Discussion:
'hoch gehen' oder 'hochgehen'
(zu alt für eine Antwort)
Ralf Joerres
2017-08-04 22:49:57 UTC
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Raw Message
Bei 'hoch gehen' bin ich mir in einem Punkt unsicher:

Sagt man:

1 'wenn hier die See hoch geht, bleibst du mit deinem Boot besser
im Hafen' - oder sollte es hier 'hochgeht' heißen?

2 'bei der Versammlung sind die Wellen der Empörung
hoch gegangen' - oder 'hochgegangen'?

Merkwürdigerweise schreibt der Duden nichts dazu, und DWDS schreibt
es zusammen. Mir ist klar, dass bei den anderen Verwendungen (nach
oben gehen, (auf)steigen, explodieren, auffliegen) hochgehen immer
zusammengeschrieben wird, außer in Sätzen. wo der trennbare Verb-
teil wegen Umstellung abgetrennt wird (geh schon mal hoch).

Grüße: Ralf Joerres
Gunhild Simon
2017-08-05 09:51:24 UTC
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Raw Message
Post by Ralf Joerres
1 'wenn hier die See hoch geht, bleibst du mit deinem Boot besser
im Hafen' - oder sollte es hier 'hochgeht' heißen?
2 'bei der Versammlung sind die Wellen der Empörung
hoch gegangen' - oder 'hochgegangen'?
Merkwürdigerweise schreibt der Duden nichts dazu, und DWDS schreibt
es zusammen. Mir ist klar, dass bei den anderen Verwendungen (nach
oben gehen, (auf)steigen, explodieren, auffliegen) hochgehen immer
zusammengeschrieben wird, außer in Sätzen. wo der trennbare Verb-
teil wegen Umstellung abgetrennt wird (geh schon mal hoch).
Ich würde in beiden Fällen auseinander schreiben, weil es auf "hohe Wellen" zurückgeht.


Gibt es nicht einen Unterschied zwischen dem
trennbaren Präfix hoch-, das die Richtung anzeigt,
und dem Adjektiv hoch, das unregelmäßige Formen
als Attribut oder als Adverb hat - und ein
ungewöhnliche Komparation aufweist.

- Steigerung:
hoch - höher - am höchsten
- Attribut:
die hohe Mauer
- Adverb:
Der Vogel 'fliegt hoch/ist hoch (oben in der Luft)
geflogen.(hoch (oben) fliegen)
- Aber:trennbares Verb
hochfliegen = auffliegen (auch
übertragen= scheitern)
- Prädikativ:
Die Mauer ist hoch

Kleine Kinder steigern da schlauerweise:
*höcher

Gruß
Gunhild
U***@web.de
2017-08-05 10:08:25 UTC
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Raw Message
Moin,
Post by Gunhild Simon
Post by Ralf Joerres
1 'wenn hier die See hoch geht, bleibst du mit deinem Boot besser
im Hafen' - oder sollte es hier 'hochgeht' heißen?
2 'bei der Versammlung sind die Wellen der Empörung
hoch gegangen' - oder 'hochgegangen'?
Merkwürdigerweise schreibt der Duden nichts dazu, und DWDS schreibt
es zusammen. Mir ist klar, dass bei den anderen Verwendungen (nach
oben gehen, (auf)steigen, explodieren, auffliegen) hochgehen immer
zusammengeschrieben wird, außer in Sätzen. wo der trennbare Verb-
teil wegen Umstellung abgetrennt wird (geh schon mal hoch).
Ich würde in beiden Fällen auseinander schreiben, weil es auf "hohe Wellen" zurückgeht.
Gibt es nicht einen Unterschied zwischen dem
trennbaren Präfix hoch-, das die Richtung anzeigt,
und dem Adjektiv hoch, das unregelmäßige Formen
als Attribut oder als Adverb hat - und ein
ungewöhnliche Komparation aufweist.
hoch - höher - am höchsten
die hohe Mauer
Der Vogel 'fliegt hoch/ist hoch (oben in der Luft)
geflogen.(hoch (oben) fliegen)
- Aber:trennbares Verb
Warum setzt Du eigentlich ein anderes Verb ein?
Post by Gunhild Simon
hochfliegen = auffliegen (auch
übertragen= scheitern)
Die Bedeutung kenne ich nicht. Wo ist sie so hinterlegt?

http://www.duden.de/rechtschreibung/hochfliegen
hat das nicht.

Gruß, ULF
Helmut Richter
2017-08-05 10:08:59 UTC
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Raw Message
Post by Gunhild Simon
Post by Ralf Joerres
1 'wenn hier die See hoch geht, bleibst du mit deinem Boot besser
im Hafen' - oder sollte es hier 'hochgeht' heißen?
2 'bei der Versammlung sind die Wellen der Empörung
hoch gegangen' - oder 'hochgegangen'?
Merkwürdigerweise schreibt der Duden nichts dazu, und DWDS schreibt
es zusammen. Mir ist klar, dass bei den anderen Verwendungen (nach
oben gehen, (auf)steigen, explodieren, auffliegen) hochgehen immer
zusammengeschrieben wird, außer in Sätzen. wo der trennbare Verb-
teil wegen Umstellung abgetrennt wird (geh schon mal hoch).
Ich würde in beiden Fällen auseinander schreiben, weil es auf "hohe Wellen" zurückgeht.
Ich auch. Ich würde die vorreformatorische Regelung anwenden, dass zwei
betonte Silben (hóch géhen) ein Indiz für Auseinanderschreibung und
Betonung auf der ersten Stammsilbe (hóchgehen) ein Indiz für ein
trennbar zusammengesetztes Verb ist. M.W. ist das bei der Reform der
Reform wiederbelebt worden, aber in die Debatten der
Rechtschreibjuristen mische ich mich nicht ein.

Dass die Trennabrkeit nicht immer folgt (frühstücken, rechtfertigen,
...) steht hier nicht zur Debatte -- andere Baustelle.
--
Helmut Richter
Jakob Achterndiek
2017-08-05 11:01:02 UTC
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Post by Ralf Joerres
1 'wenn hier die See hoch geht, bleibst du mit deinem Boot besser
im Hafen' - oder sollte es hier 'hochgeht' heißen?
2 'bei der Versammlung sind die Wellen der Empörung
hoch gegangen' - oder 'hochgegangen'?
Merkwürdigerweise schreibt der Duden nichts dazu, und DWDS schreibt
es zusammen. [..]
Du kannst prüfen, ob Verb plus Adverb zusammengeschrieben eine eigene
Bedeutung annimmt, die es von der getrennten Schreibung unterscheidet.
In dem Fall (a) ist Zusammenschreibung als Unterscheidungsmerkmal
sinnvoll, im anderen Fall (b) nicht.
Fall a) Wenn der Vogel hochfliegt .. - wenn er hoch fliegt ..
Fall b) Wenn die See hochgeht .. - wenn sie hoch geht ..

In der altschreiblichen 18. Auflage des Duden 1 stand das in Regel 205;
in der neuschreiblichen 24. Auflage muß man es sich aus den arg
verklausuliert Klauseln ab K 47 raussuchen oder raus suchen.
--
j/\a
Ralf Joerres
2017-08-05 12:08:57 UTC
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Raw Message
Post by Jakob Achterndiek
Post by Ralf Joerres
1 'wenn hier die See hoch geht, bleibst du mit deinem Boot besser
im Hafen' - oder sollte es hier 'hochgeht' heißen?
2 'bei der Versammlung sind die Wellen der Empörung
hoch gegangen' - oder 'hochgegangen'?
Merkwürdigerweise schreibt der Duden nichts dazu, und DWDS schreibt
es zusammen. [..]
Du kannst prüfen, ob Verb plus Adverb zusammengeschrieben eine eigene
Bedeutung annimmt, die es von der getrennten Schreibung unterscheidet.
In dem Fall (a) ist Zusammenschreibung als Unterscheidungsmerkmal
sinnvoll, im anderen Fall (b) nicht.
Fall a) Wenn der Vogel hochfliegt .. - wenn er hoch fliegt ..
Fall b) Wenn die See hochgeht .. - wenn sie hoch geht ..
In der altschreiblichen 18. Auflage des Duden 1 stand das in Regel 205;
in der neuschreiblichen 24. Auflage muß man es sich aus den arg
verklausuliert Klauseln ab K 47 raussuchen oder raus suchen.
Das mit der 'eigenen Bedeutung' ist ja sehr interpretationsfähig.
Ich erinnere mich an so eine Regel in der 'guten alten Zeit', im
Online-Duden stehen die aktuellen Regeln, und da fehlt sie offenbar.
Hab's allerdings überflogen, vielleicht ist es mir auch durchgerutscht.
Als grober Anhalt mag die Regel vielleicht auch heute noch funktionieren.
'Wellen gehen hoch' steht in Zusammenhang mit 'Wellengang', allerdings
würde man einen Wellengang eher als 'stark' bezeichnen. Nun werden die
normalen, die 'Raum(ergänzungs)bedeutungen' mit 'gehen', alle zusammengeschrieben: hoch-, hinunter-, empor-, weg-, hinein-, raus-...
usw. -gehen. Ist jetzt 'die Wellen gehen hoch' etwas anderes als
'ich gehe hoch und hole den Regenschirm'? Ich denke ja. Sollte es
deswegen getrennt geschrieben werden?

Die Betonung hilft mir hier nicht weiter, der Unterschied ist hier
kaum zu erfassen.

Wie würdest Du es machen? Ich lasse eher mein Gefühl entscheiden und
schreibe getrennt. Der Duden meint dazu, nicht zu Unrecht, wie ich
finde:
"Wegen der Komplexität der Getrennt- und Zusammenschreibung kann es
Fälle geben, die mithilfe der nachstehenden Regelungen nicht eindeutig
zu klären sind. Wenn auch das Wörterverzeichnis nicht weiterhilft,
stehen den Schreibenden gewisse Freiräume für eigene Entscheidungen
offen."
( http://www.duden.de/sprachwissen/rechtschreibregeln/getrennt-und-zusammenschreibung )

Gruß Ralf Joerres
Jakob Achterndiek
2017-08-05 12:49:14 UTC
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Raw Message
Post by Ralf Joerres
Post by Jakob Achterndiek
[..]
Fall a) Wenn der Vogel hochfliegt .. - wenn er hoch fliegt ..
Fall b) Wenn die See hochgeht .. - wenn sie hoch geht ..
In der altschreiblichen 18. Auflage des Duden 1 stand das in Regel 205;
in der neuschreiblichen 24. Auflage muß man es sich aus den arg
verklausuliert Klauseln ab K 47 raussuchen oder raus suchen.
Das mit der 'eigenen Bedeutung' ist ja sehr interpretationsfähig.
[..]
Wie würdest Du es machen? Ich lasse eher mein Gefühl entscheiden und
schreibe getrennt. Der Duden meint dazu, nicht zu Unrecht, wie ich
"Wegen der Komplexität der Getrennt- und Zusammenschreibung kann es
Fälle geben, die mithilfe der nachstehenden Regelungen nicht eindeutig
zu klären sind. Wenn auch das Wörterverzeichnis nicht weiterhilft,
stehen den Schreibenden gewisse Freiräume für eigene Entscheidungen
offen."
( http://www.duden.de/sprachwissen/rechtschreibregeln/getrennt-und-zusammenschreibung )
Ja, so war es früher -- und so ist es heute noch. Nur früher hat man
das klarer gesagt.

