Discussion:
Target-Salden: Eine Million Euro Schulden pro Minute fuer Deutschland
(zu alt für eine Antwort)
Ernst Wandl
2018-07-09 07:40:59 UTC
Permalink
Raw Message
So, 8. Juli 2018
Schuldturm Frankfurt Ostend
[...]
Spätere Generationen werden die Frage stellen, wie das Pyramiden-
schema des Target-2-Systems trotz aller Warnungen nicht als das
erkannt wurde, was es in Wahrheit ist: ein Betrugsschema
zur Aufrechterhaltung einer Geldillusion.
[...]
Wie entsteht Target-2? Ganz einfach: Stellen Sie sich vor, ein
fleißiger Italiener, Spanier, Franzose oder Grieche traut seinen
Politikern nicht, die dafür notwendigen Dinge zu tun, dass sein
Land auf Dauer innerhalb des Euro wirtschaftlich überleben kann.

Dafür hat er triftige Gründe, wie wir wohl alle zustimmend zur
Kenntnis nehmen werden. Er rechnet also damit, dass es früher
oder später dazu kommt, dass das passiert, was alle Eurokraten
für unmöglich erklären: Dass sein Land den Euro verlässt. Er
will aber nicht, dass seine bisher dank des Stabilitätsankers
Deutschland relativ stabilen Euro einkassiert und zwangsweise
in neue Drachmen, Lira, Peseten oder Franc umgetauscht werden.

Er weiß: Die Kaufkraft dieser neuen Währungen wird wohl nur noch
halb so hoch sein. Er unterstellt dem Italo-Euro also ein Wechsel-
kursrisiko und handelt konsequent: Er geht zu seiner Bank, hebt
das Geld, dass er hat, ab und bringt es nach Deutschland.
Man nennt das Kapitalflucht.

Die Bank hat das Geld aber nicht, sie leiht es sich bei der itali-
enischen Zentralbank, die wiederum hat es auch nicht und leiht es
sich bei der EZB. In Deutschland kauft er sich vielleicht eine
Immobilie oder eröffnet ein Konto bei einer Sparkasse und so
fließt das Geld ins deutsche Bankensystem, wo es mangels Kredit-
nachfrage zum Strafzins von-0,4% bei der Bundesbank angelegt wird.

Die Bundesbank hat jetzt einen Überschuss. Das macht nichts, denn
rein zufällig fragt das Zahlungsverkehrssystem Target-2 bei der
EZB die Bundesbank gerade jetzt um einen Kredit an, um die Leihe
an die Banca d`Italia zu finanzieren. So schließt sich der Kreis
und das Target-2 Saldo hat sich um den Betrag der kleinen Kapital-
flucht erhöht. Das Gleiche passiert bei einem Export von deutschen
Autos nach Süden. Reduziert wird das Problem, wenn wir alle fleißig
Olivenöl in Italien einkaufen und viel Salat damit anrichten.

Eine Billion Euro: 1.000.000.000.000,–

Schauen wir uns die Zahlen an: Die Bundesbank hat im Rahmen des
Zahlungsverkehrssystems Target-2 per 30. Juni 2018 den Betrag
von 976 Milliarden Euro an andere Zentralbanken des Eurosystems
ausgeliehen. Dieser Überziehungskredit ist unbesichert, unlimitiert,
unverzinst und unkontrollierbar, weil es weder eine rechtliche Hand-
habe gibt, ihn zurückzufordern, noch sein weiteres Anwachsen zu
begrenzen. In den letzten 2 Monaten alleine ist er um über 70
Milliarden Euro angestiegen, also um 1,2 Milliarden Euro am Tag.

Das sind ungefähr 1 Million Euro pro Minute.
[...]
Die Verträge offenbaren Überraschendes

Es steht nämlich in den Verträgen zur EZB-Gründung, dass ein Land
im Falle seines Ausscheidens aus dem Euro diesen Saldo ausgleichen
muss. Daran sind mehrere Dinge überraschend: Erstens, dass die
Verträge entgegen dem dauernd wiederholten Mantra aus Brüssel,
Frankfurt und Berlin die Möglichkeit eines Ausscheidens eben
doch vorsehen. Es ist also möglich. Es muss wohl auch
vertragskonform sein, sonst stünde es ja nicht da.

Zweitens, dass es sich offensichtlich doch um Schulden handelt,
denn wenn es keine wären, müsste ja auch kein Ausgleich erfolgen.
Nicht dass sich unser geldpolitisches Zentralkomitee nicht so-
wieso dauernd widerspricht, aber für die Nachwelt möchte ich
diese spezielle ocntradictio in adjectu nur mal hier fest-
gehalten haben.

