschule von "Studierenden" die Rede war, woher kam dann der
"Student" in der Umgangssprache?
Aus Uppsala. Vz Fpuyntre.

Klaus
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