Heute machen die "amtlichen Regeln" (und im Gefolge davon der Duden)
ein Bohei mit etlichen Paragraphen daraus. Der Grund dafür ist leicht
erkennbar: Früher war das Prinzip, eine Handreichung für die Verfassung
lesbarer und verständlicher eigener Texte zu bieten. Das Prinzip der
neuen amtlichen Regeln war offenbar, ein auf linguistischer Systematik
beruhendes Gesetz zu formulieren, das dann als ein der *natürlichen*
Sprache abgelauschtes *Naturgesetz* autoritär verordnet werden kann.
--
j/\a
Manfred Hoß
2017-08-05 18:15:36 UTC
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Raw Message
Post by Jakob Achterndiek
Post by Ralf Joerres
Post by Jakob Achterndiek
[..]
Fall a) Wenn der Vogel hochfliegt .. - wenn er hoch fliegt ..
Fall b) Wenn die See hochgeht .. - wenn sie hoch geht ..
In der altschreiblichen 18. Auflage des Duden 1 stand das in Regel 205;
in der neuschreiblichen 24. Auflage muß man es sich aus den arg
verklausuliert Klauseln ab K 47 raussuchen oder raus suchen.
Das mit der 'eigenen Bedeutung' ist ja sehr interpretationsfähig.
[..]
Wie würdest Du es machen? Ich lasse eher mein Gefühl entscheiden und
schreibe getrennt. Der Duden meint dazu, nicht zu Unrecht, wie ich
"Wegen der Komplexität der Getrennt- und Zusammenschreibung kann es
Fälle geben, die mithilfe der nachstehenden Regelungen nicht eindeutig
zu klären sind. Wenn auch das Wörterverzeichnis nicht weiterhilft,
stehen den Schreibenden gewisse Freiräume für eigene Entscheidungen
offen."
( http://www.duden.de/sprachwissen/rechtschreibregeln/getrennt-und-zusammenschreibung )
Ja, so war es früher -- und so ist es heute noch. Nur früher hat man
das klarer gesagt.
Heute machen die "amtlichen Regeln" (und im Gefolge davon der Duden)
ein Bohei mit etlichen Paragraphen daraus. Der Grund dafür ist leicht
erkennbar: Früher war das Prinzip, eine Handreichung für die Verfassung
lesbarer und verständlicher eigener Texte zu bieten. Das Prinzip der
neuen amtlichen Regeln war offenbar, ein auf linguistischer Systematik
beruhendes Gesetz zu formulieren, das dann als ein der *natürlichen*
Sprache abgelauschtes *Naturgesetz* autoritär verordnet werden kann.
Vor 1996 gab es zur Getrennt- und Zusammenschreibung keine einzige amtliche
Regel. 1901, bei der II. Orthographischen Konferenz, wurde das Thema nicht
behandelt. Was vor 1996 im Duden zur Getrennt- und Zusammenschreibung zu
finden war, war ausschließlich auf dem Mist des Dudens gewachsen. Erstmals
mit der Rechtschreibreform 1996 gab es amtliche Regeln, mit denen zugleich
versucht wurde, dem Wildwuchs zumindest teilweise ein Ende zu machen.

Gruß
Manfred.
Jakob Achterndiek
2017-08-05 22:31:48 UTC
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Raw Message
Post by Manfred Hoß
Vor 1996 gab es zur Getrennt- und Zusammenschreibung keine einzige
amtliche Regel. [..] Erstmals mit der Rechtschreibreform 1996 gab es
amtliche Regeln, mit denen zugleich versucht wurde, dem Wildwuchs
zumindest teilweise ein Ende zu machen.
Man könnte auch so sagen:
Es gab überhaupt keine amtliche Rechtschreibregel - außer der, daß
Schulen und Behörden sich in Zweifelsfällen nach dem Duden richten
sollten, der sich wiederum selbst nach dem Mannheimer Institut für
deutsche Sprache richtete.
Die Formel vom "Wildwuchs der Orthographie" war nur eine dümmliche
Unterstellung. Die Feinde der "entarteten Kunst" haben seinerzeit
ähnlich irrational argumentiert: Was sich nicht ihren simplen Regeln
fügte, dem gehörte "teilweise ein Ende" gemacht.
--
j/\a
Manfred Hoß
2017-08-06 05:24:10 UTC
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Raw Message
Post by Jakob Achterndiek
Post by Manfred Hoß
Vor 1996 gab es zur Getrennt- und Zusammenschreibung keine einzige
amtliche Regel. [..] Erstmals mit der Rechtschreibreform 1996 gab es
amtliche Regeln, mit denen zugleich versucht wurde, dem Wildwuchs
zumindest teilweise ein Ende zu machen.
Es gab überhaupt keine amtliche Rechtschreibregel - außer der, daß
Schulen und Behörden sich in Zweifelsfällen nach dem Duden richten
sollten, der sich wiederum selbst nach dem Mannheimer Institut für
deutsche Sprache richtete.
Sicherlich könntest du das so sagen, aber das wäre falsch. Schließlich gab
es amtliche Rechtschreibregeln, nur wurden mehrere Bereiche der
Rechtschreibung nicht berücksichtigt, z. B. die Kommasetzung, aber auch die
Getrennt- und Zusammenschreibung. Was es in den Bereichen an Regeln gab,
haben unter anderem die Wörterbuchmacher zu verantworten.
Post by Jakob Achterndiek
Die Formel vom "Wildwuchs der Orthographie" war nur eine dümmliche
Unterstellung.
Nein, die Fälle, in denen nachgeschlagen werden musste, waren Legion. Ihre
Zahl nahm von Auflage zu Auflage des Duden eher zu, auf keinen Fall ab.
Wäre die Bedienung eines Smartphones so kompliziert wie die deutsche
Rechtschreibung vor 1996, kein Mensch würde sich ein Smartphone zulegen,
weil niemand es fehlerfrei bedienen kann.

Gruß
Manfred.
Jakob Achterndiek
2017-08-06 06:53:23 UTC
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Raw Message
[..] Schließlich gab es amtliche Rechtschreibregeln, [..]
Könntest du, bitte, eine (1) solche Regel nennen?
Und dazu bitte das Amt, das sie verordnet hat?

Oder denkst du dabei nur an Fälle wie das "Arbeitsamt",
dessen Häuptlinge irgendwann fanden, "Agentur für Arbeit"
sei viel rechtgeschriebener? Oder die Deutsche Post, deren
Fernsprechdienst jetzt als "Telekom" deutschographiert
wurde? Oder gar das "Bundesministerium für gesamtdeutsche
Fragen", das verordnete, die DDR dürfe auch SBZ abgekürzt
werden, aber die Bundesrepublik Deutschland niemals BRD? -
Ja, dann ...
[..], die Fälle, in denen nachgeschlagen werden musste,
waren Legion.
Nachgeschlagen werden mußte von wem? Von dir? Von mir?
Oder an welche Legionen denkst du dabei?
Laß mich raten:
An die legion derer, die am libsten eine fonetische
schreibe heten - ein laut, ein buchgstabe?

Fragen über Fragen. Geradezu ein Fragen-Wildwuchs!
--
j/\a
Manfred Hoß
2017-08-06 07:41:16 UTC
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Raw Message
Post by Jakob Achterndiek
[..] Schließlich gab es amtliche Rechtschreibregeln, [..]
Könntest du, bitte, eine (1) solche Regel nennen?
Sicher.

"*VI. Über die Silbentrennung.*
*§ 23.* Mehrsilbige Wörter, die man über zwei Zeilen zu verteilen gezwungen
ist, trennt man im allgemeinen nach Sprechsilben, d. h. so, wie sie sich
beim langsamen Sprechen von selbst zerlegen, z. B. Wör-ter-ver-zeich-nis,
Ge-schlech-ter, Freun-des-treue, Über-lie-fe-rung; aus einzelnen Buchstaben
bestehende Silben werden besser nicht abgetrennt.
Dabei sind folgende Regeln zu beachten:
1. E i n f a ch e (nicht zusammengesetzte) Wörter.
a) Ein einzelner Mitlaut kommt auf die folgende Zeile, z. B. tre-ten,
nä-hen. - *ch, sch, ß, ph, th* bezeichnen nur einfache Laute und bleiben
daher ungetrennt, z. B. Bü-cher, Hä-scher, Bu-ße, So-phie, ka-tholisch. -
*x* und *z* werden hierbei wie einfache Mitlaute behandelt, z. B. He-xe,
rei-zen.
b) Von mehreren Mitlauten kommt der letzte auf die folgende Zeile, z. B.
An-ker, Fin-ger, War-te, Rit-ter, Was-ser, Knos-pe, tap-fer, kämp-fen,
Karp-fen, Ach-sel, krat-zen, Städ-te, Verwand-te. *ck* wird dabei in zwei k
aufgelöst, z. B. Hak-ke. /Nur *st* bleibt immer ungetrennt,/ z. B.
La-sten, be-ste, ko-sten, Klo-ster, mei-ste, Fen-ster, För-ster,
Pfing-sten.
Anm. In einachen Fremdwörtern gehören die Lautverbindungen von b, p, d, t
g, k mit l oder r in der Regel auf die folgende Zeile, z. B. Pu-blikum,
Me-trum, Hy-drant.
2. Z u s a m m e n g e s e tz t e Wörter sind nach ihren Bestandteilen zu
trennen, die Bestandteile selbst werden wie die einfachen Wörter behandelt,
z. B. Diens-tag, Tür-an-gel, Emp-fangs-an-zei-ge, Vor-aus-set-zung. Diese
Teilung bleibt auch da geboten, wo sie der gewöhnlichen Aussprache nicht
gemäß ist, z. B. hier-auf, her-ein, hin-aus, dar-über, war-um, wor-an,
be-ob-achten, voll-enden.
Anm. Für zusammengesetzte Fremdwörter gilt dieselbe Regel wie für solche
deutsche Wörter. Man schreibt also z. B. Atmo-sphäre, Mikro-skop,
Inter-esse. Erkennt man die Bestandteile von Fremdwörtern nicht, so richte
man sich nach den Regeln unter 1a und b."
Post by Jakob Achterndiek
Und dazu bitte das Amt, das sie verordnet hat?
Diese Regel findet sich wortgleich in mehreren Regelwerken, die unter dem
Titel "Regeln für die deutsche Rechtschreibung nebst Wörterverzeichnis"
veröffentlicht wurden. In Preußen wurden sie im Auftrage des Königlich
Preußischen Ministeriums der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Ange-
legenheiten herausgegeben, in Bayern durch das Bayerische Staatsministerium
für Unterricht und Kultus, in Baden hat das Ministerium des Kultus und
Unterrichts diese Regeln veröffentlicht, in Sachsen wurden sie im Auftrage
des Ministeriums für Volksbildung für den Freistaat Sachsen herausgegeben,
in Württemberg erschienen sie im Auftrag des Königlich Württembergischen
Ministeriums des Kirchen- und Schulwesens und in Österreich-Ungarn wurden
sie vom k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht autorisiert.
Post by Jakob Achterndiek
Oder denkst du dabei nur an Fälle wie das "Arbeitsamt",
dessen Häuptlinge irgendwann fanden, "Agentur für Arbeit"
sei viel rechtgeschriebener? Oder die Deutsche Post, deren
Fernsprechdienst jetzt als "Telekom" deutschographiert
wurde? Oder gar das "Bundesministerium für gesamtdeutsche
Fragen", das verordnete, die DDR dürfe auch SBZ abgekürzt
werden, aber die Bundesrepublik Deutschland niemals BRD? -
Nein, an solche Fälle denke ich nicht.

Gruß
Manfred.
U***@web.de
2017-08-06 17:23:27 UTC
Permalink
Raw Message
Moin,
Post by Manfred Hoß
"*VI. Über die Silbentrennung.*
*§ 23.* Mehrsilbige Wörter, die man über zwei Zeilen zu verteilen gezwungen
ist, trennt man im allgemeinen nach Sprechsilben, d. h. so, wie sie sich
beim langsamen Sprechen von selbst zerlegen, z. B. Wör-ter-ver-zeich-nis,
Ge-schlech-ter, Freun-des-treue, Über-lie-fe-rung; aus einzelnen Buchstaben
bestehende Silben werden besser nicht abgetrennt.
1. E i n f a ch e (nicht zusammengesetzte) Wörter.
a) Ein einzelner Mitlaut kommt auf die folgende Zeile, z. B. tre-ten,
nä-hen. - *ch, sch, ß, ph, th* bezeichnen nur einfache Laute und bleiben
daher ungetrennt, z. B. Bü-cher, Hä-scher, Bu-ße, So-phie, ka-tholisch. -
*x* und *z* werden hierbei wie einfache Mitlaute behandelt, z. B. He-xe,
rei-zen.
[...]
Post by Manfred Hoß
2. Z u s a m m e n g e s e tz t e Wörter sind nach ihren Bestandteilen zu
trennen, die Bestandteile selbst werden wie die einfachen Wörter behandelt,
z. B. Diens-tag, Tür-an-gel, Emp-fangs-an-zei-ge, Vor-aus-set-zung. Diese
Teilung bleibt auch da geboten, wo sie der gewöhnlichen Aussprache nicht
gemäß ist, z. B. hier-auf, her-ein, hin-aus, dar-über, war-um, wor-an,
be-ob-achten, voll-enden.
Nachdem ich heute mittag vor dem Lesen Deines
Beitrags darüber nachdachte:

Eid-echse?

