Discussion:
"... in eine Pizzeria. Die ist ganz nah." - Sagt man das irgendwo so?
(zu alt für eine Antwort)
Ralf Joerres
2017-07-15 12:37:18 UTC
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Raw Message
Im Hörtext-Dialog eines Deutschlehrbuchs kommt die Passage vor:
"Wohin geht ihr denn? - In eine Pizzeria, die ist ganz nah."
(Netzwerk A1 Kursbuch Lektion 7).

Ich würde mich anders ausdrücken, aber in diesem Fall komme ich erst
einmal ins Nachdenken. Ich frage mich, ob 'nah' als räumliches Adjektiv
in prädikativer Funktion überhaupt (noch) verwendbar ist, bzw. ob nicht
andere Formulierungsweisen weitaus sprach- bzw. sprechüblicher sind.

Eure Meinung?

Gruß Ralf Joerres
Helmut Richter
2017-07-15 12:44:38 UTC
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Raw Message
Post by Ralf Joerres
"Wohin geht ihr denn? - In eine Pizzeria, die ist ganz nah."
(Netzwerk A1 Kursbuch Lektion 7).
Ich würde mich anders ausdrücken, aber in diesem Fall komme ich erst
einmal ins Nachdenken. Ich frage mich, ob 'nah' als räumliches Adjektiv
in prädikativer Funktion überhaupt (noch) verwendbar ist, bzw. ob nicht
andere Formulierungsweisen weitaus sprach- bzw. sprechüblicher sind.
Wie sonst soll man es sprach- bzw. sprechüblicher ausdrücken, wenn die
Pizzeria ganz nah ist? Und welche Bedeutung hat "nah", wenn nicht als
räumliches Adjektiv? Ich verstehe die Frage nicht.

Ich dachte erst, die Frage bezöge sich auf das demonstrative "die" statt
korrekter (!?) "diese" oder "letztere". Aber auch das "die" ist in Ordnung.

Das einzige, was ich umgangssprachlich anders ausdrücken würde, ist
"wohin geht ihr?". Ich finde "wo geht ihr hin?" umgangssprachlich
idiomatischer. Aber vielleicht war das den Verfassern des Lehrbuchs *zu*
umgangssprachlich.
--
Helmut Richter
Jakob Achterndiek
2017-07-15 13:01:10 UTC
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Raw Message
Post by Helmut Richter
Das einzige, was ich umgangssprachlich anders ausdrücken würde, ist
"wohin geht ihr?". Ich finde "wo geht ihr hin?" umgangssprachlich
idiomatischer.
Wohin gehst du? - Ins Kino. - Was gibt's da`? - QUO VADIS - Was heißt
das? - Wohin gehst du. - Ins Kino. - Was gibt's da? - etc. ad infinitum.
[ Überlieferung: umgangssprachlich ]
--
j/\a
René Marquardt
2017-07-15 13:51:32 UTC
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Raw Message
Post by Jakob Achterndiek
Post by Helmut Richter
Das einzige, was ich umgangssprachlich anders ausdrücken würde, ist
"wohin geht ihr?". Ich finde "wo geht ihr hin?" umgangssprachlich
idiomatischer.
Wohin gehst du? - Ins Kino. - Was gibt's da`? - QUO VADIS - Was heißt
das? - Wohin gehst du. - Ins Kino. - Was gibt's da? - etc. ad infinitum.
[ Überlieferung: umgangssprachlich ]
Heute liefe der Film eh unter dem Titel "Nero's total verrücktes Freudenhaus";
das wäre also kein Problem mehr, vonger Übergesetzung her.
Diedrich Ehlerding
2017-07-15 14:34:11 UTC
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Raw Message
Post by Helmut Richter
Das einzige, was ich umgangssprachlich anders ausdrücken würde, ist
"wohin geht ihr?". Ich finde "wo geht ihr hin?"
Ich auch; interessant finde ich aber, dass du das genauso siehst, um nicht
zu sagen "da bin ich ein bisschen überrascht von". Du bist doch eher
Austral- als Borealgermane (?). Die Trennung von "damit", "dafür" usw.
ist doch ein desd-notorischer Norddeutsch-Indikator; ich hätte für "wohin"
geht ihr" vs. "wo geht ihr hin" einen ähnliche regionale Verteilung
erwartett. Oder gilt das nur für "da<irgendwas>", ist also "wo<irgendwas>"
sowohl in nord- als auch in süddeutscher Umgangssprache trennungsaffin?
--
pgp-Key (RSA) 1024/09B8C0BD
fingerprint = 2C 49 FF B2 C4 66 2D 93 6F A1 FF 10 16 59 96 F3
HTML-Mail wird ungeleſen entſorgt.
Tobias J. Becker
2017-07-15 16:14:57 UTC
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Raw Message
Post by Diedrich Ehlerding
Post by Helmut Richter
Das einzige, was ich umgangssprachlich anders ausdrücken würde, ist
"wohin geht ihr?". Ich finde "wo geht ihr hin?"
Ich auch; interessant finde ich aber, dass du das genauso siehst, um nicht
zu sagen "da bin ich ein bisschen überrascht von". Du bist doch eher
Austral- als Borealgermane (?). Die Trennung von "damit", "dafür" usw.
ist doch ein desd-notorischer Norddeutsch-Indikator; ich hätte für "wohin"
geht ihr" vs. "wo geht ihr hin" einen ähnliche regionale Verteilung
erwartett. Oder gilt das nur für "da<irgendwas>", ist also "wo<irgendwas>"
sowohl in nord- als auch in süddeutscher Umgangssprache trennungsaffin?
Ich denke, es liegt wohl mehr daran, dass "hingehen" als
zusammengesetztes Verb existiert, das hier ganz regulär getrennt wird.


Rein logisch betrachtet ist "irgendwohin gehen" und "irgendwo hingehen"
wohl nicht exakt das Gleiche. Ortsverhältnisse lassen sich aber auf
verschiedene Weisen annähernd gleich gut beschreiben. Welche sich
durchsetzt, ist dann keine Frage der Logik, sondern der Idiomatik (und
das Aushalten von eventuellen Ungenauig- oder Mehrdeutigkeiten eine
Frage der Pragmatik).

Das fällt insbesondere beim Erlernen von Fremdsprachen auf, wenn die
Ortsvorstellungen abweichen. Das Englische scheint mir da besonders
festgefügt zu sein. (Man könnte annehmen, es läge an der
fortgeschrittenen Formreduzierung, aber das klassische Latein hatte eine
ähnlich kompromisslose Phraseologie.)

