Discussion:
Ein paar Zerquetschte
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Stefan Schmitz
2020-04-23 13:39:19 UTC
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Woher kommt eigentlich der Ausdruck "... und ein paar Zerquetschte", mit dem
gesagt wird, dass zu einem glatten Geldbetrag noch ein nicht näher bezeichneter
Kleinbetrag hinzukommt? Dass Geld mechanisch beschädigt wird, entspricht nicht
meiner Vorstellung.

Dieser Tage begegnete mir die Alternativform "... und ein paar Kaputte". Ist die
allgemein bekannt? Gibt es noch andere Varianten? Regional verschieden?

Und was gilt eigentlich als "zerquetscht"? Sind das nur Cent oder können es
auch größere Beträge sein? Wären also etwa 1023 Euro "Tausend und ein paar
Zerquetschte"?
Wolfgang
2020-04-23 14:05:15 UTC
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Post by Stefan Schmitz
Woher kommt eigentlich der Ausdruck "... und ein paar Zerquetschte",
mit dem gesagt wird, dass zu einem glatten Geldbetrag noch ein nicht
näher bezeichneter Kleinbetrag hinzukommt? Dass Geld mechanisch
beschädigt wird, entspricht nicht meiner Vorstellung.
Das ist gewiss nicht gemeint. Ich habe «Zerquetschte» immer so
verstanden, dass einer sich schwer tut, einen Geldbetrag «locker» zu
machen. «Gequetscht» ist ja das Gegenteil von «locker», und
«zerquetscht» ist der letzte Rest eines Geldbetrags, nämlich
derjenige, der in der Tasche so lange gedrückt wurde, bis er endlich
deformiert herausgezogen wird.
Post by Stefan Schmitz
Dieser Tage begegnete mir die Alternativform "... und ein paar Kaputte".
Ist die allgemein bekannt?
Mir nicht.
Post by Stefan Schmitz
Gibt es noch andere Varianten? Regional verschieden?
Keine Ahnung.
Post by Stefan Schmitz
Und was gilt eigentlich als "zerquetscht"? Sind das nur Cent
oder können es auch größere Beträge sein? Wären also etwa
1023 Euro "Tausend und ein paar Zerquetschte"?
Genau so, wie zuletzt exemplifiziert, verstehe ich die
«Zerquetschen», nämlich als denjenigen Teil eines Betrages, der der
Rundung zum Opfer gefallen ist, in diesem Fall also 23 Euro.

Übrigens würde ich den Ausdruck nicht nur für Geldbeträge verwenden,
sondern für alle Arten gerundeter Zahlen, bei denen es auf den
genauen Wert nicht ankommt.

Ciao,
Wolfgang
Stefan Ram
2020-04-23 14:20:35 UTC
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Das ist gewiss nicht gemeint. Ich habe "Zerquetschte" immer so
verstanden, dass einer sich schwer tut, einen Geldbetrag "locker" zu
machen. "Gequetscht" ist ja das Gegenteil von "locker", und
"zerquetscht" ist der letzte Rest eines Geldbetrags, nämlich
derjenige, der in der Tasche so lange gedrückt wurde, bis er endlich
deformiert herausgezogen wird.
Ich habe es so verstanden, daß ein Obsthändler, der zum
Bespiel zehn Äpfel schuldet, sich entschließen kann,
als Werbegeschenk noch ein paar weniger ansehnliche
Äpfel (beispielsweise mit Druckstellen) dazuzugeben.

Dieses wurde dann, in meinem Verständnis, auf Geld
übertragen, wo weniger wertvolle Beträge "gequetscht"
sind.