Gruß, ULF
Gunhild Simon
2017-08-07 08:41:04 UTC
Permalink
Raw Message
Am Sonntag, 6. August 2017 19:23:28 UTC+2 schrieb ***@web.de:
...
Post by U***@web.de
Nachdem ich heute mittag vor dem Lesen Deines
Eid-echse?
Worttrennung: Ei|dech|se

Herkunft:
mittelhochdeutsch eidehse, egedehse, althochdeutsch egidehsa, nicht sicher zu erklärende Zusammensetzung

So sagt Du-online.

Gruß
Gunhild
U***@web.de
2017-08-07 08:47:16 UTC
Permalink
Raw Message
Moin,
Post by Gunhild Simon
Post by U***@web.de
Nachdem ich heute mittag vor dem Lesen Deines
Eid-echse?
Worttrennung: Ei|dech|se
mittelhochdeutsch eidehse, egedehse, althochdeutsch egidehsa, nicht sicher zu erklärende Zusammensetzung
So sagt Du-online.
Und ich Dödel hätte da eine Echse vermutet.

Gruß, ULF
Manfred Hoß
2017-08-07 20:26:33 UTC
Permalink
Raw Message
Post by U***@web.de
Eid-echse?
Auf www.dwds.de kannst du neben anderem die Etymologie eines Wortes finden.
Einfach "Eidechse" eingeben, unter Umständen nach unten scrollen und dann
auf "Mehr" klicken, dann wird der Rest des Artikels angezeigt.

Gruß
Manfred.
Heinz Lohmann
2017-08-08 02:10:01 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Manfred Hoß
Post by U***@web.de
Eid-echse?
Auf www.dwds.de kannst du neben anderem die Etymologie eines Wortes finden.
Einfach "Eidechse" eingeben, unter Umständen nach unten scrollen und dann
auf "Mehr" klicken, dann wird der Rest des Artikels angezeigt.
Toll. Zur korrekten Trennung muss ich jetzt auch noch die Etymologie
eines Wortes wissen. Die meisten werden Echse als Wortteil erkennen und
dann wahrscheinlich Eid-echse trennen (und sich die Wortherkunft
irgendwie zusammenreimen).

Zur Etymologie von Echse:
Echse f. Den Plural Echsen für ‘Eidechsenartige’ prägt Oken (1816) als
systematischen Sammelbegriff der Zoologie. Er ist eine willkürliche
Rückbildung aus ↗Eidechse (s. d.) ohne Rücksicht auf etymologische
Worttrennung, gilt heute für eine Unterordnung der Kriechtiere und
bildet pluralische Zusammensetzungen (Panzerechsen ‘Krokodile’), aber
auch singularische (Kragenechse).

<https://www.dwds.de/wb/Echse>

Muss man wirklich noch Rücksicht nehmen auf die *eigentliche* Etymologie?
Es gibt u.a. Panzerechsen, Brückenechsen, Krustenechsen, Schildechsen,
Höckerechsen und einige andere. Bei allen wird der Wortteil Echsen
abgetrennt.
Wenn ich dann bei der Eidechse die Etymologie nicht kennen und "falsch"
trenne, beginnt der Untergang der deutschen Sprache.
--
mfg
Heinz Lohmann
Tamsui, Taiwan

Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat. W.B.
Manfred Hoß
2017-08-08 04:42:36 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Heinz Lohmann
Post by Manfred Hoß
Post by U***@web.de
Eid-echse?
Auf www.dwds.de kannst du neben anderem die Etymologie eines Wortes finden.
Einfach "Eidechse" eingeben, unter Umständen nach unten scrollen und dann
auf "Mehr" klicken, dann wird der Rest des Artikels angezeigt.
Toll. Zur korrekten Trennung muss ich jetzt auch noch die Etymologie
eines Wortes wissen. Die meisten werden Echse als Wortteil erkennen und
dann wahrscheinlich Eid-echse trennen (und sich die Wortherkunft
irgendwie zusammenreimen).
In der amtlichen Regelung von 1902 hieß es noch, dass Wörter nach ihren
Bestandteilen zu trennen sind, selbst wenn das nicht der Aussprache gemäß
ist. Das hat sich inzwischen geändert, und da die Aussprache Ei-dechse ist,
liegt diese Worttrennung nahe, zumindest wenn man die aktuelle Regelung
beachtet und sich daher wegen der möglichen Wortherkunft keine Gedanken
machen muss.

Gruß
Manfred.
U***@web.de
2017-08-08 08:50:39 UTC
Permalink
Raw Message
Moin,
Post by Heinz Lohmann
Echse f. Den Plural Echsen für ‘Eidechsenartige’ prägt Oken (1816) als
systematischen Sammelbegriff der Zoologie. Er ist eine willkürliche
Rückbildung aus ↗Eidechse (s. d.) ohne Rücksicht auf etymologische
Worttrennung,
Manche Briten haben aber ask, früher aske:

https://en.wiktionary.org/wiki/ask#Noun_2

Gruß, ULF
Helmut Richter
2017-08-08 09:32:23 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Heinz Lohmann
Toll. Zur korrekten Trennung muss ich jetzt auch noch die Etymologie
eines Wortes wissen. Die meisten werden Echse als Wortteil erkennen und
dann wahrscheinlich Eid-echse trennen (und sich die Wortherkunft
irgendwie zusammenreimen).
Nicht erst *jetzt*. Das musste man schon immer. Neu ist, dass nicht mehr
verlangt wird, die Etymologie von Epis-ode, Heliko-pter, Kilima-ndscharo
und So-wjet zu kennen, wie das von meinem alten Duden (15.Aufl. 1961)
noch gefordert wurde.
--
Helmut Richter
Heinz Lohmann
2017-08-08 14:35:25 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Helmut Richter
Post by Heinz Lohmann
Toll. Zur korrekten Trennung muss ich jetzt auch noch die Etymologie
eines Wortes wissen. Die meisten werden Echse als Wortteil erkennen und
dann wahrscheinlich Eid-echse trennen (und sich die Wortherkunft
irgendwie zusammenreimen).
Nicht erst *jetzt*. Das musste man schon immer. Neu ist, dass nicht mehr
verlangt wird, die Etymologie von Epis-ode, Heliko-pter, Kilima-ndscharo
und So-wjet zu kennen, wie das von meinem alten Duden (15.Aufl. 1961)
noch gefordert wurde.
Wie sieht's aus mit Pädagogik und Stegreif?
--
mfg
Heinz Lohmann
Tamsui, Taiwan

Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat. W.B.
Manfred Hoß
2017-08-08 16:48:49 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Heinz Lohmann
Post by Helmut Richter
Post by Heinz Lohmann
Toll. Zur korrekten Trennung muss ich jetzt auch noch die Etymologie
eines Wortes wissen. Die meisten werden Echse als Wortteil erkennen und
dann wahrscheinlich Eid-echse trennen (und sich die Wortherkunft
irgendwie zusammenreimen).
Nicht erst *jetzt*. Das musste man schon immer. Neu ist, dass nicht mehr
verlangt wird, die Etymologie von Epis-ode, Heliko-pter, Kilima-ndscharo
und So-wjet zu kennen, wie das von meinem alten Duden (15.Aufl. 1961)
noch gefordert wurde.
Wie sieht's aus mit Pädagogik und Stegreif?
Päd-ago-gik und Steg-reif.

Gruß
Manfred.
Stefan Schmitz
2017-08-08 20:34:23 UTC
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Raw Message
Post by Manfred Hoß
Post by Heinz Lohmann
Post by Helmut Richter
Post by Heinz Lohmann
Toll. Zur korrekten Trennung muss ich jetzt auch noch die Etymologie
eines Wortes wissen. Die meisten werden Echse als Wortteil erkennen und
dann wahrscheinlich Eid-echse trennen (und sich die Wortherkunft
irgendwie zusammenreimen).
Nicht erst *jetzt*. Das musste man schon immer. Neu ist, dass nicht mehr
verlangt wird, die Etymologie von Epis-ode, Heliko-pter, Kilima-ndscharo
und So-wjet zu kennen, wie das von meinem alten Duden (15.Aufl. 1961)
noch gefordert wurde.
Wie sieht's aus mit Pädagogik und Stegreif?
Päd-ago-gik und Steg-reif.
Warum muss man da die Etymologie immer noch kennen?
René Marquardt
2017-08-08 20:39:52 UTC
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Raw Message
Post by Stefan Schmitz
Post by Manfred Hoß
Post by Heinz Lohmann
Post by Helmut Richter
Post by Heinz Lohmann
Toll. Zur korrekten Trennung muss ich jetzt auch noch die Etymologie
eines Wortes wissen. Die meisten werden Echse als Wortteil erkennen und
dann wahrscheinlich Eid-echse trennen (und sich die Wortherkunft
irgendwie zusammenreimen).
Nicht erst *jetzt*. Das musste man schon immer. Neu ist, dass nicht mehr
verlangt wird, die Etymologie von Epis-ode, Heliko-pter, Kilima-ndscharo
und So-wjet zu kennen, wie das von meinem alten Duden (15.Aufl. 1961)
noch gefordert wurde.
Wie sieht's aus mit Pädagogik und Stegreif?
Päd-ago-gik und Steg-reif.
Warum muss man da die Etymologie immer noch kennen?
Die hilft dir, ein Wort korrekt zu verwenden, und ueberhaupt
aus der Geschichte zu lernen.
Gunhild Simon
2017-08-08 23:06:04 UTC
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Raw Message
...
Post by René Marquardt
Post by Stefan Schmitz
Post by Manfred Hoß
Post by Heinz Lohmann
Post by Helmut Richter
Nicht erst *jetzt*. Das musste man schon immer. Neu ist, dass nicht mehr
verlangt wird, die Etymologie von Epis-ode, Heliko-pter, Kilima-ndscharo
und So-wjet zu kennen, wie das von meinem alten Duden (15.Aufl. 1961)
noch gefordert wurde.
Wie sieht's aus mit Pädagogik und Stegreif?
Päd-ago-gik und Steg-reif.
Warum muss man da die Etymologie immer noch kennen?
Die hilft dir, ein Wort korrekt zu verwenden, und ueberhaupt
aus der Geschichte zu lernen.
Interessant - siehe Heliko-pter - auch die
Bezeichnung für den Urvogel Archaeopteryx.

"ἀρχαῖος (archaîos) → grc (deutsch: uralt) und πτέρυξ (ptéryx) → grc (deutsch: Flügel, Feder, Schwinge) [und zu altgriechisch: πτερόν (pterón) → grc (deutsch: Flügel, Feder)]"
https://de.wiktionary.org/wiki/Archaeopteryx

Die Aussprache läßt hier jedenfalls nicht
mehr auf die griechische Etymologie schließen.

Aussprache:
IPA: [aʁçɛˈɔptəʀɪks], [aʁçɛˈʔɔptəʀɪks]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild Archaeopteryx (Info)
(URL s.o.)

Gruß
Gunhild
Jakob Achterndiek
2017-08-09 08:29:00 UTC
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Raw Message
Post by Gunhild Simon
Post by René Marquardt
Post by Stefan Schmitz
Warum muss man da die Etymologie immer noch kennen?
Die hilft dir, ein Wort korrekt zu verwenden, und ueberhaupt
aus der Geschichte zu lernen.
Interessant - siehe Heliko-pter - auch die
Bezeichnung für den Urvogel Archaeopteryx.
"ἀρχαῖος (archaîos) → grc (deutsch: uralt) und πτέρυξ (ptéryx) → grc (deutsch: Flügel, Feder, Schwinge) [und zu altgriechisch: πτερόν (pterón) → grc (deutsch: Flügel, Feder)]"
https://de.wiktionary.org/wiki/Archaeopteryx
Die Aussprache läßt hier jedenfalls nicht
mehr auf die griechische Etymologie schließen.
IPA: [aʁçɛˈɔptəʀɪks], [aʁçɛˈʔɔptəʀɪks]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild Archaeopteryx (Info)
(URL s.o.)
Gruß
Gunhild
Daß sich für vielbenutzte Wörter auch falsche Aussprachen
einschleifen, ist ja Teil des allgemeinen Sprachwandels.
Sogar bei Personennamen muß das hingenommen werden, wenn die
Namensträger selbst es nicht mehr besser wissen. Eine alte
Baltin aus dem Bekanntenkreis meiner Frau empörte sich über
eine sehr deutsch ausgesprochene Mârion: Dieser Name sei in
ihren Kreisen nur französisch gesprochen annehmbar!