In der Zeichentrickserie "Family Guy" gibt es zwei wiederkehrende
"osteuropäische" Surfertypen, die in der Originalfassung ständig falsche
Präpositionen und kuriose Wortverbindungen verwenden.
Trotz des Klischees, dass niemand so gutes Englisch spreche wie
Fremdlerner und die am weitesten verbreitete Sprache schlechtes Englisch
sei, funktioniert der Gag nur aufgrund des engen sprachlichen Spielraumes.

Tobias
René Marquardt
2017-07-15 16:35:21 UTC
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Raw Message
Post by Tobias J. Becker
In der Zeichentrickserie "Family Guy" gibt es zwei wiederkehrende
"osteuropäische" Surfertypen, die in der Originalfassung ständig falsche
Präpositionen und kuriose Wortverbindungen verwenden.
Trotz des Klischees, dass niemand so gutes Englisch spreche wie
Fremdlerner und die am weitesten verbreitete Sprache schlechtes Englisch
sei, funktioniert der Gag nur aufgrund des engen sprachlichen Spielraumes.
Zur Erleuchtung:



Oder gleich:


Stefan Schmitz
2017-07-15 16:37:03 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Helmut Richter
Post by Ralf Joerres
"Wohin geht ihr denn? - In eine Pizzeria, die ist ganz nah."
(Netzwerk A1 Kursbuch Lektion 7).
Ich würde mich anders ausdrücken, aber in diesem Fall komme ich erst
einmal ins Nachdenken. Ich frage mich, ob 'nah' als räumliches Adjektiv
in prädikativer Funktion überhaupt (noch) verwendbar ist, bzw. ob nicht
andere Formulierungsweisen weitaus sprach- bzw. sprechüblicher sind.
Wie sonst soll man es sprach- bzw. sprechüblicher ausdrücken, wenn die
Pizzeria ganz nah ist?
"In der Nähe". Ich habe noch nie jemanden von einer "nahen Pizzeria" sprechen
hören.
Post by Helmut Richter
Und welche Bedeutung hat "nah", wenn nicht als
räumliches Adjektiv? Ich verstehe die Frage nicht.
Als zeitliches. "Nahe Zukunft" und "nahes Ende" völlig problemlos.
Post by Helmut Richter
Ich dachte erst, die Frage bezöge sich auf das demonstrative "die" statt
korrekter (!?) "diese" oder "letztere". Aber auch das "die" ist in Ordnung.
Das einzige, was ich umgangssprachlich anders ausdrücken würde, ist
"wohin geht ihr?". Ich finde "wo geht ihr hin?" umgangssprachlich
idiomatischer. Aber vielleicht war das den Verfassern des Lehrbuchs *zu*
umgangssprachlich.
Mit dem zusätzlichen "denn" sehe ich das anders, ohne würde ich dir zustimmen.
Diedrich Ehlerding
2017-07-15 18:46:52 UTC
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Raw Message
Post by Stefan Schmitz
Post by Helmut Richter
Wie sonst soll man es sprach- bzw. sprechüblicher ausdrücken, wenn die
Pizzeria ganz nah ist?
"nicht weit weg", oder, aufeinem etwas höheren Sprachnbiveau. "micht weit
entfernt".
Post by Stefan Schmitz
"In der Nähe". Ich habe noch nie jemanden von einer "nahen Pizzeria"
sprechen hören.
Sehr wohl aber von der "nächsten Pizzeria" - die Steigerungsform von "nah"
kann man attributiv verwenden, aber nicht prädikativ.

Attributive und prädikative Verwendung sind zwei Paar Schuhe. Auch "nicht
weit weg" kann man nur prädikativ verwenden, aber "nicht weit entfernt"
aowohl attributiv als auch prädikativ.
--
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fingerprint = 2C 49 FF B2 C4 66 2D 93 6F A1 FF 10 16 59 96 F3
HTML-Mail wird ungeleſen entſorgt.
Ralf Joerres
2017-07-15 20:58:17 UTC
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Raw Message
Post by Stefan Schmitz
Post by Helmut Richter
Post by Ralf Joerres
"Wohin geht ihr denn? - In eine Pizzeria, die ist ganz nah."
(Netzwerk A1 Kursbuch Lektion 7).
Ich würde mich anders ausdrücken, aber in diesem Fall komme ich erst
einmal ins Nachdenken. Ich frage mich, ob 'nah' als räumliches Adjektiv
in prädikativer Funktion überhaupt (noch) verwendbar ist, bzw. ob nicht
andere Formulierungsweisen weitaus sprach- bzw. sprechüblicher sind.
Wie sonst soll man es sprach- bzw. sprechüblicher ausdrücken, wenn die
Pizzeria ganz nah ist?
"In der Nähe". Ich habe noch nie jemanden von einer "nahen Pizzeria" sprechen
hören.
Post by Helmut Richter
Und welche Bedeutung hat "nah", wenn nicht als
räumliches Adjektiv? Ich verstehe die Frage nicht.
Als zeitliches. "Nahe Zukunft" und "nahes Ende" völlig problemlos.
Genau darum ging es mir. Hier würde sich niemals jemand so ausdrücken,
wie in dem Lehrbuchtext, das müsste immer 'in der Nähe' oder 'gleich
um die Ecke' oder 'nicht weit zu gehen' oder irgendetwas in dieser Art
sein. Aber wer weiß, wie die Leute in Bayern oder sonstwo reden. Und wo
Du das Beispiel gebracht hast: Auch in attributiver Verwendung scheint
ja ein räumliches 'nah' ungewöhnlich. Komisch, dass erst mal keiner
hier drauf kam, obwohl ich es doch auch benannt hatte.

Ich glaube, es werden sich Beispiele finden für dieses räumliche
'nahe', aber die sind nicht mit Händen zu greifen. 'Wir aßen in einer
nahen Pizzeria' geht jedenfalls nicht, das muss dann schon eine 'nahe
gelegene' sein. Der Duden erwähnt 'die nahe Stadt', auch das erscheint
mir fremd. Googelt man nach "nahe Stadt", bekommt man jede Menge Bei-
spiele mit 'nahe' als Präposition in Überschriften (Unfall mit
Verletzten nahe Stadt Frankfurt - klirrt mir ebenfalls leicht in den
Ohren); mit "die nahe Stadt" läuft es bei Google schon besser: 'Wir
schätzen die nahe Stadt.' Oder 'Beängstigend ist der Druck, den die
nahe Stadt auf dieses einst ländliche Gebiet ausübt.' Im ersten Fall
hätte ich 'die Näher der Stadt' vorgezogen, das zweite Beispiel geht
bei mir glatt durch. Es ist schon eigenartig, wie dieses Adjektiv
auf der Grenze des sprachlich Machbaren herumtänzelt. Es scheint ein
merkwürdiges Zwitterwesen zwischen Adverb und Adjektiv zu sein.

