Discussion:
Verwandschaftbezeichnungen
(zu alt für eine Antwort)
Matthias Opatz
2017-06-14 23:05:50 UTC
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Meine Nichte (in dem Fall Tochter meines Bruders) hat einen Sohn.
Ist das mein Großneffe? Und meiner Gattin Schwiegergroßneffe?
Schwieriges Terrain (MUSEN) ...

Matthias
Bertel Lund Hansen
2017-06-15 04:34:53 UTC
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Raw Message
Post by Matthias Opatz
Meine Nichte (in dem Fall Tochter meines Bruders) hat einen Sohn.
Ist das mein Großneffe? Und meiner Gattin Schwiegergroßneffe?
Schwieriges Terrain (MUSEN) ...
Im Dänischen gibt es keine sichere Bezeichnungen für solche ferne
Verwandte. Die Ursache ist wohl, dass man solche Bezeichnungen
nur selten braucht.

Im Englischen kann man von "my nephew once removed" sprechen,
aber das erklärt nicht um welche Richtung es sich handelt.
--
Bertel, Dänemark
Christina Kunze
2017-06-15 05:12:49 UTC
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Raw Message
Post by Bertel Lund Hansen
Post by Matthias Opatz
Meine Nichte (in dem Fall Tochter meines Bruders) hat einen Sohn.
Ist das mein Großneffe? Und meiner Gattin Schwiegergroßneffe?
Schwieriges Terrain (MUSEN) ...
Im Dänischen gibt es keine sichere Bezeichnungen für solche ferne
Verwandte. Die Ursache ist wohl, dass man solche Bezeichnungen
nur selten braucht.
Im Englischen kann man von "my nephew once removed" sprechen,
aber das erklärt nicht um welche Richtung es sich handelt.
Im Deutschen kann man solche Verwandtschaftsbezeichnungen bilden, aber
es herrscht keine Einigkeit darüber, wie so entfernte Verwandte genau
genannt werden, deshalb ist es sinnvoller, die Verwandtschaftsbeziehung
zu beschreiben.
Ziemlich gut funktioniert es meiner Ansicht noch bis Großtante, aber
schon Großneffe oder Großnichte führt zu Nachfragen.

chr
Heinz Lohmann
2017-06-16 14:27:45 UTC
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Raw Message
Post by Christina Kunze
Im Deutschen kann man solche Verwandtschaftsbezeichnungen bilden, aber
es herrscht keine Einigkeit darüber, wie so entfernte Verwandte genau
genannt werden, deshalb ist es sinnvoller, die Verwandtschaftsbeziehung
zu beschreiben.
Ziemlich gut funktioniert es meiner Ansicht noch bis Großtante, aber
schon Großneffe oder Großnichte führt zu Nachfragen.
Auf Wikipedia findet man da ein recht eindeutiges Diagramm, aber wenn
ich von meiner Großnichte spreche, gibt es viele Möglichkeiten, wer von
den vielen Nichten und Neffen Kindsvater bzw. -mutter ist.

https://de.wikipedia.org/wiki/Verwandtschaftsbeziehung
--
mfg
Heinz Lohmann
Tamsui, Taiwan

Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat. W.B.
Tobias J. Becker
2017-06-16 22:35:51 UTC
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Raw Message
Post by Heinz Lohmann
Auf Wikipedia findet man da ein recht eindeutiges Diagramm, aber wenn
ich von meiner Großnichte spreche, gibt es viele Möglichkeiten, wer von
den vielen Nichten und Neffen Kindsvater bzw. -mutter ist.
Ein bisschen eingrenzen kann man noch über die Zusätze
"brüderlicherseits" und "schwesterlicherseits". Aber wie könnte dann
eine weitergehende Differenzierung lauten, ob es sich nun um die Kinder
des Geschwistersohnes oder der Geschwistertochter handelt?

"nichtlicherseits" - "neff(en)licherseits"?


"Meine Großnichte brüderlich-nichtlicherseits"??


Ich denke, in solchen Fällen helfen nur noch Erläuterungen.

"Meine Großnichte, also die Tochter meiner Nichte brüderlicherseits, ..."

