Discussion:
Der Nu, das unbekannte Wesen
(zu alt für eine Antwort)
H.-P. Schulz
2017-08-16 12:50:54 UTC
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Außerhalb von Kreuzworträtseln kommt er nur in der Wendung mit 'im'
vor: der Nu.

War das mal anders? Und ist er mit dem Adverb 'nun' verwandt?

Gibt es noch andere Wendungen, in denen ein Bestandteil ein einzig in
dieser Wendung vorkommendes Wort ist?
Bertel Lund Hansen
2017-08-16 12:59:47 UTC
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Post by H.-P. Schulz
Außerhalb von Kreuzworträtseln kommt er nur in der Wendung mit 'im'
vor: der Nu.
War das mal anders? Und ist er mit dem Adverb 'nun' verwandt?
Ja, das ist es. Im Dänischen heisst es nur "nu", und ODS sagt,
dass es mit "nun" verwandt ist.

"i ét nu" =~ "plötzlich".
--
Bertel, Dänemark
H.-P. Schulz
2017-08-16 14:44:29 UTC
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Mir fällt noch ein:
Es wäre vielleicht nicht völlig abwegig, 'nun' als abgeleitete Form
von 'Nu' zu betrachten. Ableitungsmorph wäre dann das n.
Frage wäre dann, ob es noch Fälle dieser Art gibt: Ableitung durch ein
n.
Auf die Schnelle fällt mir nichts ein.
Sehr, sehr gesucht - und altertümlich - vielleicht: 'etwa' -> 'etwan'
(Kommt glaubich bei Luther vor; und im Hildebrandt. Kann mich aber
irren.)
treu -> traun vielleicht??

Spezialisten vor!
U***@web.de
2017-08-28 14:32:24 UTC
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Moin,
Post by H.-P. Schulz
Es wäre vielleicht nicht völlig abwegig, 'nun' als abgeleitete Form
von 'Nu' zu betrachten. Ableitungsmorph wäre dann das n.
Frage wäre dann, ob es noch Fälle dieser Art gibt: Ableitung durch ein
n.
Auf die Schnelle fällt mir nichts ein.
Spezialisten vor!
Ich biete 'steinern', 'eisern' und ggf. 'ehern'.

Gruß, ULF
H.-P. Schulz
2017-08-28 15:13:28 UTC
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Post by U***@web.de
Moin,
Post by H.-P. Schulz
Es wäre vielleicht nicht völlig abwegig, 'nun' als abgeleitete Form
von 'Nu' zu betrachten. Ableitungsmorph wäre dann das n.
Frage wäre dann, ob es noch Fälle dieser Art gibt: Ableitung durch ein
n.
Auf die Schnelle fällt mir nichts ein.
Spezialisten vor!
Ich biete 'steinern', 'eisern' und ggf. 'ehern'.
Haut nicht wirklich hin, denn 'steiner' bzw. 'eiser' gibt es nicht.
Ist aber gleichwohl eine interessante Ableitung: -ern (haut aber dann
bei 'eisern' schon wieder nicht wirklich hin)
Aber da kommen sich wohl zwei Ableitungsmorphe in die Quere.

Übrigens ist wohl das einfache -e (phonet. Schwa) das häufigste
Ableitungsmorph.
Ableitung muss ja nicht immer aus einem *Wort* gehen, ein *Stamm* tut
's ja auch. Etwa: kant > Kante, kantig, Kantholz ...; perl > Perle,
perlig, perlen, Perlhuhn; weis > Weise, weislich, Weisheit; rund >
Runde, rundlich, Rundung; lieb > Liebe, lieblich, liebreich
U***@web.de
2017-08-28 15:27:11 UTC
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Post by H.-P. Schulz
Post by U***@web.de
Post by H.-P. Schulz
Es wäre vielleicht nicht völlig abwegig, 'nun' als abgeleitete Form
von 'Nu' zu betrachten. Ableitungsmorph wäre dann das n.
Frage wäre dann, ob es noch Fälle dieser Art gibt: Ableitung durch ein
n.
Auf die Schnelle fällt mir nichts ein.
Spezialisten vor!
Ich biete 'steinern', 'eisern' und ggf. 'ehern'.
Haut nicht wirklich hin, denn 'steiner' bzw. 'eiser' gibt es nicht.
Ist aber gleichwohl eine interessante Ableitung: -ern (haut aber dann
bei 'eisern' schon wieder nicht wirklich hin)
Aber da kommen sich wohl zwei Ableitungsmorphe in die Quere.
Gefällt 'papiern'? Gilt als Nebenform
zu 'papieren'.

Gruß, ULF
U***@web.de
2017-08-28 15:35:01 UTC
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Moin,
Post by H.-P. Schulz
Post by U***@web.de
Post by H.-P. Schulz
Frage wäre dann, ob es noch Fälle dieser Art gibt: Ableitung durch ein
n.
Auf die Schnelle fällt mir nichts ein.
Spezialisten vor!
Ich biete 'steinern', 'eisern' und ggf. 'ehern'.
Haut nicht wirklich hin, denn 'steiner' bzw. 'eiser' gibt es nicht.
Biete 'kupfern'.

Gruß, ULF
H.-P. Schulz
2017-08-28 17:49:54 UTC
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Post by U***@web.de
Moin,
Post by H.-P. Schulz
Post by U***@web.de
Post by H.-P. Schulz
Frage wäre dann, ob es noch Fälle dieser Art gibt: Ableitung durch ein
n.
Auf die Schnelle fällt mir nichts ein.
Spezialisten vor!
Ich biete 'steinern', 'eisern' und ggf. 'ehern'.
Haut nicht wirklich hin, denn 'steiner' bzw. 'eiser' gibt es nicht.
Biete 'kupfern'.
Na ja. Ist halt ein Adjektiv.
Ich suche noch nach Adverbien.