Gruß Ralf Joerres
Christina Kunze
2017-07-16 04:21:25 UTC
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Raw Message
Post by Ralf Joerres
Genau darum ging es mir. Hier würde sich niemals jemand so ausdrücken,
wie in dem Lehrbuchtext, das müsste immer 'in der Nähe' oder 'gleich
um die Ecke' oder 'nicht weit zu gehen' oder irgendetwas in dieser Art
sein. Aber wer weiß, wie die Leute in Bayern oder sonstwo reden.
Abgesehen davon, dass bei mir eine Pizzeria umgangssprachlich auch nah
dran sein kein, wäre das Essen in der nahen Pizzeria nur der üblichen
ugs Verkürzung geschuldet, und im geschriebenen Text würde eine "nahe
gelegene" daraus. Für mündlich ist mir das zu umständlich.
Klar gibt es auch andere Formulierungen wie "gleich um die Ecke", aber
für mich ist der Ausgangssatz komplett unauffällig und ich nehme
interessiert zur Kenntnis, dass das bei anderen anders ist.

chr
Ralf Joerres
2017-07-16 07:01:01 UTC
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Raw Message
Post by Christina Kunze
Post by Ralf Joerres
Genau darum ging es mir. Hier würde sich niemals jemand so ausdrücken,
wie in dem Lehrbuchtext, das müsste immer 'in der Nähe' oder 'gleich
um die Ecke' oder 'nicht weit zu gehen' oder irgendetwas in dieser Art
sein. Aber wer weiß, wie die Leute in Bayern oder sonstwo reden.
Abgesehen davon, dass bei mir eine Pizzeria umgangssprachlich auch nah
dran sein kein, wäre das Essen in der nahen Pizzeria nur der üblichen
ugs Verkürzung geschuldet, und im geschriebenen Text würde eine "nahe
gelegene" daraus. Für mündlich ist mir das zu umständlich.
Klar gibt es auch andere Formulierungen wie "gleich um die Ecke", aber
für mich ist der Ausgangssatz komplett unauffällig und ich nehme
interessiert zur Kenntnis, dass das bei anderen anders ist.
Darüber, wie Du redest, steht mir kein Urteil zu. Ich habe jedoch oft
genug erlebt, dass die Gewissheiten über das eigene Sprechen und das
tatsächliche eigene Reden zwei Paar Schuhe sind. Das Verblüffende war
für mich, dass der Satz unauffällig scheint, was er aber nicht ist,
und das wohl aus keinem banalen Grunde. Ein paar Hinweise haben sich
hier ergeben: Das Gegenwort ist 'weit', und auch dieses Wort wird
in der Bedeutung 'weit weg' nicht verwendet wie ein normales Adjektiv.
Komisch, nicht wahr?

Anders als viele hier finde ich die mündliche Sprache in der Sprach-
beschreibung 'sträflich' vernachlässigt. Mir fallen immer erst umgangssprachliche Formulierungen für einen Gedanken ein. Umso mehr
wundert es mich, dass ich an diesem Punkt ziemlich sicher bin: So
redet kein Mensch. beim 'appen Knopf' ist der Fehler im Sinne der
Unüblichkeit offensichtlich, bei der 'nahen Pizzeria' nicht.
Schreib doch mal einen natürlich klingenden Satz mit räumlichem
'nah' als Adjektiv, da kriegste aber Probleme! Beispiel: Auf dem
Tisch liegen zwei Stifte. Welchen soll ich nehmen? - *Nimm den
nahen. > Wieso geht das nicht?

Ich denke, der Satz ist gerade _keine_ Vermündlichung einer schrift-
lich nur umständlicher zu bewerkstelligenden Ausdrucksweise. Er ist
ein reines Schreibprodukt, ein Artefakt. So etwas wie: (... Nennen
Sie mir ein Beispiel für das Verb gehen! - Kein Problem:) Der Junge
geht.

Kurz: Deine Botschaft hör ich wohl, allein...

Gruß Ralf Joerres
Roland Franzius
2017-07-16 07:09:12 UTC
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Raw Message
Post by Christina Kunze
Post by Ralf Joerres
Genau darum ging es mir. Hier würde sich niemals jemand so ausdrücken,
wie in dem Lehrbuchtext, das müsste immer 'in der Nähe' oder 'gleich
um die Ecke' oder 'nicht weit zu gehen' oder irgendetwas in dieser Art
sein. Aber wer weiß, wie die Leute in Bayern oder sonstwo reden.
Abgesehen davon, dass bei mir eine Pizzeria umgangssprachlich auch nah
dran sein kein, wäre das Essen in der nahen Pizzeria nur der üblichen
ugs Verkürzung geschuldet, und im geschriebenen Text würde eine "nahe
gelegene" daraus. Für mündlich ist mir das zu umständlich.
Klar gibt es auch andere Formulierungen wie "gleich um die Ecke", aber
für mich ist der Ausgangssatz komplett unauffällig und ich nehme
interessiert zur Kenntnis, dass das bei anderen anders ist.
Nah wird eindimensional und damit zb in der Zeit oder auf einem Weg als
unausweichlich empfunden. Diese Unausweichlichkeit überträgt sich in
gehobenen Texten auf den bedrohlichen Einsilber "nah".

Der Raum ist ia zwei- oder dreidimensional und hat dort hat es nur den
Begriff der Nähe im Sinn einer Umgebung eines gegebenen Ortes. Aber man
muss da nicht hin.
--
Roland Franzius
Ralf Joerres
2017-07-16 09:19:50 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Roland Franzius
Post by Christina Kunze
Post by Ralf Joerres
Genau darum ging es mir. Hier würde sich niemals jemand so ausdrücken,
wie in dem Lehrbuchtext, das müsste immer 'in der Nähe' oder 'gleich
um die Ecke' oder 'nicht weit zu gehen' oder irgendetwas in dieser Art
sein. Aber wer weiß, wie die Leute in Bayern oder sonstwo reden.
Abgesehen davon, dass bei mir eine Pizzeria umgangssprachlich auch nah
dran sein kein, wäre das Essen in der nahen Pizzeria nur der üblichen
ugs Verkürzung geschuldet, und im geschriebenen Text würde eine "nahe
gelegene" daraus. Für mündlich ist mir das zu umständlich.
Klar gibt es auch andere Formulierungen wie "gleich um die Ecke", aber
für mich ist der Ausgangssatz komplett unauffällig und ich nehme
interessiert zur Kenntnis, dass das bei anderen anders ist.
Nah wird eindimensional und damit zb in der Zeit oder auf einem Weg als
unausweichlich empfunden. Diese Unausweichlichkeit überträgt sich in
gehobenen Texten auf den bedrohlichen Einsilber "nah".
Woran denkst du? Nahtoderfahrung? Bei'nahe'zusammenstoß? Was ist mit
'sich von oben, von der Seite nähern'? 'Komm mir nicht zu nahe': nur
von vorne/hinten? Ich verstehe hier nicht, worauf Du hinauswillst.
Post by Roland Franzius
Der Raum ist ia zwei- oder dreidimensional und hat dort hat es nur den
Begriff der Nähe im Sinn einer Umgebung eines gegebenen Ortes. Aber man
muss da nicht hin.
?