"Meine Großnichte, also die Tochter des Sohnes meines Bruders, ..."
René Marquardt
2017-06-16 22:49:25 UTC
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Raw Message
Post by Tobias J. Becker
Post by Heinz Lohmann
Auf Wikipedia findet man da ein recht eindeutiges Diagramm, aber wenn
ich von meiner Großnichte spreche, gibt es viele Möglichkeiten, wer von
den vielen Nichten und Neffen Kindsvater bzw. -mutter ist.
Ein bisschen eingrenzen kann man noch über die Zusätze
"brüderlicherseits" und "schwesterlicherseits". Aber wie könnte dann
eine weitergehende Differenzierung lauten, ob es sich nun um die Kinder
des Geschwistersohnes oder der Geschwistertochter handelt?
"nichtlicherseits" - "neff(en)licherseits"?
"Meine Großnichte brüderlich-nichtlicherseits"??
Ich denke, in solchen Fällen helfen nur noch Erläuterungen.
"Meine Großnichte, also die Tochter meiner Nichte brüderlicherseits, ..."
"Meine Großnichte, also die Tochter des Sohnes meines Bruders, ..."
Jo, und in solchen Fällen schaltet der Normalzuhörer sofort in den Nick-
und Lächelmodus.
Florian Ritter
2017-06-17 11:38:32 UTC
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Post by Tobias J. Becker
"Meine Großnichte brüderlich-nichtlicherseits"??
Es heißt natürlich Großniftel - FR
Stefan Schmitz
2017-06-18 21:23:04 UTC
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Post by Matthias Opatz
Post by Matthias Opatz
Meine Nichte (in dem Fall Tochter meines Bruders) hat einen Sohn.
Ist das mein Großneffe?
Ja.
Post by Matthias Opatz
Und meiner Gattin Schwiegergroßneffe?
Auch Großneffe.

Schwiegergroßneffe wäre der Mann deiner Großnichte.
Post by Matthias Opatz
Ziemlich gut funktioniert es meiner Ansicht noch bis Großtante, aber
schon Großneffe oder Großnichte führt zu Nachfragen.
Den Unterschied verstehe ich nicht, das sind doch genau die korrespondierenden
Positionen.
Stefan Schmitz
2017-06-20 15:18:59 UTC
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Post by Stefan Schmitz
Post by Matthias Opatz
Post by Matthias Opatz
Meine Nichte (in dem Fall Tochter meines Bruders) hat einen Sohn.
Ist das mein Großneffe?
Ja.
Post by Matthias Opatz
Und meiner Gattin Schwiegergroßneffe?
Auch Großneffe.
Ich bin dabei von meiner eigenen Erfahrung mit haufenweise Onkels und Tanten
ausgegangen. Bei der Bezeichnung wurde nie unterschieden, wer nun Geschwister
meiner Eltern war oder nur dessen Ehegatte. Wer blutsverwandt war, habe ich
erst relativ spät verstanden.

Sollte jetzt allerdings jemand bereits einen (Groß-)Neffen haben und erst danach
heiraten, würde ich doch vom Schwieger-(Groß-)-Neffen des Ehepartners reden.
Gunhild Simon
2017-06-15 05:26:13 UTC
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Post by Matthias Opatz
Meine Nichte (in dem Fall Tochter meines Bruders) hat einen Sohn.
Ist das mein Großneffe? Und meiner Gattin Schwiegergroßneffe?
Schwieriges Terrain (MUSEN) ...
Ich habe es immer so erfahren:
Nachwuchs von Tochter/ Sohn
meiner Schwester/meines Bruders
nennt sich Großneffe/Großnichte,
unabhängig von Blutsverwandtschaft

Verschwägerung - also Verwandtschaft,
die keine Blutsverwandtschaft ist -
wird erst vor Gericht erfragt.

Es gibt auch noch den Begriff "angeheiratet"
dafür, um es genauer zu defnieren.

Gruß
Gunhild
Roman Racine
2017-06-18 21:40:39 UTC
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Post by Gunhild Simon
Post by Matthias Opatz
Meine Nichte (in dem Fall Tochter meines Bruders) hat einen Sohn.
Ist das mein Großneffe? Und meiner Gattin Schwiegergroßneffe?
Schwieriges Terrain (MUSEN) ...
Nachwuchs von Tochter/ Sohn
meiner Schwester/meines Bruders
nennt sich Großneffe/Großnichte,
unabhängig von Blutsverwandtschaft
Verschwägerung - also Verwandtschaft,
die keine Blutsverwandtschaft ist -
wird erst vor Gericht erfragt.
Schwägerschaft ist eben keine Verwandtschaft, mal von abgelegenen Bergtälern
und ähnlichen Fällen abgesehen. Dagegen entsteht durch Adoption
Verwandtschaft, die keine Blutsverwandtschaft ist.

