Discussion:
Genitiv - gebildet?
Add Reply
H.-P. Schulz
2017-06-09 19:01:15 UTC
Antworten
Permalink
Raw Message
Wie, zum Geier, ist eigentlich der arme, unschuldige Genitiv zu seiner
Funktion als Büldung-Chiffre gekommen??
Ich mein' - - das ist doch bloß ein Kasus unter vie.....ren, ne?
Für mich hat der Genitiv nämlich rein gar nichts "Elaboriertes" oder
so, oder, sagen wir, er hat davon genauso viel wie der Konjunktiv oder
das Futur oder das Pronomen 'wem'.
Wo her mag sie kommen, die Genitiv-Unlust?
Sepp Neuper
2017-06-09 20:14:29 UTC
Antworten
Permalink
Raw Message
Post by H.-P. Schulz
Wie, zum Geier, ist eigentlich der arme, unschuldige Genitiv zu seiner
Funktion als Büldung-Chiffre gekommen??
Durch dieses (oder diesem?) Buch hier:
https://www.amazon.de/Dativ-ist-dem-Genitiv-sein/dp/3462034480

Servus, Sepp
Andreas Karrer
2017-06-09 23:31:20 UTC
Antworten
Permalink
Raw Message
Post by Sepp Neuper
Post by H.-P. Schulz
Wie, zum Geier, ist eigentlich der arme, unschuldige Genitiv zu seiner
Funktion als Büldung-Chiffre gekommen??
https://www.amazon.de/Dativ-ist-dem-Genitiv-sein/dp/3462034480
Das war vorher schon so.

Das liegt daran, dass die Verben mit Genitivobjekt öfter solche der
gehobenen Art sind:

bedürfen, gedenken, sich befleissigen, bezichtigen, entraten,
entbehren, harren, zeihen, brüsten

Ebenso bei den Präpositionen, die den Genitiv verlangen:

diesseits, jenseits, vermöge, kraft, umbeschadet

- Andi
Tom Bola
2017-06-10 01:04:01 UTC
Antworten
Permalink
Raw Message
Post by Andreas Karrer
bedürfen, gedenken, sich befleissigen, bezichtigen, entraten,
entbehren, harren, zeihen, brüsten
Ja. Echt mal! Man soll noch antreten mit bedenken.
U***@web.de
2017-06-10 08:18:46 UTC
Antworten
Permalink
Raw Message
Moin,
Post by Andreas Karrer
Das war vorher schon so.
Das liegt daran, dass die Verben mit Genitivobjekt öfter solche der
bedürfen, gedenken, sich befleissigen, bezichtigen, entraten,
entbehren, harren, zeihen, brüsten
diesseits, jenseits, vermöge, kraft, umbeschadet
Und dem Besitz seine Anzeige läßt sich ja mehr oder
weniger trefflich umschreiben...

Gruß, ULF
H.-P. Schulz
2017-06-10 08:19:24 UTC
Antworten
Permalink
Raw Message
Post by Andreas Karrer
Post by Sepp Neuper
Post by H.-P. Schulz
Wie, zum Geier, ist eigentlich der arme, unschuldige Genitiv zu seiner
Funktion als Büldung-Chiffre gekommen??
https://www.amazon.de/Dativ-ist-dem-Genitiv-sein/dp/3462034480
Das war vorher schon so.
Das liegt daran, dass die Verben mit Genitivobjekt öfter solche der
bedürfen, gedenken, sich befleissigen, bezichtigen, entraten,
entbehren, harren, zeihen, brüsten
diesseits, jenseits, vermöge, kraft, umbeschadet
Aber was ist an diesen Wörtern denn "der gehobenen Art"?

Vielleicht ist es ja folgendermaßen:
Elaborierter, erweiterter Code hat _mehr Wörter_; und zwar mehr von
*allen* Wortarten, also auch aus den "geschlossenen Klassen" (das sind
die "grammatischen" Wortklassen, - wie Pronomen, Präpositionen,
Artikel, Konjunktionen ...). Der relativ größere Wortschatz (gegenüber
restrigiertem Code, Umgangsprache versch. Stufen usw.) in Nomen,
Verben, Adjektiven fällt sozusagen weniger auf, da die absolute Anzahl
der Wörter in diesen Klassen riesig ist im Vergleich zur doch
überschaubaren Wörterzahl in den geschlossenen Klassen.