Kuppers: "Bezieht sich eigentlich auf die in den Skat
abgelegten Karten: ihre 'Augen' sind dem Spieler sicher.
1970 𝑓𝑓."
Stefan Ram
2020-04-23 14:30:23 UTC
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Post by Stefan Ram
Kuppers: "Bezieht sich eigentlich auf die in den Skat
abgelegten Karten: ihre 'Augen' sind dem Spieler sicher.
1970 𝑓𝑓."
Web: Quetschen: Ist ein anderes Wort für drücken, also das
Weglegen zweier Karten nach der Skataufnahme durch den Solisten.
Stefan Ram
2020-04-23 14:36:59 UTC
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Post by Stefan Ram
Kuppers: "Bezieht sich eigentlich auf die in den Skat
abgelegten Karten: ihre 'Augen' sind dem Spieler sicher.
1970 𝑓𝑓."
Mit "Kuppers" meinte ich Herr Dr. Heinz Küpper.
Entschuldigung!
Quinn C
2020-04-23 17:12:07 UTC
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Post by Stefan Ram
Das ist gewiss nicht gemeint. Ich habe "Zerquetschte" immer so
verstanden, dass einer sich schwer tut, einen Geldbetrag "locker" zu
machen. "Gequetscht" ist ja das Gegenteil von "locker", und
"zerquetscht" ist der letzte Rest eines Geldbetrags, nämlich
derjenige, der in der Tasche so lange gedrückt wurde, bis er endlich
deformiert herausgezogen wird.
Ich habe es so verstanden, daß ein Obsthändler, der zum
Bespiel zehn Äpfel schuldet, sich entschließen kann,
als Werbegeschenk noch ein paar weniger ansehnliche
Äpfel (beispielsweise mit Druckstellen) dazuzugeben.
ROFL!
Post by Stefan Ram
Kuppers: "Bezieht sich eigentlich auf die in den Skat
abgelegten Karten: ihre 'Augen' sind dem Spieler sicher.
1970 ������������."
"Drücken" war bei uns - und sicher nicht nur bei uns - der übliche
Ausdruck für diesen Vorgang. "... und ein paar Zerdrückte" würde ich
auch verstehen, habe ich aber glaube ich noch nie gehört.
--
dasz jederman sehe, wie falsch unsere gugelmönche zu ihres ordens
verteidigung der ersten kirchenexempel anziehen Calvin
GRIMM, Deutsches Wörterbuch
Stefan Schmitz
2020-04-24 08:41:54 UTC
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Post by Stefan Ram
Ich habe es so verstanden, daß ein Obsthändler, der zum
Bespiel zehn Äpfel schuldet, sich entschließen kann,
als Werbegeschenk noch ein paar weniger ansehnliche
Äpfel (beispielsweise mit Druckstellen) dazuzugeben.
ROFL!
Einen ähnlichen Gedanken hatte ich gestern auch:

Wenn jemand Obst erntet, hat er am Ende vielleicht 5 volle Kisten und einen
kleinen Rest. Lagert er diesen Rest nicht in einer fast leeren Kiste, sondern
packt ihn zwischen die vollen Kisten, wird er beim Transport vielleicht
beschädigt. Das wäre für mich die plausibelste Erklärung für die
"Zerquetschten".

Die von Roland genannte Erklärung würde eher zu "ein paar Kaputte" passen.
Roland Franzius
2020-04-24 09:38:01 UTC
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Post by Stefan Schmitz
Post by Stefan Ram
Ich habe es so verstanden, daß ein Obsthändler, der zum
Bespiel zehn Äpfel schuldet, sich entschließen kann,
als Werbegeschenk noch ein paar weniger ansehnliche
Äpfel (beispielsweise mit Druckstellen) dazuzugeben.
ROFL!
Wenn jemand Obst erntet, hat er am Ende vielleicht 5 volle Kisten und einen
kleinen Rest. Lagert er diesen Rest nicht in einer fast leeren Kiste, sondern
packt ihn zwischen die vollen Kisten, wird er beim Transport vielleicht
beschädigt. Das wäre für mich die plausibelste Erklärung für die
"Zerquetschten".
Die von Roland genannte Erklärung würde eher zu "ein paar Kaputte" passen.
Das nennt man denn woll "kaputtes Sprachgefühl".

Am Zerquetschten ist nichts kaputt.