Gruss

Roman°
H.-P. Schulz
2017-06-15 12:08:14 UTC
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Raw Message
Post by Matthias Opatz
Meine Nichte (in dem Fall Tochter meines Bruders) hat einen Sohn.
Ist das mein Großneffe? Und meiner Gattin Schwiegergroßneffe?
Schwieriges Terrain (MUSEN) ...
Die seit ewig etablierte berlinische Entschwierigung lautet:

De bucklije Verwandschaft
Thomas Schade
1970-01-01 00:00:00 UTC
Permalink
Raw Message
Post by H.-P. Schulz
De bucklije Verwandschaft
Ist das wirklich Berliner Ursprungs? Ich kenne das auch von
Nordlichtern ganz ohne Berliner Hintergrund.


Ciao
Toscha
--
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http://usenet.sinaapp.com/
H.-P. Schulz
2017-06-16 15:01:11 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Thomas Schade
Post by H.-P. Schulz
De bucklije Verwandschaft
Ist das wirklich Berliner Ursprungs?
Wie soll man sowas wissen?
Post by Thomas Schade
Ich kenne das auch von
Nordlichtern ganz ohne Berliner Hintergrund.
Na sowas.
Christina Kunze
2017-06-16 19:42:05 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Thomas Schade
Post by H.-P. Schulz
De bucklije Verwandschaft
Ist das wirklich Berliner Ursprungs? Ich kenne das auch von
Nordlichtern ganz ohne Berliner Hintergrund.
Und ich von Niederschlesiern. Von denen habe ich es, als ich erwachsen
war, auch zum ersten Mal gehört.
Hier aus Berlin kannte ich es nicht.

chr
H.-P. Schulz
2017-06-17 12:46:41 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Christina Kunze
Post by Thomas Schade
Post by H.-P. Schulz
De bucklije Verwandschaft
Ist das wirklich Berliner Ursprungs? Ich kenne das auch von
Nordlichtern ganz ohne Berliner Hintergrund.
Und ich von Niederschlesiern.
Sag' ich doch: Berliner!

Berlin, das ist zur Hälfte Schlesien, zur anderen Hälfte Franzos', zur
dritten Jüden und als viertes bleibt dann noch dieses
wendisch-wilzische Gejaule und Gemaule.
Fiese Sache, das!

H°in B jeboan und uffjewacksn°P
Tobias J. Becker
2017-06-15 15:08:45 UTC
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Raw Message
Post by Matthias Opatz
Meine Nichte (in dem Fall Tochter meines Bruders) hat einen Sohn.
Ist das mein Großneffe? Und meiner Gattin Schwiegergroßneffe?
Die Unaussprechliche gibt dir Recht.
https://de.wikipedia.org/wiki/Verwandtschaftsbeziehung

Bei genauerem Grübeln kommt mir "Groß-" 'nach unten hin' zwar irgendwie
verquer, aber trotzdem vertraut vor.
Post by Matthias Opatz
Schwieriges Terrain (MUSEN) ...
Zum Glück hat sich ein großer deutscher Denker so allgemein schon einmal
auf dieses Terrain begeben und sich seine Gedanken gemacht.



Tobias
Jakob Achterndiek
2017-06-18 22:33:31 UTC
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Raw Message
Post by Matthias Opatz
Meine Nichte (in dem Fall Tochter meines Bruders) hat einen Sohn.
Ist das mein Großneffe? Und meiner Gattin Schwiegergroßneffe?
Ihr kennt alle den
| Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
| ein Birnbaum in seinem Garten stand.

Von dem Sohn dieses Herrn,
| dem jungen aber, der knausert und spart,
existiert in meinen Papieren diese Daguerreotypie.
<Loading Image...>

Warum? Darum:
Carl von Ribbeck auf Ribbeck,
geb 22. April 1799. Verehel. mit Louise Flörke.
Diese Louise Flörke war eine Tochter des Professors Heinrich Flörke
in Rostock, dessen Schwester Antonie mit dem Gymnasialprofessor
Heinrich Roever, einem Bruder des Großvaters meiner Mutter,
verheiratet war.
Er ist also, wenn ich richtig rechne, mein
*UrUrgroßschwiegeronkelschwager zweiten Grades.*
Post by Matthias Opatz
Schwieriges Terrain (MUSEN) ...
Aber ihr seht, wie wichtig sowas ist!
;)
--
j/\a
Roland Franzius
2017-06-19 05:42:44 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Jakob Achterndiek
Carl von Ribbeck auf Ribbeck,
geb 22. April 1799. Verehel. mit Louise Flörke.
Diese Louise Flörke war eine Tochter des Professors Heinrich Flörke
in Rostock, dessen Schwester Antonie mit dem Gymnasialprofessor
Heinrich Roever, einem Bruder des Großvaters meiner Mutter,
verheiratet war.
Er ist also, wenn ich richtig rechne, mein
*UrUrgroßschwiegeronkelschwager zweiten Grades.*
Post by Matthias Opatz
Schwieriges Terrain (MUSEN) ...
Aber ihr seht, wie wichtig sowas ist!
;)
Dazu gibt es ein präzise passendes Zitat aus Vladimir Nabokovs
"Deutliche Worte", dem einst sein deutscher Verleger seinen deutschen
von Korff-Stammbaum mütterlicherseits präsentierte.
https://de.wikipedia.org/wiki/Vladimir_Nabokov#Kindheit