Ein Sprecher mit kleinem Wortschatz denkt sich nichts oder kaum etwas,
wenn es um die Kleinheit seines Vorrats an Nomen, Verben, Adjektiven
geht. Anders aber bei den - vergleichsweise - paar wenigen
grammatischen Wörtern: Da mag schnell, zumal im Kontakt mit Sprechern
mit deutlich größerem Wortschatz, eine gewisse Irritation, eine kleine
Anwallung von Nichtvermögen oder Defizit aufkommen. Dies wird dann,
sozusagen mit Humor, bewältigt durch die - natürlich völlig irrige und
unbegründete - Erzählung, jenes - elaboriertere - Sprechen dort sei
gewisser Maßen reserviert, exklusiv, und man selbst gehöre nicht zum
Club, und (und das ist das wichtigste:) das sei auch gut so.
U***@web.de
2017-06-10 08:29:32 UTC
Antworten
Permalink
Raw Message
Moin,
Post by H.-P. Schulz
Ein Sprecher mit kleinem Wortschatz denkt sich nichts oder kaum etwas,
wenn es um die Kleinheit seines Vorrats an Nomen, Verben, Adjektiven
geht. Anders aber bei den - vergleichsweise - paar wenigen
grammatischen Wörtern: Da mag schnell, zumal im Kontakt mit Sprechern
mit deutlich größerem Wortschatz, eine gewisse Irritation, eine kleine
Anwallung von Nichtvermögen oder Defizit aufkommen. Dies wird dann,
sozusagen mit Humor, bewältigt durch die - natürlich völlig irrige und
unbegründete - Erzählung, jenes - elaboriertere - Sprechen dort sei
gewisser Maßen reserviert, exklusiv,
Ist das wirklich eine Fehlwahrnehmung? Oder wird auch ein
in versnobten Kreisen aufgewachsener Politiker dahingehend
beraten werden, in seinen Wahlreden auf dem Marktplatz

'vermöge dessen'

durch

'durch das/den'

zu substituieren?
Post by H.-P. Schulz
und man selbst gehöre nicht zum
Club, und (und das ist das wichtigste:) das sei auch gut so.
Gruß, ULF
Jakob Achterndiek
2017-06-10 09:12:16 UTC
Antworten
Permalink
Raw Message
Post by U***@web.de
Ist das wirklich eine Fehlwahrnehmung? Oder wird auch ein
in versnobten Kreisen aufgewachsener Politiker dahingehend
beraten werden, in seinen Wahlreden auf dem Marktplatz
'vermöge dessen'
durch
'durch das/den'
zu substituieren?
Vorsicht!
Es geht ja nicht nur um den Kasus, sondern auch um Bedeutung.
Schon in deinem Beispiel bedeuten doch "vermöge dessen" und
"durch das/den" _nicht_ dasselbe.
Hinwiederum:
Nicht jede Ersetzung muß gleich in eine Substitution ausarten.
Da sind die Leute vom Club eigen. ;)
--
j/\a
U***@web.de
2017-06-10 09:20:03 UTC
Antworten
Permalink
Raw Message
Moin,
Post by Jakob Achterndiek
Post by U***@web.de
Ist das wirklich eine Fehlwahrnehmung? Oder wird auch ein
in versnobten Kreisen aufgewachsener Politiker dahingehend
beraten werden, in seinen Wahlreden auf dem Marktplatz
'vermöge dessen'
durch
'durch das/den'
zu substituieren?
Vorsicht!
Es geht ja nicht nur um den Kasus, sondern auch um Bedeutung.
Schon in deinem Beispiel bedeuten doch "vermöge dessen" und
"durch das/den" _nicht_ dasselbe.
Ich dachte an Sprüche wie:

"Das Wirtschaftswachstum, vermöge dessen wir mehr Wohlstand..."