Gruß Ralf Joerres
Florian Ritter
2017-07-17 02:23:26 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Roland Franzius
Nah wird eindimensional und damit zb in der Zeit oder auf einem Weg als
unausweichlich empfunden. Diese Unausweichlichkeit überträgt sich in
gehobenen Texten auf den bedrohlichen Einsilber "nah".
Der Raum ist ia zwei- oder dreidimensional und hat dort hat es nur den
Begriff der Nähe im Sinn einer Umgebung eines gegebenen Ortes. Aber man
muss da nicht hin.
Dieser Tage wurde mir von einem Prof. aus den USA bedeutet, dzt.
wäre ein experimentelles, noch nicht erreichtes Ziel, eine
einkristalline Struktur aus einer einzigen Atomlage zu synthetisieren,
und jene wäre zweidimensional.
Wie siehst Du das?

FR
Roland Franzius
2017-07-17 05:11:04 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Florian Ritter
Post by Roland Franzius
Nah wird eindimensional und damit zb in der Zeit oder auf einem Weg als
unausweichlich empfunden. Diese Unausweichlichkeit überträgt sich in
gehobenen Texten auf den bedrohlichen Einsilber "nah".
Der Raum ist ia zwei- oder dreidimensional und hat dort hat es nur den
Begriff der Nähe im Sinn einer Umgebung eines gegebenen Ortes. Aber man
muss da nicht hin.
Dieser Tage wurde mir von einem Prof. aus den USA bedeutet, dzt.
wäre ein experimentelles, noch nicht erreichtes Ziel, eine
einkristalline Struktur aus einer einzigen Atomlage zu synthetisieren,
und jene wäre zweidimensional.
Wie siehst Du das?
Als Halbleiterstruktur gibt es Isolator-Einkristalle, die an der
Oberfläche mit Dotierung in einer zeidimensionalen Schicht leitend
gemacht werden (Planarepitaxie). Die hast du in deinem Rechner. In
diesen kann man die Physik des 2-d-Raumes studieren.

Aufsehenerregend die beiden Effekte darin, Josephson-Effekt und
Quantenhalleffekt (v. Klitzing), die gestatten, die fundamentalen
Maßgrößen sec und m auf universelle Frequenz und Ausdehnung rigider
2d-Quantensysteme im 2d-Magnetfeld zurückzuführen.

Ansonsten hantiert man heut mit Graphenen
https://de.wikipedia.org/wiki/Graphen
und Fullerenen
https://de.wikipedia.org/wiki/Fullerene

Die einfachste 1-2-dimensionale Struktur mit seltsamen Eigenschaften ist
übrigens schon der Benzolring
--
Roland Franzius
Florian Ritter
2017-07-18 20:22:10 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Roland Franzius
Post by Florian Ritter
Dieser Tage wurde mir von einem Prof. aus den USA bedeutet, dzt.
wäre ein experimentelles, noch nicht erreichtes Ziel, eine
einkristalline Struktur aus einer einzigen Atomlage zu synthetisieren,
und jene wäre zweidimensional.
Als Halbleiterstruktur gibt es Isolator-Einkristalle, die an der
Oberfläche mit Dotierung in einer zeidimensionalen Schicht leitend
gemacht werden (Planarepitaxie). Die hast du in deinem Rechner. In
diesen kann man die Physik des 2-d-Raumes studieren.
Aufsehenerregend die beiden Effekte darin, Josephson-Effekt und
Quantenhalleffekt (v. Klitzing), die gestatten, die fundamentalen
Maßgrößen sec und m auf universelle Frequenz und Ausdehnung rigider
2d-Quantensysteme im 2d-Magnetfeld zurückzuführen.
Ich war des längeren mit Symmetriebetrachtungen kristalliner
Strukturen befasst - sie waren zwingend dreidimensional.
In Greifswald hatte es einen Ordinarius, völlig abgehoben,
immer im schwarzen Anzug, im Exterieur Duplikat von Loriot,
wußte nicht, was man Studenten in der Prüfung fragen durfte,
lief immer auf IR-Spektrometrie raus, selbst erlebt.
Im Rigorosum eines Promovenden aus der Industrie kam es
jedoch zum Eklat: Da meinte er, mal nach Finessen sterischer
Betrachtung verzwickter organ. Moleküle zu fragen. Irgenwann
wurde ihm aber bewußt, zu weit gegangen zu sein, der Kandidat
hatte bestanden mit rite.
Was will man mehr?
Post by Roland Franzius
Die einfachste 1-2-dimensionale Struktur mit seltsamen Eigenschaften ist
übrigens schon der Benzolring
Hm, dem Entdecker Kekulé von Stradonitz soll die Sache im
Traum erschienen sein - FR
Quinn C
2017-07-17 17:15:13 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Ralf Joerres
Post by Stefan Schmitz
Post by Helmut Richter
Post by Ralf Joerres
"Wohin geht ihr denn? - In eine Pizzeria, die ist ganz nah."
(Netzwerk A1 Kursbuch Lektion 7).
Ich würde mich anders ausdrücken, aber in diesem Fall komme ich erst
einmal ins Nachdenken. Ich frage mich, ob 'nah' als räumliches Adjektiv
in prädikativer Funktion überhaupt (noch) verwendbar ist, bzw. ob nicht
andere Formulierungsweisen weitaus sprach- bzw. sprechüblicher sind.
Wie sonst soll man es sprach- bzw. sprechüblicher ausdrücken, wenn die
Pizzeria ganz nah ist?
"In der Nähe". Ich habe noch nie jemanden von einer "nahen Pizzeria" sprechen
hören.
Post by Helmut Richter
Und welche Bedeutung hat "nah", wenn nicht als
räumliches Adjektiv? Ich verstehe die Frage nicht.
Als zeitliches. "Nahe Zukunft" und "nahes Ende" völlig problemlos.
Genau darum ging es mir. Hier würde sich niemals jemand so ausdrücken,
wie in dem Lehrbuchtext, das müsste immer 'in der Nähe' oder 'gleich
um die Ecke' oder 'nicht weit zu gehen' oder irgendetwas in dieser Art
sein. Aber wer weiß, wie die Leute in Bayern oder sonstwo reden.
"Die ist nahe bei" ginge bei mir allenfalls noch, mündlich, aber
das ist wohl nicht Standard/überregional genug für DaF. Ich kann
selber nicht mal sagen, in welche Region das gehört.

