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unmusikalisch sein
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w***@wp.pl
2018-05-26 22:15:20 UTC
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Guten Abend,

aus einem deutschen Krimi-Film (1966):
- von der Musik ein Verständnis wie ein Dromader haben,
- ein musikalisches Kamel sein.

Benutzt man heute diese Redewendungen?
Was sagt man, wenn man/jemand unmusikalisch ist?

Danke im Voraus für Eure Antwort.
Gruß
Marcin
Detlef Meißner
2018-05-26 22:49:07 UTC
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Post by w***@wp.pl
Guten Abend,
- von der Musik ein Verständnis wie ein Dromader haben,
^^^^^^^^
Dromedar
Post by w***@wp.pl
- ein musikalisches Kamel sein.
Nie gehört.
Aber zu jener Zeit waren kernige Wortneuschöpfungen üblich. Besonders
auffällig bei Syncronisationen englischer Serien (Simon Templar, Die
Zwei), bei der sich Rainer Brandt als Syncronisator besonders
hervortat.
Post by w***@wp.pl
Benutzt man heute diese Redewendungen?
Nein.
Post by w***@wp.pl
Was sagt man, wenn man/jemand unmusikalisch ist?
Er ist umusikalisch.

Detlef
Stefan Ram
2018-05-26 22:55:49 UTC
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Post by Detlef Meißner
Er ist umusikalisch.
Beziehungsweise "emusikalisch" (je nachdem).

(Das einzige Werk, das es schaffte eine Brücke zwischen
beidem zu bilden, ist "200 Motels" von Frank Zappa.)
René Marquardt
2018-05-27 01:06:18 UTC
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Post by Detlef Meißner
Aber zu jener Zeit waren kernige Wortneuschöpfungen üblich. Besonders
auffällig bei Syncronisationen englischer Serien (Simon Templar, Die
Zwei), bei der sich Rainer Brandt als Syncronisator besonders
hervortat.
Ja, "hervor getan", das hast du schön formuliert. Das hat sich der
Herr Brandt allerdings. Besonders bei den Persuaders (Die 2).
Detlef Meißner
2018-05-27 06:40:31 UTC
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Post by René Marquardt
Post by Detlef Meißner
Aber zu jener Zeit waren kernige Wortneuschöpfungen üblich. Besonders
auffällig bei Syncronisationen englischer Serien (Simon Templar, Die
Zwei), bei der sich Rainer Brandt als Syncronisator besonders
hervortat.
Ja, "hervor getan", das hast du schön formuliert. Das hat sich der
Herr Brandt allerdings. Besonders bei den Persuaders (Die 2).
Ja, viele Sprüche (Schnodderdeutsch) gingen in den Alltag ein, speziell
bei uns Jugendlichen.
Hier mal eine kleine Sammlung:
„Du musst jetzt etwas schneller sprechen, Lordchen, sonst bist du nicht
mehr synchron!“

„Mir schwellt da eine Frage im Gebeiß!“

„Schöne Tapete haben Sie an. Selbst gemalt?“

„Ich hoffe, Sie sind nicht gram, wenn ich Ihnen mal die Hand drücke –
aber mitten ins Gesicht.“

„Bei Mundgeruch immer auf die Schnauze draufhaun.“

„Ein guter Schluck zur rechten Zeit erhebt des Knabens Männlichkeit“

„Sind alle Sinclairs hier begraben?“ – „Nein, natürlich nur die toten.“

„Der Moore hat seine Schuldigkeit getan, der Moore kann gehen.“

„Tritt ein und bring den Dings mit rein!“

„Darum schieß mit einem Püsterich auf keine alten Leute nicht.“

„Ja, steh ich denn im Wald und Rübezahl beißt mir ins Beinkleid?“

„Sleep well in your Bettgestell.“

„Wenn dir jemand auf die linke Wange schlägt, sollst du auch die rechte
hinhalten. Das steht in so einem großen Buch – ich glaube, es heißt
Atlas.“

„Erheben wir unsere Gläschens – zur Freud und Kurzweil unsres
Bläschens.“

„Ab heute wird nicht mehr getrunken, aber auch nicht weniger.“

„Der wahre Mann kämpft mit der Faust, bis du ihm auf die Schnauze
haust.“

„Auf Wiedersehen, aber es eilt nicht.“

„Daniel, würdest du bitte mal nach Gießen – ihr müsst jetzt alle
lachen, ich habe nämlich falsch betont, es muss heißen nachgießen!“

