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Was nicht mehr im Duden steht
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Manfred Hoß
2018-11-24 09:09:27 UTC
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Hallo,

hier ist oft die Rede davon, was alles im Duden steht. In dem folgenden
Artikel geht es darum, was nicht mehr im Duden steht.

https://orf.at/stories/3100711/

Gruß
Manfred.
Ralf Joerres
2018-11-24 11:15:39 UTC
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Post by Manfred Hoß
Hallo,
hier ist oft die Rede davon, was alles im Duden steht. In dem folgenden
Artikel geht es darum, was nicht mehr im Duden steht.
https://orf.at/stories/3100711/
Nicht uninteressant. Um die 'Kodaker' ist es wahrscheinlich nicht schade,
heute bei Ngram Viewer nicht aufzufinden und bei einfacher Google-Suche
nur noch auf fremdsprachigen Seiten (hab mir nicht alles einzeln angesehen,
vielleicht gibt's doch noch was auf Deutsch). Dass Wörter aus dem Duden
verschwinden, überrascht mich weniger als bei vielen die Frage, wie sie
erst mal hineingelangt sind. Um die "Sicherheitszündhölzer" ranken sich
schöne Geschichten, bei der Gelegenheit hab ich doch mal wieder das Foto
einer alten Welthölzer-Schachtel gesehen. Für mich ist im Rückblick
irritierend, mir zu vergegenwärtigen, dass Dinge, die so alltäglich wie das
Atmen waren, so dass sie erst gar nicht ins Bewusstsein gehoben wurden,
ebenso geräuschlos wieder untergingen und erst durch so etwas wie eine
Überraschungs-Konfrontation zu einem Bewusstseinsinhalt werden.
Das dürfte bei vielen Markennamen ständig so laufen. Neulich gesehen:
Prilblumen. Da kannte ich wenigstens das Wort und auch das Phänomen, hatten
wir auch in der Küche, waren bei uns nur mit Mühe wieder zu entfernen. (Wurde
in einer kleinen Sendereihe präsentiert: 'Das war dann mal weg', ZDF-
Mediathek).

Manche hantieren mit dem Duden-Auftritt eines Wortes wie mit einer Sport-
Auszeichnung: 'Steht doch im Duden!' heißt dann 'das Wort hat eine wichtige
Hürde genommen'. Das sollte man nicht allzu ernst nehmen. Die Wörter leben
in ihrer Zeit, die Zeiten ändern sich und so fällt das meiste wieder heraus.
Heute wird oft die Häufigkeit von den Wörterbüchern als Qualitätsausweis
mitgeliefert. Viel aussagekräftiger wäre wohl der Bestand eines Wortes oder
Wortbestandteils über die Zeitläufte hinweg unter weitgehender Konstanz der
Bedeutung. Bei 'Him-' und 'Brom-' wird man sich einig werden, beim '-ling'
erst mal nicht, darüber wird hier ja immer wieder mal diskutiert. Dass
übrigens der "Zärtling" anno 67 rausgeflogen war, verwundert, ist er doch
[um einmal diese aus der Mode gekommene Konstruktion zu bemühen - oder passt
die hier nicht?] heute wieder dabei.

Wie auch immer: Die Frage, was in den Duden oder in irgendein Wörterbuch
hineinsoll, ist nicht aus dem Handgelenk zu beantworten. Wie steht's etwa
um 'hineinsollen', 'rausmüssen' (alles muss raus), 'wegkönnen' (ist das
Kunst oder ...)?

Wirklich sicher ist da nur eins: Für Jakob Achterndiek ist alles, was die
Duden-Leute entscheiden, von Übel.

Gruß Ralf Joerres

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