Ich kann momentan keinen überzeugenden Beispielsatz liefern, aber
mir scheint, daß ich eher über einen Ort sagen kann "das ist nah"
oder "es ist nah", als dasselbe mit einem konkreten Subjekt.
Post by Ralf Joerres
Googelt man nach "nahe Stadt", bekommt man jede Menge Bei-
spiele mit 'nahe' als Präposition in Überschriften (Unfall mit
Verletzten nahe Stadt Frankfurt - klirrt mir ebenfalls leicht in den
Ohren); mit "die nahe Stadt" läuft es bei Google schon besser: 'Wir
schätzen die nahe Stadt.' Oder 'Beängstigend ist der Druck, den die
nahe Stadt auf dieses einst ländliche Gebiet ausübt.' Im ersten Fall
hätte ich 'die Näher der Stadt' vorgezogen,
Dieser aparte Tippfehler beschäftigte mich schon ein wenig - ich
mußte dann doch mal überprüfen, ob der Ausgangssatz textil
mißverstanden werden kann.
--
gugelgans, f., alberne gans, schelte:
GRIMM, Deutsches Wörterbuch
Ralf Joerres
2017-07-19 07:14:36 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Quinn C
Post by Ralf Joerres
Googelt man nach "nahe Stadt", bekommt man jede Menge Bei-
spiele mit 'nahe' als Präposition in Überschriften (Unfall mit
Verletzten nahe Stadt Frankfurt - klirrt mir ebenfalls leicht in den
Ohren); mit "die nahe Stadt" läuft es bei Google schon besser: 'Wir
schätzen die nahe Stadt.' Oder 'Beängstigend ist der Druck, den die
nahe Stadt auf dieses einst ländliche Gebiet ausübt.' Im ersten Fall
hätte ich 'die Näher der Stadt' vorgezogen,
Dieser aparte Tippfehler beschäftigte mich schon ein wenig - ich
mußte dann doch mal überprüfen, ob der Ausgangssatz textil
mißverstanden werden kann.
:) Ich versuche immer noch, schnell zu tippen, dabei verhaspeln sich
meine Neuronen permanent. Einer der Tippfehler, die immer wieder
auftreten, ist die Vermischung von Artikeln mit dem Folgewort. Wie
man sieht, geht es auch umgekehrt: Kontamination eines Nomens durch
nachfolgenden Artikel, ursprünglich hatte ich da sowas getippt
wie 'Näher de Stadt'. Ärgerlich: Beim Korrektur-Lesen sehe ich einige
dieser Vertipper einfach nicht, meine Autokorrektur blendet sie weg.
Ganz üble Sache das.

Gruß Ralf Joerres
U***@web.de
2017-07-17 17:25:40 UTC
Permalink
Raw Message
Moin,
Post by Stefan Schmitz
Post by Helmut Richter
Post by Ralf Joerres
"Wohin geht ihr denn? - In eine Pizzeria, die ist ganz nah."
(Netzwerk A1 Kursbuch Lektion 7).
Ich würde mich anders ausdrücken, aber in diesem Fall komme ich erst
einmal ins Nachdenken. Ich frage mich, ob 'nah' als räumliches Adjektiv
in prädikativer Funktion überhaupt (noch) verwendbar ist, bzw. ob nicht
andere Formulierungsweisen weitaus sprach- bzw. sprechüblicher sind.
Wie sonst soll man es sprach- bzw. sprechüblicher ausdrücken, wenn die
Pizzeria ganz nah ist?
"In der Nähe". Ich habe noch nie jemanden von einer "nahen Pizzeria" sprechen
hören.
Und auch die Suchmaschine findet hauptsächlich Dinge wie:

"Die 10 Besten Restaurants nahe Pizzeria Mirkec, Trogir"

Mahlzeit!

Gruß, ULF
Heinz Lohmann
2017-07-16 02:09:06 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Helmut Richter
Das einzige, was ich umgangssprachlich anders ausdrücken würde, ist
"wohin geht ihr?". Ich finde "wo geht ihr hin?" umgangssprachlich
idiomatischer. Aber vielleicht war das den Verfassern des Lehrbuchs*zu*
umgangssprachlich.
Auf Niveau A1 noch keine Tmesis.
--
mfg
Heinz Lohmann
Tamsui, Taiwan

Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat. W.B.
Thomas Schade
2017-07-15 12:46:22 UTC
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Raw Message
Post by Ralf Joerres
"Wohin geht ihr denn? - In eine Pizzeria, die ist ganz nah."
(Netzwerk A1 Kursbuch Lektion 7).
Ich würde mich anders ausdrücken, aber in diesem Fall komme ich erst
einmal ins Nachdenken.
Mir würd's nicht auffallen. Ich selbst sagte zwar eher '..., die ist
nicht weit weg' aber für ungewöhnlich halte ich 'ist ganz nah' nicht.


Ciao
Toscha
--
Der neue Faschismus wird nicht sagen, er sei der neuer Faschismus.
Er wird sagen: "Ich bin ja kein Nazi, aber ..."
Lars Bräsicke
2017-07-15 13:03:33 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Ralf Joerres
"Wohin geht ihr denn? - In eine Pizzeria, die ist ganz nah."
(Netzwerk A1 Kursbuch Lektion 7).
Ich würde mich anders ausdrücken, aber in diesem Fall komme ich erst
einmal ins Nachdenken. Ich frage mich, ob 'nah' als räumliches Adjektiv
in prädikativer Funktion überhaupt (noch) verwendbar ist, bzw. ob nicht
andere Formulierungsweisen weitaus sprach- bzw. sprechüblicher sind.
Eure Meinung?
Das Ende ist nah.
Pizzerien sind aber eher in der Nähe.
Stefan Ram
2017-07-15 14:14:56 UTC
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Raw Message
Post by Ralf Joerres
Eure Meinung?
»THALES leise zu Homunculus. Er ist ganz nah.«

"Faust" - Johann Wolfgang von Goethe
H.-P. Schulz
2017-07-15 19:34:46 UTC
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Raw Message
Post by Ralf Joerres
"Wohin geht ihr denn? - In eine Pizzeria, die ist ganz nah."
(Netzwerk A1 Kursbuch Lektion 7).
Ich würde mich anders ausdrücken, aber in diesem Fall komme ich erst
einmal ins Nachdenken. Ich frage mich, ob 'nah' als räumliches Adjektiv
in prädikativer Funktion überhaupt (noch) verwendbar ist, bzw. ob nicht
andere Formulierungsweisen weitaus sprach- bzw. sprechüblicher sind.
... In eine Pizzeria hier (ganz) in der Nähe.