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Die halbierten Münzen Haben allerdings heute keinen Sammlerwert außer
dem Materialwert.
--
Roland Franzius
Stefan Schmitz
2020-04-24 16:35:10 UTC
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Post by Roland Franzius
Post by Stefan Schmitz
Post by Stefan Ram
Ich habe es so verstanden, daß ein Obsthändler, der zum
Bespiel zehn Äpfel schuldet, sich entschließen kann,
als Werbegeschenk noch ein paar weniger ansehnliche
Äpfel (beispielsweise mit Druckstellen) dazuzugeben.
ROFL!
Wenn jemand Obst erntet, hat er am Ende vielleicht 5 volle Kisten und einen
kleinen Rest. Lagert er diesen Rest nicht in einer fast leeren Kiste, sondern
packt ihn zwischen die vollen Kisten, wird er beim Transport vielleicht
beschädigt. Das wäre für mich die plausibelste Erklärung für die
"Zerquetschten".
Die von Roland genannte Erklärung würde eher zu "ein paar Kaputte" passen.
Das nennt man denn woll "kaputtes Sprachgefühl".
Am Zerquetschten ist nichts kaputt.
https://en.wikipedia.org/wiki/Hacksilver#/media/File:Eastern_Hacksilber_from_the_Levant_425-420_BCE.jpg
Die halbierten Münzen Haben allerdings heute keinen Sammlerwert außer
dem Materialwert.
Zerquetschte Münzen wären zwar verformt, aber immer noch ganz. Halbierte sind
kaputt.
Roland Franzius
2020-04-24 18:23:16 UTC
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Post by Stefan Schmitz
Post by Roland Franzius
Post by Stefan Schmitz
Post by Stefan Ram
Ich habe es so verstanden, daß ein Obsthändler, der zum
Bespiel zehn Äpfel schuldet, sich entschließen kann,
als Werbegeschenk noch ein paar weniger ansehnliche
Äpfel (beispielsweise mit Druckstellen) dazuzugeben.
ROFL!
Wenn jemand Obst erntet, hat er am Ende vielleicht 5 volle Kisten und einen
kleinen Rest. Lagert er diesen Rest nicht in einer fast leeren Kiste, sondern
packt ihn zwischen die vollen Kisten, wird er beim Transport vielleicht
beschädigt. Das wäre für mich die plausibelste Erklärung für die
"Zerquetschten".
Die von Roland genannte Erklärung würde eher zu "ein paar Kaputte" passen.
Das nennt man denn woll "kaputtes Sprachgefühl".
Am Zerquetschten ist nichts kaputt.
https://en.wikipedia.org/wiki/Hacksilver#/media/File:Eastern_Hacksilber_from_the_Levant_425-420_BCE.jpg
Die halbierten Münzen Haben allerdings heute keinen Sammlerwert außer
dem Materialwert.
Zerquetschte Münzen wären zwar verformt, aber immer noch ganz. Halbierte sind
kaputt.
Sprache ist halt wandelbar.

Kaputt ist ein relativ neues Wort, das eine Bedeutung von zerquetscht
ersetzt hat. Früher hatte zerquetschen auch die Bedeutung von zerhacken,
was ja weiches Material voraussetzt.

Zerhacktes Silbergeld war keineswegs kaputt, sondern nur in Kleingeld
verwandelt, etwa so, wie man heute einen Fünfer in 1 Eurostücke
kaputtiert. Die Betrugsgefahr in Zeiten der Silberwährungen waren halt
Fälschungen und echte Denare und Thaler mit kaum sichtbaren Abzwackungen
am Rand, die aber an den Quetschspuren erkennbar waren.

Die Methode der Halbierungen aus dem Altertum wurde dann mit den
staatlichen Münzen in den souveränen Staaten der Barockzeit obsolet,
weil nach dem Goldenen Zeitalter ab 1500 zunehmend die
Edelmetallförderung nicht mehr das weltweite Wirtschaftswachstum
abbildete und daher die Münzen nicht mehr zum festen Nennwert Silber
enthielten, sondern einen fiktiven Geldwert darstellten, der dann in
Notzeiten gegen 0 ging.