Da insbesondere im Falle Italiens der größte Teil des Saldos nicht
durch ein Handels- bzw. Leistungsbilanzdefizit entsteht, sondern
eben durch Kapitalflucht, ist diese Zahl ein direktes Misstrau-
ensvotum der italienischen Sparer in den Fortbestand des Euro,
mindestens aber in die Mitgliedschaft ihres Landes in der kranken
Währungsunion. Und genau an dieser Stelle lohnt es sich auch noch
einmal nachzuhören:

Denn die neue Italienische Regierung hat schon klargemacht, dass
sie nicht beabsichtigt, diese Target-2-Schulden im Falle eines
Austritts zurückzuzahlen. Sie steht nämlich auf dem Standpunkt,
dass es sich ja gar nicht um Schulden handelt und wiederholt
damit nur das Lügenmantra der EU- und deutschen Politiker
und ihrer keynesianischen Claqueure, die zur allgemeinen
Beruhigung diesen ökonomischen Unsinn verbreiten.
[...]
Erstens hat die Banca d`Italia gar nicht genug Mittel, um diese
Salden zurückzuerstatten, selbst wenn sie das wollte, und zweitens
sind im Gegensatz zur Bundesbank in einigen unserer Partnerländer
im Euro die Zentralbanken nicht als Behörden oder Verfassungs-
organe (wie im Falle Deutschlands) verfasst, sondern sind als
Aktiengesellschaften etabliert. Aktiengesellschaften haben,
das weiß eigentlich jeder BWL-Student noch vor dem 1. Semester,
eine Haftungsbeschränkung auf das eingezahlte Kapital.

Das gilt für die Zentralbanken Griechenlands, Italiens und Belgiens.
Es wird interessant sein, wie es ausgeht, wenn ein italienisches
Gericht darüber zu befinden hat, ob die daraus resultierende
Haftungsbegrenzung gegenüber Deutschland gilt oder nicht gilt,
denn die bisherige Rechtsprechung dazu ist bestenfalls unvoll-
ständig, schlimmstenfalls widersprüchlich. Im Schadensfalle
darf man wohl davon ausgehen, dass das staatliche Interesse
an einer Haftungsbegrenzung überwiegt.

Fairerweise können wir das unseren südlichen Nachbarn nicht mal
zum Vorwurf machen. Denn es gehören immer zwei dazu, wenn einer
den anderen hinter die Fichte führt. Einer, der das tut, und
einer, der es trotz besseren Wissens mit sich machen lässt.
[...]
https://www.tichyseinblick.de/wirtschaft/target-salden-eine-million-euro-schulden-pro-minute-fuer-deutschland/

Tja, diesen Schaden hat der "ehrenwortliche" Herr Kohl angerichtet
– die Propaganda hieß: "Der Euro wird so stabil wie die DM." Dann
haben die Deutschen brav CDU gewählt. Und alle 4 Jahre bestätigt.

Bittschön. Es ist angerichtet……

Aber Hauptsache – im Moment und seit Längerem – ist ja, dass einige
deutsche Reihe und Superreiche in Deutschland (Nahles, Schulz und
Scholz gehören dazu) weiter ihre Millionen und Milliarden aus dem
Geschäftsmodel "EU" und "Exportweltmeister" scheffeln nach dem
Motto: Nach mir die Sintflut! Verbrecherische deutsche Politiker und
Politikerinnen sind da ganz offensichtlich sehr willige Handlanger ..

;o)

PS.
dfup bitte auch nach de.etc.sprache.deutsch, weil so viele Deutsche,
dank ihrer "sozialistischer Bildung" kaum mehr sinnerfassend lesen
können, und ich habe weder Lust/Zeit es den Linken auszudeutschen ..
Ulrich Maier
2018-07-09 11:21:38 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Ernst Wandl
Aktiengesellschaften haben,
das weiß eigentlich jeder BWL-Student noch vor dem 1. Semester,
eine Haftungsbeschränkung auf das eingezahlte Kapital.
Nach dem 1. Semester wissen sie es hoffentlich besser!

Ulrich
Werner Holtfreter
2018-07-12 14:24:02 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Ulrich Maier
Post by Ernst Wandl
Aktiengesellschaften haben,
das weiß eigentlich jeder BWL-Student noch vor dem 1. Semester,
eine Haftungsbeschränkung auf das eingezahlte Kapital.
Nach dem 1. Semester wissen sie es hoffentlich besser!
Dass der Aktionär nachschusspflichtig ist, wenn die AG in Schieflage
gerät, oder wie sollen wir dein Raunen verstehen?