"Der Stammbaum ist für alte Männer das, was in der Kindheit der
Weihnachtsbaum war".
--
Roland Franzius
Jakob Achterndiek
2017-06-19 08:38:09 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Roland Franzius
"Der Stammbaum ist für alte Männer das, was in der Kindheit der
Weihnachtsbaum war".
Der "Stammbaum" gehört auch zu den hierzugruppe schon erwähnten
Wortschlampereien, indem er gar zu häufig mit der "Ahnentafel"
verwechselt wird.
Der Artikel <https://de.wikipedia.org/wiki/Stammbaum> weist darauf
hin, daß diesen Fehler sogar der Duden begeht. Der leistet sich dann
auch noch den Knüller, "Stammbaum" und "Ahnentafel" expressis verbis
zu *Synonymen* zu erklären. - Schlimmer geht's nimmer!
--
j/\a

ps.:
Was den Herrn von Ribbeck betrifft: Der gehört bei mir selbstver-
ständlich weder zum einen noch zum anderen. Er bestätigt nur die
Genealogen-Weisheit: Wenn wir nur tief genug graben, dann sind wir
alle irgendwie auch mit Kaiser Karl dem Großen verwandt - die Zahl
seiner legitimen Ehen plus der seiner Mätressen (und was die Herren
von Adel sonst so trieben) legen das wohl nahe.
--
j/\a
Heinz Lohmann
2017-06-19 09:40:45 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Jakob Achterndiek
Was den Herrn von Ribbeck betrifft: Der gehört bei mir selbstver-
ständlich weder zum einen noch zum anderen. Er bestätigt nur die
Genealogen-Weisheit: Wenn wir nur tief genug graben, dann sind wir
alle irgendwie auch mit Kaiser Karl dem Großen verwandt - die Zahl
seiner legitimen Ehen plus der seiner Mätressen (und was die Herren
von Adel sonst so trieben) legen das wohl nahe.
ps2:
Oder noch eher von Dschingis Khan oder Giocangga, wie ein Artikel in
Nature nahelegt:
https://www.nature.com/news/genghis-khan-s-genetic-legacy-has-competition-1.16767
--
mfg
Heinz Lohmann
Tamsui, Taiwan

Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat. W.B.
Manfred Hoß
2017-06-19 10:46:36 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Jakob Achterndiek
Post by Roland Franzius
"Der Stammbaum ist für alte Männer das, was in der Kindheit der
Weihnachtsbaum war".
Der "Stammbaum" gehört auch zu den hierzugruppe schon erwähnten
Wortschlampereien, indem er gar zu häufig mit der "Ahnentafel"
verwechselt wird.
Der Artikel <https://de.wikipedia.org/wiki/Stammbaum> weist darauf
hin, daß diesen Fehler sogar der Duden begeht. Der leistet sich dann
auch noch den Knüller, "Stammbaum" und "Ahnentafel" expressis verbis
zu *Synonymen* zu erklären. - Schlimmer geht's nimmer!
Das kannst du nicht dem Duden anlasten, denn in Wörterbüchern werden schon
seit langem "Stammbaum" und "Ahnentafel" in direkte Verbindung gebracht. In
Band 40 der Digitalen Bibliothek, "Grammatisch-kritisches Wörterbuch" von
Johann Christoph Adelung, von 1793 bis 1801 erschienen, heißt es:

"Die Ahnentafel, plur. die -n, die Tafel, oder das genealogische Register
der Ahnen eines Geschlechtes; das Geschlechtregister, der Stammbaum."
[Adelung: Grammatisch-kritisches Wörterbuch: Die Ahnentafel. Adelung:
Wörterbuch, S. 1647
(vgl. Adelung-GKW Bd. 1, S. 187)]