"Die ist ganz nah" ist Quatsch. Allenfalls "Ist nicht weit" ginge noch
an.
Und sowas im Hörtext eines Deutsch-Lehrbuchs??
Au Au Au!

Da wollte wohl jemand unbedingt auf Umgangssprache machen ...
Ralf Joerres
2017-07-15 21:09:03 UTC
Permalink
Raw Message
Post by H.-P. Schulz
Post by Ralf Joerres
"Wohin geht ihr denn? - In eine Pizzeria, die ist ganz nah."
(Netzwerk A1 Kursbuch Lektion 7).
Ich würde mich anders ausdrücken, aber in diesem Fall komme ich erst
einmal ins Nachdenken. Ich frage mich, ob 'nah' als räumliches Adjektiv
in prädikativer Funktion überhaupt (noch) verwendbar ist, bzw. ob nicht
andere Formulierungsweisen weitaus sprach- bzw. sprechüblicher sind.
... In eine Pizzeria hier (ganz) in der Nähe.
"Die ist ganz nah" ist Quatsch. Allenfalls "Ist nicht weit" ginge noch
an.
Und sowas im Hörtext eines Deutsch-Lehrbuchs??
Au Au Au!
Da wollte wohl jemand unbedingt auf Umgangssprache machen ...
Nee, grade nicht. Bei Lehrbuchtexten ist immer das Problem, dass
die Strukturen zwar einerseits möglichst einfach gebaut sein aber
andererseits möglichst natürlich klingen sollen. Inzwischen klappt
das bei den Lehrbuchschreibern erstaunlich gut, in meiner Schulzeit
war daran überhaupt nicht zu denken. Hier sollte für meine Begriffe
eine mehrwortige Ergänzung vermieden werden, passiert leider öfter
mal, mir auch im Unterricht, wenn ich versuche, mich einfach
auszudrücken. Da werden die Toleranzen der Sprachüblichkeit
permanent strapaziert bis zum Geht-nicht-mehr, irgendwie will man
seinen Inhalt ja rüberbringen mit einem arg reduzierten Vokabular.

Gruß Ralf Joerres
Martin Gerdes
2017-07-15 23:01:06 UTC
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Post by Ralf Joerres
"Wohin geht ihr denn? - In eine Pizzeria, die ist ganz nah."
(Netzwerk A1 Kursbuch Lektion 7).
Ich würde mich anders ausdrücken.
Ich auch: "... die ist gleich um die Ecke."
Post by Ralf Joerres
Ich frage mich, ob 'nah' als räumliches Adjektiv in prädikativer
Funktion überhaupt (noch) verwendbar ist
MUSE sagt: ja.
Heinz Lohmann
2017-07-16 02:22:43 UTC
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Raw Message
Post by Ralf Joerres
"Wohin geht ihr denn? - In eine Pizzeria, die ist ganz nah."
(Netzwerk A1 Kursbuch Lektion 7).
Find ich OK, für Anfänger auf jeden Fall. Auf dem Niveau muss man mit
den einfachen sprachlichen Mitteln klarkommen.

Was mich bei DaF-Anfängerlehrwerken eher stört, ist der manchmal
überbordende Gebrauch ausländischer Personennamen. Ich finde, die Lerner
sollten stärker auf das lokale Durchschnittsangebot vorbereitet werden.

Studio 21 A1 z.B. bemüht sich zwar um die beliebtesten deutschen
Vornamen, aber in den Dialogen tauchen dann folgende Namen auf:

Lektion 1:
Katja Borovska
Astrud Jobim
Julian
Emir
Alida

Lektion 2:
Marina Alvarez
Conny
Isabel
Carlos
Tuva
Rani
Belal

Ich weiß schon, warum das gemacht wird, aber es geht mir manchmal auf
der Niveaustufe etwas auf den Zahn, weil die Anfänger erst mal den
deutschen Durchschnitt kennenlernen wollen (Landeskunde), der für sie
völlig neu ist.
--
mfg
Heinz Lohmann
Tamsui, Taiwan

Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat. W.B.
Heinz Lohmann
2017-07-16 02:25:09 UTC
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Post by Heinz Lohmann
Post by Ralf Joerres
"Wohin geht ihr denn? - In eine Pizzeria, die ist ganz nah."
(Netzwerk A1 Kursbuch Lektion 7).
Find ich OK, für Anfänger auf jeden Fall. Auf dem Niveau muss man mit
den einfachen sprachlichen Mitteln klarkommen.
<ingrid>
Nach kurzem Überlegen vielleicht besser: Die liegt ganz nah.
</ingrid>
--
mfg
Heinz Lohmann
Tamsui, Taiwan

Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat. W.B.
Ralf Joerres
2017-07-16 07:31:56 UTC
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Raw Message
Post by Heinz Lohmann
Post by Heinz Lohmann
Post by Ralf Joerres
"Wohin geht ihr denn? - In eine Pizzeria, die ist ganz nah."
(Netzwerk A1 Kursbuch Lektion 7).
Find ich OK, für Anfänger auf jeden Fall. Auf dem Niveau muss man mit
den einfachen sprachlichen Mitteln klarkommen.
<ingrid>
Nach kurzem Überlegen vielleicht besser: Die liegt ganz nah.
</ingrid>
... wäre für mich nicht typisch sprechsprachlich, außerdem Risiko der
Bedeutungsvermischung mit 'naheliegen' = 'sich anbieten', was in
diesem Fall jedoch witzigerweise sehr 'naheliegt' (Vorsicht, Kalauer):
Es liegt doch nahe, in diese Pizzeria zu gehen, weil sie so nahe liegt.
Nee, das normalste wäre für mich: Die ist ganz in der Nähe. Immerhin
haben die Autoren aber schonmal 'die' als Pronomen zugelassen, in
früheren Lehrbüchern hätte es noch geheißen 'sie ist ganz nah'. Dieses
Pronomen wird von Konservativen nach meiner Beobachtung oft als
Demonstrativum interpretiert, ist aber normales 'Personal'pronomen,
welches man paradoxerweise für Personen in 'gutem Deutsch' nicht
benutzen darf, sonst heißt es wieder 'diiieee steht aufm Markt und
verkauft Äppel'. Das wird den Ausländern dann auch nicht bewusst
gemacht, dass die Personalpronomen in der Umgangssprache je nach
Region ganz anders heißen, vor allem in Nachstellung. Aber alles zu
seiner Zeit.

