Discussion:
Neues Verb im Herbst
(zu alt für eine Antwort)
Heinz Lohmann
2017-10-01 02:01:30 UTC
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... oder ganz altes?
Auf jeden Fall war mir bis heute "schwälen" noch nicht untergekommen.

SPON hat mich mal wieder überrascht:

"Erste Herbsttage: Schwälende Tage"

Ist das eine Mischung aus Schwaden und schwelen?

Schön auch Bild 9 mit bayerischen Kindern:

"Reis-Zeit: Wenn der Herbst kommt, beginnt im indischen Kashmir die
Reisernte. Diese Bayern tragen beim Sonnenuntergang ihre Erträge nach
Hause."

Oder sind es Reisdiebe?

<http://www.spiegel.de/fotostrecke/herbst-fotostrecke-152950.html>
--
mfg
Heinz Lohmann
Tamsui, Taiwan

Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat. W.B.
Stefan Ram
2017-10-01 02:37:18 UTC
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Post by Heinz Lohmann
"Erste Herbsttage: Schwälende Tage"
Ist das eine Mischung aus Schwaden und schwelen?
"Schwälen" ist eine alte Schreibung von »schwelen«,
mit der Bedeutung "verglimmen, flammenlos brennen".

(Und ich stelle fest, daß Du wohl kein Gottfried-Benn-
Leser bist.)
Christina Kunze
2017-10-01 06:55:29 UTC
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Post by Stefan Ram
Post by Heinz Lohmann
"Erste Herbsttage: Schwälende Tage"
Ist das eine Mischung aus Schwaden und schwelen?
"Schwälen" ist eine alte Schreibung von »schwelen«,
mit der Bedeutung "verglimmen, flammenlos brennen".
(Und ich stelle fest, daß Du wohl kein Gottfried-Benn-
Leser bist.)
Ich hab mich aber auch gefragt, wie viele Spiegelleser wohl das Zitat
erkennen. Ich nehme an, eher wenige.

chr
Heinz Lohmann
2017-10-01 08:02:33 UTC
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Post by Christina Kunze
Post by Stefan Ram
Post by Heinz Lohmann
"Erste Herbsttage: Schwälende Tage"
Ist das eine Mischung aus Schwaden und schwelen?
"Schwälen" ist eine alte Schreibung von »schwelen«,
mit der Bedeutung "verglimmen, flammenlos brennen".
(Und ich stelle fest, daß Du wohl kein Gottfried-Benn-
Leser bist.)
Ich hab mich aber auch gefragt, wie viele Spiegelleser wohl das Zitat
erkennen. Ich nehme an, eher wenige.
Und ich frage mich, wie im Literaturunterricht erklärt wird, was der
Dichter damit meint.

Mein Deutschunterricht ist schon was her ... und meine
Gedichtinterpretationen waren eher mäßig.
--
mfg
Heinz Lohmann
Tamsui, Taiwan

Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat. W.B.
Jakob Achterndiek
2017-10-01 10:36:44 UTC
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Post by Heinz Lohmann
Post by Heinz Lohmann
"Erste Herbsttage: Schwälende Tage"
Ist das eine Mischung aus Schwaden und schwelen?
[..]
Und ich frage mich, wie im Literaturunterricht erklärt wird,
was der Dichter damit meint.
Wenn gar nichts anderes hilft, dann mit Marcel Reich-Ranicki (Hrsg.):
1400 Deutsche Gedichte und ihre Interpretationen. Von Gottfried Benn
bis Nelly Sachs. Insel Verlag, 2002
--
j/\a
Martin Gerdes
2017-10-01 19:35:13 UTC
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Post by Jakob Achterndiek
Post by Heinz Lohmann
Post by Heinz Lohmann
"Erste Herbsttage: Schwälende Tage"
Ist das eine Mischung aus Schwaden und schwelen?
Und ich frage mich, wie im Literaturunterricht erklärt wird,
was der Dichter damit meint.
1400 Deutsche Gedichte und ihre Interpretationen. Von Gottfried Benn
bis Nelly Sachs. Insel Verlag, 2002
So großartig Benn gewesen sein mag: Seine Wortausgrabung hat es nicht
zurück in den deutschen Wortschatz geschafft, sollte daher von einer
Redaktion wie der von "Der Spiegel" nicht unkommentiert verwendet
werden. Mit walle-walle-Wagner-Wörtern würde man das ja auch nicht tun.
Jakob Achterndiek
2017-10-01 22:01:10 UTC
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Post by Martin Gerdes
Post by Heinz Lohmann
"Erste Herbsttage: Schwälende Tage"
So großartig Benn gewesen sein mag: Seine Wortausgrabung hat es nicht
zurück in den deutschen Wortschatz geschafft, sollte daher von einer
Redaktion wie der von "Der Spiegel" nicht unkommentiert verwendet
werden. Mit walle-walle-Wagner-Wörtern würde man das ja auch nicht tun.
Die Überschrift zu der Bilderreihe ist vermutlich nur dem verständlich,
der Benns Astern kennt. In dem Fall erübrigt sich eine Nachfrage. Wer
die nicht kennt und also auf eine Erklärung angewiesen ist wie die, daß
das eine ältere Form von "schwelen" ist, der wird (ebenso vermutlich)
die Überschrift trotz der Erklärung nicht verstehen: Wieso, wo kokelt
denn da einer? Nicht mal ein Kartoffelfeuer ist zu sehen!
Aber Benn war ja nicht nur Dichter, sondern auch Arzt, Spezialist für
Haut und Liebe. Der wußte etwas von schwärenden Wunden. Da bedeutet das
Wort noch wieder etwas anderes. Immerhin: Duden weiß das.