Beim Archäopteryx meine ich allerdings auch: Der Name ist so
wenig commun, der Begriff so sehr Fachwort, daß man ihn den
wenigen Leuten, die ihn im öffentlichen Leben gebrauchen werden,
*richtig* beibringen sollte. Den <https://tinyurl.com/ydbdsgnn>
der Wiktionary halte ich für ein Verbrechen gegen die Humanität.

Gruß
j/\a
U***@web.de
2017-08-09 08:52:09 UTC
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Raw Message
Moin,
Post by Jakob Achterndiek
Daß sich für vielbenutzte Wörter auch falsche Aussprachen
einschleifen, ist ja Teil des allgemeinen Sprachwandels.
Sogar bei Personennamen muß das hingenommen werden, wenn die
Namensträger selbst es nicht mehr besser wissen.
So müßte sich der Politiker Kubicki wohl
'Kubitzki' sprechen, schert aber offenbar
weder ihn noch sein Umfeld. Sei's drum.

Bei de Maizière ist es unwahrscheinlich, daß
man von der Ursprungsaussprache wegkommt,
ebenso bei Lafontaine.

Gruß, ULF
Detlef Meißner
2017-08-09 08:57:34 UTC
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Raw Message
Post by U***@web.de
Post by Jakob Achterndiek
Daß sich für vielbenutzte Wörter auch falsche Aussprachen
einschleifen, ist ja Teil des allgemeinen Sprachwandels.
Sogar bei Personennamen muß das hingenommen werden, wenn die
Namensträger selbst es nicht mehr besser wissen.
So müßte sich der Politiker Kubicki wohl
'Kubitzki' sprechen, schert aber offenbar
weder ihn noch sein Umfeld. Sei's drum.
Bei de Maizière ist es unwahrscheinlich, daß
man von der Ursprungsaussprache wegkommt,
ebenso bei Lafontaine.
Bei Th. Fontane ist man es aber wohl.

Detlef
U***@web.de
2017-08-09 09:32:06 UTC
Permalink
Raw Message
Moin,
Post by Detlef Meißner
Bei Th. Fontane ist man es aber wohl.
Gute Frage. Es gibt in Frankreich mit '-s' einen https://fr.wikipedia.org/wiki/Louis_de_Fontanes

Könnte okzitanischer Diktion entspringen.
https://fr.wikipedia.org/wiki/Fontanes

Gruß, ULF
Martin Gerdes
2017-08-09 16:02:15 UTC
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Raw Message
Post by U***@web.de
Post by Jakob Achterndiek
Daß sich für vielbenutzte Wörter auch falsche Aussprachen
einschleifen, ist ja Teil des allgemeinen Sprachwandels.
Sogar bei Personennamen muß das hingenommen werden, wenn die
Namensträger selbst es nicht mehr besser wissen.
So müßte sich der Politiker Kubicki wohl
'Kubitzki' sprechen, schert aber offenbar
weder ihn noch sein Umfeld.
Das stimmt nicht. Herr Kubicki legt großen Wert auf die Aussprache
seines Namens als "Kubikki".
Post by U***@web.de
Bei de Maizière ist es unwahrscheinlich, daß
man von der Ursprungsaussprache wegkommt,
ebenso bei Lafontaine.
Aus "Lafontaine" könnte allemal "Lafontehn" werden, aus "de Maizière"
"Demäsier".
Christina Kunze
2017-08-09 18:23:48 UTC
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Raw Message
Post by Martin Gerdes
Post by U***@web.de
Post by Jakob Achterndiek
Daß sich für vielbenutzte Wörter auch falsche Aussprachen
einschleifen, ist ja Teil des allgemeinen Sprachwandels.
Sogar bei Personennamen muß das hingenommen werden, wenn die
Namensträger selbst es nicht mehr besser wissen.
So müßte sich der Politiker Kubicki wohl
'Kubitzki' sprechen, schert aber offenbar
weder ihn noch sein Umfeld.
Das stimmt nicht. Herr Kubicki legt großen Wert auf die Aussprache
seines Namens als "Kubikki".
Ebent.

Der ehemalige Kardinal von Berlin, Georg Sterzinsky, sprach seinen Namen
"Schtertsinski" (nur so funktionierte auch sein Spitzname Erz-Sterz),
wenn ich das nicht wüsste, würde ich S-teshinski lesen.

Immer wieder auch beliebt die Schodowikistraße im Prenzlauer Berg.

chr
Martin Gerdes
2017-08-09 19:13:03 UTC
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Raw Message
Post by Christina Kunze
Post by Martin Gerdes
Post by U***@web.de
Post by Jakob Achterndiek
Daß sich für vielbenutzte Wörter auch falsche Aussprachen
einschleifen, ist ja Teil des allgemeinen Sprachwandels.
Sogar bei Personennamen muß das hingenommen werden, wenn die
Namensträger selbst es nicht mehr besser wissen.
So müßte sich der Politiker Kubicki wohl
'Kubitzki' sprechen, schert aber offenbar
weder ihn noch sein Umfeld.
Das stimmt nicht. Herr Kubicki legt großen Wert auf die Aussprache
seines Namens als "Kubikki".
Ebent.
Der ehemalige Kardinal von Berlin, Georg Sterzinsky, sprach seinen Namen
"Schtertsinski" (nur so funktionierte auch sein Spitzname Erz-Sterz),
wenn ich das nicht wüsste, würde ich S-teshinski lesen.
Gerade an diesem Wochenende habe ich einen polnischen Freund gefragt, ob
man mit der Buchstabenkombination "rz" im Polnischen ein r spricht oder
nicht. Mein bisheriger Kenntnisstand war, daß "rz" ein weiches sch ist
(wie etwa das J von "Journal"). Katarzyna -> Kataschina, Grzegorz ->
Gschegosch. Wie man den polnischen Namen "Jerzy" spricht, ist mir immer
noch nicht klar. Ich meine da ein r zu hören.

Mein Referenzpole meinte, beim rz spräche man ein r mit (und sprach mir
diverse Namen vor). Daraufhin mußte ich feststellen, daß ich meinen
Ohren da nicht trauen konnte, ich war mir nicht sicher, ob ich aus
seiner Aussprache ein r höre oder nicht, das gleiche gilt für Forvo (das
leider nur eine begrenzte Klangqualität bietet).

Wenn aus einem "Fontanes" ein "Fontane" werden kann, sollte man auch den
Namen Sterzinsky deutsch aussprechen können.
Post by Christina Kunze
Immer wieder auch beliebt die Schodowikistraße im Prenzlauer Berg.
Ich hätte schon gewußt, wie man die Chodowieckistraße originalsprachlich
ausspricht, ahne dennoch, daß das vielen Deutschen Probleme bereitet.
Das große Berlin braucht viele Straßennamen, vielleicht ist es
unvermeidlich, daß unter den Paten welche mit unaussprechlichen Namen
sind.
Christina Kunze
2017-08-09 21:12:16 UTC
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Raw Message
Post by Martin Gerdes
Post by Christina Kunze
Der ehemalige Kardinal von Berlin, Georg Sterzinsky, sprach seinen Namen
"Schtertsinski" (nur so funktionierte auch sein Spitzname Erz-Sterz),
wenn ich das nicht wüsste, würde ich S-teshinski lesen.
Gerade an diesem Wochenende habe ich einen polnischen Freund gefragt, ob
man mit der Buchstabenkombination "rz" im Polnischen ein r spricht oder
nicht. Mein bisheriger Kenntnisstand war, daß "rz" ein weiches sch ist
(wie etwa das J von "Journal"). Katarzyna -> Kataschina, Grzegorz ->
Gschegosch. Wie man den polnischen Namen "Jerzy" spricht, ist mir immer
noch nicht klar. Ich meine da ein r zu hören.
Mein Referenzpole meinte, beim rz spräche man ein r mit (und sprach mir
diverse Namen vor). Daraufhin mußte ich feststellen, daß ich meinen
Ohren da nicht trauen konnte, ich war mir nicht sicher, ob ich aus
seiner Aussprache ein r höre oder nicht, das gleiche gilt für Forvo (das
leider nur eine begrenzte Klangqualität bietet).
Ich höre kein R und spreche rz genauso wie das Z mit dem Punkt.
Deshalb höre ich auch Jerzy als Jeshi.
Auch bin ich fast ganz sicher, dass mein Großonkel und Englischlehrer,
von dem ich das bisschen Polnisch "ordentlich" gelernt habe, das nicht
beim Zuhören bei meiner oberschlesischen Verwandtschaft hängengeblieben
ist, mir gesagt hat, dass die beiden gleich klingen (wobei ich nicht
weiß, ob das eine Vereinfachung war).

Man kann sich vielleicht einhören.
Auf Polnisch kann ich beispielsweise den Unterschied zwischen CZ und Ć
hören, in den südslawischen Sprachen scheint er mir geringer zu sein, da
höre ich nicht immer, ob ein Č oder ein Ć gesprochen wird.

chr
Klaus Dahlwitz
2017-08-10 09:04:51 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Martin Gerdes
Das große Berlin braucht viele Straßennamen, vielleicht ist es
unvermeidlich, daß unter den Paten welche mit unaussprechlichen Namen
sind.
Der gemeine Berliner ist es gewohnt, dass es mehrere Straßen mit
gleichem Namen gibt; nur 2 Beispiele: Bahnhofstraße (ich wohnte 1973 -
1975 in einer), Berliner Straße.

Klaus
--
Peking zu Hause an der Elbe
Ick heff mol en Hamborger Veermaster sehn
<https://de.wikipedia.org/wiki/Hamborger_Veermaster>
<https://de.wikipedia.org/wiki/Peking_(Schiff)>
Sergio Gatti
2017-08-10 12:44:12 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Klaus Dahlwitz
Post by Martin Gerdes
Das große Berlin braucht viele Straßennamen, vielleicht ist es
unvermeidlich, daß unter den Paten welche mit unaussprechlichen Namen
sind.
Der gemeine Berliner ist es gewohnt, dass es mehrere Straßen mit
gleichem Namen gibt; nur 2 Beispiele: Bahnhofstraße (ich wohnte 1973 -
1975 in einer), Berliner Straße.
Oder die 8 Kirchstraßen.
Frage an einen Taxifahrer: Und wenn jemand in die
Kirchstraße will, aber weder die PLZ noch den Ortsteil kennt?
Seine Antwort: Dann suche ich mir eine aus.
Stefan Schmitz
2017-08-10 20:59:43 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Sergio Gatti
Post by Klaus Dahlwitz
Post by Martin Gerdes
Das große Berlin braucht viele Straßennamen, vielleicht ist es
unvermeidlich, daß unter den Paten welche mit unaussprechlichen Namen
sind.
Der gemeine Berliner ist es gewohnt, dass es mehrere Straßen mit
gleichem Namen gibt; nur 2 Beispiele: Bahnhofstraße (ich wohnte 1973 -
1975 in einer), Berliner Straße.
Oder die 8 Kirchstraßen.
Frage an einen Taxifahrer: Und wenn jemand in die
Kirchstraße will, aber weder die PLZ noch den Ortsteil kennt?
Seine Antwort: Dann suche ich mir eine aus.
Ist denn sichergestellt, dass die verschiedenen Straßen gleichen Namens alle
eine andere PLZ haben?
Matthias Opatz
2017-08-10 21:09:44 UTC
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Raw Message
Post by Stefan Schmitz
Ist denn sichergestellt, dass die verschiedenen Straßen gleichen Namens alle
eine andere PLZ haben?
Ja. Und es funktioniert.

Werden hingegen Dörfer von andern Dörfern oder kleinen Städten
eingemeindet, holt die Post die Keule raus und läßt umbenennen.
Auch wenn der Ortsname und/oder die PLZ der diversen gleichen
Straßennamen gar nicht gleich sind.