OnTopic und aktuell: Faust II, Faust und Mephisto als Finanz-Ratgeber
beim Kaiser.
--
Roland Franzius
Ralf Joerres
2020-04-26 06:38:54 UTC
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Post by Roland Franzius
Kaputt ist ein relativ neues Wort, das eine Bedeutung von zerquetscht
ersetzt hat. Früher hatte zerquetschen auch die Bedeutung von zerhacken,
was ja weiches Material voraussetzt.
Wollte das spaßeshalber mal fix mit Google Ngram Viewer checken, aber die
Sprachauswahl gibt's da nicht mehr, ich kann da - zumindest jetzt - nur
englische Ngrams suchen. Vielleicht eine Serverumstellung oder was auch
immer, von Google selbst gibt's ja fast nie Informationen zu sowas, kann
sich irgendwann auch wieder wie gewohnt präsentieren.

Ralf Joerres
Manfred Hoß
2020-04-26 06:57:41 UTC
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Post by Ralf Joerres
Post by Roland Franzius
Kaputt ist ein relativ neues Wort, das eine Bedeutung von zerquetscht
ersetzt hat. Früher hatte zerquetschen auch die Bedeutung von zerhacken,
was ja weiches Material voraussetzt.
Wollte das spaßeshalber mal fix mit Google Ngram Viewer checken, aber die
Sprachauswahl gibt's da nicht mehr, ich kann da - zumindest jetzt - nur
englische Ngrams suchen. Vielleicht eine Serverumstellung oder was auch
immer, von Google selbst gibt's ja fast nie Informationen zu sowas, kann
sich irgendwann auch wieder wie gewohnt präsentieren.
Ich liebe gedruckte Bücher, denn im Gegensatz zu Online-Quellen ändern sich
erstere nicht. Was ich heute in einem Buch lese, ist in 10 Jahren noch
immer dort zu finden. So steht in der 2002 erschienenen 10., überarbeiteten
und erweiterten Auflage von Hermann Pauls "Deutschem Wörterbuch":

"*kaputt* nach dem frz. Spielerausdruck /faire capot/ (zu /capoter/ >ken-
tern<) >vollständig zerstören<, im 17.Jh. als /capot|caput machen/ entl.,
bes. soldatenspr. >umbringen< (FWb); schon 17.Jh. auch /k./ (>entzwei<)
/gehen: Die Fensterscheibe .. ist .., wie meine Nichte sagt, >caput< ge-/
/gangen/ (Hoffm. v. Fallersl. Mein Leben I,62); ferner >entkräftet, matt<
(Ca. Erg.); seit dem 19. Jh. in zahlreichen Wendungen, z.B. sich /kaputt-/
/lachen (->tot); sich für jmdn. kaputtmachen; nicht kaputtzukriegen/ (>un-
verwüstlich<) /sein/; neuerdings haushaltspolit. /kaputtsparen./"

Gruß
Manfred.
Roland Franzius
2020-04-26 08:24:45 UTC
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Post by Manfred Hoß
Post by Ralf Joerres
Post by Roland Franzius
Kaputt ist ein relativ neues Wort, das eine Bedeutung von
zerquetscht ersetzt hat. Früher hatte zerquetschen auch die
Bedeutung von zerhacken, was ja weiches Material voraussetzt.
Wollte das spaßeshalber mal fix mit Google Ngram Viewer checken,
aber die Sprachauswahl gibt's da nicht mehr, ich kann da -
zumindest jetzt - nur englische Ngrams suchen. Vielleicht eine
Serverumstellung oder was auch immer, von Google selbst gibt's ja
fast nie Informationen zu sowas, kann sich irgendwann auch wieder
wie gewohnt präsentieren.
Ich liebe gedruckte Bücher, denn im Gegensatz zu Online-Quellen
ändern sich erstere nicht. Was ich heute in einem Buch lese, ist in
10 Jahren noch immer dort zu finden. So steht in der 2002
erschienenen 10., überarbeiteten und erweiterten Auflage von Hermann
"*kaputt* nach dem frz. Spielerausdruck /faire capot/ (zu /capoter/
Post by Ralf Joerres
ken- tern<) >vollständig zerstören<, im 17.Jh. als /capot|caput
machen/ entl., bes. soldatenspr. >umbringen< (FWb); schon 17.Jh. auch
/k./ (>entzwei<) /gehen: Die Fensterscheibe .. ist .., wie meine
Nichte sagt, >caput< ge-/ /gangen/ (Hoffm. v. Fallersl. Mein Leben
I,62); ferner >entkräftet, matt< (Ca. Erg.); seit dem 19. Jh. in
zahlreichen Wendungen, z.B. sich /kaputt-/ /lachen (->tot); sich für
jmdn. kaputtmachen; nicht kaputtzukriegen/ (>un- verwüstlich<)
/sein/; neuerdings haushaltspolit. /kaputtsparen./"
Nachtrag: Kaputt wurde in den 1930ern zunehmend als Zustandsbeschreibung
für reparierbares technisches Gerät bneutzt.