Jakob Heinrich Kaltschmidt schreibt im "Kurzgefaßten vollständigen stamm-
und sinnverwandtschaftlichen Gesammt-Wörterbuch" von 1834:

"die *Ahnentafel,* der Stammbaum, das Geschlechtsregister"

Theodor Heinsius meint im "Vollständigen Wörterbuch der Deutschen Sprache"
von 1840:

"die *Ahnentafel*, Geschlechtsregister, Stammbaum"

Johann Baptist Weyh vermerkt im "Praktischen Handwörterbuch des Deutschen
Sprachgebrauchs" von 1843:

"*Ahnentafel*, Stammbaum"

Im "Deutschen Wörterbuch", begonnen von Jacob und Wilhelm Grimm, steht:

"ahnentafel, f. geschlechtsregister, stammbaum."
(http://woerterbuchnetz.de/cgi-bin/WBNetz/wbgui_py?sigle=DWB&lemid=GA02261)

Ich konnte in keinem Wörterbuch aus dem 19. Jahrhundert, das ich zu Rate
zog, einen Eintrag finden, bei dem zwischen "Ahnentafel" und "Stammbaum"
unterschieden wird. Erst in einem ausführlichen Lexikonartikel wird das
Ganze genauer ausgeführt, so geschehen in "Meyers Großem Konversations-
Lexikon" von 1905, das mir als Band 100 der Digitalen Bibliothek vorliegt:

"Die genealogischen Tafeln zerfallen in zwei Hauptarten: Stammtafeln und
Ahnentafeln. Die Stammtafeln weisen die von einem Elternpaar abstammenden
Nachkommen nach; sie hatten früher meist die Gestalt eines Baumes (daher
Stammbaum, arbor consanguinitatis). Das Elternpaar steht an der Wurzel; die
Nachkommen verbreiten sich in die Zweige, doch so, daß jede Linie einen
Zweig bildet. Neuerdings werden die Stammtafeln so eingerichtet, daß das
Elternpaar oben steht, und die Deszendenzverhältnisse, die durch Striche
und Klammern bezeichnet werden, so deutlicher hervortreten. Die Ahnentafeln
(s. Ahnen) gehen von einem Individuum aus und weisen in aufsteigender
Linie dessen sich mit jedem Abstammungsgrade verdoppelnden Eltern- und
Vorelternpaare nach.
[Genealogie. Meyers Großes Konversations-Lexikon (1905), S. 68457
(vgl. Meyer Bd. 7, S. 548)]

Eine solch ausführliche Erklärung kann ein Wörterbuch nicht liefern.

Gruß
Manfred.
Roland Franzius
2017-06-19 11:09:53 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Manfred Hoß
Post by Jakob Achterndiek
Post by Roland Franzius
"Der Stammbaum ist für alte Männer das, was in der Kindheit der
Weihnachtsbaum war".
Der "Stammbaum" gehört auch zu den hierzugruppe schon erwähnten
Wortschlampereien, indem er gar zu häufig mit der "Ahnentafel"
verwechselt wird.
Der Artikel <https://de.wikipedia.org/wiki/Stammbaum> weist darauf
hin, daß diesen Fehler sogar der Duden begeht. Der leistet sich dann
auch noch den Knüller, "Stammbaum" und "Ahnentafel" expressis verbis
zu *Synonymen* zu erklären. - Schlimmer geht's nimmer!
Das kannst du nicht dem Duden anlasten, denn in Wörterbüchern werden schon
seit langem "Stammbaum" und "Ahnentafel" in direkte Verbindung gebracht. In
Band 40 der Digitalen Bibliothek, "Grammatisch-kritisches Wörterbuch" von
"Die Ahnentafel, plur. die -n, die Tafel, oder das genealogische Register
der Ahnen eines Geschlechtes; das Geschlechtregister, der Stammbaum."
Wörterbuch, S. 1647
(vgl. Adelung-GKW Bd. 1, S. 187)]
Jakob Heinrich Kaltschmidt schreibt im "Kurzgefaßten vollständigen stamm-
"die *Ahnentafel,* der Stammbaum, das Geschlechtsregister"
Theodor Heinsius meint im "Vollständigen Wörterbuch der Deutschen Sprache"
"die *Ahnentafel*, Geschlechtsregister, Stammbaum"
Johann Baptist Weyh vermerkt im "Praktischen Handwörterbuch des Deutschen
"*Ahnentafel*, Stammbaum"
"ahnentafel, f. geschlechtsregister, stammbaum."
(http://woerterbuchnetz.de/cgi-bin/WBNetz/wbgui_py?sigle=DWB&lemid=GA02261)
Ich konnte in keinem Wörterbuch aus dem 19. Jahrhundert, das ich zu Rate
zog, einen Eintrag finden, bei dem zwischen "Ahnentafel" und "Stammbaum"
unterschieden wird. Erst in einem ausführlichen Lexikonartikel wird das
Ganze genauer ausgeführt, so geschehen in "Meyers Großem Konversations-
"Die genealogischen Tafeln zerfallen in zwei Hauptarten: Stammtafeln und
Ahnentafeln. Die Stammtafeln weisen die von einem Elternpaar abstammenden
Nachkommen nach; sie hatten früher meist die Gestalt eines Baumes (daher
Stammbaum, arbor consanguinitatis). Das Elternpaar steht an der Wurzel; die
Nachkommen verbreiten sich in die Zweige, doch so, daß jede Linie einen
Zweig bildet. Neuerdings werden die Stammtafeln so eingerichtet, daß das
Elternpaar oben steht, und die Deszendenzverhältnisse, die durch Striche
und Klammern bezeichnet werden, so deutlicher hervortreten. Die Ahnentafeln
(s. Ahnen) gehen von einem Individuum aus und weisen in aufsteigender
Linie dessen sich mit jedem Abstammungsgrade verdoppelnden Eltern- und
Vorelternpaare nach.
[Genealogie. Meyers Großes Konversations-Lexikon (1905), S. 68457
(vgl. Meyer Bd. 7, S. 548)]
Eine solch ausführliche Erklärung kann ein Wörterbuch nicht liefern.
Die Druckroutine der zuständigen Grafikprogramme kennt noch andere
Darstellungen, zB die Krawatte. Da steht ein Paar in der Mitte und
darüber alle Vorfahren und darunter alle Nachfahren.