„Die hat statt Haaren auf den Zähnen Stacheldraht.“

„Für dich tu ich doch alles, da werf ich mich sogar hinter’n Zug.“

„Haben Sie Zucker? Ihnen sitzt ’ne Biene an der Hose.“

„Ich bin beim Essen.“ – „Die Abfalleimer werden hier doch erst in zwei
Stunden rausgestellt.“

„Sie haben einen schwarzen Humor.“ – „Mein Opa war Neger.“

„Das ist der mieseste Kaffee, den ich je in meinem Leben getrunken
habe.“ – „Das ist kein Kaffee, das ist Abwaschwasser.“ – „Oh,
Entschuldigung, dann ist er wiederum sehr gehaltvoll.“

„Den Hund hab ich für’n belegtes Brötchen gehalten.“

„Dem hat man mit dem Hockeyschläger die Fontanelle gespalten, die
verbleibenden paar Sardellen peitschte er sich mit Brillantine um den
Ballon.“

„Wenn du das Beinkleid voll haben solltest, schreib ’n Kärtchen, ich
komm dann mit dem Polizeipräsidenten persönlich.“

„Locken – mit S wie Feger.“

„Dem fällt schon der Staub aus der Kapuze!“

„Kleidsamer Fußsack! Selbst gehäkelt?“ – „Ja, katholisch Mufflon in
Karamellblau.“

Oder auch:
http://www.big-bang-forum.de/forum/viewthread.php?thread_id=1001
Erik Meltzer
2018-05-27 07:49:35 UTC
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Moin!
Post by w***@wp.pl
Benutzt man heute diese Redewendungen?
Nein.
Von $DING soviel verstehen wie $TIER (ggf. auch von
anderem $DING) ist aber schon eine übliche Redewendung,
die natürlich auch mit Musik als erstem Ding funktioniert.

Also etwa "Er hat so viel Ahnung von Musik wie eine Kuh
vom Stricken", wobei mir "wie eine Kuh vom Stricken" sogar
als feststehend vorkommt; aber auch frei erfundene wie
z.B. "Sie versteht so viel von Computern wie ein
Dromedar von Plattentektonik" werden MUSEN problemlos
verstanden und auch gar nicht so selten verwendet.

Mit (Un-)Musikalität hat das aber konkret nichts zu tun.
Dafür fällt mir auch keine feststehende Umschreibung
ein, und mit Tieren nur das schöne Wort "Katzenmusik".

Liebe Grüße,
Ermel.
--
Nach 10 Jahren oder so zurück im Usenet.
Schmeckt wie früher.
Bertel Lund Hansen
2018-05-27 05:12:54 UTC
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Post by w***@wp.pl
Was sagt man, wenn man/jemand unmusikalisch ist?
Unmusikalisch?

Auf Dänisch kenne ich (übersetzt): Tontaub

Es gibt Leute, die heute furchtbar singen (und gar nicht
spielen), die eigentlich Musikspiel oder Singen hätten lernen
können, aber nie dazu aufgefordert worden sind und immer geglaubt
haben, dass es unmöglich sei. Sind sie unmusikalisch?
--
/Bertel - aus Dänemark
Poul E. Jørgensen
2018-05-27 16:23:45 UTC
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Post by Bertel Lund Hansen
Auf Dänisch kenne ich (übersetzt): Tontaub
Und was heißt das?

Grimm Deutsches Wörterbuch (Bd. 21, 1935) definiert Tontaubheit so:

bei einem ... falle sg. tontaubheit wurden von dem betreffenden nur sehr
grosse differenzen von tönen bemerkt Stumpf tonpsychologie 1, 184.
[falle sg. = Falle sogenannter].

Das Adjektiv 'tontaub' findet man aber nicht im Grimm. Es muss es
natürlich gegeben haben.

Tontaubheit, auch Amusie genannt, siehe
https://www.textlog.de/11227.html

Das dänische 'tonedøv' wird oft als Synonym zu 'unmusikalisch' benutzt,
oder sogar in der Bedeutung 'absolute Verständnislosigkeit.'