Gruß, ULF
Jakob Achterndiek
2017-06-10 09:42:38 UTC
Antworten
Permalink
Raw Message
Post by U***@web.de
Moin,
Post by Jakob Achterndiek
Post by U***@web.de
Ist das wirklich eine Fehlwahrnehmung? Oder wird auch ein
in versnobten Kreisen aufgewachsener Politiker dahingehend
beraten werden, in seinen Wahlreden auf dem Marktplatz
'vermöge dessen'
durch
'durch das/den'
zu substituieren?
Vorsicht!
Es geht ja nicht nur um den Kasus, sondern auch um Bedeutung.
Schon in deinem Beispiel bedeuten doch "vermöge dessen" und
"durch das/den" _nicht_ dasselbe.
"Das Wirtschaftswachstum, vermöge dessen wir mehr Wohlstand..."
Der Satz ist freilich so hirnrissig - der bedarf eines Genitivs.
Er erinnert an die Weisheit unseres alten Unkel Bräsig, der den
versammelten Reformverein von Rahnstädt darüber belehrt: ».. die
große Armut in der Stadt kommt von der großen Powerteh her!«
[Reuter, Ut mine Stromtid]
--
j/\a
Helmut Richter
2017-06-10 10:00:27 UTC
Antworten
Permalink
Raw Message
Post by U***@web.de
"Das Wirtschaftswachstum, vermöge dessen wir mehr Wohlstand..."
Das mag altertümlich oder geschwollen klingen, aber falsch ist es nicht.

Ich kenne die Präposition "vermöge" eigentlich nur aus dem
Mathematiker-Jargon. Weil Sätze wie "die Funktion, durch die x auf seine
Äquivalenzklasse nach der Relation R auf M, also auf ein Element von M
nach R, abgebildet wird" schon genug Allerweltspräpositionen "durch",
"auf" (2x), "nach" (2x) enthält, ersetzt man gerne das erste "durch"
durch "vermöge": dann weiß man, dass da ein Operator oder eine andere
Funktion am Schuften ist. Erst recht, wenn es weiter hinten im Satz
steht: "das y aus B, auf das x aus A vermöge f abgebildet wird".
--
Helmut Richter
Jakob Achterndiek
2017-06-10 10:18:30 UTC
Antworten
Permalink
Raw Message
Vielleicht ist es ja folgendermaßen: Elaborierter, erweiterter Code
hat _mehr Wörter_; und zwar mehr von *allen* Wortarten, also auch aus
den "geschlossenen Klassen" (das sind die "grammatischen"
Wortklassen, - wie Pronomen, Präpositionen, Artikel, Konjunktionen
...). Der relativ größere Wortschatz (gegenüber restrigiertem Code,
Umgangsprache versch. Stufen usw.) in Nomen, Verben, Adjektiven fällt
sozusagen weniger auf, da die absolute Anzahl der Wörter in diesen
Klassen riesig ist im Vergleich zur doch überschaubaren Wörterzahl in
den geschlossenen Klassen.
Diese fundamentale Erkenntnis, daß man zur Mitteilung komplexerer
Gedanken mehr Wörter und schwierigere Sätze braucht, solltest du dir
möglichst bald durch ein Copyright sichern.
Die Quintessenz mag sogar zutreffen:
"Gebüldet ist: mit mehr Genitiv. Dessen kann ich auch!"
[..] bewältigt durch die [..] Erzählung, jenes [..] sei ...
Daß das in den Sozialwissenschaften modische "Narrativ" jetzt schon in
deutscher Übersetzung kommun wird, ist doch auch ein schönes Beispiel
für die Lernfähigkeit unserer deutschen Sprache.
--
j/\a
H.-P. Schulz
2017-06-10 13:32:00 UTC
Antworten
Permalink
Raw Message
Jakob Achterndiek <***@buzemann.de> schrieb:

<Stuss>

Einfach weniger Quasselwasser trinken!
Heinz Lohmann
2017-06-11 04:03:51 UTC
Antworten
Permalink
Raw Message
Post by Jakob Achterndiek
[..] bewältigt durch die [..] Erzählung, jenes [..] sei ...
Daß das in den Sozialwissenschaften modische "Narrativ" jetzt schon in
deutscher Übersetzung kommun wird, ist doch auch ein schönes Beispiel
für die Lernfähigkeit unserer deutschen Sprache.
Und der Diskurs, mir dem ich mich lange Zeit so schwer getan habe, ist
es sang- und klanglos verschwunden, oder echot er noch irgendwie und wo?
--
mfg
Heinz Lohmann
Tamsui, Taiwan

Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat. W.B.
Roland Franzius
2017-06-11 05:40:44 UTC
Antworten
Permalink
Raw Message
Post by Heinz Lohmann
Post by Jakob Achterndiek
[..] bewältigt durch die [..] Erzählung, jenes [..] sei ...
Daß das in den Sozialwissenschaften modische "Narrativ" jetzt schon in
deutscher Übersetzung kommun wird, ist doch auch ein schönes Beispiel
für die Lernfähigkeit unserer deutschen Sprache.
Und der Diskurs, mir dem ich mich lange Zeit so schwer getan habe, ist
es sang- und klanglos verschwunden, oder echot er noch irgendwie und wo?
Mit den drei Abstimmungen im Angelsächsischen hat nunmehr der Diskurs
offenen Konkurs und Gläubigerschutz anmelden müssen.

Was sich zunächst wie ein Prinzip der neuen Weltherrschaft sich
anfühlte, die Englischnis des Internets, erweist sich nun eher als
offene Wunde der politischen Vernunft.
--
Roland Franzius
Sepp Neuper
2017-06-11 09:29:42 UTC
Antworten
Permalink
Raw Message
Post by Roland Franzius
die Englischnis des Internets, erweist sich nun eher als
offene Wunde der politischen Vernunft.
Geht es nur mir so, oder bräuchte hier noch jemand manchmal
einen speziellen Roland-Interpreter?
Ich hab' geschlagene fünf Minuten über diese Worte nachgedacht,
kann mir aber trotzdem keinen Reim darauf machen.
Langsam setzt sich bei mir die depremierende Erkenntnis durch, daß ich
wohl doch nicht so klug bin, wie ich bisher immer dachte.

Servus, Sepp
Detlef Meißner
2017-06-11 09:47:47 UTC
Antworten
Permalink
Raw Message
Post by Sepp Neuper
Post by Roland Franzius
die Englischnis des Internets, erweist sich nun eher als
offene Wunde der politischen Vernunft.
Geht es nur mir so, oder bräuchte hier noch jemand manchmal
einen speziellen Roland-Interpreter?
Ich hab' geschlagene fünf Minuten über diese Worte nachgedacht,
kann mir aber trotzdem keinen Reim darauf machen.
Zeitverschwendung!
Post by Sepp Neuper
Langsam setzt sich bei mir die depremierende Erkenntnis durch, daß ich
wohl doch nicht so klug bin, wie ich bisher immer dachte.
Gegen solche Depressionen gibt's geeignete Mittel.

Detlef
Jakob Achterndiek
2017-06-11 10:07:33 UTC
Antworten
Permalink
Raw Message
Post by Detlef Meißner
Post by Sepp Neuper
Langsam setzt sich bei mir die depremierende Erkenntnis durch,
daß ich wohl doch nicht so klug bin, wie ich bisher immer dachte.
Gegen solche Depressionen gibt's geeignete Mittel.
Dagegen hilft immer, diese Premium-Erkenntnis des Wilhelm Busch
ganz wörtlich zu nehmen: ^^^
Früher, da ich unerfahren
Und bescheidner war als heute,
Hatten meine höchste Achtung
Andre Leute.
Später traf ich auf der Weide
Außer mir noch mehre Kälber,
Und nun schätz ich, sozusagen,
Erst mich selber.
--
j/\a
Detlef Meißner
2017-06-11 11:07:50 UTC
Antworten
Permalink
Raw Message
Post by Jakob Achterndiek
Post by Detlef Meißner
Post by Sepp Neuper
Langsam setzt sich bei mir die depremierende Erkenntnis durch,
daß ich wohl doch nicht so klug bin, wie ich bisher immer dachte.
Gegen solche Depressionen gibt's geeignete Mittel.
Dagegen hilft immer, diese Premium-Erkenntnis des Wilhelm Busch
ganz wörtlich zu nehmen: ^^^
Früher, da ich unerfahren
Und bescheidner war als heute,
Hatten meine höchste Achtung
Andre Leute.
Später traf ich auf der Weide
Außer mir noch mehre Kälber,
Und nun schätz ich, sozusagen,
Erst mich selber.
Mein Leitspruch seit gut 50 Jahren.