Was lernt uns das?
Mit der höheren Büldung ist das wie mit der Ironie: Irgendwie elitär.
--
j/\a
Jakob Achterndiek
2017-10-01 22:07:26 UTC
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Am 02.10.2017 um 00:01 schrieb Jakob Achterndiek:

[ .. schwälen .. ]

Dies paßt nicht hierher, also bitte zurück in den Kasten!!!
Post by Jakob Achterndiek
Aber Benn war ja nicht nur Dichter, sondern auch Arzt, Spezialist für
Haut und Liebe. Der wußte etwas von schwärenden Wunden. Da bedeutet das
Wort noch wieder etwas anderes. Immerhin: Duden weiß das.
--
j/\a
Frank Hucklenbroich
2017-10-04 13:00:00 UTC
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Post by Christina Kunze
Post by Stefan Ram
Post by Heinz Lohmann
"Erste Herbsttage: Schwälende Tage"
Ist das eine Mischung aus Schwaden und schwelen?
"Schwälen" ist eine alte Schreibung von »schwelen«,
mit der Bedeutung "verglimmen, flammenlos brennen".
(Und ich stelle fest, daß Du wohl kein Gottfried-Benn-
Leser bist.)
Ich hab mich aber auch gefragt, wie viele Spiegelleser wohl das Zitat
erkennen. Ich nehme an, eher wenige.
Ich bin zwar kein Spiegelleser, aber ich kann mit "schwälen" ebenfalls
nichts anfangen. "Schwären" kenne ich, allerdings zur im Zusammenhang mit
"Wunde".

Grüße,

Frank
Gunhild Simon
2017-10-11 10:43:32 UTC
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Post by Frank Hucklenbroich
Post by Christina Kunze
Post by Stefan Ram
Post by Heinz Lohmann
"Erste Herbsttage: Schwälende Tage"
Ist das eine Mischung aus Schwaden und schwelen?
"Schwälen" ist eine alte Schreibung von »schwelen«,
mit der Bedeutung "verglimmen, flammenlos brennen".
(Und ich stelle fest, daß Du wohl kein Gottfried-Benn-
Leser bist.)
Ich hab mich aber auch gefragt, wie viele Spiegelleser wohl das Zitat
erkennen. Ich nehme an, eher wenige.
Ich bin zwar kein Spiegelleser, aber ich kann mit "schwälen" ebenfalls
nichts anfangen. "Schwären" kenne ich, allerdings zur im Zusammenhang mit
"Wunde".
Das kennst du aus der Bibel.

Im Gleichnis von Lazarus, der später im Schoß
Gottes sitzen durfte, ernährte sich dieser von
Abfällen, die vom Tische der Reichen fielen,
"und die Hunde leckten seine Schwären".
(Was sicher zur Auffahrt ins Himmelreich
-nach heutigen Hygiene-Erkenntnissen - beigetragen
haben dürfte.)