Das ist natürlich nicht der Fall.

Er mag sich unglücklich ausgedrückt haben, aber im Kern geht es
tatsächlich um diese Nachschusspflicht (hier aus dem
Staatshaushalt), die zur Debatte steht und die bei AGs eben nicht
besteht.

--> de.soc.recht.misc
--
Gruß Werner
Die Freiheit des Denkens muss grenzenlos sein
www.nzz.ch/feuilleton/inquisition-gibt-es-noch-heute-sie-funktioniert-nur-anders-als-vor-vierhundert-jahren-ld.1380666
Stefan Schmitz
2018-07-13 20:36:29 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Werner Holtfreter
Post by Ulrich Maier
Post by Ernst Wandl
Aktiengesellschaften haben,
das weiß eigentlich jeder BWL-Student noch vor dem 1. Semester,
eine Haftungsbeschränkung auf das eingezahlte Kapital.
Nach dem 1. Semester wissen sie es hoffentlich besser!
Dass der Aktionär nachschusspflichtig ist, wenn die AG in Schieflage
gerät, oder wie sollen wir dein Raunen verstehen?
Das ist natürlich nicht der Fall.
Aktiengesellschaften haben keinerlei Haftungsbeschränkung.
Mark Obrembalski
2018-07-16 20:14:09 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Stefan Schmitz
Post by Werner Holtfreter
Post by Ulrich Maier
Post by Ernst Wandl
Aktiengesellschaften haben,
das weiß eigentlich jeder BWL-Student noch vor dem 1. Semester,
eine Haftungsbeschränkung auf das eingezahlte Kapital.
Nach dem 1. Semester wissen sie es hoffentlich besser!
Dass der Aktionär nachschusspflichtig ist, wenn die AG in Schieflage
gerät, oder wie sollen wir dein Raunen verstehen?
Das ist natürlich nicht der Fall.
Aktiengesellschaften haben keinerlei Haftungsbeschränkung.
Doch. Ein Aktionär ist, sobald er den auf seine Aktie entfallenden
Nennbetrag eingezahlt hat, niemals zu irgendwelchen Nachschüssen
verpflichtet.

Gruß,
Mark
Stefan Schmitz
2018-07-16 21:49:07 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Mark Obrembalski
Post by Stefan Schmitz
Post by Werner Holtfreter
Post by Ulrich Maier
Post by Ernst Wandl
Aktiengesellschaften haben,
das weiß eigentlich jeder BWL-Student noch vor dem 1. Semester,
eine Haftungsbeschränkung auf das eingezahlte Kapital.
Nach dem 1. Semester wissen sie es hoffentlich besser!
Dass der Aktionär nachschusspflichtig ist, wenn die AG in Schieflage
gerät, oder wie sollen wir dein Raunen verstehen?
Das ist natürlich nicht der Fall.
Aktiengesellschaften haben keinerlei Haftungsbeschränkung.
Doch. Ein Aktionär ist, sobald er den auf seine Aktie entfallenden
Nennbetrag eingezahlt hat, niemals zu irgendwelchen Nachschüssen
verpflichtet.
Es gibt also eine Haftungsbeschränkung für die Aktionäre.
Nicht aber für die AG.

Ulrich Maier
2018-07-09 15:42:07 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Ernst Wandl
Da insbesondere im Falle Italiens der größte Teil des Saldos nicht
durch ein Handels- bzw. Leistungsbilanzdefizit entsteht, sondern
eben durch Kapitalflucht...
Da ist das doch schon einmal ein erster Ansatz:

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/380-millionen-euro-bargeld-per-flieger-nach-iran-15682241.html

Ulrich
Werner Holtfreter
2018-07-12 14:29:26 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Ulrich Maier
Post by Ernst Wandl
Da insbesondere im Falle Italiens der größte Teil des Saldos
nicht durch ein Handels- bzw. Leistungsbilanzdefizit entsteht,
sondern eben durch Kapitalflucht...
www.faz.net/aktuell/wirtschaft/380-millionen-euro-bargeld-per-flieger-nach-iran-15682241.html
Die Ratten verlassen das sinkende Schiff. Das sinkende
Schiff sind in diesem Fall vertragsbrüchige Staaten.

--> de.soc.politik.misc
--
Gruß Werner
Die Freiheit des Denkens muss grenzenlos sein
www.nzz.ch/feuilleton/inquisition-gibt-es-noch-heute-sie-funktioniert-nur-anders-als-vor-vierhundert-jahren-ld.1380666
Loading...