Matthias
Stefan Schmitz
2017-08-10 21:24:31 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Matthias Opatz
Post by Stefan Schmitz
Ist denn sichergestellt, dass die verschiedenen Straßen gleichen Namens alle
eine andere PLZ haben?
Ja. Und es funktioniert.
Werden hingegen Dörfer von andern Dörfern oder kleinen Städten
eingemeindet, holt die Post die Keule raus und läßt umbenennen.
Auch wenn der Ortsname und/oder die PLZ der diversen gleichen
Straßennamen gar nicht gleich sind.
Die Post wird da eher nicht hinterstecken.
Die Gemeinden haben etwas dagegen, dass es in ihrem Gebiet mehrdeutige Adressen
gibt. Dorfnamen tauchen nämlich normalerweise nicht in der Adresse auf.
U***@web.de
2017-08-11 07:18:58 UTC
Permalink
Raw Message
Moin,
Post by Matthias Opatz
Post by Stefan Schmitz
Ist denn sichergestellt, dass die verschiedenen Straßen gleichen Namens alle
eine andere PLZ haben?
Ja. Und es funktioniert.
Werden hingegen Dörfer von andern Dörfern oder kleinen Städten
eingemeindet, holt die Post die Keule raus und läßt umbenennen.
Wer auch immer dafür zuständig ist oder war,
in Groß Berlin wurde es wohl sehr oft versäumt.

Womöglich kam man auch erst danach auf den
Trichter, daß man dergleichen künftig besser
vermeidet.

Gruß, ULF
Sergio Gatti
2017-08-11 09:42:47 UTC
Permalink
Raw Message
Post by U***@web.de
Moin,
Post by Matthias Opatz
Post by Stefan Schmitz
Ist denn sichergestellt, dass die verschiedenen Straßen gleichen Namens alle
eine andere PLZ haben?
Ja. Und es funktioniert.
Werden hingegen Dörfer von andern Dörfern oder kleinen Städten
eingemeindet, holt die Post die Keule raus und läßt umbenennen.
Wer auch immer dafür zuständig ist oder war,
in Groß Berlin wurde es wohl sehr oft versäumt.
Womöglich kam man auch erst danach auf den
Trichter, daß man dergleichen künftig besser
vermeidet.
Womöglich auch deshalb, weil man die halbe Stadt hätte
umbenennen müssen.
5x Breite Str., 5x Beethovenstr., 8x Berliner Str., 4x
Bismarckstr. (früher wahrscheinlich noch mehr), je 4x
Birkenallee, Birkenstr. und Birkenweg.
Es gibt noch mehr identische Straßennamen, die mit B
anfangen. Dann kommen noch alle anderen Anfangsbuchstaben hinzu.
Christina Kunze
2017-08-11 04:13:47 UTC
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Raw Message
Post by Stefan Schmitz
Post by Sergio Gatti
Post by Klaus Dahlwitz
Post by Martin Gerdes
Das große Berlin braucht viele Straßennamen, vielleicht ist es
unvermeidlich, daß unter den Paten welche mit unaussprechlichen Namen
sind.
Der gemeine Berliner ist es gewohnt, dass es mehrere Straßen mit
gleichem Namen gibt; nur 2 Beispiele: Bahnhofstraße (ich wohnte 1973 -
1975 in einer), Berliner Straße.
Oder die 8 Kirchstraßen.
Frage an einen Taxifahrer: Und wenn jemand in die
Kirchstraße will, aber weder die PLZ noch den Ortsteil kennt?
Seine Antwort: Dann suche ich mir eine aus.
Ist denn sichergestellt, dass die verschiedenen Straßen gleichen Namens alle
eine andere PLZ haben?
In Berlin, soweit ich weiß, ja. Aber seit der Zusammenlegung von kleinen
Gemeinden im Umland (und sicher auch woanders) kann es locker passieren,
dass es in einer Ortschaft drei oder vier Dorf- oder Hauptstraßen gibt,
und wenn man sich dann nicht auskennt und nach Navi fährt, kann das
Verwirrung stiften.

chr
Detlef Meißner
2017-08-11 07:49:05 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Christina Kunze
Post by Stefan Schmitz
Ist denn sichergestellt, dass die verschiedenen Straßen gleichen Namens alle
eine andere PLZ haben?
In Berlin, soweit ich weiß, ja. Aber seit der Zusammenlegung von kleinen
Gemeinden im Umland (und sicher auch woanders) kann es locker passieren,
dass es in einer Ortschaft drei oder vier Dorf- oder Hauptstraßen gibt,
und wenn man sich dann nicht auskennt und nach Navi fährt, kann das
Verwirrung stiften.
Bei uns in Hessen wurde es so geregelt, dass bei Zusammenlegung der
kleinen Gemeinden es in der Gesamtgemeinde einen Straßennamen auch nur
einmal gibt.

Detlef
René Marquardt
2017-08-09 19:50:41 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Christina Kunze
Immer wieder auch beliebt die Schodowikistraße im Prenzlauer Berg.
Oder der bei deutschen "Ich bin 14, und das ist ja so tiefschlürfend"-Jugendlichen
so gerne zitierte Herr Bukoffski, der in seinem Heimatland "Bukauski" ausgesprochen
wird.
Dr. Falstaff
2017-08-11 08:48:45 UTC
Permalink
Raw Message
Post by René Marquardt
tiefschlürfend
__________________________________
< gabs früher was hinter die Ohren >
----------------------------------
\
\
__
UooU\.'@@@@@@`.
\__/(@@@@@@@@@@)
(@@@@@@@@)
`YY~~~~YY'
|| ||
U***@web.de
2017-08-10 10:37:29 UTC
Permalink
Raw Message
Moin,
Post by Christina Kunze
Post by Martin Gerdes
Post by U***@web.de
Post by Jakob Achterndiek
Daß sich für vielbenutzte Wörter auch falsche Aussprachen
einschleifen, ist ja Teil des allgemeinen Sprachwandels.
Sogar bei Personennamen muß das hingenommen werden, wenn die
Namensträger selbst es nicht mehr besser wissen.
So müßte sich der Politiker Kubicki wohl
'Kubitzki' sprechen, schert aber offenbar
weder ihn noch sein Umfeld.
Das stimmt nicht. Herr Kubicki legt großen Wert auf die Aussprache
seines Namens als "Kubikki".
Ebent.
Es sei ihm ja unbenommen, nur liegt dem
eine gewillkürte Eindeutschung zugrunde.

Mein Konjunktiv galt dem etwaigen
Respekt vor der Wortherkunft.

Gruß, ULF
René Marquardt
2017-08-09 13:35:49 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Gunhild Simon
Post by René Marquardt
Post by Stefan Schmitz
Warum muss man da die Etymologie immer noch kennen?
Die hilft dir, ein Wort korrekt zu verwenden, und ueberhaupt
aus der Geschichte zu lernen.
Interessant - siehe Heliko-pter - auch die
Bezeichnung für den Urvogel Archaeopteryx.
"ἀρχαῖος (archaîos) → grc (deutsch: uralt) und πτέρυξ (ptéryx) → grc (deutsch: Flügel, Feder, Schwinge) [und zu altgriechisch: πτερόν (pterón) → grc (deutsch: Flügel, Feder)]"
Oder eben ein "altes Federviech".
Post by Gunhild Simon
https://de.wiktionary.org/wiki/Archaeopteryx
Die Aussprache läßt hier jedenfalls nicht
mehr auf die griechische Etymologie schließen.
Nur, wenn man deutsch die Silben von einander abhackt.
Manfred Hoß
2017-08-09 19:40:01 UTC
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Raw Message
Post by René Marquardt
Post by Stefan Schmitz
Post by Manfred Hoß
Post by Heinz Lohmann
Post by Helmut Richter
Post by Heinz Lohmann
Toll. Zur korrekten Trennung muss ich jetzt auch noch die Etymologie
eines Wortes wissen. Die meisten werden Echse als Wortteil erkennen und
dann wahrscheinlich Eid-echse trennen (und sich die Wortherkunft
irgendwie zusammenreimen).
Nicht erst *jetzt*. Das musste man schon immer. Neu ist, dass nicht mehr
verlangt wird, die Etymologie von Epis-ode, Heliko-pter, Kilima-ndscharo
und So-wjet zu kennen, wie das von meinem alten Duden (15.Aufl. 1961)
noch gefordert wurde.
Wie sieht's aus mit Pädagogik und Stegreif?
Päd-ago-gik und Steg-reif.
Warum muss man da die Etymologie immer noch kennen?
Die hilft dir, ein Wort korrekt zu verwenden, und ueberhaupt
aus der Geschichte zu lernen.
Da liegt ein Missverständnis vor. Helmut hat den Duden von 1961 erwähnt und
gesagt, welche Worttrennungen dieser bei bestimmten Wörtern vorgeschrieben
hat. Heinz hat daraufhin gefragt, wie das bei Pädagogik und Stegreif
aussieht, woraus ich folgerte, dass Heinz die Silbentrennung von 1961
wissen wollte. Daher schlug ich nach. Heute ist bei Pädagogik neben den
alten Trennungsregeln auch Pä-da-go-gik zugelassen. Bei Stegreif hingegen
muss nach wie Steg-reif getrennt werden.

Gruß
Manfred.
Heinz Lohmann
2017-08-09 01:51:56 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Stefan Schmitz
Post by Manfred Hoß
Post by Heinz Lohmann
Post by Helmut Richter
Post by Heinz Lohmann
Toll. Zur korrekten Trennung muss ich jetzt auch noch die Etymologie
eines Wortes wissen. Die meisten werden Echse als Wortteil erkennen und
dann wahrscheinlich Eid-echse trennen (und sich die Wortherkunft
irgendwie zusammenreimen).
Nicht erst *jetzt*. Das musste man schon immer. Neu ist, dass nicht mehr
verlangt wird, die Etymologie von Epis-ode, Heliko-pter, Kilima-ndscharo
und So-wjet zu kennen, wie das von meinem alten Duden (15.Aufl. 1961)
noch gefordert wurde.
Wie sieht's aus mit Pädagogik und Stegreif?
Päd-ago-gik und Steg-reif.
Warum muss man da die Etymologie immer noch kennen?
Eben. Da sind Fehler vorprogrammiert.

Man sollte mal einige Dudenregeln zur Rechtschreibung, Worttrennung und
Zeichensetzung an Abiturienten mit Leistungskurs Deutsch testen. Auf die
Ergebnisse wär ich sehr gespannt.

Die Mehrheit der Deutschen verlässt sich heute bei diesen Problemen auf
die entsprechenden Angebote von MS-Word, oder?
--
mfg
Heinz Lohmann
Tamsui, Taiwan

Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat. W.B.
U***@web.de
2017-08-09 08:24:45 UTC
Permalink
Raw Message
Moin,
Post by Heinz Lohmann
Man sollte mal einige Dudenregeln zur Rechtschreibung, Worttrennung und
Zeichensetzung an Abiturienten mit Leistungskurs Deutsch testen.
In der Oberstufe kenne ich das nur als Literaturkurs.
Post by Heinz Lohmann
Auf die
Ergebnisse wär ich sehr gespannt.
In Frankreich werden da Diktatwettbewerbe veranstaltet,
allerdings ohne Worttrennung.

Gruß, ULF
gregor herrmann
2017-08-16 04:23:43 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Heinz Lohmann
Die Mehrheit der Deutschen verlässt sich heute bei diesen Problemen auf
die entsprechenden Angebote von MS-Word, oder?
Ja (wenn "Deutsche" gleich "Deutsch Schreibende").

Handschriftlich braucht es keine Silbentrennung, und computerisiert
interessiert weder Schreibende noch Lesende, wo genau die jeweilige
Software Silbentrennstriche einfuegt; zumindest solange diese nicht
komplett absurd sind …

gregor
--
.''`. https://info.comodo.priv.at/ - Debian Developer https://www.debian.org
: :' : OpenPGP fingerprint D1E1 316E 93A7 60A8 104D 85FA BB3A 6801 8649 AA06
`. `' Member of VIBE!AT & SPI, fellow of the Free Software Foundation Europe
`- NP: Koko Taylor: Wang Dang Doodle
Roland Franzius
2017-08-09 06:53:17 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Stefan Schmitz
Post by Manfred Hoß
Post by Heinz Lohmann
Wie sieht's aus mit Pädagogik und Stegreif?
Päd-ago-gik und Steg-reif.
Warum muss man da die Etymologie immer noch kennen?
Um zu erkennen, dass Päda im Gegensatz zu pedes kein Wort ist und die
agoge nicht die Verneinung einer googe ist.