So etwas braucht man zB wenn man seinen Anspruch auf den Thron von
Neapel oder Konstantinopel beweisen und vererben will

https://de.wikipedia.org/wiki/Tot%C3%B2#Adelstitel
--
Roland Franzius
Jakob Achterndiek
2017-06-19 11:56:32 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Manfred Hoß
Post by Jakob Achterndiek
Der "Stammbaum" gehört auch zu den hierzugruppe schon erwähnten
Wortschlampereien, indem er gar zu häufig mit der "Ahnentafel"
verwechselt wird.
Der Artikel <https://de.wikipedia.org/wiki/Stammbaum> weist darauf
hin, daß diesen Fehler sogar der Duden begeht. Der leistet sich dann
auch noch den Knüller, "Stammbaum" und "Ahnentafel" expressis verbis
zu *Synonymen* zu erklären. - Schlimmer geht's nimmer!
Das kannst du nicht dem Duden anlasten, denn in Wörterbüchern werden schon
seit langem "Stammbaum" und "Ahnentafel" in direkte Verbindung gebracht.
[..] [..] [..] [..]
Danke für diese Auflistung, die zeigt, daß Duden seine Nachlässigkeit
mit etlichen anderen Nachschlagewerken teilt. Es bleibt gleichwohl
bedauerlich.