Gruß Ralf Joerres
Heinz Lohmann
2017-07-17 02:00:16 UTC
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Raw Message
Post by Ralf Joerres
Post by Heinz Lohmann
Post by Heinz Lohmann
Post by Ralf Joerres
"Wohin geht ihr denn? - In eine Pizzeria, die ist ganz nah."
(Netzwerk A1 Kursbuch Lektion 7).
Find ich OK, für Anfänger auf jeden Fall. Auf dem Niveau muss man mit
den einfachen sprachlichen Mitteln klarkommen.
<ingrid>
Nach kurzem Überlegen vielleicht besser: Die liegt ganz nah.
</ingrid>
... wäre für mich nicht typisch sprechsprachlich, außerdem Risiko der
Bedeutungsvermischung mit 'naheliegen' = 'sich anbieten', was in
diesem Fall jedoch witzigerweise sehr 'naheliegt'
Da seh ich auf dem Sprachniveau noch kein Problem.
Post by Ralf Joerres
Aber alles zu seiner Zeit.
So isses. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.
--
mfg
Heinz Lohmann
Tamsui, Taiwan

Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat. W.B.
U***@web.de
2017-07-17 11:20:36 UTC
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Moin,
Post by Heinz Lohmann
Post by Ralf Joerres
Post by Heinz Lohmann
Post by Heinz Lohmann
Post by Ralf Joerres
"Wohin geht ihr denn? - In eine Pizzeria, die ist ganz nah."
(Netzwerk A1 Kursbuch Lektion 7).
Find ich OK, für Anfänger auf jeden Fall. Auf dem Niveau muss man mit
den einfachen sprachlichen Mitteln klarkommen.
<ingrid>
Nach kurzem Überlegen vielleicht besser: Die liegt ganz nah.
</ingrid>
... wäre für mich nicht typisch sprechsprachlich, außerdem Risiko der
Bedeutungsvermischung mit 'naheliegen' = 'sich anbieten', was in
diesem Fall jedoch witzigerweise sehr 'naheliegt'
Da seh ich auf dem Sprachniveau noch kein Problem.
Das Problem ist, daß Sprech- und Schriftsprache
gleichermaßen...
Post by Heinz Lohmann
Post by Ralf Joerres
Aber alles zu seiner Zeit.
So isses. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.
auf Hochsprachniveau zu vermitteln sind und man
den Leuten klarmachen darf, daß manche Sprüche
"uff de Gaß" valide sind, nicht aber im
Unterrichtsraum.

Nicht, daß die, die nachher Deutsch für den
Hochschulzugang brauchen, die Hälfte von dem,
was sie im Anfängerkurs gelernt haben, aktiv
schreddern müssen und dann noch Schwierigkeiten
haben, die 50% passend auszuwählen.

"Die Pizzeria, die ist (hier) ganz in der Nähe."

Auch das ist nicht hochgestochene
wissenschaftliche Beschreibung, aber m.E.
akzeptabel.

Gruß, ULF
Ralf Joerres
2017-07-16 07:20:01 UTC
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Raw Message
Post by Heinz Lohmann
Post by Ralf Joerres
"Wohin geht ihr denn? - In eine Pizzeria, die ist ganz nah."
(Netzwerk A1 Kursbuch Lektion 7).
Find ich OK, für Anfänger auf jeden Fall. Auf dem Niveau muss man mit
den einfachen sprachlichen Mitteln klarkommen.
Was mich bei DaF-Anfängerlehrwerken eher stört, ist der manchmal
überbordende Gebrauch ausländischer Personennamen. Ich finde, die Lerner
sollten stärker auf das lokale Durchschnittsangebot vorbereitet werden.
Studio 21 A1 z.B. bemüht sich zwar um die beliebtesten deutschen
Katja Borovska
Astrud Jobim
Julian
Emir
Alida
Marina Alvarez
Conny
Isabel
Carlos
Tuva
Rani
Belal
Ich weiß schon, warum das gemacht wird, aber es geht mir manchmal auf
der Niveaustufe etwas auf den Zahn, weil die Anfänger erst mal den
deutschen Durchschnitt kennenlernen wollen (Landeskunde), der für sie
völlig neu ist.
Deutscher Durchschnitt? Google mal nach "Asi-Namen", da gehen Dir aber
die Augen über! Die von Dir gebrachten Namen entsprechen im Großen und
Ganzen den im Deutschen möglichen Silbenstrukturen, allerdings sind sie
nicht gängig. Große Probleme haben ausländische Deutschlerner aus dem
nicht-europäischen Ausland mit vielen englischen Wörtern, die sind aber
von Anfang an mit dabei - wie sollte es auch anders sein in unserer
schönen Computerwelt mit Handy und skypen und Chatroom usw. -, mit
längeren Wörtern (Einwohnermeldeamt, Anmeldeformular), wo sie die
Silbenstruktur und Teilwörter nicht erkennen, und mit Fremdwörtern
(Ingenieur, Praktikantin...), die für sie wirklich 'fremd' sind , weil
sei an nichts anschließen - da 'brechen' sie sich wirklich 'einen ab'.

Gruß Ralf Joerres
Heinz Lohmann
2017-07-17 01:57:17 UTC
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Raw Message
Post by Ralf Joerres
Post by Heinz Lohmann
Ich weiß schon, warum das gemacht wird, aber es geht mir manchmal auf
der Niveaustufe etwas auf den Zahn, weil die Anfänger erst mal den
deutschen Durchschnitt kennenlernen wollen (Landeskunde), der für sie
völlig neu ist.
Deutscher Durchschnitt? Google mal nach "Asi-Namen", da gehen Dir aber
die Augen über! Die von Dir gebrachten Namen entsprechen im Großen und
Ganzen den im Deutschen möglichen Silbenstrukturen, allerdings sind sie
nicht gängig.
Nicht gängig! Das meinte ich.
Ich google dann lieber nach sowas:
https://www.bedeutung-von-namen.de/top50-nachnamen-deutschland

... und würde ggf. noch die Namen aus dem Umfeld der Kursteilnehmer
dazunehmen, die sie selbst für die Kommunikation im Kurs wichtig finden.