Gruß
Gunhild
Jakob Achterndiek
2017-10-11 12:46:11 UTC
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Raw Message
Post by Gunhild Simon
Post by Frank Hucklenbroich
Ich bin zwar kein Spiegelleser, aber ich kann mit "schwälen" ebenfalls
nichts anfangen. "Schwären" kenne ich, allerdings zur im Zusammenhang mit
"Wunde".
Das kennst du aus der Bibel.
Im Gleichnis von Lazarus, der später im Schoß
Gottes sitzen durfte, ernährte sich dieser von
Abfällen, die vom Tische der Reichen fielen,
"und die Hunde leckten seine Schwären".
(Was sicher zur Auffahrt ins Himmelreich
-nach heutigen Hygiene-Erkenntnissen - beigetragen
haben dürfte.)
Wenn mich Heiden nicht die Erinnerung trügt, dann gibt es in der Bibel
zwei Lazarüsse.
Inzwischen habe ich nachgesehen :) , also: Der eine sitzt (Lukas 16)
vor der Tür eines Reichen. Als sie aber beide sterben, fährt der Reiche
zur Hölle und sieht von dort aus den armen Lazarus im Himmel in Ur-Vater
Abrahams Schoß liegen.
Der andere ist ein Bruder der Maria, die Jesu Füße gesalbt hat, und
deren Schwester Martha. Dieser Lazarus stirbt zur Zeit, da Jesus in dem
Wohnort der Geschwister zu Besuch weilt, unter Umständen, die verzwickte
Erörterungen über Glaube und Zweifel anstoßen. Er wird begraben, aber
nach vier Tagen von Jesus zum Leben wiedererweckt (Joh. 11, 1-45).

Im bibelkundigen und lutherfrommen Elternhause meines Vaters lästerten
schon die jüngeren Söhne, wenn etwas besonders "ausgezeichnet" war, über
dessen "distinction" - und dachten dabei auch an den wiederzuerweckenden
Lazarus, von dem es in Luthers Übersetzung von Joh. 11,39 heißt: "HErr /
dis stinckt schon / denn er ist vier tage gelegen."

Gruß
j/\a

ps.:
Ich muß hoffentlich nicht erklären, daß wir Mecklenburger so Wörter wie
"Revolutschohn", "Absolutschohn" und eben "Distinktschohn" auf eine
ziemlich besondere Weise aussprechen.

Manfred Hoß
2017-10-01 07:02:39 UTC
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Post by Heinz Lohmann
... oder ganz altes?
Auf jeden Fall war mir bis heute "schwälen" noch nicht untergekommen.
"Erste Herbsttage: Schwälende Tage"
Ist das eine Mischung aus Schwaden und schwelen?
Es handelt sich um eine alte Nebenform zu "schwelen".

"Schwälen, S. Schwelen."
[Adelung: Grammatisch-kritisches Wörterbuch: Schwälen. Adelung: Wörterbuch,
S. 48358
(vgl. Adelung-GKW Bd. 3, S. 1706)]
(Quelle: Digitale Bibliothek, Band 40)

Hier ein Beispiel aus Band 125 der Digitalen Bibliothek, "Deutsche
Literatur von Luther bis Tucholsky":

"Wohl seit einem halben Jahrhundert schon hat die unaufhaltsam
vorwärts-aufwärtsdrängende Zeit die Funken einer neuen großen Erkenntnis
nach allen Himmelsgegenden hin gesprüht, und wo sie geeignetes Material
fanden, da schwälten und glimmten sie weiter, bis der günstige Wind der
letzten Jahrzehnte sie zu einer roten Flamme entfacht hat, die ihren Schein
über alle civilisierten Länder wirft."
[Dohm: Christa Ruland. Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky, S.
103405
(vgl. Dohm-Ruland, S. 161)]

Gruß
Manfred.
Martin Gerdes
2017-10-01 19:35:03 UTC
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Post by Heinz Lohmann
<http://www.spiegel.de/fotostrecke/herbst-fotostrecke-152950.html>
"Reis-Zeit: Wenn der Herbst kommt, beginnt im indischen Kashmir die
Reisernte. Diese Bayern tragen beim Sonnenuntergang ihre Erträge nach
Hause."
Oder sind es Reisdiebe?
Die Autokorrektur wird wohl zugeschlagen haben. "Bauern" wäre wohl
passend.
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