Der kaputte Schlauch wurde mit Gummilösung geflickt, das kaputte Auto
musste in die Werkstatt, die kaputte Puppe kam zum Puppendoktor, die
kaputte Sekretärin bekam Erholungsurlaub, die kaputte Ehe ging in den
erträglicheren Zustand der Trennung von Tisch und Bett.

Für nicht Reparables gabs zunhehmend eine reich bebilderte Auswahl an
Ausdrücke vom zerbrochenen Krug über die zerissene Seele, den
geborstenen Dampfkessel, die durchgebrannte Lampe bis zur Schrottkarre,
die nicht mehr anspang oder wo beim TÜV der Prüfer des Käfers den Fahrer
von unten durch den Unterboden mit Handschlag begrüßte.
--
Roland Franzius
U***@web.de
2020-05-03 07:43:16 UTC
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Post by Roland Franzius
Post by Manfred Hoß
Post by Ralf Joerres
Post by Roland Franzius
Kaputt ist ein relativ neues Wort, das eine Bedeutung von
zerquetscht ersetzt hat. Früher hatte zerquetschen auch die
Bedeutung von zerhacken, was ja weiches Material voraussetzt.
Wollte das spaßeshalber mal fix mit Google Ngram Viewer checken,
aber die Sprachauswahl gibt's da nicht mehr, ich kann da -
zumindest jetzt - nur englische Ngrams suchen. Vielleicht eine
Serverumstellung oder was auch immer, von Google selbst gibt's ja
fast nie Informationen zu sowas, kann sich irgendwann auch wieder
wie gewohnt präsentieren.
Ich liebe gedruckte Bücher, denn im Gegensatz zu Online-Quellen
ändern sich erstere nicht. Was ich heute in einem Buch lese, ist in
10 Jahren noch immer dort zu finden. So steht in der 2002
erschienenen 10., überarbeiteten und erweiterten Auflage von Hermann
"*kaputt* nach dem frz. Spielerausdruck /faire capot/ (zu /capoter/
Post by Ralf Joerres
ken- tern<) >vollständig zerstören<, im 17.Jh. als /capot|caput
machen/ entl., bes. soldatenspr. >umbringen< (FWb); schon 17.Jh. auch
/k./ (>entzwei<) /gehen: Die Fensterscheibe .. ist .., wie meine
Nichte sagt, >caput< ge-/ /gangen/ (Hoffm. v. Fallersl. Mein Leben
I,62); ferner >entkräftet, matt< (Ca. Erg.); seit dem 19. Jh. in
zahlreichen Wendungen, z.B. sich /kaputt-/ /lachen (->tot); sich für
jmdn. kaputtmachen; nicht kaputtzukriegen/ (>un- verwüstlich<)
/sein/; neuerdings haushaltspolit. /kaputtsparen./"
Nachtrag: Kaputt wurde in den 1930ern zunehmend als Zustandsbeschreibung
für reparierbares technisches Gerät bneutzt.
Der kaputte Schlauch wurde mit Gummilösung geflickt, das kaputte Auto
musste in die Werkstatt, die kaputte Puppe kam zum Puppendoktor, die
kaputte Sekretärin bekam Erholungsurlaub, die kaputte Ehe ging in den
erträglicheren Zustand der Trennung von Tisch und Bett.
Für nicht Reparables gabs zunhehmend eine reich bebilderte Auswahl an
Ausdrücke vom zerbrochenen Krug über die zerissene Seele, den
geborstenen Dampfkessel, die durchgebrannte Lampe bis zur Schrottkarre,
die nicht mehr anspang oder wo beim TÜV der Prüfer des Käfers den Fahrer
von unten durch den Unterboden mit Handschlag begrüßte.
"Alles machst Du kaputt, Andi."
http://www.theaterverein-schrattenberg.at/pages/posts/piroschka---august-2013-5.php

Anlaß war WIMRE eine Keramik in der Pension,
die zu Bruch ging. Kaum zu kitten.