'gestern'? (|gestr| als Stamm, das e als phonetisches Füllsel)

'morgen'? (|morg| als Stamm (vgl. 'morgig'), das e als phonetisches
Füllsel)

Matthias Opatz
2017-08-28 10:47:09 UTC
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Post by H.-P. Schulz
Gibt es noch andere Wendungen, in denen ein Bestandteil ein einzig in
dieser Wendung vorkommendes Wort ist?
Garaus.

Matthias
Enzo Pontiere
2017-08-28 14:52:57 UTC
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Post by Matthias Opatz
Post by H.-P. Schulz
Gibt es noch andere Wendungen, in denen ein Bestandteil ein einzig in
dieser Wendung vorkommendes Wort ist?
Garaus.
Ein wunderlich Ding, das:
Man kann es nicht haben, nicht geben und nicht nehmen.
Man kann es nur machen. Und nur einmal sich selbst.

EPo
Stephen Hust
2017-08-28 15:22:29 UTC
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Post by Matthias Opatz
Post by H.-P. Schulz
Gibt es noch andere Wendungen, in denen ein Bestandteil ein einzig in
dieser Wendung vorkommendes Wort ist?
Garaus.
Es gab einmal auch den Garab:

| garab, /m/. /exclusio/, /summotio/, den garab bekommen,
| /limine pelli/, /excludi/ Stieler 2. /es steht neben/ garaus, /wie/
| kehrab /neben/ kehraus, /entstanden aus dem zurufe/ gar ab
| (/mit dir/)! /fort/, /ganz weg/; /vgl/. DWB schabab.

Schabab? Was ist denn das? Ein Fleischgericht? - Hmm, nicht ganz.

| schabab , /imperativische bildung von/ abschaben (/s/. /theil/ 1, 94
| /und/ schaben), /im sinne von geh ab/, /zieh ab/ (Grimm /gramm/. 2,
| 961. 984. 3, 304), /adjectivisch/,
| /adverbial und substantivisch gebraucht/. Luther
| /dachte an hebräischen ursprung des in der älteren sprache viel
| gebrauchten wortes/: im 7. versz das hebreisch wort 'schabab' ist
| deutsch worden unnd heyst vorwerfflich ding, als kerich, schlacken,
| spene, schaum, spreu. Luther 8, 198, 24 /Weim/. /ausgabe/.
| /Bedeutung/.
|
| *1)* /absolut/, /wie ein prädicatives adjectiv oder adverb/,
| /soviel wie damit gut/, /fertig/, /vorbei/:
|
| [...]
|
| *2)* /substantivisch/, /masc/. /und neutr/., /meist ohne artikel/,
| /zur bezeichnung von personen und sachen/, /die man nicht haben will/,
| /gering achtet/. Adelung; /vom abschaben dessen/,
| /was nicht an etwas sein soll/. Frisch 2, 154c.
|
| [...]
|
| /auszerdem in formeln der geistlichen und der davon beeinfluszten
| sprache/: wir seyn kehrich und schabab der welt. Melanchthon /zu/ 2
| /Cor/. 4 (1524); [...]

Der Artikel ist ziemlich lang:

<http://woerterbuchnetz.de/cgi-bin/WBNetz/wbgui_py?sigle=DWB&mode=Vernetzung&hitlist=&patternlist=&bookref=14,1944,11>

Garab:

<http://woerterbuchnetz.de/cgi-bin/WBNetz/wbgui_py?sigle=DWB&mode=Vernetzung&lemid=GG01050#XGG01050>
--
Steve

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U***@web.de
2017-08-28 14:30:50 UTC
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Post by H.-P. Schulz
Gibt es noch andere Wendungen, in denen ein Bestandteil ein einzig in
dieser Wendung vorkommendes Wort ist?
In Gorl-Morgs-Stodt:

"Nü, das is di Möntagsdemönstratiön von de DSÜ!"

War aber eine verschliffene Form von 'nun'.

Gruß, ULF
Matthias Opatz
2017-08-28 14:45:08 UTC
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Post by U***@web.de
"Nü, das is di Möntagsdemönstratiön von de DSÜ!"
Die Tremata geben mir Rätsel auf.

Matthias
U***@web.de
2017-08-28 15:04:25 UTC
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Post by Matthias Opatz
Post by U***@web.de
"Nü, das is di Möntagsdemönstratiön von de DSÜ!"
Die Tremata geben mir Rätsel auf.
Die sprachen dort wirklich so.
Genauer gesagt, der eine, bei dem sich
die anderen nicht weiter wunderten.

Wo genau der seine Vokalrundungen herbrachte,
weiß ich nicht.

Gruß, ULF
Quinn C
2017-08-28 16:11:07 UTC
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Post by Matthias Opatz
Post by U***@web.de
"Nü, das is di Möntagsdemönstratiön von de DSÜ!"
Die Tremata geben mir Rätsel auf.
Heißt hier wohl nur "klingt anders als Standarddeutsch", Wie
genau, muß man sich dann anhand eigener Erfahrung vorstellen.

Das ist durchaus eine gängige Methode, um Dialekt augenfällig zu
machen, ähnlich dem kürzlich besprochenen "Häus'l".
--
die pfaffen mit ihren platten,
die münch mit ihren gugeln schon
bergreihen 26 ndr.
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