Im pädagogischen Bereich ist das doppelt bedauerlich. Was soll denn
wohl eine Mutter antworten, wenn der Knirps aufbegehrt: "Vati popelt
auch!"? - Gar die Erhebung zu "Synonymen" ist keine allenfalls
entschuldbare Nachlässigkeit mehr, sondern eine schlimme (und über
Dudens endemische Synonymitäts-Schlamperei hinaus doppelt schlimme)
Falsch-Information.
--
j/\a
Jakob Achterndiek
2017-06-19 18:23:31 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Manfred Hoß
Das kannst du nicht dem Duden anlasten, denn in Wörterbüchern werden schon
seit langem "Stammbaum" und "Ahnentafel" in direkte Verbindung gebracht.
[..] [..] [..] [..]
In <Pierer's Universal-Lexikon 4. Auflage 1857–1865 DVD-ROM-Ausgabe
digitale-bibliothek.de/band115> habe ich eben eine richtige Erklärung
und Unterscheidung gefunden. Das bestärkt mich in der Haltung, die ich
schon als aktiver Lehrer vertreten habe: *Sach*-Fragen klärt man mit
*Sach*-Lexiken; *nicht* mit Wörterbüchern! *Nicht* mit Wörterbüchern!
*Nicht* mit Wörterbüchern!
:)
--
j/\a
Florian Ritter
2017-06-19 12:13:18 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Jakob Achterndiek
Ihr kennt alle den
| Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
| ein Birnbaum in seinem Garten stand.
Von dem Sohn dieses Herrn,
| dem jungen aber, der knausert und spart,
existiert in meinen Papieren diese Daguerreotypie.
<http://www.buzemann.de/publ/ribbeck.jpg>
Carl von Ribbeck auf Ribbeck,
geb 22. April 1799. Verehel. mit Louise Flörke.
Diese Louise Flörke war eine Tochter des Professors Heinrich Flörke
in Rostock, dessen Schwester Antonie mit dem Gymnasialprofessor
Heinrich Roever, einem Bruder des Großvaters meiner Mutter,
verheiratet war.
Er ist also, wenn ich richtig rechne, mein
*UrUrgroßschwiegeronkelschwager zweiten Grades.
Die Ribbecks sind wieder in Ribbeck (an der B 5 zwischen Berlin
und Hamburg) ansässig und beschäftigen sich, merkwürdig, mit
der Herstellung von Essig - FR
René Marquardt
2017-06-19 13:37:28 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Florian Ritter
Post by Jakob Achterndiek
Ihr kennt alle den
| Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
| ein Birnbaum in seinem Garten stand.
Von dem Sohn dieses Herrn,
| dem jungen aber, der knausert und spart,
existiert in meinen Papieren diese Daguerreotypie.
<http://www.buzemann.de/publ/ribbeck.jpg>
Carl von Ribbeck auf Ribbeck,
geb 22. April 1799. Verehel. mit Louise Flörke.
Diese Louise Flörke war eine Tochter des Professors Heinrich Flörke
in Rostock, dessen Schwester Antonie mit dem Gymnasialprofessor
Heinrich Roever, einem Bruder des Großvaters meiner Mutter,
verheiratet war.
Er ist also, wenn ich richtig rechne, mein
*UrUrgroßschwiegeronkelschwager zweiten Grades.
Die Ribbecks sind wieder in Ribbeck (an der B 5 zwischen Berlin
und Hamburg) ansässig und beschäftigen sich, merkwürdig, mit
der Herstellung von Essig - FR
Hier wollte ich zum Juxe ein Bild einfuegen, um zu demonstrieren,
dass man auch aus Birnen Essig herstellen kann; nun kam aber bei
meiner ausgiebigen Recherche im Internet (i.e. erstes Ergebnis
bei Google) dieses zum Vorschein:

http://www.vonribbeck.de/birnen-essig-spezialitaeten/
U***@web.de
2017-06-19 14:05:00 UTC
Permalink
Raw Message
Moin,
Post by René Marquardt
http://www.vonribbeck.de/birnen-essig-spezialitaeten/
Deren Likör ist "für Leckermäule"...

Gruß, ULF
Dorothee Hermann
2017-06-19 14:15:17 UTC
Permalink
Raw Message
Post by U***@web.de
Post by René Marquardt
http://www.vonribbeck.de/birnen-essig-spezialitaeten/
Deren Likör ist "für Leckermäule"...
http://www.vonribbeck.de/williams-braende-und-likoere/


Schreib an die angegebene "Addresse"!

(Sind doch alles nur Tippfehler)


Dorothee
Martin Gerdes
2017-06-19 21:16:37 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Dorothee Hermann
Post by U***@web.de
Post by René Marquardt
http://www.vonribbeck.de/birnen-essig-spezialitaeten/
Deren Likör ist "für Leckermäule"...
http://www.vonribbeck.de/williams-braende-und-likoere/
Schreib an die angegebene "Addresse"!
(Sind doch alles nur Tippfehler)
Die "Leckermäule" könnten Tippfehler sein, die "hinein gewachsene" Birne
ist Hyperkorrektur (und die wiederum Wurstigkeit und Unkenntnis).

O tempo'a o mo'res.
Dorothee Hermann
2017-06-19 23:06:32 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Martin Gerdes
Post by Dorothee Hermann
Post by U***@web.de
Post by René Marquardt
http://www.vonribbeck.de/birnen-essig-spezialitaeten/
Deren Likör ist "für Leckermäule"...
http://www.vonribbeck.de/williams-braende-und-likoere/
Schreib an die angegebene "Addresse"!
^^^^^^^^^^^
Post by Martin Gerdes
Post by Dorothee Hermann
(Sind doch alles nur Tippfehler)
Die "Leckermäule" könnten Tippfehler sein, die "hinein gewachsene"
Birne ist Hyperkorrektur (und die wiederum Wurstigkeit und
Unkenntnis).
O tempo'a o mo'res.
Könnte so sein, wie Du es erklärst - auch dass so manches überlesen
wird, wie die "Addresse" z.B..