Detlef
Jakob Achterndiek
2017-06-11 09:52:15 UTC
Antworten
Permalink
Raw Message
Post by Sepp Neuper
Post by Roland Franzius
die Englischnis des Internets, erweist sich nun eher als
offene Wunde der politischen Vernunft.
Geht es nur mir so, oder bräuchte hier noch jemand manchmal
einen speziellen Roland-Interpreter?
Ich hab' geschlagene fünf Minuten über diese Worte nachgedacht,
kann mir aber trotzdem keinen Reim darauf machen.
Langsam setzt sich bei mir die depremierende Erkenntnis durch, daß ich
wohl doch nicht so klug bin, wie ich bisher immer dachte.
Dein Pech war: Du hast gleich zu hämmern angefangen, statt, wie
man das bei jeder Arbeit tun soll, erst mal Werkzeug und Material
ordentlich zurecht zu legen.
Versuch's mal damit:
| Die Englischnis des Internets fühlte sich zunächst wie ein Prinzip
| der neuen Weltherrschaft an. Sie erweist sich nun eher als offene
| Wunde der politischen Vernunft.
--
j/\a
Sepp Neuper
2017-06-11 15:06:32 UTC
Antworten
Permalink
Raw Message
Post by Jakob Achterndiek
Dein Pech war: Du hast gleich zu hämmern angefangen, statt, wie
man das bei jeder Arbeit tun soll, erst mal Werkzeug und Material
ordentlich zurecht zu legen.
| Die Englischnis des Internets fühlte sich zunächst wie ein Prinzip
| der neuen Weltherrschaft an. Sie erweist sich nun eher als offene
| Wunde der politischen Vernunft.
Jedoch wird es jetzt inhaltlich auch nicht besser.
Was hat die Englischnis mit politischer Vernunft zu tun?
Die Türken haben gerade per Wahl ihre Demokratie abge-
schafft. Ganz ohne Englischnis.
Bei den Franzosen ist Frau Le Pen in die Stichwahl gekommen.
Auch ganz ohne Englischnis.
Und unser Deutschland, das in der Vergangenheit bekanntlich
auch nicht gerade ein Hort der politischen Vernunft war, ist
nun eine Insel der Seligen im Meer der Unvernunft.

Englisch als Prinzip der Weltherrschaft - jo mei - irgendeine Sprache
war immer mal Weltsprache. Jetzt ist es halt Englisch. Die Briten
haben trotzdem ihr Empire verloren und die Amis mußten Trump wählen,
um Amerika wieder great zu machen.

Und schuld an allem ist das englischsprachige Internet?
Dann ist es ja bloß gut, daß wir hier in gepflegtem Deutsch schreiben.

Servus, Sepp
H.-P. Schulz
2017-06-11 11:40:48 UTC
Antworten
Permalink
Raw Message
Post by Heinz Lohmann
Und der Diskurs, mir dem ich mich lange Zeit so schwer getan habe, ist
es sang- und klanglos verschwunden, oder echot er noch irgendwie und wo?
Die 'Diskurs'-Mode war doch vergleichsweise kurzlebig.
Gleichwohl, und jenseits der Mode, bedeutet 'Diskurs' etwas.
Das kann man nachlesen.

Ich habe, durch die Mode-"Verwaltung" angeregt, zum Begriff ein
sozial-psychologisches Konzept gebastelt:

Kurz gesagt, ist es eine Technik (um nicht zu sagen Taktik) des
Neoliberalismus, etwaigen antibarbarischen, also zivilisierten Konsens
frühest möglich zu kontern - mit dem Ziel, ihn im Keim zu ersticken.
Diskurs in diesem Verstand wird stets im Gestus des Mutigen ("vor
Kühnheit zitternden" (M.Walser)) gestiftet, als Bruch von Tabus (und
jeder weiß ja, nicht nur, was ein Tabu sei, sondern - und wichtiger! -
auch, dass Tabus zum Gebrochenwerden da sind!), als Erschütterung
konservativer Bastionen, und natürlich: als Moderne(*): Es wird
diskutierbar (und dann auch dikutabel), also kontrovers gemacht, was
Zivilisierten ... sagen wir: noch nichtmal konsensuell ist, sondern so
unberedbar wie die Luft zum Atmen, oder dass Wasser nass sei. Mit
dieser Technik lässt sich - virtuell - alles, restlos *alles*!, zur
"Dikussion" stellen, und die (Geistes)Geschichte lehrt, dass, was zur
Diskussion steht, über kurz (und nicht erst über lang) auch zur
Disposition stehen wird.
Und *das* ist die neoliberale Mission, denn der Neoliberalismus ist -
und zwar durchaus begründet! - überzeugt, dass die Disposition
(restlos allen) allzumal, und ganz selbstverständlich, die
_geschäftliche_ sei.

*) Das Schmarotzen des Neoliberalismus am Modernekonzept (wenngleich
eher dem fuilletonistischen als dem philosophischen) ist ein anderes
Fass, das jetzhier nicht auch noch aufgemacht werden kann.
René Marquardt
2017-06-09 20:24:26 UTC
Antworten
Permalink
Raw Message
Post by H.-P. Schulz
Wie, zum Geier, ist eigentlich der arme, unschuldige Genitiv zu seiner
Funktion als Büldung-Chiffre gekommen??
Ich mein' - - das ist doch bloß ein Kasus unter vie.....ren, ne?
Für mich hat der Genitiv nämlich rein gar nichts "Elaboriertes" oder
so, oder, sagen wir, er hat davon genauso viel wie der Konjunktiv oder
das Futur oder das Pronomen 'wem'.
Wo her mag sie kommen, die Genitiv-Unlust?
Die Frage sollte doch wohl lauten: wie wurde dem Genitiv gebildet?
Gunhild Simon
2017-06-10 10:36:33 UTC
Antworten
Permalink
Raw Message
Wie... ist eigentlich der ... Genitiv zu seiner
Funktion als Büldung-Chiffre gekommen??
Ich erinnere mich, bei den Belles Lettres gelesen
zu haben, daß der Genitiv früher eine Art Universalkasus war. Also einer, der sich als
Genitivus obiectivus zu beliebigen Verben,
gesellen, sowie als Bestandteil von Adverbialen auftreten konnte.

Da die Präposition trotz, man denke an trotzdem,
offenbar nicht in dieses alte Schema passen wollte, hat man sie einfach "umgewidmet". Durch diese
gewaltsame Einwirkung wirkt sie
jetzt gebildet.

Dieser Genitiv kommt, genau besehen, alltagssprachlich
in allerlei - erstarrten - Wörtern und Wendungen
vor: deshalb, deswegen, unterdessen, des Weges
kommen, guter Laune sein, seiner Sache sicher sein ...

Auch als Genitivus partitivus - wie man das sonst
aus dem Französischen kennt - war er früher viel üblicher. Bei manchen Adjektiven -
"Begierig, kundig,eingedenk,
teilhaftig, mächtig, voll"
sie findest du mit Genitiv,
was jeder wissen soll."-
z. B. voll des süßen Weines -
läßt sich, wie ich finde,
die Grenze zwischen Objektkasus und
Teilungsgenitiv kaum noch ausmachen.