Beim Maisschälen sagt meine Erinnerung allerdings
Maisrebeln.

Diedrich Ehlerding
2020-04-27 18:35:12 UTC
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Post by Ralf Joerres
Wollte das spaßeshalber mal fix mit Google Ngram Viewer checken, aber
die Sprachauswahl gibt's da nicht mehr,
Hm? Hier geht das noch (angeboten werden diverse Sprachen ("corpus"), auch
deutsch ("German (2012)", scheint aber trotz "2012" nur bis 2008 zu
gehen).

<https://books.google.com/ngrams/graph?content=kaputt&year_start=1800&year_end=2018&corpus=20&smoothing=0&share=&direct_url=t1%3B%2Ckaputt%3B%2Cc0#t1%3B%2Ckaputt%3B%2Cc0>
--
gpg-Key (DSA 1024) D36AD663E6DB91A4
fingerprint = 2983 4D54 E00B 8483 B5B8 C7D1 D36A D663 E6DB 91A4
HTML-Mail wird ungeleſen entſorgt.
Ralf Joerres
2020-04-28 10:08:24 UTC
Antworten
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Post by Diedrich Ehlerding
Post by Ralf Joerres
Wollte das spaßeshalber mal fix mit Google Ngram Viewer checken, aber
die Sprachauswahl gibt's da nicht mehr,
Hm? Hier geht das noch (angeboten werden diverse Sprachen ("corpus"), auch
deutsch ("German (2012)", scheint aber trotz "2012" nur bis 2008 zu
gehen).
<https://books.google.com/ngrams/graph?content=kaputt&year_start=1800&year_end=2018&corpus=20&smoothing=0&share=&direct_url=t1%3B%2Ckaputt%3B%2Cc0#t1%3B%2Ckaputt%3B%2Cc0>
Geht auch bei mir wieder, die Sprachauswahl war vorübergehend off.

Ralf Joerres
U***@web.de
2020-05-03 07:32:13 UTC
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Post by Roland Franzius
Post by Stefan Schmitz
Wenn jemand Obst erntet, hat er am Ende vielleicht 5 volle Kisten und einen
kleinen Rest. Lagert er diesen Rest nicht in einer fast leeren Kiste, sondern
packt ihn zwischen die vollen Kisten, wird er beim Transport vielleicht
beschädigt. Das wäre für mich die plausibelste Erklärung für die
"Zerquetschten".
Die von Roland genannte Erklärung würde eher zu "ein paar Kaputte" passen.
Das nennt man denn woll "kaputtes Sprachgefühl".
Am Zerquetschten ist nichts kaputt.
https://en.wikipedia.org/wiki/Hacksilver#/media/File:Eastern_Hacksilber_from_the_Levant_425-420_BCE.jpg
Die halbierten Münzen Haben allerdings heute keinen Sammlerwert außer
dem Materialwert.
Das mag bei halben Bahnfahrkarten anders sein.
U***@web.de
2020-05-03 07:30:07 UTC
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Post by Quinn C
Post by Stefan Ram
Das ist gewiss nicht gemeint. Ich habe "Zerquetschte" immer so
verstanden, dass einer sich schwer tut, einen Geldbetrag "locker" zu
machen. "Gequetscht" ist ja das Gegenteil von "locker", und
"zerquetscht" ist der letzte Rest eines Geldbetrags, nämlich
derjenige, der in der Tasche so lange gedrückt wurde, bis er endlich
deformiert herausgezogen wird.
Ich habe es so verstanden, daß ein Obsthändler, der zum
Bespiel zehn Äpfel schuldet, sich entschließen kann,
als Werbegeschenk noch ein paar weniger ansehnliche
Äpfel (beispielsweise mit Druckstellen) dazuzugeben.
ROFL!
Post by Stefan Ram
Kuppers: "Bezieht sich eigentlich auf die in den Skat
abgelegten Karten: ihre 'Augen' sind dem Spieler sicher.
1970 ����."
"Drücken" war bei uns - und sicher nicht nur bei uns - der übliche
Ausdruck für diesen Vorgang.
Außerdem bekommt im Ramsch, einer gar unziemlichen,
aber durchaus interessanten Aberration, nach meiner
Erinnerung der den Skat, der den letzten Stich macht.

