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Kugelfuhr
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Martin Gerdes
2017-06-02 23:27:17 UTC
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Oliver hat den Begriff gelegentlich in seiner Signatur als "Gugelfuhr"
(und bezieht ihn lautlich auf "Google"). Ich kenne den Begriff aus
meiner Kinderzeit als "umständliches, lästiges Vorgehen". Ich wäre
geneigt, den Begriff als Teil meines aktiven Wortschatzes zu bezeichnen,
aber ach! Ich lebe bekanntlich in der Diaspora, und hier versteht das
keiner.

Irgenwo im Netz habe ich die Vermutung gefunden, das Wort setze sich
zusammen aus Kugel, also mhd gogel, Gaukler (aus dem It. giocare,
spielen, scherzen) und Fuhr (von lat. forum, franz. foire, also
Jahrmarkt). Das klingt plausibel, wenngleich es sich nicht ganz mit der
Wortverwendung deckt, die ich aus meiner Kinderzeit kenne.




Aktuell habe ich einen Kollegen aus meiner unmittelbaren Heimatgegend,
der zwar kein Schwäbisch spricht, es aber immerhin versteht. Immerhin:
Wenn i schwäbisch schwätz, registriert er, daß diese Rede auf ihn
gemünzt ist.

(Und ein anderer Kollege hat einen ganz deutlich stärkeren Akzent als
ich und überlebt doch hier im Ausland. So manches Mal zaubert er mir ein
Schmunzeln ins Gesicht, etwa dann, wenn er davon berichtet, daß etwas
noch hebe).
Stephen Hust
2017-06-03 08:50:48 UTC
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Post by Martin Gerdes
Oliver hat den Begriff gelegentlich in seiner Signatur als "Gugelfuhr"
(und bezieht ihn lautlich auf "Google"). Ich kenne den Begriff aus
meiner Kinderzeit als "umständliches, lästiges Vorgehen". Ich wäre
geneigt, den Begriff als Teil meines aktiven Wortschatzes zu bezeichnen,
aber ach! Ich lebe bekanntlich in der Diaspora, und hier versteht das
keiner.
Wenn's interessiert ...

Grimm kennt beide Schreibweisen.

<http://woerterbuchnetz.de/DWB/?sigle=DWB&mode=Vernetzung&hitlist=&patternlist=&lemid=GG31877#XGG31877>

<http://woerterbuchnetz.de/cgi-bin/WBNetz/wbgui_py?lemid=GG31877&mode=Vernetzung&hitlist=&patternlist=&bookref=11,2541,5&sigle=DWB>

Siehe auch:

<http://woerterbuchnetz.de/cgi-bin/WBNetz/wbgui_py?sigle=Lexer&lemid=LG05002>

<https://digital.idiotikon.ch/idtkn/id1.htm#!page/10971/mode/1up>
Post by Martin Gerdes
Irgenwo im Netz habe ich die Vermutung gefunden, das Wort setze sich
zusammen aus Kugel, also mhd gogel, Gaukler (aus dem It. giocare,
spielen, scherzen) und Fuhr (von lat. forum, franz. foire, also
Jahrmarkt). Das klingt plausibel, wenngleich es sich nicht ganz mit der
Wortverwendung deckt, die ich aus meiner Kinderzeit kenne.
| Das heutige "Kugelfuhr" für eine ärgerliche, zeitraubende u.
| unergiebige Tätigkeit ist wohl urspr. Gugelfuhr. Gugel war nach Arndt
| auch die Narrenkappe u. der Narr selbst.
|
("Veröffentlichungen der Kommission für Geschichtliche Landeskunde in
Baden-Württemberg: Forschungen", Bände 14-15, S. 196 (nach Google-Books).)
--
Steve

My e-mail address works as is.
Manfred Hoß
2017-06-03 10:26:08 UTC
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Post by Martin Gerdes
Oliver hat den Begriff gelegentlich in seiner Signatur als "Gugelfuhr"
(und bezieht ihn lautlich auf "Google"). Ich kenne den Begriff aus
meiner Kinderzeit als "umständliches, lästiges Vorgehen".
In Band 125 der Digitalen Bibliothek, "Deutsche Literatur von Luther bis
Tucholsky", steht in einer Fußnote zu Mörikes Märchen "Das Stuttgarter
Hutzelmännlein":

"Die Gugelnarren, d.h. die Narren mit den spitzigen Hanswursthüten, ließen
sich zur Fastnachtszeit auf Karren herumführen und trieben Unfug; daher
Gugelfuhr für große Lustbarkeit und jeden lustig lärmenden Unfug."

Gruß
Manfred.
Frank Hucklenbroich
2017-06-03 15:27:23 UTC
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Post by Manfred Hoß
"Die Gugelnarren, d.h. die Narren mit den spitzigen Hanswursthüten, ließen
sich zur Fastnachtszeit auf Karren herumführen und trieben Unfug; daher
Gugelfuhr für große Lustbarkeit und jeden lustig lärmenden Unfug."
Sind die verwandt mit den bayrischen Guglmännern?

Übrigens habe ich Kugelfuhr noch nie gehört.

Grüße,

Frank

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