PEJ
--
Fjern Z hvis du svarer pr. e-mail.
Remove the Z if replying by e-mail.
Erik Meltzer
2018-05-27 16:31:18 UTC
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Moin!
Post by Bertel Lund Hansen
Auf Dänisch kenne ich (übersetzt): Tontaub
Und die, die tontaub sind, nennt man dann die Tontauben ;-)

EKNW,
Ermel.
--
Nach 10 Jahren oder so zurück im Usenet.
Schmeckt wie früher.
Quinn C
2018-05-28 22:07:12 UTC
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Post by Erik Meltzer
Moin!
Post by Bertel Lund Hansen
Auf Dänisch kenne ich (übersetzt): Tontaub
Und die, die tontaub sind, nennt man dann die Tontauben ;-)
Eine blinde Taube findet auch mal ein Hörgerät.
--
gugelgans, f., alberne gans, schelte:
GRIMM, Deutsches Wörterbuch
Reinhold {Rey} Aman
2018-05-28 22:17:08 UTC
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Post by Quinn C
Post by Erik Meltzer
Post by Bertel Lund Hansen
Auf Dänisch kenne ich (übersetzt): Tontaub
Und die, die tontaub sind, nennt man dann die Tontauben ;-)
Eine blinde Taube findet auch mal ein Hörgerät.
Uralt (wie ich):