Allerdings wird nur in der Ramschrunde gedrückt,
nicht, wenn keiner reizt.
Ralf Joerres
2020-04-26 06:54:47 UTC
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Post by Wolfgang
Übrigens würde ich den Ausdruck nicht nur für Geldbeträge verwenden,
sondern für alle Arten gerundeter Zahlen, bei denen es auf den
genauen Wert nicht ankommt.
Ja, z.B. in dem Joke: Bei dem Unfall gab es 15 Tote und ein paar Zerquetschte.

Ralf Joerres
Quinn C
2020-04-26 16:47:50 UTC
Antworten
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Post by Ralf Joerres
Post by Wolfgang
Übrigens würde ich den Ausdruck nicht nur für Geldbeträge verwenden,
sondern für alle Arten gerundeter Zahlen, bei denen es auf den
genauen Wert nicht ankommt.
Ja, z.B. in dem Joke: Bei dem Unfall gab es 15 Tote und ein paar Zerquetschte.
Eben dieses makabre Beispiel käme mir eher in den Sinn als Obst, wenn
ich einen Ursprung für den Ausdruck erfinden sollte.
--
gugelgans, f., alberne gans, schelte:
GRIMM, Deutsches Wörterbuch
Ingo Stiller
2020-04-23 14:19:44 UTC
Antworten
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Post by Stefan Schmitz
Woher kommt eigentlich der Ausdruck "... und ein paar Zerquetschte", mit dem
gesagt wird, dass zu einem glatten Geldbetrag noch ein nicht näher bezeichneter
Kleinbetrag hinzukommt? Dass Geld mechanisch beschädigt wird, entspricht nicht
meiner Vorstellung.
Vielleicht "zerquetscht" man die Ziffern hinterm Komma?

Ingo
Roland Franzius
2020-04-23 14:50:39 UTC
Antworten
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Post by Stefan Schmitz
Woher kommt eigentlich der Ausdruck "... und ein paar Zerquetschte", mit dem
gesagt wird, dass zu einem glatten Geldbetrag noch ein nicht näher bezeichneter
Kleinbetrag hinzukommt? Dass Geld mechanisch beschädigt wird, entspricht nicht
meiner Vorstellung.
Dieser Tage begegnete mir die Alternativform "... und ein paar Kaputte". Ist die
allgemein bekannt? Gibt es noch andere Varianten? Regional verschieden?
Und was gilt eigentlich als "zerquetscht"? Sind das nur Cent oder können es
auch größere Beträge sein? Wären also etwa 1023 Euro "Tausend und ein paar
Zerquetschte"?
Früher wurden Silbermünzen gern zerhackt. Silber war ja einfach ein
Rohstoff, der Wert der Münze war ihr Silbergewicht und umgekehrt.
Darunter gabs Kupfer, dessen Wert nur symbolisch war. Ein Zerquetschter
ist also ein halber oder viertel Taler, Peso, Dollar, Pfund.

In der Barocktrilogie, 1. Bd Quicksilver, wird höchst lebendig
beschrieben, was man an Hacksilber so auf der Reise von Konstantinopel
ins London Newtons so im Sacke trug und warum man beim Wechseln
ausgewiesene Fachleute brauchte, bevor Newton als Chef der Münze Ordnung
in den Laden brachte.