Dorothee
Heinz Lohmann
2017-06-20 01:17:23 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Dorothee Hermann
Post by Martin Gerdes
Post by Dorothee Hermann
Post by U***@web.de
Post by René Marquardt
http://www.vonribbeck.de/birnen-essig-spezialitaeten/
Deren Likör ist "für Leckermäule"...
http://www.vonribbeck.de/williams-braende-und-likoere/
Schreib an die angegebene "Addresse"!
^^^^^^^^^^^
Post by Martin Gerdes
Post by Dorothee Hermann
(Sind doch alles nur Tippfehler)
Die "Leckermäule" könnten Tippfehler sein, die "hinein gewachsene"
Birne ist Hyperkorrektur (und die wiederum Wurstigkeit und
Unkenntnis).
O tempo'a o mo'res.
Könnte so sein, wie Du es erklärst - auch dass so manches überlesen
wird, wie die "Addresse" z.B..
Wenn man Ribbeck heißt, darf man auch eine Addresse haben. Aber dann
solte man auch Tellefong schreiben!

PS:
25% Vol Schmelzendes Aroma, für Leckermäule = für Leute, die sich nett
einen antüddeln wollen!
--
mfg
Heinz Lohmann
Tamsui, Taiwan

Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat. W.B.
Roland Franzius
2017-06-20 05:37:33 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Heinz Lohmann
Post by Dorothee Hermann
Post by Martin Gerdes
Post by Dorothee Hermann
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Post by René Marquardt
http://www.vonribbeck.de/birnen-essig-spezialitaeten/
Deren Likör ist "für Leckermäule"...
http://www.vonribbeck.de/williams-braende-und-likoere/
Schreib an die angegebene "Addresse"!
^^^^^^^^^^^
Post by Martin Gerdes
Post by Dorothee Hermann
(Sind doch alles nur Tippfehler)
Die "Leckermäule" könnten Tippfehler sein, die "hinein gewachsene"
Birne ist Hyperkorrektur (und die wiederum Wurstigkeit und
Unkenntnis).
O tempo'a o mo'res.
Könnte so sein, wie Du es erklärst - auch dass so manches überlesen
wird, wie die "Addresse" z.B..
Wenn man Ribbeck heißt, darf man auch eine Addresse haben. Aber dann
solte man auch Tellefong schreiben!
25% Vol Schmelzendes Aroma, für Leckermäule = für Leute, die sich nett
einen antüddeln wollen!
Google-Suche für Leckermäule bringt um die 500 Treffer aus dem Bereich
Gourmet/süss. Die Fehlschreibung scheint also Absicht und/oder
Fachsprache zu sein.

Reimt sich ja auf Gutshöfen und Weingütern auch gut auf Rehkeule und
Edelfäule.

Vermutlich ist das Absetzen vom Begriff Leckermäuler getriggert von der
leicht abfällig besetzten Hauptbedeutung von Lexckermäuler, der Schar
der süssen Kleinkinder und weiblichen Schokoladensüchtigen, die sich
immer nur an Nachtisch, süssen Tee und Windbeutel halten.
--
Roland Franzius
Florian Ritter
2017-06-20 13:31:00 UTC
Permalink
Raw Message
Post by René Marquardt
Post by Florian Ritter
Post by Jakob Achterndiek
Carl von Ribbeck auf Ribbeck,
geb 22. April 1799. Verehel. mit Louise Flörke.
Diese Louise Flörke war eine Tochter des Professors Heinrich Flörke
in Rostock, dessen Schwester Antonie mit dem Gymnasialprofessor
Heinrich Roever, einem Bruder des Großvaters meiner Mutter,
verheiratet war.
Die Ribbecks sind wieder in Ribbeck (an der B 5 zwischen Berlin
und Hamburg) ansässig und beschäftigen sich, merkwürdig, mit
der Herstellung von Essig.
Hier wollte ich zum Juxe ein Bild einfuegen, um zu demonstrieren,
dass man auch aus Birnen Essig herstellen kann; nun kam aber bei
meiner ausgiebigen Recherche im Internet (i.e. erstes Ergebnis
http://www.vonribbeck.de/birnen-essig-spezialitaeten/
Aus jeder Mischung von Wasser und Ethanol, dessen Gehalt aber nicht
über ca. 15 Vol.-% liegen darf, läßt sich durch Oxidation Essig
herstellen - FR
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