Lieber eine Blinde im Bett als eine Taube auf dem Dach.
--
~~~ Reinhold {Rey} Aman ~~~
Quinn C
2018-05-29 17:50:54 UTC
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Post by Reinhold {Rey} Aman
Post by Quinn C
Post by Erik Meltzer
Post by Bertel Lund Hansen
Auf Dänisch kenne ich (übersetzt): Tontaub
Und die, die tontaub sind, nennt man dann die Tontauben ;-)
Eine blinde Taube findet auch mal ein Hörgerät.
Lieber eine Blinde im Bett als eine Taube auf dem Dach.
Ah. Gemäß der Fassung des Sprichwortes, die mir geläufig ist und
sinnvoller erscheint, sollte es heißen: "Die Blinde im Bett ist besser
als ..." Ich sehe aber online, daß beide Versionen und noch andere im
Umlauf sind.
--
gugelfug, m., späsze, unfug
GRIMM, Deutsches Wörterbuch
Detlef Meißner
2018-05-29 18:19:53 UTC
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Post by Quinn C
Post by Reinhold {Rey} Aman
Post by Quinn C
Post by Erik Meltzer
Post by Bertel Lund Hansen
Auf Dänisch kenne ich (übersetzt): Tontaub
Und die, die tontaub sind, nennt man dann die Tontauben ;-)
Eine blinde Taube findet auch mal ein Hörgerät.
Lieber eine Blinde im Bett als eine Taube auf dem Dach.
Ah. Gemäß der Fassung des Sprichwortes, die mir geläufig ist und
sinnvoller erscheint, sollte es heißen: "Die Blinde im Bett ist besser
als ..."
Warum?
Der Ausgangsspruch heißt doch "Lieber den Spatz in der Hand ..."

Detlef
Quinn C
2018-05-29 22:03:19 UTC
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Post by Detlef Meißner
Post by Quinn C
Post by Reinhold {Rey} Aman
Post by Quinn C
Post by Erik Meltzer
Post by Bertel Lund Hansen
Auf Dänisch kenne ich (übersetzt): Tontaub
Und die, die tontaub sind, nennt man dann die Tontauben ;-)
Eine blinde Taube findet auch mal ein Hörgerät.
Lieber eine Blinde im Bett als eine Taube auf dem Dach.
Ah. Gemäß der Fassung des Sprichwortes, die mir geläufig ist und
sinnvoller erscheint, sollte es heißen: "Die Blinde im Bett ist besser
als ..."
Warum?
Der Ausgangsspruch heißt doch "Lieber den Spatz in der Hand ..."
Eben darum.

<https://www.redensarten-index.de/suche.php?suchbegriff=Spatz&bool=relevanz&gawoe=an&suchspalte%5B%5D=rart_ou>
--
Do not they speak false English ... that doth not speak thou to one,
and what ever he be, Father, Mother, King, or Judge, is he not a
Novice, and Unmannerly, and an Ideot, and a Fool, that speaks Your
to one, which is not to be spoken to a singular, but to many?
-- George Fox (1660)
Stefan Schmitz
2018-05-30 21:26:46 UTC
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Post by Quinn C
Post by Detlef Meißner
Post by Quinn C
Post by Reinhold {Rey} Aman
Lieber eine Blinde im Bett als eine Taube auf dem Dach.
Ah. Gemäß der Fassung des Sprichwortes, die mir geläufig ist und
sinnvoller erscheint, sollte es heißen: "Die Blinde im Bett ist besser
als ..."
Warum?
Der Ausgangsspruch heißt doch "Lieber den Spatz in der Hand ..."
Eben darum.
Das "eben darum" verstehe ich nicht.
Welche Version des Sprichworts findest du denn aus welchem Grund sinnvoll?

Bestimmter und unbestimmter Artikel machen für mich - jedenfalls bei Spatzen -
keinen Unterschied für die Aussage.
Christina Kunze
2018-05-31 03:43:32 UTC
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Post by Stefan Schmitz
Post by Quinn C
Post by Detlef Meißner
Post by Quinn C
Post by Reinhold {Rey} Aman
Lieber eine Blinde im Bett als eine Taube auf dem Dach.
Ah. Gemäß der Fassung des Sprichwortes, die mir geläufig ist und
sinnvoller erscheint, sollte es heißen: "Die Blinde im Bett ist besser
als ..."
Warum?
Der Ausgangsspruch heißt doch "Lieber den Spatz in der Hand ..."
Eben darum.
Das "eben darum" verstehe ich nicht.
Welche Version des Sprichworts findest du denn aus welchem Grund sinnvoll?
Es gibt zwei Versionen, die unterschiedlichen Leuten vertrauter vorkommen.
Für die Verdrehung wird jeder die Version wählen, die ihm vertrauter ist
(Wiedererkennungseffekt).
chr
Quinn C
2018-05-31 16:29:08 UTC
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Post by Christina Kunze
Post by Stefan Schmitz
Post by Quinn C
Post by Detlef Meißner
Post by Quinn C
Post by Reinhold {Rey} Aman
Lieber eine Blinde im Bett als eine Taube auf dem Dach.
Ah. Gemäß der Fassung des Sprichwortes, die mir geläufig ist und
sinnvoller erscheint, sollte es heißen: "Die Blinde im Bett ist besser
als ..."
Warum?
Der Ausgangsspruch heißt doch "Lieber den Spatz in der Hand ..."
Eben darum.
Das "eben darum" verstehe ich nicht.
Welche Version des Sprichworts findest du denn aus welchem Grund sinnvoll?
Es gibt zwei Versionen, die unterschiedlichen Leuten vertrauter vorkommen.
Für die Verdrehung wird jeder die Version wählen, die ihm vertrauter ist
(Wiedererkennungseffekt).
Genau: mit "eben darum" meinte ich, daß ich für meine Vorliebe
denselben Grund habe wie Dieter - der nicht aufmerksam gelesen hatte,
darum war meine Antwort kurz und schnippisch.
--
In the old days, the complaints about the passing of the
golden age were much more sophisticated.
-- James Hogg in alt.usage.english
Mark Obrembalski
2018-05-27 19:40:36 UTC
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Post by w***@wp.pl
Guten Abend,
- von der Musik ein Verständnis wie ein Dromader haben,
- ein musikalisches Kamel sein.
Benutzt man heute diese Redewendungen?
Was sagt man, wenn man/jemand unmusikalisch ist?
"Kamel" kenne ich allgemein als Schimpfwort, das jemanden als nicht allzu
schlau bezeichnet. Damit kann man sich natürlich auch selbst beschimpfen
und das wohl auch auf den Bereich der Musik beschränken. Besonders
verbreitet ist das aber wohl nicht. Auch andere Tiervergleiche bieten
sich an, so kenne ich den Ausdruck, jemand hätte von etwas soviel Ahnung
wie der Ochs vom Eierlegen. Das kann man natürlich auch von sich und der
Musik sagen.

Vor allem falls es gerade speziell um Flöten, Trompeten, Klarinetten,
Hörner, Oboen etc. geht, kann man natürlich auch beteuern, von Tuten und
Blasen keine Ahnung zu haben.

Gruß,
Mark
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