Allerdings bin ich ohne große etymologische Verdauungsbeschwerden lange
Zeit davon ausgegangen, dass man ein Stehgreif-Gedicht im Stehen aus der
Luft greift.
--
Roland Franzius
Martin Gerdes
2017-08-08 16:54:12 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Heinz Lohmann
Post by Helmut Richter
Nicht erst *jetzt*. Das musste man schon immer. Neu ist, dass nicht mehr
verlangt wird, die Etymologie von Epis-ode, Heliko-pter, Kilima-ndscharo
und So-wjet zu kennen, wie das von meinem alten Duden (15.Aufl. 1961)
noch gefordert wurde.
Wie sieht's aus mit Pädagogik und Stegreif?
Genauso.

Wie würdest Du den Steig-Reif, nämlich die Seilschlinge zum Steigen
trennen? Als stehenden Sagenvogel? Den kennt doch eine heutige
Teenagerin oder ein heutiger Teenager nicht. Woher auch?
Martin Gerdes
2017-08-08 16:54:12 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Heinz Lohmann
Post by Manfred Hoß
Post by U***@web.de
Eid-echse?
Auf www.dwds.de kannst du neben anderem die Etymologie eines Wortes finden.
Toll. Zur korrekten Trennung muss ich jetzt auch noch die Etymologie
eines Wortes wissen.
Schaden kann das nicht. Das würde uns beispielsweise den Ins-Tanz und
den Dis-Tanz ersparen ("Trenne stets s-t, es tut ihm nicht mehr weh!").
Post by Heinz Lohmann
Die meisten werden Echse als Wortteil erkennen und
dann wahrscheinlich Eid-echse trennen (und sich die Wortherkunft
irgendwie zusammenreimen).
Das nennt man dann "Volksetymologie":

"Heut fahrn wir übern See übern See, heut fahrn wir übern See.
In einer hölzern Wurzel, Wurzel, Wurzel, Wuhurzel ..."
^^^^^^
Hä?
Post by Heinz Lohmann
Echse f. [Der Plural Echsen] ... ist eine willkürliche
Rückbildung aus *Eidechse (s. d.) ohne Rücksicht auf etymologische
Worttrennung
<https://www.dwds.de/wb/Echse>
Muss man wirklich noch Rücksicht nehmen auf die *eigentliche* Etymologie?
Bei "Capta" (amerikanische Kurzform von "Heliko-pter" tun die Leute das
ja auch nicht.
U***@web.de
2017-08-08 08:44:23 UTC
Permalink
Raw Message
Moin,
Post by Manfred Hoß
Post by U***@web.de
Eid-echse?
Auf www.dwds.de kannst du neben anderem die Etymologie eines Wortes finden.
Einfach "Eidechse" eingeben, unter Umständen nach unten scrollen und dann
auf "Mehr" klicken, dann wird der Rest des Artikels angezeigt.
Ah ja. Pfeifer hat demzufolge:

engl. ( landschaftlich) ask ‘Molch, Eidechse’
mhd. dehse ‘Spinnrocken’

Gruß, ULF
x***@gmail.com
2017-08-13 18:34:36 UTC
Permalink
Raw Message
Post by U***@web.de
Post by Manfred Hoß
Einfach "Eidechse" eingeben, unter Umständen nach unten scrollen und dann
auf "Mehr" klicken, dann wird der Rest des Artikels angezeigt.
engl. ( landschaftlich) ask ‘Molch, Eidechse’
mhd. dehse ‘Spinnrocken’
Es gibt das Holzbearbeitungswerkzeug Dechsel - FR
Manfred Hoß
2017-08-06 07:48:29 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Jakob Achterndiek
[..] Schließlich gab es amtliche Rechtschreibregeln, [..]
Könntest du, bitte, eine (1) solche Regel nennen?
Sicher.

"*VI. Über die Silbentrennung.*
*§ 23.* Mehrsilbige Wörter, die man über zwei Zeilen zu verteilen gezwungen
ist, trennt man im allgemeinen nach Sprechsilben, d. h. so, wie sie sich
beim langsamen Sprechen von selbst zerlegen, z. B. Wör-ter-ver-zeich-nis,
Ge-schlech-ter, Freun-des-treue, Über-lie-fe-rung; aus einzelnen Buchstaben
bestehende Silben werden besser nicht abgetrennt.
Dabei sind folgende Regeln zu beachten:
1. E i n f a ch e (nicht zusammengesetzte) Wörter.
a) Ein einzelner Mitlaut kommt auf die folgende Zeile, z. B. tre-ten,
nä-hen. - *ch, sch, ß, ph, th* bezeichnen nur einfache Laute und bleiben
daher ungetrennt, z. B. Bü-cher, Hä-scher, Bu-ße, So-phie, ka-tholisch. -
*x* und *z* werden hierbei wie einfache Mitlaute behandelt, z. B. He-xe,
rei-zen.
b) Von mehreren Mitlauten kommt der letzte auf die folgende Zeile, z. B.
An-ker, Fin-ger, War-te, Rit-ter, Was-ser, Knos-pe, tap-fer, kämp-fen,
Karp-fen, Ach-sel, krat-zen, Städ-te, Verwand-te. *ck* wird dabei in zwei k
aufgelöst, z. B. Hak-ke. /Nur *st* bleibt immer ungetrennt,/ z. B.
La-sten, be-ste, ko-sten, Klo-ster, mei-ste, Fen-ster, För-ster,
Pfing-sten.
Anm. In einfachen Fremdwörtern gehören die Lautverbindungen von b, p, d, t
g, k mit l oder r in der Regel auf die folgende Zeile, z. B. Pu-blikum,
Me-trum, Hy-drant.
2. Z u s a m m e n g e s e tz t e Wörter sind nach ihren Bestandteilen zu
trennen, die Bestandteile selbst werden wie die einfachen Wörter behandelt,
z. B. Diens-tag, Tür-an-gel, Emp-fangs-an-zei-ge, Vor-aus-set-zung. Diese
Teilung bleibt auch da geboten, wo sie der gewöhnlichen Aussprache nicht
gemäß ist, z. B. hier-auf, her-ein, hin-aus, dar-über, war-um, wor-an,
be-ob-achten, voll-enden.
Anm. Für zusammengesetzte Fremdwörter gilt dieselbe Regel wie für solche
deutsche Wörter. Man schreibt also z. B. Atmo-sphäre, Mikro-skop,
Inter-esse. Erkennt man die Bestandteile von Fremdwörtern nicht, so richte
man sich nach den Regeln unter 1a und b."
Post by Jakob Achterndiek
Und dazu bitte das Amt, das sie verordnet hat?
Diese Regel findet sich wortgleich in mehreren Regelwerken, die unter dem
Titel "Regeln für die deutsche Rechtschreibung nebst Wörterverzeichnis"
veröffentlicht wurden. In Preußen wurden sie im Auftrage des Königlich
Preußischen Ministeriums der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Ange-
legenheiten herausgegeben, in Bayern durch das Bayerische Staatsministerium
für Unterricht und Kultus, in Baden hat das Ministerium des Kultus und
Unterrichts diese Regeln veröffentlicht, in Sachsen wurden sie im Auftrage
des Ministeriums für Volksbildung für den Freistaat Sachsen herausgegeben,
in Württemberg erschienen sie im Auftrag des Königlich Württembergischen
Ministeriums des Kirchen- und Schulwesens und in Österreich-Ungarn wurden
sie vom k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht autorisiert.
Post by Jakob Achterndiek
Oder denkst du dabei nur an Fälle wie das "Arbeitsamt",
dessen Häuptlinge irgendwann fanden, "Agentur für Arbeit"
sei viel rechtgeschriebener? Oder die Deutsche Post, deren
Fernsprechdienst jetzt als "Telekom" deutschographiert
wurde? Oder gar das "Bundesministerium für gesamtdeutsche
Fragen", das verordnete, die DDR dürfe auch SBZ abgekürzt
werden, aber die Bundesrepublik Deutschland niemals BRD? -
Nein, an solche Fälle denke ich nicht.

Gruß
Manfred.
Manfred Hoß
2017-08-06 07:49:05 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Jakob Achterndiek
[..] Schließlich gab es amtliche Rechtschreibregeln, [..]
Könntest du, bitte, eine (1) solche Regel nennen?
Sicher.

"*VI. Über die Silbentrennung.*
*§ 23.* Mehrsilbige Wörter, die man über zwei Zeilen zu verteilen gezwungen
ist, trennt man im allgemeinen nach Sprechsilben, d. h. so, wie sie sich
beim langsamen Sprechen von selbst zerlegen, z. B. Wör-ter-ver-zeich-nis,
Ge-schlech-ter, Freun-des-treue, Über-lie-fe-rung; aus einzelnen Buchstaben
bestehende Silben werden besser nicht abgetrennt.
Dabei sind folgende Regeln zu beachten:
1. E i n f a ch e (nicht zusammengesetzte) Wörter.
a) Ein einzelner Mitlaut kommt auf die folgende Zeile, z. B. tre-ten,
nä-hen. - *ch, sch, ß, ph, th* bezeichnen nur einfache Laute und bleiben
daher ungetrennt, z. B. Bü-cher, Hä-scher, Bu-ße, So-phie, ka-tholisch. -
*x* und *z* werden hierbei wie einfache Mitlaute behandelt, z. B. He-xe,
rei-zen.
b) Von mehreren Mitlauten kommt der letzte auf die folgende Zeile, z. B.
An-ker, Fin-ger, War-te, Rit-ter, Was-ser, Knos-pe, tap-fer, kämp-fen,
Karp-fen, Ach-sel, krat-zen, Städ-te, Verwand-te. *ck* wird dabei in zwei k
aufgelöst, z. B. Hak-ke. /Nur *st* bleibt immer ungetrennt,/ z. B.
La-sten, be-ste, ko-sten, Klo-ster, mei-ste, Fen-ster, För-ster,
Pfing-sten.
Anm. In einfachen Fremdwörtern gehören die Lautverbindungen von b, p, d, t,
g, k mit l oder r in der Regel auf die folgende Zeile, z. B. Pu-blikum,
Me-trum, Hy-drant.
2. Z u s a m m e n g e s e tz t e Wörter sind nach ihren Bestandteilen zu
trennen, die Bestandteile selbst werden wie die einfachen Wörter behandelt,
z. B. Diens-tag, Tür-an-gel, Emp-fangs-an-zei-ge, Vor-aus-set-zung. Diese
Teilung bleibt auch da geboten, wo sie der gewöhnlichen Aussprache nicht
gemäß ist, z. B. hier-auf, her-ein, hin-aus, dar-über, war-um, wor-an,
be-ob-achten, voll-enden.
Anm. Für zusammengesetzte Fremdwörter gilt dieselbe Regel wie für solche
deutsche Wörter. Man schreibt also z. B. Atmo-sphäre, Mikro-skop,
Inter-esse. Erkennt man die Bestandteile von Fremdwörtern nicht, so richte
man sich nach den Regeln unter 1a und b."
Post by Jakob Achterndiek
Und dazu bitte das Amt, das sie verordnet hat?
Diese Regel findet sich wortgleich in mehreren Regelwerken, die unter dem
Titel "Regeln für die deutsche Rechtschreibung nebst Wörterverzeichnis"
veröffentlicht wurden. In Preußen wurden sie im Auftrage des Königlich
Preußischen Ministeriums der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Ange-
legenheiten herausgegeben, in Bayern durch das Bayerische Staatsministerium
für Unterricht und Kultus, in Baden hat das Ministerium des Kultus und
Unterrichts diese Regeln veröffentlicht, in Sachsen wurden sie im Auftrage
des Ministeriums für Volksbildung für den Freistaat Sachsen herausgegeben,
in Württemberg erschienen sie im Auftrag des Königlich Württembergischen
Ministeriums des Kirchen- und Schulwesens und in Österreich-Ungarn wurden
sie vom k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht autorisiert.
Post by Jakob Achterndiek
Oder denkst du dabei nur an Fälle wie das "Arbeitsamt",
dessen Häuptlinge irgendwann fanden, "Agentur für Arbeit"
sei viel rechtgeschriebener? Oder die Deutsche Post, deren
Fernsprechdienst jetzt als "Telekom" deutschographiert
wurde? Oder gar das "Bundesministerium für gesamtdeutsche
Fragen", das verordnete, die DDR dürfe auch SBZ abgekürzt
werden, aber die Bundesrepublik Deutschland niemals BRD? -
Nein, an solche Fälle denke ich nicht.