Wenn ich als Anfänger Chinesisch oder Japanisch lerne, möchte ich ja
auch mal zuerst die normalen 100 Familiennamen kennenlernen und nicht
gleich mit den ganz seltenen anfangen.

< Große Probleme haben ausländische Deutschlerner aus dem
Post by Ralf Joerres
nicht-europäischen Ausland mit vielen englischen Wörtern, die sind aber
von Anfang an mit dabei - wie sollte es auch anders sein in unserer
schönen Computerwelt mit Handy und skypen und Chatroom usw. -, mit
längeren Wörtern (Einwohnermeldeamt, Anmeldeformular), wo sie die
Silbenstruktur und Teilwörter nicht erkennen, und mit Fremdwörtern
(Ingenieur, Praktikantin...), die für sie wirklich 'fremd' sind , weil
sei an nichts anschließen - da 'brechen' sie sich wirklich 'einen ab'.
Solange die häufig in der Alltagssprache auftauchen, müssen die Lerner
dadurch.
Es gibt da ja auch noch das Vokabular aus dem Französischen, gleich zu
Anfang das "Restaurant" und der von dir erwähnte "Ingenieur".

Was meinst du mit: "... die für sie wirklich 'fremd' sind, weil sie an
nichts anschließen?"

*Ingenieur* z.B. doch ein relativ verbreiteter Beruf und den
Kursteilnehmern eventuell aus dem Englischen bekannt (engineer).
Oder haben da deine Kursteilnehmer einen besonderen Hintergrund, z.B.
geringe Vorkenntnisse im Englischen?

Deutsch ist da eben etwas gemischt, Japanisch übrigens auch.

Bei längeren Wörtern sage ich ihnen, wie man sie mit einem Bleistift in
Teile zerlegt. Diese Hilfestellung muss am Anfang sein, wird aber zu oft
vom Kursleiter vergessen.

Später können sie das zunehmend selbstständiger:
Ein|wohner|melde|amt, An|melde|form(|)ular

Wortbildung ist dann eher ein Thema für die Mittelstufe.
--
mfg
Heinz Lohmann
Tamsui, Taiwan

Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat. W.B.
U***@web.de
2017-07-17 11:13:27 UTC
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Moin,
Post by Heinz Lohmann
Bei längeren Wörtern sage ich ihnen, wie man sie mit einem Bleistift in
Teile zerlegt. Diese Hilfestellung muss am Anfang sein, wird aber zu oft
vom Kursleiter vergessen.
Ein|wohner|melde|amt, An|melde|form(|)ular
Mon|tage, Diens|tage*, Montage|werk.

Und bei 'Montagen' muß man forschen.

Wenn schon, denn schon.

*) Trenne hier das 's' vom 't', auch wenn' sonst tut beiden weh.

Gruß, ULF
Ralf Joerres
2017-07-19 07:29:06 UTC
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Post by Heinz Lohmann
Post by Ralf Joerres
Post by Heinz Lohmann
Ich weiß schon, warum das gemacht wird, aber es geht mir manchmal auf
der Niveaustufe etwas auf den Zahn, weil die Anfänger erst mal den
deutschen Durchschnitt kennenlernen wollen (Landeskunde), der für sie
völlig neu ist.
Deutscher Durchschnitt? Google mal nach "Asi-Namen", da gehen Dir aber
die Augen über! Die von Dir gebrachten Namen entsprechen im Großen und
Ganzen den im Deutschen möglichen Silbenstrukturen, allerdings sind sie
nicht gängig.
Nicht gängig! Das meinte ich.
https://www.bedeutung-von-namen.de/top50-nachnamen-deutschland
Joo, stimmt natürlich.
Post by Heinz Lohmann
... und würde ggf. noch die Namen aus dem Umfeld der Kursteilnehmer
dazunehmen, die sie selbst für die Kommunikation im Kurs wichtig finden.
Wenn ich als Anfänger Chinesisch oder Japanisch lerne, möchte ich ja
auch mal zuerst die normalen 100 Familiennamen kennenlernen und nicht
gleich mit den ganz seltenen anfangen.
Da haste wohl recht.
Post by Heinz Lohmann
< Große Probleme haben ausländische Deutschlerner aus dem
Post by Ralf Joerres
nicht-europäischen Ausland mit vielen englischen Wörtern, die sind aber
von Anfang an mit dabei - wie sollte es auch anders sein in unserer
schönen Computerwelt mit Handy und skypen und Chatroom usw. -, mit
längeren Wörtern (Einwohnermeldeamt, Anmeldeformular), wo sie die
Silbenstruktur und Teilwörter nicht erkennen, und mit Fremdwörtern
(Ingenieur, Praktikantin...), die für sie wirklich 'fremd' sind , weil
sei an nichts anschließen - da 'brechen' sie sich wirklich 'einen ab'.
Solange die häufig in der Alltagssprache auftauchen, müssen die Lerner
dadurch.
Es gibt da ja auch noch das Vokabular aus dem Französischen, gleich zu
Anfang das "Restaurant" und der von dir erwähnte "Ingenieur".
Was meinst du mit: "... die für sie wirklich 'fremd' sind, weil sie an
nichts anschließen?"
Es gibt keine deutsche Wortwurzel, mit der man 'Ingenieur' oder
'Restaurant' in Verbindung bringen kann. Ich bin mir relativ sicher,
dass die Lerner von Anfang an nach solchen Verbindungen suchen und
sie sich zu erklären versuchen ('erklären' < 'klar').
Post by Heinz Lohmann
*Ingenieur* z.B. doch ein relativ verbreiteter Beruf und den
Kursteilnehmern eventuell aus dem Englischen bekannt (engineer).
Oder haben da deine Kursteilnehmer einen besonderen Hintergrund, z.B.
geringe Vorkenntnisse im Englischen?
Stimmt, da fehlt mir einfach noch die Erfahrung. Die Syrer haben oft
eine ziemlich gute, manchmal sehr gute Vorbildung.
Post by Heinz Lohmann
Deutsch ist da eben etwas gemischt, Japanisch übrigens auch.
Bei längeren Wörtern sage ich ihnen, wie man sie mit einem Bleistift in
Teile zerlegt. Diese Hilfestellung muss am Anfang sein, wird aber zu oft
vom Kursleiter vergessen.
Guuuuuter Tipp!! Z.T. aus vermeintlichem Zeitdruck hab ich das bis
jetzt nicht gemacht, wird ab sofort praktiziert!
Post by Heinz Lohmann
Später können sie das zunehmend selbstständiger
Ja, das ist das Ziel.

Bye: Ralf Joerres

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