https://de.wikipedia.org/wiki/Barock-Zyklus
--
Roland Franzius
JaWo
2020-04-23 15:53:48 UTC
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Permalink
Post by Roland Franzius
...
Früher wurden Silbermünzen gern zerhackt. Silber war ja einfach ein
Daher kommt auch der Name 'Rubel'. Er stammt aus dem 14. Jahrhundert
und bedeutet „abhauen“, „herunterschlagen“ (russisch рубить/rubit), also
„ein von den Silberbarren abgehauenes Stück“.
Post by Roland Franzius
Rohstoff, der Wert der Münze war ihr Silbergewicht und umgekehrt.
Darunter gabs Kupfer, dessen Wert nur symbolisch war. Ein Zerquetschter
ist also ein halber oder viertel Taler, Peso, Dollar, Pfund.
Quinn C
2020-04-23 17:12:07 UTC
Antworten
Permalink
Post by Stefan Schmitz
Und was gilt eigentlich als "zerquetscht"? Sind das nur Cent oder können es
auch größere Beträge sein? Wären also etwa 1023 Euro "Tausend und ein paar
Zerquetschte"?
Das geht für mich auch. Eine Menge, die im Zusammenhang den Kohl nicht
fett macht.

Wie Wolfgang verwende ich das auch für andere Zahlen, nicht nur
Geldbeträge.
--
er (Tristan) hiez im ein tôrenkleit
an der stete machen:
von wunderlîchen sachen
einen roc seltsên getan
und eine gugelen daran
H. V. FREIBERG Tristan
Thomas Heier
2020-04-24 11:21:49 UTC
Antworten
Permalink
Post by Stefan Schmitz
Woher kommt eigentlich der Ausdruck "... und ein paar Zerquetschte",
Gefängnis, Folterkammer, Folterknecht.

Der Begriff ist mir umgangssprachlich aus dem Handwerk bekannt, wenn
eine Messgröße ein paar % über einer vollen Zahl lag.
--
Urlaubs- und Knipsbilder: http://www.thomas-heier.de/Bilder
www.treffkalender.de - im Aufbau, aber bei den Cafetreffs
reichlich Damenüberschuß (meist 8:2 bis 15:4,
Altersklasse 40+ ...)
Ralf Joerres
2020-04-26 06:53:03 UTC
Antworten
Permalink
Post by Stefan Schmitz
Woher kommt eigentlich der Ausdruck "... und ein paar Zerquetschte", mit dem
gesagt wird, dass zu einem glatten Geldbetrag noch ein nicht näher bezeichneter
Kleinbetrag hinzukommt? Dass Geld mechanisch beschädigt wird, entspricht nicht
meiner Vorstellung.
Dieser Tage begegnete mir die Alternativform "... und ein paar Kaputte". Ist die
allgemein bekannt? Gibt es noch andere Varianten? Regional verschieden?
Und was gilt eigentlich als "zerquetscht"? Sind das nur Cent oder können es
auch größere Beträge sein? Wären also etwa 1023 Euro "Tausend und ein paar
Zerquetschte"?
Da wird sich jeder sein eigenes Bild machen. Ich hab früher hier und da
Kupfermünzen auf Straßenbahnschienen gelegt und abgewartet, was passiert,
wenn die Bahn drüberjuckelt. Die waren dann auf jeden Fall größer, ob die
Prägung noch zu erkennen war, weiß ich nicht mehr. Ich hab auch nicht
versucht, damit zu bezahlen, jedenfalls waren die 'angequetscht', nicht
mehr wirklich zu gebrauchen. Ob die Bank die umgetauscht hätte, was sie ja
mit angekokelten Geldscheinen macht? Wer weiß. Mein Bild von den
'Zerquetschten' ist mit meinen Münzexperimenten assoziiert.

Für mich ein ähnlicher Ausdruck ist 'Klimpergeld' = kein nennenswerter
Betrag, da ist die 'Herkunft' klar. Auch der'schäbige Rest' hat 'ne
ähnliche Bedeutung (wir sagen hier ja in der Grundform 'schäbbich' -
Keer, is dat Wetter heute wieddo schäbbich; und mit Geld: Den schäbbigen
Rest kannze behalten.)

Von wegen Obst, was hier manche gepostet haben: Der Vergleich passt ganz
gut - die Maaktfrau hat mir noch'en paa Zerquetschte (Pflaumen) für lau
mit beigegeben.

Bei sowas frag ich mich nie nach der Herkunft, das ist für mich immer
'von vornherein klar'; Mathematiker nennen sowas glaubich 'trivial'.

Gruß Ralf Joerres
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