Gruß
Manfred.
Jakob Achterndiek
2017-08-06 09:42:25 UTC
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Raw Message
Post by Jakob Achterndiek
Und dazu bitte das Amt, das sie verordnet hat?
[..] wortgleich in mehreren Regelwerken, [..] im Auftrage des [..]
im Auftrage des [..] im Auftrag des [..] für Kultus und Unterricht
autorisiert.
Dank und großes Lob für diese gründliche Belehrung.

Ich bleibe indes bei meiner Interpretation dieses Faktums und
illustriere das mit folgendem Vergleich:
Wenn das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft
mit Portrait und Unterschrift des Ministers höchselbst unter
amtlichem Emblem (und nicht nur "im Auftrag" mit Verlags-Signet)
in Heft 1/2017 auf S.10 seiner Zeitschrift "Kompass Ernährung"
ein Rezept für "Pfannkuchen-Wrap mit Gemüse und Kräuter-Senf-Dip"
herausgibt, dann ist dieses Rezept (ob mit oder ohne "man nehme")
trotzdem keine amtliche Verordnung.
;)
http://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Service/KompassErnaehrung/Ausgabe-1-2017.pdf?__blob=publicationFile
--
j/\a
Roland Franzius
2017-08-06 11:54:43 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Jakob Achterndiek
Post by Jakob Achterndiek
Und dazu bitte das Amt, das sie verordnet hat?
[..] wortgleich in mehreren Regelwerken, [..] im Auftrage des [..]
im Auftrage des [..] im Auftrag des [..] für Kultus und Unterricht
autorisiert.
Dank und großes Lob für diese gründliche Belehrung.
Ich bleibe indes bei meiner Interpretation dieses Faktums und
Wenn das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft
mit Portrait und Unterschrift des Ministers höchselbst unter
amtlichem Emblem (und nicht nur "im Auftrag" mit Verlags-Signet)
in Heft 1/2017 auf S.10 seiner Zeitschrift "Kompass Ernährung"
ein Rezept für "Pfannkuchen-Wrap mit Gemüse und Kräuter-Senf-Dip"
herausgibt, dann ist dieses Rezept (ob mit oder ohne "man nehme")
trotzdem keine amtliche Verordnung.
;)
http://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Service/KompassErnaehrung/Ausgabe-1-2017.pdf?__blob=publicationFile
Es war aber auch seinerzeit kein Geheimnis, dass in Preußen Beamte, die
wiederholt in Berlin, Hannover und Düsseldorf gegen die amtlichen
Rechtsschreibregeln verstießen, nach Osnabrück, Lingen und Papenburg
strafversetzt wurden.

--

Roland Franzius
Manfred Hoß
2017-08-06 15:11:58 UTC
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Raw Message
Post by Jakob Achterndiek
Post by Jakob Achterndiek
Und dazu bitte das Amt, das sie verordnet hat?
[..] wortgleich in mehreren Regelwerken, [..] im Auftrage des [..]
im Auftrage des [..] im Auftrag des [..] für Kultus und Unterricht
autorisiert.
Dank und großes Lob für diese gründliche Belehrung.
Ich bleibe indes bei meiner Interpretation dieses Faktums und
Wenn das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft
mit Portrait und Unterschrift des Ministers höchselbst unter
amtlichem Emblem (und nicht nur "im Auftrag" mit Verlags-Signet)
in Heft 1/2017 auf S.10 seiner Zeitschrift "Kompass Ernährung"
ein Rezept für "Pfannkuchen-Wrap mit Gemüse und Kräuter-Senf-Dip"
herausgibt, dann ist dieses Rezept (ob mit oder ohne "man nehme")
trotzdem keine amtliche Verordnung.
;)
http://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Service/KompassErnaehrung/Ausgabe-1-2017.pdf?__blob=publicationFile
Der Vergleich hinkt. In Deutschland sind die Kinder schulpflichtig und
lernen in der Schule verschiedene Dinge, so zum Beispiel lesen und
schreiben, aber nicht kochen. Müssten alle Kinder kochen lernen und dies
nach einem einheitlichen Rezeptbuch, sähe die Sache anders aus. Dann aber
würde ein Pfannkuchen-Wrap mit Gemüse und Kräuter-Senf-Dip, den du in
Hamburg in einem Restaurant bestellst, genauso schmecken wie in Berlin, wie
in Düsseldorf, wie in Ludwigshafen, wie in München, ... Falls nicht, so
gäbe es sicher etliche Leute, die an dem Geschmack etwas auszusetzen
hätten.

Gruß
Manfred.
Detlef Meißner
2017-08-06 15:22:55 UTC
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Raw Message
Post by Manfred Hoß
Der Vergleich hinkt. In Deutschland sind die Kinder schulpflichtig und
lernen in der Schule verschiedene Dinge, so zum Beispiel lesen und
schreiben, aber nicht kochen. Müssten alle Kinder kochen lernen und dies
nach einem einheitlichen Rezeptbuch, sähe die Sache anders aus. Dann aber
würde ein Pfannkuchen-Wrap mit Gemüse und Kräuter-Senf-Dip, den du in
Hamburg in einem Restaurant bestellst, genauso schmecken wie in Berlin, wie
in Düsseldorf, wie in Ludwigshafen, wie in München, ...
Nein, denn in Deutschland haben die Länder die Bildungshoheit, d.h.
jedes Land kocht sein eigenes Süppchen, selbst wenn das einheitliche
Rezeptbuch die Vorlage gäbe.

Und dann gibt es natürlich noch die verschiedenen Schulformen und Kurse.

Kurs A kocht natürlich raffinierter als Kurs C. Oder man macht
Binnendifferenzierung.

Detlef
U***@web.de
2017-08-06 17:20:38 UTC
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Raw Message
Moin,
Post by Jakob Achterndiek
Oder denkst du dabei nur an Fälle wie das "Arbeitsamt",
dessen Häuptlinge irgendwann fanden, "Agentur für Arbeit"
sei viel rechtgeschriebener?
Da war doch noch etwas mit Wegfall der Verbeamtung
und diversen Reformen. Man fand das zeitgemäßer
als die alte Bundesanstalt mit ihren Ämtern.

Gruß, ULF
Ralf Joerres
2017-08-06 17:14:25 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Manfred Hoß
Post by Jakob Achterndiek
Post by Manfred Hoß
Vor 1996 gab es zur Getrennt- und Zusammenschreibung keine einzige
amtliche Regel. [..] Erstmals mit der Rechtschreibreform 1996 gab es
amtliche Regeln, mit denen zugleich versucht wurde, dem Wildwuchs
zumindest teilweise ein Ende zu machen.
Es gab überhaupt keine amtliche Rechtschreibregel - außer der, daß
Schulen und Behörden sich in Zweifelsfällen nach dem Duden richten
sollten, der sich wiederum selbst nach dem Mannheimer Institut für
deutsche Sprache richtete.
Sicherlich könntest du das so sagen, aber das wäre falsch. Schließlich gab
es amtliche Rechtschreibregeln, nur wurden mehrere Bereiche der
Rechtschreibung nicht berücksichtigt, z. B. die Kommasetzung, aber auch die
Getrennt- und Zusammenschreibung. Was es in den Bereichen an Regeln gab,
haben unter anderem die Wörterbuchmacher zu verantworten.
Post by Jakob Achterndiek
Die Formel vom "Wildwuchs der Orthographie" war nur eine dümmliche
Unterstellung.
Nein, die Fälle, in denen nachgeschlagen werden musste, waren Legion. Ihre
Zahl nahm von Auflage zu Auflage des Duden eher zu, auf keinen Fall ab.
Wäre die Bedienung eines Smartphones so kompliziert wie die deutsche
Rechtschreibung vor 1996, kein Mensch würde sich ein Smartphone zulegen,
weil niemand es fehlerfrei bedienen kann.
Deckt sich mit meinen Erfahrungen. Ich bin schier verrückt geworden
angesichts dessen, dass ich aufgrund der Inkonsistenz der Regeln
bestimmte Dinge immer wieder nachschlagen musste, es gab keine Möglich-
keit, sich die zu merken, weil sie zu anderen gleich strukturierten
Fällen in Widerspruch standen und es unmöglich war, da ein System
hineinzubekommen. Ich hasse sowas, und ich habe den Duden gehasst.
Inzwischen sind in vielen Fällen Doppelschreibungen möglich, ein
fragwürdiger Fortschritt, aber ich erlebe ja hier oft genug, wie
sehr sich die grammatischen Analysen von Sätzen unterscheiden
können, also letztlich ein Fortschritt, ebenso wie die Klarheit
bei der Benutzung des ß und manches andere. Leider auf halbem Wege
- eher noch auf einem Zehntel der Wegstrecke - steckengeblieben für
meine Begriffe.

Gruß Ralf Joerres
Ralf Joerres
2017-08-06 17:02:46 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Jakob Achterndiek
Post by Ralf Joerres
Post by Jakob Achterndiek
[..]
Fall a) Wenn der Vogel hochfliegt .. - wenn er hoch fliegt ..
Fall b) Wenn die See hochgeht .. - wenn sie hoch geht ..
In der altschreiblichen 18. Auflage des Duden 1 stand das in Regel 205;
in der neuschreiblichen 24. Auflage muß man es sich aus den arg
verklausuliert Klauseln ab K 47 raussuchen oder raus suchen.
Das mit der 'eigenen Bedeutung' ist ja sehr interpretationsfähig.
[..]
Wie würdest Du es machen? Ich lasse eher mein Gefühl entscheiden und
schreibe getrennt. Der Duden meint dazu, nicht zu Unrecht, wie ich
"Wegen der Komplexität der Getrennt- und Zusammenschreibung kann es
Fälle geben, die mithilfe der nachstehenden Regelungen nicht eindeutig
zu klären sind. Wenn auch das Wörterverzeichnis nicht weiterhilft,
stehen den Schreibenden gewisse Freiräume für eigene Entscheidungen
offen."
( http://www.duden.de/sprachwissen/rechtschreibregeln/getrennt-und-zusammenschreibung )
Ja, so war es früher -- und so ist es heute noch. Nur früher hat man
das klarer gesagt.
Heute machen die "amtlichen Regeln" (und im Gefolge davon der Duden)
ein Bohei mit etlichen Paragraphen daraus. Der Grund dafür ist leicht
erkennbar: Früher war das Prinzip, eine Handreichung für die Verfassung
lesbarer und verständlicher eigener Texte zu bieten. Das Prinzip der
neuen amtlichen Regeln war offenbar, ein auf linguistischer Systematik
beruhendes Gesetz zu formulieren, das dann als ein der *natürlichen*
Sprache abgelauschtes *Naturgesetz* autoritär verordnet werden kann.
Taschenspielertrick der Dialektik: Die bösen Linguisten als Wölfe im
Schafspelz und Keimzelle einer orthographischen Verschwörung, die
nichts weniger als Schilde führt als die Beseitigung jedweder
Verständlichkeit. Diese Sichtweise hat jedenfalls Unterhaltungswert.
Dass der Unsinn, den die Kultusbürokratien verzapfen, im Gegenteil
wenig mit sprachwissenschaftlicher Forschung zu tun hat, wird auch
Dir nicht verborgen geblieben sein. Das Feld der Orthographie ist hier-
zulande hochgradig ideologisiert, und das meiste, was ich dazu
wahrnehme, ist von wenig Sachverstand getrübte Propaganda. Es ist
unglaublich, mit welcher Hartnäckigkeit hier wie auf anderen Gebieten
der "Status Quo als Sehnsuchtsziel" (Formulierung aus der Zeit) hoch-
gehalten wird. Eine unvoreingenommene Diskussion dieses Themas ist
schlichtweg nicht möglich.