Gruß
Gunhild
H.-P. Schulz
2017-06-10 14:38:16 UTC
Antworten
Permalink
Raw Message
Post by Gunhild Simon
Wie... ist eigentlich der ... Genitiv zu seiner
Funktion als Büldung-Chiffre gekommen??
Ich erinnere mich, bei den Belles Lettres gelesen
zu haben, daß der Genitiv früher eine Art Universalkasus war. Also einer, der sich als
Genitivus obiectivus zu beliebigen Verben,
gesellen, sowie als Bestandteil von Adverbialen auftreten konnte.
Genau. So kenne ich das auch: Der Ruhe pflegen,
Post by Gunhild Simon
Da die Präposition trotz, man denke an trotzdem,
offenbar nicht in dieses alte Schema passen wollte, hat man sie einfach "umgewidmet".
'trotz' ist so ein Grenzfall. Das Verb 'trotzen' steht ja fest mit
Dativ. Da liegt es erstmal nah, die Präposition 'trotz' dem Dativ zu
"widmen". Das ist aber nur die halbe Geschichte. Die andere Hälfte
ist, dass 'trotz', wie auch sowas wie 'eingedenk', 'vermittels',
'kraft' u.a. keine "echten" Präpositionen sind, sondern aus "echten"
Wörtern gebildete - ich nenne sie "Präpostionale".
Und ich glaube eine informelle Regel zu beobachten, nach der diese
Präpositionale alle mit Genitiv stehen.
Post by Gunhild Simon
Durch diese gewaltsame Einwirkung wirkt sie jetzt gebildet.
Wieso etwas infolge gewaltsamer Einwirkung gebildet wirken soll,
kriege ich im Augenblich auch nicht so ganz zusammen ... :)
Post by Gunhild Simon
Dieser Genitiv kommt, genau besehen, alltagssprachlich
in allerlei - erstarrten - Wörtern und Wendungen
vor: deshalb, deswegen, unterdessen, des Weges
kommen, guter Laune sein, seiner Sache sicher sein ...
Auch als Genitivus partitivus - wie man das sonst
aus dem Französischen kennt - war er früher viel üblicher. Bei manchen Adjektiven -
"Begierig, kundig,eingedenk,
teilhaftig, mächtig, voll"
sie findest du mit Genitiv,
was jeder wissen soll."-
z. B. voll des süßen Weines -
läßt sich, wie ich finde,
die Grenze zwischen Objektkasus und
Teilungsgenitiv kaum noch ausmachen.
'voll' ist musEn auch so ein Präpositional. Also egal Genitiv.
U***@web.de
2017-06-10 18:35:57 UTC
Antworten
Permalink
Raw Message
Moin,
Post by Gunhild Simon
Auch als Genitivus partitivus - wie man das sonst
aus dem Französischen kennt - war er früher viel üblicher. Bei manchen Adjektiven -
"Begierig, kundig,eingedenk,
teilhaftig, mächtig, voll"
Kann man 'eingedenk' derart ernstlich als Adjektiv bezeichnen,
daß insoweit die Deklination einmal üblich war?

Gruß, ULF
Jakob Achterndiek
2017-06-10 22:12:06 UTC
Antworten
Permalink
Raw Message
Post by U***@web.de
Post by Gunhild Simon
Auch als Genitivus partitivus - wie man das sonst
aus dem Französischen kennt - war er früher viel üblicher. Bei manchen Adjektiven -
"Begierig, kundig,eingedenk,
teilhaftig, mächtig, voll"
Kann man 'eingedenk' derart ernstlich als Adjektiv bezeichnen,
daß insoweit die Deklination einmal üblich war?
Adelung (um 1800) sieht es noch als Adverb an:
| Eingedênk, adv. welches den Genitiv der Sache erfordert,
| im Andenken, im Gedächtnisse behaltend; am häufigsten
| mit dem Verbe seyn.
und macht dazu diese Anmerkung:
| Eingedenk fängt an im Hochdeutschen zu veralten. Die
| Sprachlehrer nennen es gemeiniglich ein unabänderliches
| Adjectiv, welches nur in der ersten und vierten Endung
| gebraucht wird. Warum nicht lieber geradezu ein Adverbium,
| da es doch nicht mit Substantiven, wohl aber mit Verbis
| verbunden wird?
--
j/\a
Martin Gerdes
2017-06-11 19:02:03 UTC
Antworten
Permalink
Raw Message
Post by U***@web.de
Post by Gunhild Simon
"Begierig, kundig,eingedenk,
teilhaftig, mächtig, voll"
... ist ein Merkspruch aus dem Lateinunterricht.
Hatte ich den neulich nicht mal gepostet?

Ach so, Googler.
Post by U***@web.de
Kann man 'eingedenk' derart ernstlich als Adjektiv bezeichnen,
daß insoweit die Deklination einmal üblich war?
Siehe oben.

Loading...