Gruß Ralf Joerres
Jakob Achterndiek
2017-08-06 22:06:22 UTC
Permalink
Raw Message
[..] Die bösen Linguisten als Wölfe im
Schafspelz und Keimzelle einer orthographischen Verschwörung, die
nichts weniger als Schilde führt als die Beseitigung jedweder
Verständlichkeit. Diese Sichtweise hat jedenfalls Unterhaltungswert.
Das ist aber jetzt DEINE Formulierung und DEINE Unterstellung, über
die du dich amüsierst. Sowas kommt immer gut auf Talkshows.
Mein Stichwort dazu bedeutete allerdings ganz was Anderes. Trotzdem
werd ich jetzt nicht den Bosbach machen, ätsch!
--
j/\a
U***@web.de
2017-08-07 07:40:51 UTC
Permalink
Raw Message
Moin,
Post by Ralf Joerres
Taschenspielertrick der Dialektik: Die bösen Linguisten als Wölfe im
Schafspelz und Keimzelle einer orthographischen Verschwörung, die
nichts weniger als
im
Post by Ralf Joerres
Schilde führt als die Beseitigung jedweder
Verständlichkeit.
Gruß, ULF
Helmut Richter
2017-08-07 09:06:48 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Ralf Joerres
Post by Jakob Achterndiek
Heute machen die "amtlichen Regeln" (und im Gefolge davon der Duden)
ein Bohei mit etlichen Paragraphen daraus. Der Grund dafür ist leicht
erkennbar: Früher war das Prinzip, eine Handreichung für die Verfassung
lesbarer und verständlicher eigener Texte zu bieten. Das Prinzip der
neuen amtlichen Regeln war offenbar, ein auf linguistischer Systematik
beruhendes Gesetz zu formulieren, das dann als ein der *natürlichen*
Sprache abgelauschtes *Naturgesetz* autoritär verordnet werden kann.
Wäre es so, gäbe es ja nichts einzuwenden.

Natürlich gehort die Sprache Regeln, und zwar schon bevor die
Grammatiker sie aufschreiben. Gelingt es, die Regeln zu erfassen
("abzulauschen"), kommen gute Grammatiken heraus, muss man Regeln
notfalls auch gegen den Sprachgebrauch erfinden, kommt Mist heraus.

Bei der Schreibung, um die es hier geht, ist es insofern ein wenig
anders, als sie immer künstliche Konvention ist. Sie kann aber guten
oder schwachsinnigen Regeln im Sinne des voranstehenden Absatzes folgen.
Und wenn sie ihre Regeln nach den der tatsächlichen Sprache
abgelauschten Regeln folgt, ist das das Beste, was man erwarten kann.

Woran das regelmäßig scheitert, ist dass die Regeln der Sprache eben
nicht so schwarz-weiß sind wie viele Naturgesetze.
Post by Ralf Joerres
Es ist
unglaublich, mit welcher Hartnäckigkeit hier wie auf anderen Gebieten
der "Status Quo als Sehnsuchtsziel" (Formulierung aus der Zeit) hoch-
gehalten wird. Eine unvoreingenommene Diskussion dieses Themas ist
schlichtweg nicht möglich.
Beides gibt es als Sehnsuchtsziel: den Status Quo wie die Änderung um
jeden Preis.
--
Helmut Richter
Jakob Achterndiek
2017-08-07 10:58:58 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Helmut Richter
Post by Ralf Joerres
Es ist
unglaublich, mit welcher Hartnäckigkeit hier wie auf anderen Gebieten
der "Status Quo als Sehnsuchtsziel" (Formulierung aus der Zeit) hoch-
gehalten wird. Eine unvoreingenommene Diskussion dieses Themas ist
schlichtweg nicht möglich.
Beides gibt es als Sehnsuchtsziel: den Status Quo wie die Änderung um
jeden Preis.
Was mag mit dem "Status Quo als Sehnsuchtsziel" gemeint sein?
Das wirkt ja zunächst einmal paradox.
Ist die Quelle noch auffindbar?
--
j/\a
Stefan Ram
2017-08-05 14:07:02 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Ralf Joerres
1 'wenn hier die See hoch geht, bleibst du mit deinem Boot besser
im Hafen' - oder sollte es hier 'hochgeht' heißen?
2 'bei der Versammlung sind die Wellen der Empörung
hoch gegangen' - oder 'hochgegangen'?
Immer zusammen, außer ein Adverb kommt als Satellit zu »hoch«:

»Wenn hier die See hochgeht, ...«

»Wenn hier die See so hoch geht, ...« (»so« bezieht sich
auf »hoch«.)

»Wenn hier die See sehr hoch geht, ...«

»Sie sind hochgegangen.«

»Sie sind ziemlich hoch gegangen.« (»ziemlich« bezieht
sich auf »hoch«.)

»Sie sind ziemlich hochgegangen.« (»ziemlich« bezieht sich
auf »hochgegangen«.)
Heinz Lohmann
2017-08-05 14:39:04 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Ralf Joerres
1 'wenn hier die See hoch geht, bleibst du mit deinem Boot besser
im Hafen' - oder sollte es hier 'hochgeht' heißen?
2 'bei der Versammlung sind die Wellen der Empörung
hoch gegangen' - oder 'hochgegangen'?
Merkwürdigerweise schreibt der Duden nichts dazu, und DWDS schreibt
es zusammen. Mir ist klar, dass bei den anderen Verwendungen (nach
oben gehen, (auf)steigen, explodieren, auffliegen) hochgehen immer
zusammengeschrieben wird, außer in Sätzen. wo der trennbare Verb-
teil wegen Umstellung abgetrennt wird (geh schon mal hoch).
Wenn man sich beim Duden online mal die Synonyme weiter unten anschaut,
wird die Sache klarer:

http://www.duden.de/rechtschreibung/hochgehen

Besonders der 2. Punkt:
"ansteigen, anwachsen, sich erhöhen, hinaufschnellen, in die Höhe gehen,
klettern, nach oben gehen, steigen, sich steigern, sich vergrößern,
wachsen, zunehmen;"

Danach scheint es sich auch in deinen zwei Beispielen um das trennbare
Verb hochgehen zu handeln.
--
mfg
Heinz Lohmann
Tamsui, Taiwan

Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat. W.B.
Stefan Schmitz
2017-08-05 14:56:20 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Heinz Lohmann
Wenn man sich beim Duden online mal die Synonyme weiter unten anschaut,
http://www.duden.de/rechtschreibung/hochgehen
"ansteigen, anwachsen, sich erhöhen, hinaufschnellen, in die Höhe gehen,
klettern, nach oben gehen, steigen, sich steigern, sich vergrößern,
wachsen, zunehmen;"
Danach scheint es sich auch in deinen zwei Beispielen um das trennbare
Verb hochgehen zu handeln.
Das sehe ich anders.
Bei all diesen Synonymen geht es darum, dass sich etwas *nach oben* bewegt.
Bei Ralfs Beispielen (zumindest beim ersten, das zweite kann beides meinen)
geht es jedoch um das Ausmaß des Seegangs.

Für mich:
Wenn hoch für die Richtung steht, zusammenschreiben. Wenn es die Höhe misst,
getrennt.
Heinz Lohmann
2017-08-06 01:55:29 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Stefan Schmitz
Das sehe ich anders.
Bei all diesen Synonymen geht es darum, dass sich etwas*nach oben* bewegt.
Bei Ralfs Beispielen (zumindest beim ersten, das zweite kann beides meinen)
geht es jedoch um das Ausmaß des Seegangs.
Aber auch bei hohem Seegang gibt es eine Bewegung nach oben (und wieder
nach unten). Die See geht hoch, weil die Wellen in die Höhe gehen.

Das Gegenteil gibt es wahrscheinlich nicht: tiefer Seegang? Die See geht
tief?
--
mfg
Heinz Lohmann
Tamsui, Taiwan

Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat. W.B.
Stefan Schmitz
2017-08-06 16:45:53 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Heinz Lohmann
Post by Stefan Schmitz
Das sehe ich anders.
Bei all diesen Synonymen geht es darum, dass sich etwas*nach oben* bewegt.
Bei Ralfs Beispielen (zumindest beim ersten, das zweite kann beides meinen)
geht es jedoch um das Ausmaß des Seegangs.
Aber auch bei hohem Seegang gibt es eine Bewegung nach oben (und wieder
nach unten). Die See geht hoch, weil die Wellen in die Höhe gehen.
Die Bewegung gibt es auch bei geringem Seegang. Sie fällt dann nur weniger
stark aus.
Ralf Joerres
2017-08-06 12:19:18 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Stefan Schmitz
Post by Heinz Lohmann
Wenn man sich beim Duden online mal die Synonyme weiter unten anschaut,
http://www.duden.de/rechtschreibung/hochgehen
"ansteigen, anwachsen, sich erhöhen, hinaufschnellen, in die Höhe gehen,
klettern, nach oben gehen, steigen, sich steigern, sich vergrößern,
wachsen, zunehmen;"
Danach scheint es sich auch in deinen zwei Beispielen um das trennbare
Verb hochgehen zu handeln.
Das sehe ich anders.
Bei all diesen Synonymen geht es darum, dass sich etwas *nach oben* bewegt.
Bei Ralfs Beispielen (zumindest beim ersten, das zweite kann beides meinen)
geht es jedoch um das Ausmaß des Seegangs.
Wenn hoch für die Richtung steht, zusammenschreiben. Wenn es die Höhe misst,
getrennt.
Deckt sich mit meiner Auffassung, nur dass 'hoch gehen' leider nicht
so schön klar ist wie 'die Schwalben fliegen heute wieder hoch.'
In der ergugelbaren Literatur neuern Datums wird der 'hoch gehenden'
See ebenso wie den 'Wellen der Empörung' oder den blanken 'Emotionen'
durchgängig per Zusammenschreibung wahlweise ein 'Ansteigen' oder ein
'Explodieren' zuerkannt, was mich sehr verwundert. Dass man hier auch
getrennt schreiben könnte, vielleicht müsste, wird von Profischreibern
nicht in Betracht gezogen.

Gerade ist mir eins aufgefallen: Man kann sagen 'die Schwalben fliegen
sehr hoch', und auch: 'die Wellen gehen sehr hoch', aber nicht gut:
'?ich gehe sehr hoch, bis in die 12. Etage', und gar nicht '*die Bombe
ging sehr hoch'. Analog mit höher: 'die Schwalben fliegen heute höher
als gestern' und 'die See geht / die Wellen gehen heute höher',
aber nur mit Bedenken 'wir gehen heute noch noch 500 m höher als
gestern', das würde ich als 'höhergehen bis' im Sinne von 'einen
bestimmten höheren Wert als Zielmarke zu erreichen versuchen, so wie
'wir gehen mit dem Tempo jetzt auf 120 BPM' auffassen, und ein
richtungsneutrales 'Gehen in größerer Höhe' mit 'laufen' wiedergeben:
'Wir laufen heute noch 500 m höher als gestern.' Und selbstverständlich
kann eine Bombe nicht 'höher gehen'.

Gab's dazu nicht auch einmal eine Regel, von wegen Steigerbarkeit
eines Adjektivs bei zusammengesetzten Verben? Insofern wäre 'hoch'
in 'hoch gehen' ein adverbial zu V verwendetes Adjektiv, in
'hochgehen' ein Richtungsadverb anstelle eines lokalen Adverbials.
Da sieht man übrigens wieder, wie vertrackt und vieldeutig es mit
dem Begriff 'Adverb' ist.

Gruß Ralf Joerres
Ralf Joerres
2017-08-06 11:45:20 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Heinz Lohmann
Post by Ralf Joerres
1 'wenn hier die See hoch geht, bleibst du mit deinem Boot besser
im Hafen' - oder sollte es hier 'hochgeht' heißen?
2 'bei der Versammlung sind die Wellen der Empörung
hoch gegangen' - oder 'hochgegangen'?
Merkwürdigerweise schreibt der Duden nichts dazu, und DWDS schreibt
es zusammen. Mir ist klar, dass bei den anderen Verwendungen (nach
oben gehen, (auf)steigen, explodieren, auffliegen) hochgehen immer
zusammengeschrieben wird, außer in Sätzen. wo der trennbare Verb-
teil wegen Umstellung abgetrennt wird (geh schon mal hoch).
Wenn man sich beim Duden online mal die Synonyme weiter unten anschaut,
http://www.duden.de/rechtschreibung/hochgehen
"ansteigen, anwachsen, sich erhöhen, hinaufschnellen, in die Höhe gehen,
klettern, nach oben gehen, steigen, sich steigern, sich vergrößern,
wachsen, zunehmen;"
Danach scheint es sich auch in deinen zwei Beispielen um das trennbare
Verb hochgehen zu handeln.
Aha, 'die See ging hoch' bedeutet also, dass der Meereswasserspiegel
vorübergehend anstieg!? Oder das Wasser im Ozean mehr wurde? Ich halte
das für eine gründlich falsche Interpretation. 'Die See ging hoch'
heißt: Es herrschte ein hoher Seegang, die See war rau, es gab
richtig hohe Wellen.

Gruß Ralf Joerres
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